Es ist nicht leicht eine Beziehung zu leben.

Um das wirklich, aufrichtig und ehrlich tun zu können, gibt es, meiner Ansicht nach, sehr viele Voraussetzungen:

Neben der Liebe, die für gewöhnlich an erster Stelle steht, gehört noch so vieles Andere dazu!

Die Sexualität! Nicht unbedingt ausschlaggebend oder entscheidend, aber dennoch nicht zu unterschätzen.

Der Respekt voreinander!

Treue! Wie auch immer jedes Paar dies für sich definieren mag.

Loyalität!

Anstand!

Nachsichtigkeit!

Verständnis!

Geduld!

Aufrichtigkeit!

Ehrlichkeit!

Etc.

Auf den ersten Blick ist sicher alles nachvollziehbar und einleuchtend, aber so leicht wie dies alles klingen mag, ist es doch gar nicht. Ich persönlich finde dies sehr schwer. Es strengt mich an. Ich bin sicher kein Unmensch, ich bin einfach nur ehrlich. Einen Menschen wirklich kennenzulernen und ihn dann irgendwann wirklich zu kennen ist, finde ich, nicht so leicht wie es klingt. Einen Menschen mit allen seinen Schwächen, Fehlern und seiner kompletten Vergangenheit zu akzeptieren, dies alles ruhen zulassen, dies alles hinzunehmen und sich damit abzufinden, dies alles zu tolerieren. Einen Menschen wirklich verstehen heisst doch auch zu hinterfragen warum, wieso, weshalb er so ist, wie er ist. Woher es kommt, dass er die Dinge so sieht, wie er sie sieht. Was passiert ist, dass er diese oder jene Einstellung hat. Aus welchem Grund er dies so tut, wie er es tut. Dies erfordert Interesse, Neugierde, aber auch Mut und Kraft. Will man das alles wirklich wissen? Ich denke die Antwort ist ein Ja und ein Nein! Natürlich wollen wir unseren Partner verstehen und die Hintergründe kennen, aber die ausgesprochene und formulierte Wahrheit klingt doch immer anders. Manchmal erfordert es sehr viel Kraft dies anzunehmen. Ich denke auch nicht, dass man bis ins kleinste Detail alles in Erfahrung bringen muss und alles bis ins Letzte hinterfragen sollte, aber das Grobe und das Grobkörnige sollte doch auch thematisiert werden. Das mag schon schwer genug sein und doch ist dies nicht alles. Andersherum ist es nicht anders. Man selbst muss den Mut aufbringen ehrlich und aufrichtig zu sein. Man muss die Bereitschaft haben sich zu öffnen und sich vielleicht mehr zu entblößen, als man möchte. Aber wer tut so etwas schon gerne? Die Angst vor Zurückweisung ist doch schon ziemlich groß. Letztendlich treffen am Anfang einer Beziehung zwei Menschen aufeinander, die sich gar nicht kennen und die Erwartungshaltung ist doch schon sehr groß: Als Paar ist man eine Einheit. Wie erwähnt, dies ist komplex genug, aber am Anfang einer Beziehung, seien wir doch mal ehrlich, ist das kaum möglich. Ich möchte nicht falsch verstanden werden! Natürlich lernt man sich zunächst etwas besser kennen, bevor man eine offizielle Beziehung eingeht, aber dennoch ist dieser Mensch einem selbst doch, strengt genommen, wenn man sich nicht schon seit einer Ewigkeit durch eine Freundschaft kennt, meist vollkommen fremd. Die besten Beziehungen entstehen aus Freundschaften heraus, schon klar:-), aber seien wir ehrlich, Hand aufs Herz, wie oft passiert das wirklich? Wenn ich mich irre ist das in Ordnung, aber ich bin noch niemals in einer Beziehung gelandet mit einem Menschen, den ich schon seit Jahren kannte. Tausend Mal berührt, tausendmal ist nichts passiert. Tausend und eine Nacht und es hat Zoom gemacht… Das hatte ich nie. Ich habe Jungs getroffen, Jungs gedatet. Habe Männer getroffen, Männer gedatet. Zwei, drei, vier, fünf Monate lang. Habe viel erzählt, habe viel gehört. Hatte Gespräche, die mit Ich mag dich! anfingen und mit Wir versuchen es! Aufhörten! Aber ein paar Monate, ein paar Geschichten, ein paar gemeinsame Erlebnisse liefern nicht genügend Informationen. Die Aufgabe des Hinterfragens bleibt. Die Angst, der Wille, die Bemühungen, die noch folgen sollten, folgen müssen, sind da! Ich kann nach ein paar Monaten nicht erwarten, dass dies und das verstanden wird, dass ich dies und das verstehe. Ich kann nicht erwarten, das nach ein paar Monaten dies und das begriffen wird oder ich dies und das begreife. Es braucht Zeit und eben Aufwand. In der heutigen Zeit, in der Zeit von Michael Nasts Generation Beziehungsunfähig, kriegen wir das überhaupt noch hin? Eine Beziehung so wirklich zu leben? Als naive Romantikerin wünsche ich es mir sehr und merke doch an mir selbst, dass es gar nicht so einfach ist, wie ich es mir vorstelle und wünsche: Diesen Gedanken aber, will ich nicht aufgeben! Ich will nicht loslassen! Ich will daran glauben, dass ich einem Menschen ehrlich erzählen kann, dass ich mein halbes Leben lang enormste Essstörungen hatte. Ich will einem Menschen erzählen, dass ich tagelang das Haus nicht verlassen habe aufgrund von Depressionen und Panikattacken. Ich will einem Menschen erzählen, dass meine Vergangenheit fast tödlich war, aber meine Gegenwart umso schöner ist. Ich will und ich hoffe, dass ich es kann. Und ganz still und ganz laut wünsche ich mir ein OK deswegen, selbst wenn es nur gehaucht ist:-) Und ich will auch ein OK hauchen, ein OK geben, selbst wenn ich vielleicht auch schnell doppelt schlucken muss:-) Ich will die Liebe, die Sexualität, den Respekt, die Treue, die Loyalität, den Anstand, die Nachsichtigkeit, das Verständnis, die Geduld, die Aufrichtigkeit, die Ehrlichkeit und auch das Etc. geben und ich will es erhalten und zurückbekommen. Ich will zumindest mein bestes versuchen, damit es klappt und wenn nicht, dann kann ich es zwar auch nicht ändern, aber wie Heinz Eggert schon meinte: Scheitern ist nicht so schlimm, schlimm ist, nichts versucht zu haben.

16 Gedanken zu “Beziehungen…subjektive Ansicht!

  1. Hi Mia,

    dieser Einblick in Deine gefühlvolle Gedankenwelt mit diesen explosiven Nuancen ist nicht nur inspirierend, sondern auch berauschend. Es ist wie ein angenehmer Widerhall intimer Wünsche.

    Kann es sein, das dies ein einziger Gedankenschwall war, den Du niedergeschrieben hast? Denn so liest es sich und das ist toll – vielen Dank für die Zeilen.

    Liebe Grüße

    PS: Ich danke fürs Folgen. Hoffentlich gefallen Dir meine Geschichten. 😉

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    1. Ich danke dir für deine Worte. Tatsächlich war es eine Gedanken- bzw. Gefühlsniederschrift:-) Manchmal schreibe ich mit dem Kopf, aber es gibt auch Momente in welchen ich einfach nur mein Herz zu Wort kommen lassen möchte:-)
      Ganz lieb und herzlich
      Mia

      Gefällt 1 Person

  2. „Auf den ersten Blick ist sicher alles nachvollziehbar und einleuchtend, aber so leicht wie dies alles klingen mag, ist es doch gar nicht. Ich persönlich finde dies sehr schwer. Es strengt mich an. Ich bin sicher kein Unmensch, ich bin einfach nur ehrlich. Einen Menschen wirklich kennenzulernen und ihn dann irgendwann wirklich zu kennen ist, finde ich, nicht so leicht wie es klingt[…]“

    Verständnis trotz Nicht-Verstehen ist auch eine schöne Sache 😛 Wie in dem Text von Max Frisch gesagt („Du sollst Dir kein Bildnis machen“): die Liebe feiert das Geheimnis und bewahrt es in der Geborgenheit der gegenseitigen Berührung. Wir können einer anderen Seele unendlich nahe kommen und doch bleibt das Du ein Geheimnis. Genau das macht die Magie aus, es ist wie ein Abenteuer in unbekanntes Land, seltsam nahe und doch fremd, stets das Andere und Geheime.

    Die Liebe ist ein Mysterienspiel 🙂 unbegreiflich schön….

    Gruß,
    Mark

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  3. Ja:-) Manchmal verstehe ich mich selbst nicht, aber muss der Mensch das, wenn es um Liebe geht?
    Ich danke dir für deine Worte! Sie sind stets so ehrlich und hilfreich. Ich mag das Feedback und das Sich-etwas-Sagen-lassen! ich bin noch so klein und so dankbar für alles, was mich zu MIR werden lässt!
    Herzlichst
    Mia

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    1. Liebende Miasraum

      Liebe ist kein Gefühl
      Lieben ist bewusst sein
      Und dann beginnt reines Fühlen
      In Unbewusstheit emotionalisieren wir uns selbst
      Und einander
      Folge Gefühlschaos Projektion Selbstzweifel „Schuld“zuweisungen
      Groll Rachegelüste Abstrafungen Liebesentzug…
      Für mich ist die einzige alles beinhaltende Lebensaufgabe in dieser Welt
      Das Mysterium LIEBEN zu enthüllen
      Auf allen vier Ebenen
      Die Alten Griechen wussten dies noch
      Als Sexus Eros Philio und Agape zu erkennen und je nach Charakter zu verbinden
      Zu einen in sich einig wird ganz natürlich Partnerschaft zu allem Leben hin
      Immer und überall

      Ach danke Dir
      Joaquim von Herzen

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  4. Meine Güte, warum so kompliziert, man trift einen Menschen und der erste Augenblick signalisiert Oh das sieht nach ich will mehr von Dir wissen , heißt, die Chemie stimmt schonmal. Es ist natürlich das non plus Ultra , ist das signal auch vom gegenüber spürbar , perfekt! Jetzt kann es weiter gehen und ist das Gefühl sssssssssssssssssstark genug , kann man sich alles aber auch alles sagen! Liebe Grüße Sternchen..

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  5. Das find ich gut:-) Vielleicht sollten wir uns mal treffen und du kannst mir diesbezüglich ein paar Nachhilfestunden geben;-) Ich gehöre leider zu den Menschen, die Dinge gerne verkomplizieren. Ich wünschte manchmal auch es wäre anders. Voran das liegt, weiss ich auch gar nicht genau, aber vielleicht liegt es in diesem Bereich nur einfach daran, dass ich den Menschen, der passt auch einfach nur noch nicht gefunden habe. Wenn es passt, dann ist es ja auch gar nicht mehr kompliziert und wenn es nicht passt, dann stört irgendwann einfach alles;-) und man macht es dann vielleicht auch einfach nur kompliziert;-)

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  6. Das ist ein sehr interessanter und ehrlicher Beitrag von dir. Ich kann dir nur zustimmen in dem, was du sagst.Fast hält es mich davon ab, weiter nach einem Partner zu suchen, da jede Menge bei mir zu hinterfragen bzw. zu akzeptieren ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

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