Da laufe ich nun durch die heimatlichen Gassen, durch die heimatlichen Straßen.

Ob das wirklich meine Heimat ist, weiss ich nicht. Zuhause ist da, wo das Herz ist, so sagt man doch. Mein Herz ist zwar nicht hier, aber alles, was hier ist, was da ist, ist vertraut, bekannt und angemessen. Laut meinem Herzen ist meine Heimat nicht hier. laut meinem Kopf ist Heimat gerade das, was da und hier und um mich herum ist. Manchmal ist es eben nicht so, wie wir es uns wünschen.

Bei manchem fühle ich mich wie zu Hause,

bei Dir, da wünschte ich, ich wäre es!

Peter E. Schumacher

Bin ich aber nicht. Ich bin hier, alleine!

Ich gehe die Straßen entlang, die Gassen entlang. Atme ein, atme aus; während die Bäume im Herbst ihr Laub verlieren.

Ich sehe sie dort sitzen, die armen Poeten. Auf Bänken, auf Bürgersteigen, auf Treppen, die ins Nichts führen. Aus dem Nichts, da komme ich her. Da gehe ich irgendwann auch wieder hin. Mit ganz viel Glück. Einfach ins Nichts, ins Nirgendwo!

Sie kritzeln mit stumpfen Bleistiften Worte auf vergilbte Blätter, diese armen Poeten auf den Bänken, auf den Bürgersteigen, auf den Treppen, die ins Nichts führen.

Worte über mich?

Ob sie wohl meine Gedanken lesen können?

Ob sie wohl meinen Schmerz spüren können?

Vielleicht träumen sie auch nur mit Hilfe von Amphetaminen und Wein von all ihren großartigen Ideen, die niemals kommen werden. Weder bei ihnen noch bei mir!

Die Verliebten turteln in billigen Cafés. Sie teilen sich eisige Milkshakes.

Was deines ist, das ist auch meines—das ist ihr Kredo!

Ich will sie mit Steinen bewerfen vor Neid.

Dazu bin ich zu gut erzogen worden!

Wenn mein Kopf und die darin enthaltenen Vernunftsfetzen manchmal nicht wären, wer weiss?

Ich höre Charlie Parker in meinen Ohren, doch die Welt steht nicht still!

Sie dreht sich weiter!

Es ist ihr egal, was ich will!

Ich sehe die kleinen Gestalten in den Hinterhöfen und Gassen. Sie spielen Krieg! Ich vermute nur, weil man ihnen vom Frieden-Spielen nichts erzählt hat.

Meine Großeltern schon, aber Generationen ändern ihre Sicht auf die Welt.

So hat man es mir mitgegeben. Ein Jammer. So trage ich es bei mir und lasse den Rest geschehen! Was soll  ich auch tun?

Die lieben grauhaarigen Greise füttern weiter ihre Enten mit harten Brotkrumen, obwohl sie IHNEN gar nicht gehören, aber sie gehören auch niemandem sonst, also: Dem Ersten, der den Gedanken hatte, lasse den Vortritt!

Vielleicht erinnern sich die Grauhaare an ihre Jugend, während ich in meinen, viel zu hohen Absatzschuhen, an ihnen vorbeischwebe. Zumindest gebe ich mir die Mühe zu schweben, zu fliegen, zu gleiten, etwas besonderes zu sein!

Waren sie glücklicher in meinem Alter, als ich es jetzt bin?

Waren sie zufriedener mit ihrem Leben in meinem Alter, als ich es jetzt bin?

Zu feige bin ich zu fragen. Aber die Frage brennt mir auf der Zunge. Vielleicht ist es das, was mich zum Schweigen zwingt, das feurige Brennen auf der Zungenspitze!?

Und da, da haben wir/ich auch sie:

Die tüchtigen Geschäftsleute. Wichtig! Wichtiger als ich. Die Geschäftsleute, die sich mit Kaffee in Pappbechern auf dem Bahnhofsplatz tummeln. In Züge steigen, aus Zügen aussteigen, aus Zügen in Züge umsteigen. Trostlos, jeden Tag die selben Wege befahren. Ein richtiger, ein falscher Weg ist nicht entscheidend. Hauptsache ein Weg, den man, du, ich, er, sie, wir, ihr, sie gehen können.

Die Mütter, die liebevoll Kinderwagen vor sich herschieben, kreuzen auch meinen Weg. Ich sehe ihr Strahlen, ihre Freude, ihre Last. 24 Stunden selbstlose Aufopferung für ein Wesen, das mal so werden könnte, wie ich. Und sie werden es lieben, wie nichts mehr auf der Welt. Ich senke mein Haupt, blicke zu Boden. Das zollt Respekt. Sie rennen hin und her. Vom Bäcker zum Fleischer. Von Geschäft A, zu Geschäft B. Sie kaufen Güter, die drei Tage später in den Mülleimer wandern, weil sie niemand essen wollte. Aber sie tun ihre Pflicht. Sie tun, was sie müssen, was sie können. Sie geben ihr bestes. Mehr kann nicht gegeben werden, nirgends und von niemandem.

Ich denke an meine Mutter.

Tränen schießen mir in die Augen.

Ich schlucke zweimal, atme dreimal durch!

So ist das Leben!

So war mein Tag!

12 Gedanken zu “Ein Tag im Leben…von mia

  1. Wer weiß… Vielleicht sitzt bei dir in der Umgebung, und denkt sich seinen Teil über dich!?

    Beneidet dich… Weil er sich für dich eine Welt in seinem Kopf ausmalt, die du so gar nicht kennst…?
    Ich persönlich beobachte sehr gerne die Menschen… Ich überlege mir, wie ihr Leben wohl aussieht… Wohin sie gerade gehen…? Woher sie kommen…

    Insgeheim wünschte ich mir schon immer die Gedanken von anderen lesen zu können.
    Aber ich glaube, dass das eher ein Fluch als eine Bereicherung wäre.

    Gefällt 1 Person

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