In der Abgeschiedenheit deiner kalten Kellerwohnung sitzen wir beieinander und zusammen.

Eine kleine Lampe in der Ecke versucht verzweifelt Licht zu spenden und die Dunkelheit des Abends zu verscheuchen.

Hinter den geschlossenen Fenstern weint der Himmel seine Trauer über und auf die Welt aus.

Ich höre die Donnerschläge, die uns mit bestialischem Lärm vom Schlaf abhalten.

So klingt wohl die Wut Gottes auf den Menschen, der sein Werk zerstört.

Zwischen Marihuana- und Zigarettenrauch sitzen wir auf deiner schwarzen Samtcouch.

Zwei Freunde oder mehr.

Diskutieren, debattieren über Gott und den Teufel und alles, was dazwischen liegt.

Zwischen den mächtigen Donnerschlägen, ergreift unser Ohr den Jazz, der aus dem Radio tönt. Hard Bop aus den Fünfziger Jahren.

Mit müden, roten Augen blicken wir umher. Uns an, immer wieder mal. Mal nur kurz, mal etwas länger.

Beide versunken in den eigenen Gedanken. Jeder in seiner Welt.

Jeder träumt von einer besseren Gegenwart, einer anderen Vergangenheit, einer Zukunft, die noch nicht geschrieben ist.

Ein Abend im Jahr,

so sitzen wir da.

Im Hier und im Jetzt.

Morgen wird alles dies schon Erinnerung sein.

Ein Abend mehr zählt dann zu unserer Vergangenheit,

die unveränderlich bleibt.

 

2 Gedanken zu “Momentaufnahme 2

  1. Ich weiss nicht, ob Gott da draussen donnert. Der, den ich zu kennen hoffe, sitzt eher bei Euch auf der schwarzen Samtcouch, hörend, fragend, suchend, hoffend, (mit)leidend. Für den Lärm sind andere besorgt.
    Ein schöner, stimmungsvoll melancholischer Text.

    Gefällt 1 Person

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