Noch einmal möchte ich auf meinen Kurztrip nach Prag eingehen. Zwei Dinge haben mich ziemlich überwältigt.

1883 wurde Franz Kafka in dieser Stadt geboren und lebte dort. Franz Kafka ist in der Literaturgeschichte ein bekannter Name. Ich habe einige seiner Werke gelesen und bin nach wie vor ganz begeistert von seiner Erzählung Ein Hungerkünstler und von seinem Buch Die Verwandlung.

Umso mehr hat es mich bei der Stadtführung beeindruckt, dass wir an seinem damaligem Haus vorbeigegangen sind und ich davon viele schöne Fotos machen konnte. Seine Heimstätte ist nur ein ganz kleines Häuschen, dass in einer Nebengasse, dicht an der Burg, liegt. Das kleine Häuschen, dass ein wenig an ein Lebkuchenhäuschen erinnert, wurde im Laufe der Jahre zu einem winzigen Museum umgewandelt. Dies zu sehen war für mich einfach nur herrlich. Hier lebte also der große Kafka. Hier schlief er, aß er, schrieb er, stritt er und liebte er. Es war grandios. Ich wandelte auf den Spuren von Franz Kafka. Es war ein überwältigendes Gefühl. Auch wenn Kafka nicht unbedingt zu meinen Lieblingsautoren zählt, war es doch ein ganz eigentümliches Gefühl, dass sich in mir ausgebreitet hatte. Am liebsten wäre ich gar nicht mehr weggegangen, sondern wäre einfach nur dort geblieben. Hätte mir ein nettes Eckchen zum Schlafen gesucht und darauf gewartet, ob Kafkas Muse sich noch einmal erbarmt dieses Fleckchen Welt aufzusuchen. Wäre sicher ein ganz beflügelndes Erlebnis gewesen. Leider musste die Touristenmannschaft weiterziehen und ich musste notgedrungen und griesgrämig meine Ecke verlassen, aber das überwältigende und ehrfürchtige Gefühl bleibt mir eingebrannt in meinem Gedächtnis.

Eingebrannt ins Gedächtnis bleibt mir auch das zweite Geschehnis. Die Geschichte des Jan Palach, dem tschechoslowakischen Studenten, der sich aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings und gegen das Diktat der Sowjetunion selbst verbrannte. Wie haben uns den Platz, den Wenzelsplatz, angeschaut auf dem dieser Freitod stattfand. Er übergoss sich mit dem Inhalt eines Benzinkanisters, entzündete ein Streichholz, stand in Flammen und rannte auf dem Platz herum. Ich fand das unheimlich ergreifend und schockierend zugleich. Palach wollte damit ein Zeichen setzen gegen die Rücknahme der Reformen der Regierung und die daraus folgende Hoffnungslosigkeit der tschechoslowakischen Öffentlichkeit. Ich stelle mir trotzdem immer noch die Frage, ob dies in dieser radikalen Form sein musste? War es wirklich notwendig und unerlässlich einen derartigen Schritt zu tätigen, nur um ein Zeichen zu setzen. Ich könnte das nicht. Mein Verständnis und meine Begeisterung halten sich diesbezüglich in Grenzen, aber ich komme nicht darum herum zu erwähnen, dass mich diese Geschichte und diese Tat durchaus sehr gefesselt haben. Auch wenn meine Gefühle dahingehend etwas ambivalent sind. In einer gewissen Form sehe ich ihn als fanatischen Selbstmörder oder als rebellierenden Künstler. Was auch immer er war, man hat ihm ein Denkmal gebaut und seine Aufopferung wird niemals vergessen werden.

Für mich waren es schon diese zwei Dinge alleine, dass ich den Trip nach Prag lohnenswert fand. Es ist etwas, was ich in meiner Erinnerung abgespeichert habe und was ich sicher nicht vergessen werde, da es mich so überwältigt hat.

12 Gedanken zu “Prag: Nachtrag

  1. Wie schön das klingt und traurig zugleich!:-) Ja, er war depressiv, sehr sogar! Er hat so viele Menschen von sich gedrängt. Hauptsächlich seine Partnerinnen! Er war trotzdem oder deswegen ein großartiger Schreiber und hatte vielleicht auch deshalb diesen Erfolg! Manchmal muss man vielleicht doch durch viele düstere Täler gehen um als was Besonderes in Erinnerung zu bleiben!

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  2. Das hört sich wirklich an, als ob es sich lohnen würde. Wir hatten das immer mal vor, sind aber noch nicht dazu gekommen.
    Nimmst Du uns nochmal virtuell mit zu Deinem Ausflug? Fänd‘ ich toll – und sicherlich nicht nur ich. 🙂

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