Liebes Gedicht von Yvan Goll:

 

Ich liebe

Aus beiden Augen strahlt meine goldene Liebe
In beiden Händen zittert die furchtsame Liebe
In meinen Schläfen klopft die gefangene Liebe
Mein Lied ist Liebe
Mein Schweigen ist Liebe
Mein Tanz ist Liebe
Meine Krankheit ist Liebe
Der Frühling ist Liebe
November ist Liebe
Ich lebe in deiner Liebe
Ich sterbe vor Liebe.

– Yvan Goll 1891-1950, deutsch-französischer Dichter –

 
Liebesgedicht von Claire Goll als Antwort:

Du kommst

Du
Tötest alle Dezembernesseln
Mit März
Mein Herz rufet schon Hyazinthen
Süss-süsser Rausch
Vergehen

Aus allen Augen duften Narzissen
Mir
Weinen Lachen
Und Taumel
Ich scheine Sonne
Hin-gebend
Demut
Du kommst!

– Claire Goll 1890-1977, deutsch-französische Schriftstellerin –

 
Liebesgedicht von Yvan Goll für sie:

Ich bin gealtert vor Sehnsucht

Ich bin gealtert vor Sehnsucht nach
Feuchten Februaren und verspäteten Aprilen
Um dir ein Maiglöckchen zu schenken
Wie viele bleiche Nächte hab ich gewacht
Um den Mond zu befragen
Ob deiner Treue
Ich habe elektrische Sommer ertragen
Dein Telegramm erwartend
Und an den Abenden der Traurigkeit
Streichelte ich die Hände sterbender Lilien

Jede Jahreszeit ist gut für die Arbeit des Herzens:
Bauer des Himmels
Säe und ernte ich Sterne
Um uns zu ernähren meine Geliebte

– Yvan Goll 1891-1950, deutsch-französischer Dichter –

 
Liebesgedicht von Claire Goll an ihn:

Liebe

Ich liebe die Stille zwischen uns
Dieselbe Stille wie zwischen Blumen.
Das leise Schweigen am Morgen,
Das lautere des Abends
Und das zitternde zu Mitternacht
Das um den Andern fürchtet.

Ich mag nicht, dass Menschen kommen
Und uns unsere Stille stehlen,
Die gross ist wie die Stille der Kathedralen.
Ach, wie sie es zerbrechen
Unser blaues Schweigen aus venetianischem Glas.
Ich könnte weinen, wenn Fremde kommen.
Nur die Vögel draussen verstehen uns
Und singen unsre Stille
Und machen uns noch stummer vor der Ewigkeit.
Stille, süsser Vorschuss auf den Tod,
Sag dem Geliebten wie ich ihn liebe.

– Claire Goll 1890-1977, deutsch-französische Schriftstellerin –

 
Liebesgedicht von Yvan Goll für seine Liebe:

Unser Glück

Die dreissigtausendjährigen Veilchen
Von dir an Anmut überboten,
Verwelken in den Büschen.
Die Teerosen werden immer gelber
Aus Eifersucht
Und üben Selbstmord.
Die Gazellen sind traurig,
Weil sie trotz aller Grazie
Dein Lächeln nicht haben.
Die Frauen aber, die Frauen
Hat Neid weiss geschminkt:
Sie können unser Glück nicht fassen.

– Yvan Goll 1891-1950, deutsch-französischer Dichter –

 
Liebesgedicht von Claire Goll für ihren Traum:

Du bist zart

Du bist zart
Wie die Fingerabdrücke
Der Vögel im Schnee.

Du bist traurig
Wie die Pinie am Berg
Mit dem zerzausten Haar.

Du bist süss
Wie die Datteln
Biblischer Palmbäume.

Und ich betrüge dich,
Gerade weil du so sanft bist
Und so vollendet traurig.

– Claire Goll 1890-1977, deutsch-französische Schriftstellerin –

14 Gedanken zu “LIEBE

  1. Klingen schon ein wenig hyperpathetisch, die Golls Da wollt wohl jeder noch einen draufsetzen. Zu unserer Zeit und mit Abstand schmunzelt man eher über diese vehemente Sprachakrobatik, die da sagt: „Ich liebe dich mehr!“ – „Nein! Ich dich!“
    „Aber ich dichte besser!“ – „Dann lies erstmal mein Neues!“

    Wir verlesen den poetischen Austausch manchmal an Faschin im Clubhaus. Da denken die Besucher, das sei karnevalistischer Klamauk: Satire in Büttenrede. Und das kommt immer verdammt gut an. Sascha macht dann immer den Yvan und ich in Frauenkleidung die Claire.

    Man verlangt uns jedes Jahr wieder und wir sind eingespielt wie das Pärchen in „Dinner for one“. Weil wir ja nur besoffen spielen können und während des Vortrags immer mal am Jack Daniels nuckeln. Musst du unbedingt mal kommen.

    Und wenn ich dann lispele: „Du bist süss wie die Datteln biblischer Palmbäume“ und Sascha aufs Gemächt schaue und über die Wange streiche, dann tobt das Publikum und tanzt auf den Tischen .. ^^

    Gefällt 1 Person

      1. Versteh deine Frage nicht. Ich werd im neuen Jahr aufhören mit dem Bloggen. Das ist alles. Ich dachte, du könntest dann die Montagsdichter etwas beiholen und bei Laune halten. Aber mir ists egal. Ich werde mich an Weihnachten verloben und dann meiner realen Welt leben ..

        Gefällt 2 Personen

    1. Was denn für Fußstapfen? Ich hab doch das ganze Geblogge nie wirklich ernst genommen und mein Geschreibsel zu den „Dichtern“ war doch eher an den Haaren herbeigezogen. Ich hatte mich köstlich dabei amüsiert. Du wirst das ernsthafter angehen und du bist doch jetzt schon ein Teil von der Sache. Terence ist doch nur der ausführende Teil. Das ganze Ding hab ich doch ins Leben gerufen. Aber er lässt sich gerne feiern. Lass ihm den Spaß ..

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      1. Du musst doch nur den Text, den ich dir gebe an ein paar Lyriker weitergeben, damit die Montagslyriker neues Futter bekommen. Ich habs für Terence erfunden und es sollte dann ein Selbstläufer werden, so dass es sich rumspricht und auch andere mitmachen, die nicht direkt angesprochen sich fühlen. Ich hab sozusagen ein Perpetuum Mobile angeworfen 🙂

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