Wer kennt das Gefühl nicht? Einfach mal weg! Einfach mal raus!
Für eine Zeitlang mal entfliehen. Seinem Leben und auch einfach mal kurz sich selbst.
Wie schön wäre es, wenn das ginge?
Einfach mal seine Sachen packen und den Wagen volltanken und dann einfach nur losfahren. Wohin ist nicht wichtig. Entscheidend ist einfach nur weg und einfach nur vorwärts und dem Horizont entgegen. Einfach dieses Gefühl von purer Freiheit haben und genießen und erleben.
Nur ein paar Stunden, nur ein paar Tage woanders sein, jemand anders sein. In einer Welt leben dürfen, die einem nicht gehört. Sich kurz einfach mal eine andere Welt, ein anderes Leben ausleihen und es kurz einmal zu seinem eigenen machen.
Dürfte ich dann einen großen Strohhut tragen und einen schwarzen Schnauzbart?
Und dürfte ich dann kurz einmal so tun, als ob ich auf Country Musik stehe?
Sich mal keine Sorgen machen müssen, über sein eigenes Leben, denn das wäre kurz einmal nicht existent.
Vielleicht wäre ich gerne eine Nacht lang Catwoman. In einem coolen, engen Jumpsuit aus Lack darf ich dann auf Häuserdächern rumhüpfen, dabei fantastisch aussehen und düsteren Gestalten den Kopf waschen. Das wäre doch was:-)
Mal kurz eine Pause einlegen. Eine Pause vom alltäglichen Alltag. Eine Pause von all den Sorgen und Gedanken und Nöten, die da halt sonst so da sind. So ungeliebt, wie der lästige Pickel auf der Stirn, kurz vor dem ersten Date.
Nein, nicht, dass ich mein Leben nicht mag. Ich liebe es, aber manchmal wäre etwas Abstand davon ganz nützlich.
Vielleicht würde ich es dann anschließend noch mehr lieben und noch mehr wertschätzen.
Diese Freiheit, einfach zu gehen ohne sich umzudrehen, haben nicht viele. Diese Wurzellosigkeit ist selten. Wir sind immer gebunden an dies und das und die und den. Das ist menschlich und natürlich. Niemand kann einfach so gehen. Aber das Schöne wären manchmal eben ein paar freie Stunden. Und der Gedanke ist wundervoll. Ich bin frei und Herr meiner selbst. Ich gehe und fahre durch die Welt. Ich trage Strohhüte, die mir nicht stehen und schwarze Schnauzbärte, die meine Nase kitzeln und mich zum Niesen bringen, aber ich bin so frei und fröhlich dabei. So wie Alfred Jodocus Kwak immer fröhlich war. Aber auch bei Alfred Jodocus Kwak ist nicht immer alles so fröhlich gewesen. Wer das Originallied von Herman van Veen kennt, weiß das. Und auch ich kann nicht einfach gehen, nicht einfach fliehen und losfahren.
Und spätestens, wenn man es vorhat und im Auto sitzt und losbrettern will, stellt man sich die Frage: Habe ich die Kaffeemaschine ausgemacht? Ich sollte nochmal zurück und nachschauen.
Ich tue das häufig und ich laufe nicht zurück in die Wohnung, weil es mich tatsächlich interessiert, ob die Kaffeemaschine aus ist, sondern weil es ein Vorwand ist.
Ein Vorwand, denn ich will ja gar nicht wirklich weg. Ich bin glücklich. Mit meinem Leben und wie ich es lebe.
Aber mal Catwoman sein wäre cool. Naja, Fasching ist zwar jetzt rum, aber als was ich nächstes Jahr gehe, könnt ihr euch wohl denken:-) Und dann bin ich es. Ein paar Stunden, nur ein paar Stunden, aber dann immerhin weg und woanders und jemand anders und trotzdem da und hier, wo es schön ist und bei allem, was ich liebe.

15 Gedanken zu “Woanders, aber hier…

  1. Country Musik ist toll, da muss man doch nicht nur so tun als ob man sie mag! 😄 Ich weiß genau was du meinst und du hast es wunderschön in Worte gefasst. Ich bin froh einen Rückzugsort für solche Momente zu haben, dann setz ich mich ins Auto und hau ab, allerdings bin ich dort ich selbst, weil dort niemand etwas anderes von mir erwartet, sondern einfach nur mich.

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