#WritingFriday #6

Aufgrund dessen, dass meine letzten Wochen ausgefüllt waren mit Lesen, Lernen, Studieren und Arbeiten, habe ich privat sehr wenig Zeit gehabt kreativ zu sein. Jetzt habe ich schon zwei Wochen nicht mehr mitgemacht beim Writing Friday von Elizzy:
https://readbooksandfallinlove.com/category/meine-wochenaktionen/writing-friday/


Die Themen für März werde ich wohl leider nicht vollständig abarbeiten können:-) In diesem Monat hat man die Wahl zwischen den folgenden Ideen:
—-Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte
—-Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.
—-Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.
—-Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.
—-Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

Heute ist also wieder Freitag und das Wochenende lächelt einem schon freundlich entgegen:-) Am heutigen Freitag möchte ich mir allerdings doch etwas Zeit für mich nehmen und versuche demnach ein wenig kreativ zu sein.
Mein erwähltes Thema ist:
—-Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.

So laufe ich durch die Straßen. Zwänge mich durch enge Gassen und suche einen Platz zum Sein. Suche eine Heimat. Gerade ist Heimat das, was da ist. Das, was hier ist und um mich herum.
Ich laufe durch die Stadt. Finde mich wieder auf der überdachten Ladenstraße und sehe das Treiben und Leben so vieler.
Ich atme ein und atme aus und beobachte.
Ich sehe sie dort sitzen, die armen Poeten. Auf Bänken, auf Bürgersteigen, auf Treppen, die ins Nichts führen. Aus dem Nichts, da komme ich her. Da gehe ich irgendwann auch wieder hin. Mit ganz viel Glück. Einfach ins Nichts, ins Nirgendwo!
Sie kritzeln mit stumpfen Bleistiften Worte auf vergilbte Blätter, diese armen Poeten auf den Bänken, auf den Bürgersteigen, auf den Treppen, die ins Nichts führen.
Worte über mich?
Ob sie wohl meine Gedanken lesen können?
Ob sie wohl meinen Schmerz spüren können?
Vielleicht träumen sie auch nur mit Hilfe von Amphetaminen und Wein von all ihren großartigen Ideen, die niemals kommen werden. Weder bei ihnen noch bei mir!
Die Verliebten turteln in billigen Cafés. Sie teilen sich eisige Milkshakes.
Was deines ist, das ist auch meines—das ist ihr Kredo!
Ich will sie mit Steinen bewerfen vor Neid.
Dazu bin ich zu gut erzogen worden!
Wenn mein Kopf und die darin enthaltenen Vernunftsfetzen manchmal nicht wären, wer weiss?
Ich höre Charlie Parker in meinen Ohren, doch die Welt steht nicht still!
Sie dreht sich weiter!
Es ist ihr egal, was ich will!
Ich sehe die kleinen Gestalten in den Hinterhöfen und Gassen. Sie spielen Krieg! Ich vermute nur, weil man ihnen vom Frieden-Spielen nichts erzählt hat.
Meine Großeltern schon, aber Generationen ändern ihre Sicht auf die Welt.
So hat man es mir mitgegeben. Ein Jammer. So trage ich es bei mir und lasse den Rest geschehen! Was soll ich auch tun?
Die lieben grauhaarigen Greise füttern weiter ihre Enten mit harten Brotkrumen, obwohl sie IHNEN gar nicht gehören, aber sie gehören auch niemandem sonst, also: Dem Ersten, der den Gedanken hatte, lasse den Vortritt!
Vielleicht erinnern sich die Grauhaare an ihre Jugend, während ich an ihnen vorbeischwebe. Zumindest gebe ich mir die Mühe zu schweben, zu fliegen, zu gleiten, etwas besonderes zu sein! Zumindest will ich ihnen zeigen, dass ich ein Mensch bin wie sie.
Waren sie glücklicher in meinem Alter, als ich es jetzt bin?
Waren sie zufriedener mit ihrem Leben in meinem Alter, als ich es jetzt bin?
Zu feige bin ich zu fragen. Aber die Frage brennt mir auf der Zunge. Vielleicht ist es das, was mich zum Schweigen zwingt, das feurige Brennen auf der Zungenspitze!?
Und da, da haben wir/ich auch sie:
Die tüchtigen Geschäftsleute. Wichtig! Wichtiger als ich. Die Geschäftsleute, die sich mit Kaffee in Pappbechern auf dem Bahnhofsplatz tummeln. In Züge steigen, aus Zügen aussteigen, aus Zügen in Züge umsteigen. Trostlos, jeden Tag die selben Wege befahren. Ein richtiger, ein falscher Weg ist nicht entscheidend. Hauptsache ein Weg, den man, du, ich, er, sie, wir, ihr, sie gehen können.
Die Mütter, die liebevoll Kinderwagen vor sich herschieben, kreuzen auch meinen Weg. Ich sehe ihr Strahlen, ihre Freude, ihre Last. 24 Stunden selbstlose Aufopferung für ein Wesen, das mal so werden könnte, wie ich. Und sie werden es lieben, wie nichts mehr auf der Welt. Ich senke mein Haupt, blicke zu Boden. Das zollt Respekt. Sie rennen hin und her. Vom Bäcker zum Fleischer. Von Geschäft A, zu Geschäft B. Sie kaufen Güter, die drei Tage später in den Mülleimer wandern, weil sie niemand essen wollte. Aber sie tun ihre Pflicht. Sie tun, was sie müssen, was sie können. Sie geben ihr bestes. Mehr kann nicht gegeben werden, nirgends und von niemandem.

Ich denke an meine Mutter.

Tränen schießen mir in die Augen.

Ich schlucke zweimal, atme dreimal durch!

So ist mein Leben!

 

 

13 Kommentare

    1. Liebsten Dank💛War eine Herausforderung sich mit einer derartigen Situation zu befassen. Hast dich ja auch für das Thema entschieden. Kannst das sicher nachempfinden.

      1. 🙂 – Ja das stimmt – das ist eine Situation, die wirklich nicht leicht nachzuvollziehen ist, da man alles hat, was der Obdachlose entbehren muss. Aber sein Blick auf uns ist trotzdem interessant.
        🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.