Montagslyriker Runde 5–die schwärmerische Namenstänzerin

Hier sind wir wieder am Montagabend:-)


Ich begrüße euch alle ganz herzlich und auch heute gibt es einen neuen Montagslyriker, der uns mit seinen Worten den Abend versüßen wird. Heute ist es allerdings eine Montagslyrikerin, die uns auf eine Reise durch ihre Wortwelt mitnimmt.

Matthias Breimann und ich leiten euch durch den Abend:-)

https://breimannswelt.wordpress.com/2018/11/12/die-montagslyriker-heute-mit-simone-birkna/

 

Unsere heutige Montagslyrikerin entstammt einer Künstlerfamilie, so war ihr Leben von Anbeginn durch Kunst geprägt. Sie ist Dichterin durch und durch und bezaubert mit ihrer Poesie. Freiheit und die Würde des Menschen sind für diese Schreiberin elementar und sie zaubert nicht nur mit Worten, sie kann auch ihren Namen tanzen. Autoren, wie Rose Ausländer, Christian Morgenstern und Paul Celan berühren ihr Dichterinnenherz und heute Abend wird sie das unsere berühren.
Ich freue mich sehr, sie heute ankündigen zu dürfen, denn durch sie wird es heute wieder ganz klassisch. Back to the roots…
Nun begrüße ich sie und gebe die Bühne frei für:

Simone Lucia Birkner

Simone Profilbild
https://gedanketrifftpapier.wordpress.com/

 

Frage 1:Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?
(Der Mensch, die Muse, das Unglück)

Nun ja. So ganz genau kann man das nicht sagen. Als Kind habe ich nebenher viel gelesen – mit 11 hatte ich nach den Stadtteil-Bibliotheken dann auch die Zentrale Jugendbibliothek ausgelesen und verlegte mich auf die „Erwachsenenliteratur“.
Zum einen also, mit Sicherheit das Lesen. Mit etwa 13 Jahren beschloss ich mit dem großem Ernst eines Teenagers, Romanschriftstellerin zu werden. Zum Glück hatte ich zu dieser Zeit eine Deutschlehrerin, die meine Begeisterung für das Schreiben ernst nahm und mich ermunterte, Kurzgeschichten auf Wettbewerbe einzuschicken.
Zur Gedichtform kam ich erst ein paar Jahre später: Nachdem alle bis dahin begonnene Roman-Versuche schließlich an meinem Durchhaltevermögen gescheitert waren, wollte ich etwas schreibend zu Ende bringen… so kam ich zur Lyrik.
Die Form ist mir bis heute geblieben – und nein, den Roman habe ich immer noch nicht geschrieben.
Allerdings gab es ein paar Menschen, die mich mit durchhalte-Parolen zu meinen Gedichten versorgt haben und so habe ich tatsächlich bis heute nicht wieder damit aufgehört.

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …
(Erzähl uns von deinen Macken, schlechten und guten Eigenschaften, von deinen
dunklen Geheimnissen)

…dass ich meinen Namen tanzen kann, Schokolade liebe (vor allem gute)und die spanische Sprache, gerne Felsen hochklettere und Berge, keinen Fernseher besitze und im übrigen der Meinung bin, dass das Schöne getan werden muss, weil es genauso wichtig ist wie die Würde des Menschen oder die Freiheit…
…dass man es schwer aushält mit mir einen Film anzugucken. Kann ich nicht empfehlen. Anschlussfehler sehe ich meistens und auf sentimentales Schauspiel oder gar schlechtes Schauspiel reagiere ich allergisch und kann all dies nicht unkommentiert lassen.

3. Welche Götter verehrst du?
(Künstler, die dich prägten, die du gerne liest oder empfehlen möchtest.)

Götter verehre ich nicht, wohl aber große Geister der Vergangenheit. Sokrates zum Beispiel oder Schiller und seine Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen.
Meine erste große Lyrikliebe war Rose Ausländer. Ihr Werk hat mich lange Zeit geprägt. Ich verehre außerdem Paul Celan, Joseph von Eichendorff, Mascha Kaleko, Christian Morgenstern aber auch bildende Künstler wie Marc Chagall, Joseph Beuys oder ganz was anderes – Musiker, wie zum Beispiel Jeff Buckley, dessen Auftritte so unmittelbar waren, keine Aufführung in dem Sinne, sondern eine weitere Probe, nur mit Zuschauern, so etwas bewundere ich. Menschen die ihre Fähigkeiten in allen Facetten erkunden und sich nicht hinter einem fertigen, immer gleichen Auftritt verstecken.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?
(Lesungen, Poetry-Slam, Veröffentlichen in Zeitschriften, Büchern, Internet usw.)

Außer meinem Blog natürlich, gibt es ab und zu Lesungen von mir wenn es sich ergibt und bisher sind 20 meiner Gedichte in einer Anthologie in dem Münchener „Verlag in der Lindenstraße“ erschienen, sowie eine Gedichtbesprechung auf dasgedichtblog.de

5. Und nun, zeige dich!
(Mit bis zu zehn charakteristischen Werken, die du uns vorstellen magst. Mit einem
Bild von dir? )

 

 

Lavendelmorgen
Es werden diese
Nächte gewesen sein.

Nächte,
die der Morgen nur
ein wenig
beiseite schob,

um Felder zu pflanzen
auf den Wangen der Wolken,

Felder mit leuchtendem Lavendel.

Nächte, die
aus unseren Träumen fielen
so zart und so lautlos

fielen sie
zwischen unsere Sätze

bis der Morgen
uns ins Wort fiel,
nicht ausreden ließ.

Diese Nächte
ließen wir stehen,

nicht beendete Sätze
im rauhen Novemberwind.

Der November verblühte
und der Lavendel des Morgens

längst geschnitten
mit der Sichel des Mondes.

Vielleicht habe ich nur
ein Sommerherz
das in deinem kalten Winter
zu sehr friert

Und vielleicht
sind wir nur
ein angefangener Satz

weit über den zarten Wangen
der Wolken weht er

im kalten Wind des November.

 
Madrid, geliebtes -/Ode an eine Stadt

So früh
steckt die Sonne dir
Pfirsichblüten ins Haar –
in das wehende Haar deiner Straßen.

Verblühte Stunden
lese ich einzeln auf
verblühte Stunden, in deinen Straßen.

Im langen Atem deiner Nächte
muss es noch
irgendwo sein:
meine Großmutter, das Lachen, ihre Güte –
der Graupapagei Curro auf ihrem Balkon

So sandhell wie deine Tage,
meine Erinnerung –
in den Straßen verwehen ihre Spuren

Habe ich nicht
hier
getanzt, geweint und geliebt?

Zu früh
band dir Großmutter
ihren letzten Atem ins Haar
in das wehende Haar deiner Straßen –

mein Damals
ist heute
längst ausgekämmt

5 Gedanken zu „Montagslyriker Runde 5–die schwärmerische Namenstänzerin

  1. Zwei sehr schöne Gedichte! So voller Poesie und Bilder und doch Raum lassend für die eigene Fantasie.

    Das zweite, in so wenigen Zeilen sogar die Geschichte eines heranwachsenden Menschen und seiner Liebe zu seiner Großmutter.

    Ich bin berührt und beeindruckt zugleich davon, dass jemand in Versen so Geschichten und seine damit verbundenen Empfindungen auszudrücken vermag. –

    Das ist einzigartig.

    Viele freundliche und liebe Grüße!

    1. Nicht wahr❤️❤️
      Ich bin auch absolut begeistert und die heutige Poesie wärmt mir das Herz❤️
      Simone hat den Abend nicht nur versüßt, sondern verzaubert❤️❤️

  2. Lavendel – herrlich! Ich hab tatsächlich eine Dose mit getrocknetem Lavendel im Schlafzimmer stehen und schnuppere gelegentlich daran. Dabei muss man darauf achten, dass man nur die Nase in die Dose hält und durch den Mund ausatmet. Beruhigt ungemein, genau wie dieser gelungene Auftritt. Danke dafür!
    Auch weil die Dichterin nahezu die gleichen Haare trägt wie ich. OK, bei mir nimmt der Weißanteil überhand.

    Nun zu den schlechten Nachrichten: Thomas Gottschalks Villa ist abgebrannt, schlimm genug, nur hatte Thomas G. tatsächlich eine original Handschrift von Rilkes „Der Panther“. Naja, wie gesagt, hatte. Letztlich ist halt doch alles vergänglich. Prost!

    1. Ein großartiger Abend:-) Definitiv:-) Ich schätze Frauenpower und die heutige tat meinem Herzen und meiner Seele unglaublich gut:-) An dieser Stelle auch nochmal DANKE an Simone:-)
      Nun ja, tut mir leid für Thomas, aber noch mehr für die Kostbarkeit, die nun endgültig weg ist. Ein Haus lässt sich wieder aufbauen, aber solche Dinge sind nicht zu ersetzen. Da geht auch ein Stück Kultur und Weltgeschichte verloren. Das kann man nicht wieder erneuern. Höhere Gewalt. Traurig, wenn es die Literatur trifft.
      Cheers auch an dich:-)

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