Gefühlspalette

Kennt ihr diese gutgemeinten Ratschläge von Menschen, wenn ihr selbst in einer prekären oder desolaten Situation seid?


Dann kommt sowas, wie:

Du musst weitermachen!
Du musst dich zusammenreißen!
Du darfst dich nicht unterkriegen lassen!

Auch schön sind Sätze wie:
Alles wird gut!
Das Leben geht weiter!

Was man in so einer Situation in der man sich befindet nicht alles muss:-)

Ich kann das auch verstehen, dass man sowas sagt und ich weiß, dass alles das nur lieb und gut gemeint ist, aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann ist das weder hilfreich, noch tröstend. Letztlich ist es sogar nervig und es setzt mich unter Druck. Zudem habe ich dann das Gefühl, dass ich etwas falsch mache. Ich weiß durchaus, dass diese Sätze mir in keinster Weise schaden wollen, aber eigentlich will man das doch nicht wirklich hören. Es ist doch einfach so, dass man in manchen Augenblicken seines Lebens auch mal trauern möchte, auch mal kurz stehenbleiben will um zu weinen. Manchmal will man auch mal einen Moment für sich haben, in dem man sich in seinem Unglück suhlen will und in dem man in Selbstmitleid zerfließen möchte. Manche Dinge sind einfach schrecklich traurig und nehmen uns mit und dann möchte ich mir auch das Recht raus nehmen dürfen zu weinen, zu trauern und zu jammern. Es muss auch gar nicht lange sein, aber ich will das Recht haben auch mal zu meinen wahren, traurigen Gefühlen stehen zu dürfen. Das heißt nicht gleich, dass ich mich selbst aufgebe oder dass ich hoffnungslos verloren bin. Es heißt einfach nur, dass ich in diesem Augenblick mich der Trauer hingebe, mich meinen Gefühlen unterwerfe, meine Gefühle zuslasse, zu ihnen stehen will und ich will mir dieses Recht darauf nicht einfach nehmen lassen. Ich funktioniere ja weiterhin und die Welt dreht sich weiter und das Leben geht weiter, aber ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu fühlen habe oder wie ich mit einer traurigen Situation umgehen soll. Jeder von uns hat sein Tempo und jeder von uns hat seine Art und Weise mit seinen Gefühlen umzugehen. Wenn ich mich also jetzt meiner Trauer und meiner Melancholie hingeben will, sollte man mich dann nicht einfach mal lassen? Darf ich mir diese Minuten der Verzweiflung nicht einfach mal nehmen. Ich sage nicht, dass es zu einem Dauerzustand werden sollte, aber es gibt einfach Dinge, mit denen ich nun mal so umgehen möchte, ohne dass jemand kommt und mich belehren möchte. Wir Menschen haben eine breitgefächerte Gefühlspalette und diese können wir nutzen. Wenn ich also ein paar Minuten Selbstmitleid will, dann sollte ich das Recht haben mir ein paar Minuten Selbstmitlied zu nehmen und das ohne, dass es jemand kritisiert oder mir sonstwie einen Ratschlag geben möchte.Ich werde dadurch nicht in tiefste Depressionen verfallen, ich möchte gerade einfach nur ein wenig trauern und das sollte ich auch dürfen. Euch wünsche ich einen schönen Tag, ganz ohne Trauer:-)

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9 Gedanken zu „Gefühlspalette

  1. Nicht zum ersten Mal finde ich mich in Deinen Gedankengängen gut wieder.

    Es mag im ersten Moment etwas seltsam erscheinen, aber mir hilft aufrichtiges Mitleid anderer Menschen in wirklich schwierigen Situationen am Besten. „Mitleid“ ist heuite so negativ bestzt, dass sich kaum nioch jemand auszusprechen traut, dass er mit jemdem Mitleid hat. Andersherum hörer ich niucht selten: „Ich brauche Dein/Euer Mitleid nicht!“

    Dieser Satz gehört zu denjenigen, die ich am wenigsten zu glauben imstande bin.

    Ich wiederhole: Ich bin durchaus dankbar für Mitleid.

    Vielleicht sollte ich dazu erklären, wie ich und was ich unter Mitleid verstehe. Dazu habe ich (schon im Jahr 2012) mal eine Art Essay geschrieben, der sich hinter nachfolgendem Link verbirgt:

    https://gedankenorbit.wordpress.com/2012/03/01/mitleid-12971629/

    Und vielliecht erklärt sich nun, weshalb ich Mitleid annehmen mag und mich auch immer wieder tarue mein Mitkleid anderen Menschen anzubieten.

    Keine Sprüche, keine „Durchhalteparolen, sondern einfach das Angebot, „da“ zu sein, zum Trost, zum Zuhören, zum Anlehnen und eine Hand zu reichen. Wenn sie wieder genommen werden kann, genommen werden will, wird der/die Betreffende zugreifen. Und das wäre dann tatsächlich (wieder) ein erster Schritt.

    Viele, sehr liebe Grüße an Dich, liebe Mia!

    1. Keine Sprüche, keine „Durchhalteparolen, sondern einfach das Angebot, „da“ zu sein, zum Trost, zum Zuhören, zum Anlehnen und eine Hand zu reichen.
      Das ist sehr passend. Das meine ich und sehe es so.
      Liebsten Dank für den Link, werde zum Lesen kommen:-)
      Liebste Grüße

  2. Liebe Mia,

    meiner (persönlichen und professionellen) Erfahrung nach werden diese vermeintlich „bestärkenden“/“tröstenden“ Sätze in erster Linie aus Hilflosigkeit heraus gesagt. Vielen Menschen fällt es ungemein schwer, mit jemandem ein Gefühl einfach auszuhalten.
    Häufig kommt zusätzlich die innere Überzeugung hinzu, dass das Gegenüber einen Ratschlag möchte. Obwohl man doch eigentlich aus eigener Erfahrung weiß, wie wenig hilfreich diese Sätze sind… insofern ist es schön, dass du das an dieser Stelle nochmals darlegst.

    Einen schönen Tag dir!
    Jeca

    1. Ich weiß ja selbst, dass alles nur lieb gemeint ist, aber manchmal will man eben auch nichts hören. Meine Situation ist recht schwierig und sicher sind viele Menschen in meinem Umfeld damit auch überfordert, deswegen weiß ich es auch zu schätzen, dass man sich um mich kümmert, sorgt und mir helfen will, aber manchmal ist Schweigen auch eine begrüßenswerte Hilfe:-) Liebste Grüße

      1. Exakt! Das Schweigen ist oft das, was man in dem Moment braucht. Ein wortloses Miteinander-Aushalten, das nicht durch (wenn auch gut gemeintes) Reden torpediert wird…
        Alles Gute für dich!!

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