Antisoziale/dissoziale Persönlichkeitsstörung(ASP)Feel_me

Hallo an euch:-)


Im Rahmen meiner @antistigma_initiative_feel_me möchte ich heute auf die antisoziale/dissoziale Persönlichkeitsstörung (ASP) eingehen.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung gehört zu den Cluster B Persönlichkeitsstörungen. Ein Mensch mit dieser Störung missachtet, verletzt und ignoriert die Rechte anderer. In erster Linie äußert sich das durch gesetzwidriges oder moralisch verwerfliches Verhalten. Hierzu zählt das Lügen und das Betrügen sowie auch aggressives Verhalten. Dies passiert zum eigenen Vorteil oder aus purem Vergnügen an der Sache selbst. Diese Menschen bringen allerdings nicht nur andere Menschen in Gefahr und in gefährliche Situationen, sondern auch sich selbst. Sie missachten ihre eigene Sicherheit, sind verantwortungslos und ihnen fehlt die Reue, die bei normalen und gesunden Menschen nach schändlichen und fehlerhaften Taten erfolgt. Menschen mit dieser Störung sind Kopfmenschen. Ihre Taten begründen sie auf rationalem Wege.
Drei Merkmale müssen ab dem 15. Lebensjahr erfüllt werden, damit wir von einer antisozialen Persönlichkeitsstörung sprechen können.

Als schwere Form der Störung gilt hier die Psychopathie. Diese zeichnet sich durch weitere Merkmale aus, wie beispielsweise dem Fehlen von Angst und dem Fehlen von Mitgefühl in jeglicher Form.
Ein Psychopath unterscheidet sich zunächst nicht von anderen Menschen.
Zum Thema Psychopathie gibt es aber einen Extrabeitrag, damit wir das auch unterscheiden können.

Menschen mit einer antisozialen/dissozialen Persönlichkeitsstörung können sich durchaus auch anpassen.
Antisozial und dissozial ist hierbei gleichwertig und unterscheidet sich nicht in der Bedeutung.

Diese Menschen haben keinerlei Skrupel, wenn es ums Lügen, Betrügen, Manipulieren oder um das Kontrollieren von Menschen geht.
Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht weit verbreitet. Letztlich geht die Forschung davon aus, dass knapp 3% der männlichen Bevölkerung von einer antisozialen Persönlichkeitsstörung betroffen sind.
Bei Frauen tritt diese Störung noch seltener auf. Hier liegt die Quote bei knapp einem Prozent.

Ein interessanter Fakt ist, dass
Die Prävalenz mit dem Alter abnimmt, was darauf hindeutet, dass die Patienten im Laufe der Zeit lernen können, ihr unpassendes Verhalten zu ändern und zu versuchen, ein Leben aufzubauen.
In der Medizin versteht man unter Prävalenz, die Rate zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitabschnitt an einer bestimmten Krankheit erkrankt zu sein.
In diesem Beispiel ist es dann so, dass die antisoziale Persönlichkeitsstörung im Alter dann etwas abgemindert wird oder eben dass die Betroffenen besser damit umgehen können.

Welche Erkennungsmerkmale haben wir hier?
Um die Diagnose zu stellen, muss die betroffene Person mindestens 18 Jahre alt sein. Das auffällige Verhalten muss sich allerdings bereits schon seit dem 15. Lebensjahr gezeigt haben. Die Symptome dürfen zudem nicht während einer Schizophrenie oder einer schwerwiegenden depressiven Episode stattfinden. Nach DSM müssen mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sein:
Die Betroffenen sind nicht in der Lage, sich an Gesetze und gesellschaftliche Normen anzupassen. Dies zeigt sich darin, dass sie wiederholt Handlungen begehen, die einen Grund für eine Festnahme darstellen.
Sie verhalten sich falsch, indem sie wiederholt lügen, betrügen oder Decknamen gebrauchen. Dieses Verhalten dient allein dem persönlichen Vorteil oder dem eigenen Vergnügen.
Sie sind impulsiv und nicht in der Lage, vorausschauend zu planen.
Sie sind reizbar und aggressiv, was sich in wiederholten Schlägereien oder Überfällen äußert.
Sie missachten rücksichtslos ihre eigene Sicherheit und die Sicherheit anderer.
Sie verhalten sich durchgängig verantwortungslos und sind zum Beispiel nicht in der Lage, eine dauerhafte Tätigkeit auszuüben oder finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.
Die Betroffenen zeigen keine Reue, wenn sie andere Menschen gekränkt, misshandelt oder bestohlen haben. Dies zeigt sich in Gleichgültigkeit oder einer rationalen Haltung gegenüber den Ereignissen.

Im DSM geht es hauptsächlich um kriminelle Handlungen.
Die ICD-10 legt den Fokus auf typische Muster im Erleben, Handeln und in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Nach ICD-10 müssen mindestens drei der folgenden Merkmale erfüllt sein:

Die Betroffenen haben ein mangelndes Einfühlungsvermögen und zeigen Gefühlskälte gegenüber anderen.
Sie missachten wiederholt soziale Normen.
Sie haben eine Schwäche, Beziehungen und Bindungen zu anderen aufzubauen.
Sie haben eine geringe Frustrationstoleranz und verhalten sich oft impulsiv oder aggressiv.
Die Betroffenen empfinden nur geringe oder keine Schuldgefühle und sind unfähig zu sozialem Lernen.
Sie geben oft eine vordergründige Erklärung für ihr eigenes Verhalten ab und neigen dazu, andere unberechtigt zu beschuldigen.
Sie sind anhaltend reizbar.
Die Betroffenen sind aber nicht immer kriminell. Sie können auch sozial gut angepasst und sogar beruflich erfolgreich sein.

Die Forschung geht davon aus, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wenn es um die Entstehung dieser Persönlichkeitsstörung geht.

Wie bei den anderen Persönlichkeitsstörungen geht man davon aus, dass die Störung durch das Zusammenwirken von biologischen, psychischen und umweltbezogenen Faktoren entsteht.
Neurobiologisch und genetisch wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit für antisoziales Verhalten erhöht ist, wenn eine bestimmte Genvariante und körperliche Misshandlung bzw. Missbrauch in der Kindheit zusammenkommen.
Es ist festgestellt worden, dass das Enzym Monoaminooxidase-A in geringeren Mengen vorliegt. Das führt wiederum zu einer erhöhten Ausschüttung der Botenstoffe Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn, die sich auf Aggressivität und Impulsivität auswirken können.
Wie erwähnt gibt es wohl auch einen familiären Zusammenhang.

Die Genetik alleine kann dies eben nicht auslösen. Hinzu kommen oft traumatische Kindheitserlebnisse. Viele Menschen mit dieser Störung kommen häufiger aus Familien, die ihre Kinder vernachlässigen und/oder misshandeln.
Ich möchte aber gerne erwähnen, dass dies nicht zwangsweise immer der Fall sein muss.
Eine antisoziale Verhaltensstörung in der Kindheit und Jugend, bei der es zu körperlicher Gewalt, kriminellem Verhalten, Lügen und Schuleschwänzen kommt, gilt als Risikofaktor für eine spätere antisoziale Persönlichkeitsstörung.

Erste Anzeichen der Störung sind also bereits im Kindes- und Jugendalter zu beobachten.
Auch bei einer dissozialen Persönlichkeitsstörung stehen psychotherapeutische Behandlungsansätze im Vordergrund. Das Ziel ist dabei vor allem, Eigenschaften des Patienten zu verändern, die zu Aggressivität, Gewalttätigkeit und kriminellen Handlungen führen können.
Anders als erwartet sind Menschen mit dieser Störung durchaus bereit in der Therapie mitzuarbeiten und auch über Veränderungen nachzudenken.
Häufig haben Menschen mit dieser Störung narzisstische Tendenzen, allerdings möchte ich erwähnen, dass nicht jeder Narzisst Teile einer antisozialen Persönlichkeitsstörung aufweist.
Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist klar von der antisozialen Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden.
Ich sage auch bei dieser Störung, dass diese Menschen sich diese Störung nicht ausgesucht haben.
Das ändert zwar nichts an ihren Handlungen und es ändert auch nichts an der Gefahr, die sie für sich und auch andere darstellen können, aber es ist Fakt.

Viele Betroffene gehen nicht freiwillig in die Therapie, sondern durch eine gerichtliche Anordnung zur Therapie genötigt. Dies hat dann leider wenig Erfolg, da häufig zunächst eine Veränderung der Kriminalität und Gewalttätigkeit angestrebt wir und weniger eine Veränderung der typischen Persönlichkeitsmerkmale.
Erfolgsaussichten bestehen, wenn der Therapeut selbst an den Erfolg der Therapie glaubt und dies auch dem Patienten vermitteln kann.Hier ist es auch wichtig, dass er auf die Sichtweise des Patienten eingeht. Die Ziele der Therapie sollten zudem auf die persönlichen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sein. Dabei hat sich ein klar strukturiertes Vorgehen, bei dem die Inhalte und ihre Reihenfolge festgelegt sind, als günstig erwiesen.
Soviel erstmal zur antisozialen/dissozialen Persönlichkeitsstörung. Die Psychopathie folgt.
Ich wünsche euch alles Liebe und passt auf euch auf:-)

7 Gedanken zu „Antisoziale/dissoziale Persönlichkeitsstörung(ASP)Feel_me

  1. Irgendwie wirkt das ganze überhaupt nicht objektiv oder antistigmatisierend. Es kommt im Beitrag nicht hervor, dass es sich bei so einer Störung um eine Krankheit handelt und die Betroffenen diese bestimmt nicht als „Vergnügen“ empfinden.

  2. Wenn diese Manipulation unterbewusst, weil aufgrund der Störung, geschieht ist das ja nicht zwangsläufig negativ oder verachtenswert. Vielen Betroffenen fehlt ja auch die Selbstreflektion…so ist ihnen gar nicht bewusst was sie anderen und sich selbst dabei antun. Sie empfinden dies gar nicht als unnormal oder verwerflich. Somit tun sie dies nicht zum Vergnügen oder zur selbstbereicherung, sondern weil diese Person in diesem Moment tatsächlich und voll auf davon überzeugt ist das richtige zutun.

    1. Natürlich steht der Satz drin:

      Ich sage auch bei dieser Störung, dass diese Menschen sich diese Störung nicht ausgesucht haben!

      Es ist die Darstellung aus medizinischer Sicht. An diesem Beitrag waren sowohl Betroffene, wie auch Ärzte beteiligt.

      1. Das Konzept von Feel_me ist:
        Meine Geschichte zu erzählen mit Einflechtung von Informationsbeiträgen. Das habe ich bereits erwähnt. Wenn es auf dich kühl wirkt, dann ist das eher ein Kompliment, denn es sind lediglich psychologische Informationen.

    2. Ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass es verachtenswert ist. Ich zitiere DSM-5 und ICD-10.
      Meine persönliche Meinung findet sich nicht im Text.

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