Schreibatelier Mia: Lesson 43-DIE KURZGESCHICHTE 3 (Theorie&Praxis)

Hallo an euch und willkommen in meinem Schreibatelier Mia:-)


In den letzten Wochen gab es hier einen kleinen Break, aber nun geht es weiter mit der Theorie und der Praxis zur Kurzgeschichte.

Ich hatte bereits auf das Grundmuster der Kurzgeschichte hingewiesen, welche aus Exposition, Handlung und Konflikt und Schluss besteht.
Diese Grundstruktur gilt nicht nur für die Kurzgeschichte, sondern für alle Formen erzählerischer Prosa.
Letztlich geht es immer darum sich an die Regeln der Heldenreise zu halten.

Was aber bedeutet eigentlich Heldenreise und was hat das mit der Literatur zu tun?
Das beste Beispiel sind DIE REISEN DES ODYSSEUS von HOMER.

Schreibtechnisch gesehen, beinhaltet die Heldenreise stets das Gleiche. Am vorliegenden Beispiel von Odysseus ist es gut zu erklären.
Die Ausgangslage (Exposition) besteht darin, dass der Held Odysseus mit seinem Gefolge an eine fremde Küste gelangt.
Die Handlung besteht daraus, dass der Held das unbekannte Land betritt und sofort in Schwierigkeiten kommt. Ständig gerät er in neue Konflikte, denen er sich stellen muss. Der Spannungsbogen ist damit geschaffen, denn er muss sich aus seinen Schwierigkeiten wieder herauskämpfen. Die Hauptfrage, die den Leser unbewusst und bewusst beschäftigt, lautet: Schafft er es oder nicht?
Zum Schluss gelingt ihm natürlich die Befreiung. Mit letzter Kraft kann er sich retten.

Diese Technik durchzieht die Literatur wie ein roter Faden. Nicht nur die moderne Literatur, sondern auch die klassische und die antike.
Auch Harry Potter und Der Herr der Ringe ist so aufgebaut, wie auch Der alte Mann und das Meer.

Ob Epos, Roman, Novelle oder Kurzgeschichte, überall finden wir dieses Schema.
Drehbücher leben ebenfalls davon. Ein guter und spannender Film, wäre ohne diese Heldenreise nicht denkbar.

Was brauchen wir also?

Wir brauchen einen Protagonisten, der in Schwierigkeiten kommt und sich dann daraus befreit oder eben nicht befreit. Das Ende dürfen wir natürlich selbst bestimmen, wenn wir schreiben, aber es ist doch so, dass der Leser sich ein Happy End wünscht.
Fatal ist es, wenn es ein Open End gibt. Der Gedanke, dass die Kurzgeschichte ein offenes Ende braucht, da der Leser zum Nachdenken angeregt werden soll, ist nicht aktuell. Genau diese Tatsache und diese Vorgehensweise vieler Autoren nach 1960 haben somit dazu beigetragen, dass die Kurzgeschichte heute selten verlegt wird.
Ja, ein offenes Ende hat auch mal seinen Reiz, aber der Leser will mitfiebern und dann nicht einfach im Gedankenregen stehengelassen werden.

Mancher wird mir jetzt sicher widersprechen, aber die Geschichte der Kurzgeschichte zeigt es eben ganz deutlich und es sind Fakten, dass ein offenes Ende eben nicht so viel Anklang findet.

Der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell hat das Motiv der Heldenreise sehr genau erforscht.
Der US-amerikanische Drehbuchautor Christopher Vogler entwarf diese Idee dann weiter als Anleitung für Drehbuchautoren.

Hierzu möchte ich jetzt nicht weiter ins Detail gehen, denn das würde den Rahmen sprengen. In meinen Workshops gehe ich darauf etwas genauer ein, aber hier soll die vorliegende Darstellung zunächst reichen.
Fragen können gerne gestellt werden, dann gehe ich selbstverständlich noch genauer darauf ein;-)

Nun wünsche ich zunächst allen einen schönen Freitag und kommt gut ins Wochenende.

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