Montagslyriker 7: Im Kern der Gegensätze

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Hallo an euch am Montagabend:-)
Wir sind mittendrin in der siebten Runde der Montagslyriker und auch heute Abend dürfen wir euch einen neuen Helden des Montags vorstellen.
Mein werter Kollege Matthias Breimann und ich stehen schon bereit, aber wir sind bekanntlich nur das Beiwerk:-)
Heute dürfen wir uns wieder in eine lyrische Welt entführen lassen und gehen gemeinsam mit unserem Helden auf eine besondere Reise durch sein persönliches Universum aus Zeilen, Versen und Worten.
Er ist ein Mensch der Gegensätze, dessen Herz aber für das geschriebene Wort schlägt. Seine Schreibreise begann als Ausbruch aus dem Bekannten, dem Alltäglichen und führte ihn zum Wort und zur Zeile.
Auf der Suche nach dem Eigenen, fand er das Wort und dieses will festgehalten werden, zum Bleiben erschaffen werden.
Die Leidenschaft treibt ihn an, den was sein Herz erstmal fesselt, dass wird so schnell nicht losgelassen.
Wir dürfen euch heute einen rationalen Gefühlsmenschen und einen poetischen Denker vorstellen, der uns zum Denken und Fühlen inspirieren wird.
Und nun sind der Worte genug gesagt worden und wir dürfen den Mann des Abend selbst zu Wort kommen lassen:-)
Ein herzliches Dankeschön an den heutigen Helden des Montags:
Robert Igel

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zeitenwende.poetry by Robert Igel
1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?
Ich bin wohl das, was man einen poetischen Spät-Zünder nennen würde, auch wenn ich mich in meiner Jugend schon insbesondere auf musikalischem Gebiet intensiv ausgetobt habe. Bei mir spielt sicherlich der Wunsch nach Veränderung, dem Ausbrechen aus dem Alltag, aus von mir als festgefahren empfundenen Strukturen, sei es beruflich aber auch privat, eine Rolle. Hinzu kommt auch, dass mich seit geraumer Zeit ein wenig die Sehnsucht danach, etwas Bleibendes zu schaffen, antreibt. Kurz: die Midlife-Crisis?
2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …
ein Mensch der Gegensätze bist. Ein introvertierter Vulkan, ein rationaler Gefühls-Mensch, ein liebenswerter grober Klotz, der sich in der Hoch-Kultur genauso wohl fühlt, wie er sich gerne in der Gosse suhlt. Das ist manchmal nicht ganz einfach, insbesondere wenn man drinsteckt, aber: was ich mache, mache ich mit größter Leidenschaft und, was mein Herz erstmal erobert hat, das wird mich so schnell nicht mehr los.

3. Welche Götter verehrst du?
Da ich Klassische Philologie und Germanistik studiert habe und auch beruflich neben vielem anderen versuche, meine Liebe zu den Alten Sprachen und der Literatur weiterzugeben, spiegelt sich das sicherlich auch in meiner Dichtung wieder und sie steht auf einem doch recht breiten Fundament.
Ich bewundere immer wieder aufs Neue die Klassiker Catull, Ovid und Martial, habe aber auch ein großes Faible für die vielfältige – und meiner Meinung nach völlig unterschätzte – europäische Barock-Dichtung. Gerade lese ich wieder viel in den französischen Symbolisten, den Expressionisten der „Weltendämmerung“ und Stefan George – wenn ich einen Lieblings-Dichter benennen müsste, würde sein Name sicherlich fallen.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?
Ich stehe noch ganz am Anfang, habe hauptsächlich Instagram @zeitenwende.poetry zur Veröffentlichung genutzt, plane aber im kommenden Jahr einen ersten Gedicht-Band unter dem Titel „augen-blicke.“ zu veröffentlichen. Bisher sind meine Gedichte sehr spontan entstanden und ich habe mich fast schon in einen Rausch geschrieben – immerhin ca. 1000 Gedichte in 3 Monaten -, dabei viel experimentiert, um einen eigenen Stil zu finden, der sich langsam auch am Horizont abzeichnet. So ein Buch ist für mich eine Mammut-Aufgabe, aber ich bin guter Hoffnung, dass das klappt.

5. Und nun, zeige dich!

Stein
Der Fels dort
spürt den Schlag
der Wellen nicht,
er fühlt nicht,
wenn die Vogel-Krallen
sich an ihn klammern,
in ihm bohren,
es macht ihm nichts,
wenn Moos und Grünspan
ihn bedecken,
denn er vergaß
zu leben.

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Erwachen
Die Kälte-Welle klatscht
von deiner Hand dir ins Gesicht,
der Wasser-Hahn, er kräht,
du bist noch nicht erwacht.
Zweimal zwei Pupillen
von grellem Licht geblendet
beäugen, mustern sich,
doch du erkennst dich nicht.

Wer bist du? Wo sind deine Träume?
Wo kommst du plötzlich her?
Hat dich das Schicksal hier vergessen?
Warum fällt dir das Lächeln schwer?

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Ein neuer Tag
Wenn du mich ansiehst,
bricht der Morgen aus mir auf,
als würd‘ ein gänzlich neuer Tag entstehen,
als könnt‘ die Zeit, das Werk verrinnen
von Uhren durchweg unbesehen.

Und wenn dann Gedanken
in deines Augen-Lichtes Strom
zerfließen,
ist‘s, als läge ich in dir,
als führten wir die Welt gen Abend.

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Erato
Dein stummes Strähnen-Spiel
lässt meine Saiten klingen,
siehst du mich an,
ertrinke ich im Ozean der Träume,
das Mond-Licht neidet
deiner Haut die Farbe,
beugt sich dein Mund zu mir,
fühl ich, was war, was ist,
den Ruf des Werdens
zu neuem Sein, zu neuen Lagern,
entzündest Kerosin
in meinen Eises-Adern
du küsst mich auch,
ganz ohne mich zu küssen,
du bringst mit sanftem Hauch
den Fels vor mir zum Schmelzen.

75922551Pic by: Robert Igel

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