Soziale Medien: Filterblase und Echokammereffekt

Es gehört mittlerweile fast zur Morgenroutine dazu, auf das Handy zu schauen. Man ist noch nicht mal richtig wach, aber bereits unterwegs in der großen Welt des Internets. Und besonders beliebt sind die sozialen Medien. LinkedIn, Twitter, aber allen voran Instagram.

Hier liest man nach, was es gerade Neues in der Welt gibt. Man kann sogar wählen, ob man sich seine Informationen via Bild oder Video zeigen lässt. Doch wie informativ ist der persönliche Instagram-Account wirklich? 

Ist es nicht eher so, dass wir selbst uns unsere Informationen bewusst aussuchen? 

Wir bekommen auf den sozialen Medien tatsächlich immer nur einen Teilausschnitt der Welt serviert. Immer nur eine spezielle Auswahl, die wir unbewusst auch selbst wählen. Was wir auf Instagram liken und wem wir folgen, wird erfasst, gespeichert und uns dann auf der Plattform wieder ausgespielt. Der Radius, in welchem wir uns auf den Plattformen bewegen, ist sehr klein, auch wenn wir das gar nicht wirklich wahrnehmen. Auf sozialen Netzwerken kennen wir es unter dem Begriff der “Filterblase”. Es ist aber auch bekannt unter dem Begriff “Echokammereffekt”

 

Filterblase und Echokammereffekt: Definition und Unterschiede

Beide Begriffe werden oft synonym benutzt, aber das ist nicht ganz richtig. Die Filterblase ist ein Effekt, der durch technische Manipulation entsteht. Der Echokammereffekt hingegen kann auch offline stattfinden. 

Filterblase: 

Die Filterblase ist auch bekannt unter dem englischen Begriff: BUBBLE. Einige Nutzer verstehen darunter, dass die sozialen Medien schöner Schein sind, aber das ist nicht die wahre Erklärung dafür. 

Die Filterblase beschreibt einen Raum, der nach außen abgeriegelt ist. Ein Raum, der durch Filteralgorithmen von Instagram oder auch Google begrenzt wird. Diese Filteralgorithmen sind so programmiert, dass sie einem User auf der sozialen Plattform das anzeigen, was er sich zuvor bereits mehrmals angeschaut hat. Aus marketingtechnischen Gründen ist das gut. So weiß man, wem man was ausspielen kann, um seine Produkte an die passende Zielgruppe zu verkaufen. Für das Marketing ist es also gut, aber es gibt Nachteile für den Nutzer. Uns wird gezeigt, was sie sehen möchten und dadurch entsteht ein Tunnelblick. Denn es werden alle Inhalte, die nicht unserer Meinung entsprechen, herausgefiltert. Wenn der Nutzer nun nicht aktiv gegen diese Filterblase ankämpft, entstehen unter bestimmten Umständen Echokammern. 

 

Echokammereffekt:

Die Echokammer ist zunächst ein Raum in einem Tonstudio. Er reflektiert Schall. Dadurch entsteht das Echo. Wenn es um die sozialen Medien geht, so hat der Begriff natürlich eine andere Bedeutung.

In der Kommunikationswissenschaft wird damit ein Phänomen beschrieben, das aussagt: Menschen umgeben sich mit Gleichgesinnten, um ihre Meinung bestätigt zu bekommen. Im übertragenen Sinne kann man von dem Wunsch nach einem Echo sprechen. Im schlimmsten Fall können Echokammern dazu führen, dass sich eine Meinung radikalisiert. Menschen peitschen sich auf und es findet kein Austausch mehr statt. Eine Folge davon sind auch Verschwörungstheorien. 

 

Umwelt-offline 

Unsere Umwelt nehmen wir natürlich nie “objektiv” wahr. Wir verzerren sie durch unsere Erlebnisse und Erfahrungen, aus welchen sich eine Wahrnehmung bildet. Was wir vermeintlich als Umwelt betrachten, ist letztlich also nur ein Konstrukt. Und gerade in der heutigen Zeit ist es auch besonders einfach, sich von allem zurückzuziehen, was nicht in unser Weltbild passt. 

Es hat sicher seine Berechtigung, dass wir uns Freunde und Partner aussuchen können, die zu uns passen und es sollte auch nicht anders sein, aber es schränkt unsere Sicht auf die Welt ein. 

Im Job sieht es wieder anders aus. Leider können wir uns hier nicht aussuchen, mit wem wir arbeiten wollen und mit wem nicht. In der Zeit von Home-Office ist es aber auch nicht mehr notwendig, mit Kollegen zu diskutieren, die wir nicht mögen. 

Auf einmal erscheint der Rat: Umgib dich nur mit Gleichgesinnten! nicht mehr ganz so positiv. 

Online-Welt

Während wir in der Offline-Welt noch immer auf Menschen treffen, die nicht unserer Meinung sind, so sieht das in der Online-Welt anders aus. Wir folgen auf Instagram, wem wir wollen und wen uns eine Sicht oder eine Person nicht passt oder ein Kommentar nicht gefällt, so kann man den Kommentar löschen, der Person entfolgen oder sie ganz blockieren. Aus den Augen und aus dem Sinn. Und mit der Hilfe des Algorithmus bekommen wir auch nur solche Menschen vorgeschlagen, die zu unseren Ansichten passen. 

 

Der goldene Käfig

Heutzutage wollen immer mehr Menschen auf die Bühne, was dafür sorgt, dass es immer weniger Zuhörer gibt. Lebhafter und konstruktiver Austausch ist selten. Über den Tellerrand schauen ist auch nicht gerade leicht, weil wir uns selbst eingrenzen. Es herrschen Monologe, wo Dialoge gebraucht werden. Kommunikation findet am Ende gar nicht mehr wirklich statt.

Eigentlich würden wir auch von anderen Meinungen profitieren. Andere Blickwinkel erweitern auch unseren Horizont, aber gerade was die sozialen Medien angeht, ist es nicht wirklich möglich. Die App lässt es nicht zu. Würde man doch mal aus diesem Käfig ausbrechen und wahllos folgen und liken, wäre der Algorithmus damit auch überfordert. Die Reichweite würde eingeschränkt werden und der Ärger wäre wieder groß, denn man will ja gesehen und ausgespielt werden auf der großen Plattform-Bühne. Wir wollen doch eine Community, die uns den Rücken stärkt und unsere Meinung nur noch untermauert. Für viele User ist die App die wichtigste auf ihrem Handy. Influencer verdienen durch die App Geld und eben auch dadurch, dass so viel herausgefiltert wird. Immer wieder wird erwähnt, dass Instagram, Twitter und andere soziale Netzwerke so viele Vorteile haben, aber wie wahr ist das, wenn man sich letztlich nur im Kreis dreht? Zudem wissen viele Nutzer nicht einmal, was wirklich dahinter steckt. Instagram ist für viele Nutzer ein Zufluchtsort geworden. Hier finden sie Gleichgesinnte und das ist es, was man will. Da es nur wenige hinterfragen, fühlt man sich hier wohl und verstanden. Gerade Jugendliche verbringen Stunden ihres Tages auf den Plattformen, schauen sich ein Foto und ein Video nach dem anderen an und nehmen auch viel als bare Münze. Das Thema Cyber-Mobbing wird natürlich auch hier und da mal thematisiert, aber natürlich bewegt man sich immer in der Community, die die gleiche Meinung dazu hat.

Wir pressen uns selbst in eine Schublade und merken es nicht mal. 

Die Welt ist groß und voller Meinungen, Ansichten und Menschen, aber wir berauben uns dieser Erfahrung und diesem Erlebnis. Und sicher kann gesagt werden, dass das Internet, Social Media, Twitter und Instagram ihre positiven Seiten haben. Das bestreite auch ich in diesem Beitrag nicht. Und auch ich besitze einen Account bei Instagram und bin auch froh über viele Kontakte, die mir durch Social Media ermöglicht wurden, aber es ist eben nicht immer alles Gold, was glänzt.

Kann man es verhindern? Oder sollte die Frage besser lauten: Wollen Nutzer es überhaupt ändern? 

 

Letztlich ist es ja auch genau die Aufgabe von Social Media Menschen, dass Menschen zueinanderfinden sollen, die gleiche Interessen und Meinungen haben. Aber es gibt eben auch genau diesen Nachteil, dass sich auch Menschen in diesen Netzwerken finden, die sich gegenseitig eben nicht guttun. Eine Meinung zu haben und über Instagram Gleichdenkende zu finden muss nicht schlecht sein und klingt auch zunächst gut, aber es gibt auch spezielle Gruppen, die sich über soziale Netzwerke finden und eine Community finden, die sie in weniger guten Denkansätzen bestärkt.

 

Sind soziale Medien also schlecht und schädlich? Das ist wie mit Kuchen. Kuchen an sich ist nicht schlecht, aber wenn ich jeden Tag nur Kuchen esse, ist das auch nicht gut.

@miasraum Instagram

3 Gedanken zu „Soziale Medien: Filterblase und Echokammereffekt

    1. Das ist die Frage, ob wir das selbst entscheiden können. Unter Anbetracht der Umstände, dass soziale Medien auch einen Suchtfaktor haben, will ich das so pauschal nicht sagen, dass wir das wirklich selbst entscheiden. Theoretisch ja, aber praktisch ist es vielleicht auch eine Gewohnheit oder auch mehr. Und sozial…Ich denke schon, dass es einiges gibt, aber ja es gibt auch die dunkle Seite. Hatte ich ja auch schon als Thema gehabt.

      1. Leider werden diese Medien immer mehr unsozial benutzt und wir entscheiden, denn eine Sucht entsteht nicht über Nacht oder nach einem Mal, wobei es auch Ausnahmen von der Regel gibt…

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