Am 24. November enthüllte die Band We Are Perspectives stolz ihr neues Album “HERITAGE“. Nach intensiven 15 Monaten harter Arbeit dürfen sie nun endlich das Ergebnis ihrer Bemühungen präsentieren!
Ursprünglich aus Bottrop stammend, ist die Band im Genre Deathcore zu Hause.
Die Hintergrundgeschichte des Albums “HERITAGE” offenbart eine tiefgründige Reflexion über Leben, Tod, mentale Gesundheit, Feminismus, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit.
Taucht ein in 13 Tracks, die es in sich haben:
- Leaving
- Irukandji
- Aborning
- Tower
- Hatred
- Stigma
- Mokoli
- Interlude (feat. Helmut Richter)
- Godless
- Devastator
- Bloodshot
- Gatekeeper
- Heritage
Unser Reviewer Marcus hat sich intensiv mit dem Album auseinandergesetzt. Lest seine Eindrücke zum neuen Album von We Are Perspectives
Coverwork by Heart Taped Designs
We Are Perspectives: Heritage (VÖ 24.11.2023)
Vorhang auf!
Sanfte Klaviertöne münden in unheilvoll klingende Sphärenklänge. Hier eröffnen sich Breitwände cineastischen Ausmaßes und der einsetzende Sprechgesang in seinem ganzen sinistren Umfang flutet die Gedanken, die den Titel unheilvoll untermauern. Allein das Gefühl überkommt mich, einen Ort verlassen zu müssen, der aktuell nicht friedlich erscheinen mag und dennoch heimelig wirkt hinsichtlich der Aussicht auf das, was mich dort erwartet. Allein schreitend, auf einem einsamen Weg hinwärts zu einem Tor undurchdringlicher Finsternis. Der letzte Ton verklingt.
Mit dem Intro Leaving eröffnet die 2017 gegründete Bottroper Deathcore Band We Are Perspectives ihr am 24.11.2023 herausgekommenes und zwölf Songs umfassendes Album Heritage.
Es folgt direkt die erste Walze Irukandji. Die Männer, um den Frontmann Frederik Promino eröffnen den bitterbösen Reigen und ihre Absicht, die Höllenhunde unbarmherzig loszulassen, ist offensichtlich. Die atmosphärische Dichte steht über allem. Unheilvolle Chöre im Hintergrund geben weiter den Kinorahmen vor und die Intensität des Songs gleicht einer Abrissbirne. Das Schlagzeug pulsiert im Rhythmuswechsel zwischen dominierenden Midtempo Passagen und eruptiven Blastbeat Einschüben. Die Gitarre schreddert, was das Griffbrett hergibt und die Stimmakrobatik des Sängers tut ihr Übriges, um den gewaltigen Beginn dieses Albums zu manifestieren. Überschlagend, brutal, zerstörend – es wird abgrundtief gekeift, gegrowlt und gegurgelt. Was für ein Einstieg. Das Gift beginnt zu wirken.
Auch mit den lieblich anmutenden Einstiegsklängen des folgenden Aborning sollte man nicht auf die Idee kommen, dass es ruhiger werden könnte. Der Song kommt in seinen 3:25 Minuten als ruppige Nummer rüber, gespickt von Breaks und Interludien, elektronischen Sequenzen, eingestreuten Synthsounds und choralen Bonbons. Hier wirkt nicht ausschließlich die Ruppigkeit, sondern vielmehr eine intensive Erhabenheit. Bockstark und ein erstes persönliches Highlight.
Weiter geht es und in Folge reihen sich die hymnisch angehauchten Nackenbrecher in einer Tour aneinander. Songs wie Tower, Hatred, Stigma und Mokoli türmen sich als Ballaststoff für eine ausgeglichene Gemütsstimmung auf. Die stramm auf den Punkt gezimmerten Stücke brennen in einer perfekten und homogenen Zusammensetzung zwischen zähen und morbide rasenden Soundstrukturen. Einer in die Abgründe führenden Gesangsdarbietung, dissonant wirkenden Einwürfen und trotz alledem einer immer wiederkehrenden Hintergrundsinfonik, die sich letztlich expressiv gestaltet. Der Wiedererkennungswert von We Are Perspectives ist exorbitant.
Mit Godless und Devastator schleudere ich in die maschinellen Weltenstürme. Kalte Impressionen erwecken Albträume und die Seele schreit nach einem Licht am Ende des Tunnels. Allein sie findet es nicht. Bösartig shoutet die Stimme durch das Dröhnen und Wummern des Schlagzeuggewitters. Die Gitarre wirbelt mal federleicht in Tonspiralen, mal halten einen die Riffs wie zäher Schlamm am Boden fest. Die Maschine stoppt nicht. Sie reißt nieder.
Und zum eingeläuteten letzten Drittel werden noch einmal alle Register gezogen, insbesondere dahingehend, um den eingangs erwähnten cineastischen Breitwandfaktor nachhaltig zu zementieren. Was die Herrschaften mit Bloodshot, Gatekeeper und dem finalen Titelsong Heritage songtechnisch abfeuern, ist wahrhaftig eine reife Leistung. Sie schonen weder sich noch die Hörerschaft. Landschaften wechseln sich zwischen eisigen Wüsten, einsamen Tälern und wuchtigen Felsengebilden ab. Die Einsamkeit ist gleichermaßen fühlbar wie eine brodelnde Unruhe. Trotz der immer vorhandenen Grundhärte bleibt die Epik gegenwärtig.
Heritage ist ein hochinteressantes Album und dringend hörenswert, wer neben den Szenegrößen des Deathcore u.a. auch mit solchen Bands wie Meshuggah, Vital Remains, Fear Factory und durch den Hintergrundbombast auch an diverse Black Metal Größen etwas anzufangen weiß. Insgesamt eine spannende Suche nach den massig eingeflossenen Soundideen, die vor so ziemlich nichts halt machen (höre ich da eine Hommage an den Hammond Orgel – Sound in Aborning?). That`s a Fusion as it`s best.
Es bleibt die offene Frage in dem Raum stehen, wie bei We Are Perspectives die Entwicklung weitergehen wird (Wortwitz!). Ein hoher Maßstab ist von den Jungs schon einmal selbst angefertigt worden.
Als obligatorischen Wermutstropfen zum Schluss hätte ich mir persönlich eine etwas organischer klingende Albumabmischung gewünscht. Andererseits kann man es natürlich im Gesamtkontext der musikalischen Ausrichtung betrachtet als genau so richtig bewerten.
Ein geiles Teil und nichts für schwache Gemütsverfassungen! Wo ist der Lichtschalter?
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