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Blackout Problems – RIOT – Review

Am 23. Februar erschien das Album Riot von der Band Blackout Problems. Meinen persönlichen Eindruck sowie meine Meinung zum Album könnt ihr im Fuze Magazin nachlesen. Bei den Montagslyrikern übernimmt Marcus die Aufgabe des Reviews schreiben. Und auch er hat sich mit dem neuesten Werk der Band beschäftigt. Seine Meinung liefern wir euch gleich hier, also lehnt euch zurück und lest selbst. 

 

Blackout Problems: Riot (Album)

Review by Marcus 

 

Manchmal wird es einem so leicht gemacht.

Seit 2012 treiben die aus der bayrischen Hauptstadt stammenden Blackout Problems ihr musikalisches Werk voran und wachsen seitdem unaufhörlich an Liedgut – Output oder an den immer größer werdenden Auftritts – Locations. Und das zu Recht!

Bei ihrem neuen Album Riot, auf welchem 11 Songs dargeboten werden, haut die Band nahezu in Kette Hymnen raus, dass es einem schwindlig wird. Die Aura des Albums, die Performance und das Klangbild sind ein der Welt offen zugewandtes. Von den Vibes fühle ich es tatsächlich mehr in London oder im Allgemeinen in der britischen Musiklandschaft verortet als in München. Nichts für ungut. Volle Punktzahl an die Band.

Ich möchte mich an dieser Stelle auch nicht mit einer Kategorisierung des Gehörten und folglich mich selbst limitieren. Es ist ein wunderbar atmendes, produziertes Album entstanden, auf welchem jedes Instrument und jeder Part seinen Raum und verdiente Ausdrucksfähigkeit bekommt. Eine Symbiose aus Klarheit und Extravaganz, aus Sehnsuchtsschmerz und einer verwurzelten Erdgebundenheit.

Hier treffen sich die Moderne von Rock, elektronischen Effekten und die gehobene Lässigkeit des „Smells like of British Pop“.

Luftig, leicht, kernig und flatterhaft, hypnotisch und melancholisch. Eine wahnsinnig gut klingende und stimmige Mischung, die einen nahezu zwangsläufig in Bewegung bringt. Wer das nicht fühlt, ist tot.

Die charismatische Stimme des Sängers Mario trägt als Conférencier durch die eskapistischen und träumerischen Visionen. Seine Stimmfarbe ist variantenreich und erinnert mich persönlich sogar mehrfach an das markante Organ von Neil Tennant (Pet Shop Boys). Man höre sich zum Beispiel nur mal den Refrain des an dritter Position stehenden Trouble an. So könnten sich die Londoner Boys auch 2024 produziert anhören. Hammer!

Aber auch in allen anderen Gesangsparts, egal ob in den noch ruhigeren Passagen oder in den härter angeschlagenen Tönen, zieht er alle Register. Das ist einfach schön anzuhören und zu schwelgen.

Mit dem flotten DNA steigt Blackout Problems in den Bilderreigen ein und entwickeln in mir das Gefühl, mich aus der Enge meiner Gedankengerüste und des Umfelds zu befreien. Alles hinter mir zu lassen und in die unbekannte, doch hoffnungserwartende Ferne zu fliehen. Der perfekte im Postcore angesiedelte Einstiegssong.

Mit dem folgenden Whales fühle ich mich angekommen, dort an der Kante stehend und den Blick schweifend am Horizont. Der Nebel im Kopf beginnt sich allmählich zu lichten und das Atmen wird leichter. Die Energie des Songs fließt durch den Körper. Lebendig.

Die folgenden Trouble, Stash und Puzzle lassen mich zwischen den Landschaften wandern und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Gedanken zu; federleicht, melancholisch, mit der Akzeptanz der fühlbaren Einsamkeit.

In dem nächsten Moment fahre ich mit berstendem Herzen und staunenden Augen in einem Cabrio an einer Küstenstraße entlang, das Verdeck geöffnet und die salzige Luft einatmend. Durch den Song Funeral wird meiner Sehnsuchtsferne eine Melodie geschenkt.

Mit GLOFS und der Zusammenarbeit mit Rou Reynolds von Enter Shikari kommt nicht nur eine prominente Note in das Spiel, sondern auch Hip- und Trip Hop Elemente sowie ein chillig urbaner Loungespirit auf die Couch. Stilistisch ein hörbarer Unterschied zu dem bisher Dargebotenen und deswegen genau richtig. Ziemlich großartig!

Und mit dem anschließenden Blackroom verbleibt das Klangbild noch in dem urbanen Stadtbild, um durch die Straßenfluchten zu fluten und die Botschaft lautet: Hier und jetzt. Turn the Lights off.

Mit den abschließenden Talktome, Tired Ice und Talktome (II) bin ich dann wieder in der scheinbar endlosen Weite zurück. Blackout Problems verstehen es ungemein gut, diese großen Klanglandschaften zu komponieren. Man kann eintauchen, abtauchen und darin versinken. Allein in tiefer Stille versunken als Begleiter eines Sonnenaufgangs in der Wüste.

Jeder Ton mündet in die gefühlte Leichtigkeit und Leichtsinn des Lebens; Töne, Melodien und Kompositionen, denen aber durchaus die melancholischen und lichtlosen Aspekte des Vergangenen und Gegenwärtigen gewahr sind.

Es überkommt einen schlichtweg das Gefühl ungestillter Größe und Freiheitsdrang. Einem Finden von Weite, nach der man lange gesucht hat und gleichzeitig dem Gewahrwerden von Begebenheiten, die einen Schrecken und Wut gleichermaßen empfinden lassen. Bisweilen ist ein Gänsehautfaktor garantiert.

Blackout Problems haben den Nerv getroffen und es kündigt sich mit Riot ein ganz großer Wurf an. Das Jahr 2024 kann für Blackout Problems ein spannendes werden. Entsprechende Live – Aktivitäten und Festivals sind ja bereits am Start.

 

Weitere Informationen zur Band Blackout Problems findet ihr in den sozialen Netzwerken.

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