Am 23. Februar erschien das lang erwartete Album “RIOT” von Blackout Problems. Im Interview gewährt uns Singer, Songwriter und Frontmann Mario Radetzky einen Einblick in die Entstehung des Albums und die kreative Arbeit hinter den Songs. Er teilt seine Gedanken über den Entstehungsprozess, die tiefere Bedeutung der Texte und die persönliche Entwicklung, die im Zentrum der Musik steht.
Das neue Album “Riot” wurde am 3. Februar veröffentlicht. Mein erster Eindruck nach dem Hören war: Eine gewisse Melancholie durchzieht die Luft, aber da ist auch noch etwas Fröhliches, Befreiendes. Ist das der Effekt, der gewünscht war?
Beim Schreiben der Texte für dieses Album ist mir aufgefallen, dass viele von ihnen eine ruhige und traurige Stimmung ausstrahlen. Manchmal habe ich die Tracks in dieser Stimmung geschrieben und dann den Text dazu verfasst. Ich bin dann einen Schritt weitergegangen und habe ein neues Instrumental geschaffen, das dem Song ein neues Licht verlieh. Das war wirklich ermutigend und hat mir viel gegeben. Wenn man sich den Outro auf der Platte anhört, ist er auf eine positive Weise befreiend. Es ist wie ein Akt des Loslassens. Es geht darum, Probleme anzugehen, zu besprechen und dann weiterzumachen. Es gibt ein Leben jenseits der Probleme und es gibt Lösungen, nicht nur Probleme. Der Outro ist rein instrumental, aber ich habe mir das vorgestellt, wie am Ende einer Reise, wo man das Buch mit Problemen schließt und weitermacht. Es ist ein progressives Album, das eine wahnsinnige Entwicklung innerhalb des Albums widerspiegelt. Im Zentrum unserer Musik, besonders dieses Albums, steht meine persönliche Entwicklung. Ich betrachte die Musik tatsächlich als eine Art Tagebuch, in dem ich meine Gefühle und Gedanken festhalte. Während der Arbeit am Album musste ich mich kritisch mit mir selbst auseinandersetzen und mich weiterentwickeln. Es geht nicht nur darum, mit Problemen konfrontiert zu werden, sondern auch darum, wie ich damit umgehe und wie ich mich weiterentwickle.
Ihr habt jetzt zwei Jahre für das Album gebraucht. Ist das für euch als Band ein langer oder eher normaler Prozess?
Man denkt vielleicht, zwei Jahre für ein Album sind eine verdammt lange Zeit, aber es hat eben die Zeit gebraucht. Es hätte einfach nicht schneller funktioniert. Als Band setzen wir uns immer hohe Ziele. Egal, ob es um das Album, ein Video oder einen musikalischen Kurzfilm geht, an dem wir gerade arbeiten – wir haben immer hohe Ansprüche an uns und das Ergebnis. Aber das liegt auch daran, dass wir keine ausgebildeten Musiker sind. Alles, was wir tun, haben wir autodidaktisch gelernt und dabei sicher viele Fehler gemacht. Aber wir gehen diese Schritte alle selbst. Es hat lange gedauert, bis wir an dem Punkt waren, an dem wir heute stehen. Das ging nicht einfach über Nacht. Wir sind alles andere als eine Hype-Band. Auch wenn wir ein Label haben und es von außen manchmal anders aussehen mag, machen wir alles selbst und das braucht eben seine Zeit.
Lass uns über den Song “GLOFS” sprechen. Es ist eine Zusammenarbeit mit Rou Reynolds von Enter Shikari. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Wir hatten damals Kontakt zum Management von Enter Shikari aufgenommen und uns vorgestellt. Sie haben uns geantwortet und gesagt, dass Rou Lust hätte, etwas mit uns zu machen. Also schickte ich zwei Demos. In der E-Mail, die ich dazu schrieb, hatte ich ihm Bilder vom Ahrtal geschickt, nach der Flutkatastrophe im Jahr 2021 hier in Deutschland. Ich sagte ihm, dass ich gerne einen Song dazu schreiben würde. Diese Situation war für uns damals sehr intensiv, da wir darüber nachdachten, dass auch in Deutschland Naturkatastrophen geschehen können. Das führte uns zum Thema Klimawandel und zu allem, was damit verbunden ist. Wir machten uns natürlich Gedanken darüber, wie so etwas passieren konnte und dass es ein Weckruf für alle sein sollte. Ein paar Wochen später saß ich im Studio und erhielt plötzlich eine WhatsApp-Nachricht von Rou Reynolds. Ich war wirklich überrascht. Er schickte mir einen Link und ich wusste sofort, dass es das Demo war. Sein erster Entwurf hat mich wirklich umgehauen. Ich bin seit dem ersten Album ein großer Fan von Enter Shikari und sehe in Rou Reynolds nicht nur einen fantastischen Sänger und Performer, sondern auch einen großartigen Texter. Er hat sogar Bücher über seine Texte geschrieben, was mich sehr inspiriert und beeindruckt hat. Nachdem ich den Entwurf gesehen hatte, zeigte ich ihn meinen Jungs und sie waren genauso begeistert. Wir haben dann sehr lange daran gearbeitet, bis wir zufrieden waren.
Wenn man persönliche Erfahrungen in Songs verarbeitet, wie du es als Songwriter tust, ist das nicht auch riskant, sich so zu öffnen?
Die Rückmeldungen, die ich erhalten habe, bezogen sich nie direkt auf mich, sondern eher auf die allgemeine Thematik. Je persönlicher ich wurde, desto mehr Menschen konnten sich darin wiederfinden. Wenn ich über Trennung, Ängste, Verlust oder depressive Phasen sang, sprachen mich viele Menschen nach Konzerten an und teilten ihre eigenen Geschichten mit mir. Sie wollten nicht unbedingt meine Geschichte hören, sondern mir ihre eigenen erzählen. Sie haben sich mir gegenüber geöffnet und mich an ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Das hat mich sehr darin bestärkt, persönlich zu schreiben. Aber du hast recht, es gibt diese Angst davor, sich vollkommen zu öffnen und Dinge auszusprechen, von denen man vielleicht nicht möchte, dass sie jeder weiß. Trotzdem war es schon immer Teil unserer Alben, und auch auf diesem Album ist es so. Wenn du es dir anhörst, erzählen wir dir Dinge, die wir dir in einem persönlichen Gespräch wahrscheinlich nie erzählen würden.
Abschließend die Frage: Kannst du dich an das erste Album erinnern, das du dir von deinem eigenen Geld gekauft hast?
Meine Liebe zur Musik begann früh. Meine Eltern erzählten mir, dass mein Lieblingslied als Kind “Runaway” von Bon Jovi war, und ich finde immer noch, dass es ein großartiger Song ist. Meine ersten Erinnerungen an Musik sind mit der Stereoanlage meiner Eltern verbunden. Doch ich war schon immer ein großer Fan von Live-Musik. Bevor ich mir damals “Nevermind” von Nirvana kaufte, holte ich mir das Live-Album “From the Muddy Banks of the Wishkah“. Ich war damals elf oder zwölf Jahre alt, und das hat mich ziemlich geprägt. Besonders die Einstellung zur Live-Musik und diese Attitüde, als würden sie um ihr Leben spielen, haben mich fasziniert. Nirvana ist für mich bis heute eine faszinierende Band. Was mir besonders an ihnen gefällt, ist, dass sie keine überheblichen Rockstars waren. Kurt Cobain brannte für seine Musik und war nicht übermäßig kapitalistisch. Auch “The Doors” haben mich sehr beeinflusst.
Vielen Dank Mario.
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