Soulleech ist eine aufstrebende Metalcore-Band, die trotz ihres Status als Newcomer bereits auf eine beachtliche musikalische Erfahrung zurückgreifen kann. Im Interview erfahren wir, wie die Mitglieder ihre individuellen Stärken und Erfahrungen in das Projekt einfließen lassen und wie sie es schaffen, mit einem klaren Plan und einer zielgerichteten Vision ihre musikalische Reise voranzutreiben.
Ihr seid also eine Metalcore-Band? Würdet ihr das so unterstreichen, wenn ich das so sage?
Ja, unsere Musikrichtung ist definitiv Metalcore. Allerdings haben wir mit unseren bisherigen drei Singles hoffentlich gezeigt, dass wir vielseitig sind. “Deep Enough” ist deutlich härter als “Time,” und unsere neueste Single “So Much to Hate” geht noch einen Schritt weiter. Da wir bereits wissen, was wir als Nächstes geplant haben, können wir sagen, dass da auch noch einiges andere kommt. Es ist auch für uns spannend herauszufinden, was uns am besten liegt. Das macht uns auch wirklich viel Spaß. Unser Sänger hat sowohl eine unglaubliche Shout- als auch Gesangsstimme, daher bleibt es spannend, wohin es uns noch führt.
Es gibt ja Bands, die sehr festgelegt und engstirnig sind, was ihre Musikrichtung betrifft – das ist Metalcore, das ist Rock, das ist Black Metal und so weiter. Wie ist es bei euch? Seht ihr das entspannter oder definiert ihr eure Musik auch gern als Metalcore, Post Hardcore, oder ähnliches? Fynn, du als Sänger, wie siehst du das?
Fynn: Ich glaube, wir sind da sehr flexibel. Die anderen wissen auch, dass ich bei meinen Ideen sehr frei bin und manchmal Dinge vorschlage, die ganz anders sind als das, was wir bisher veröffentlicht haben. Ich experimentiere gerne und mag es nicht, Genres in enge Schubladen zu stecken. Natürlich muss man der Musik einen Namen geben, deswegen sage ich Metalcore. Aber wir haben auch Songs, die eher moderner Rock sind oder sehr experimentell. Der Begriff Metalcore hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark gewandelt. Wenn man sich Bands wie All That Remains oder The Devil Wears Prada von früher ansieht und das mit Bands wie Bad Omens heute vergleicht – da sind einige Songs reiner Pop. Das hat wenig mit dem alten Metalcore zu tun.
Alex: Ich würde nicht sagen, dass sich der Begriff gewandelt hat, sondern er hat sich ausgeweitet. Das ist eine Entwicklung, die jedes Genre durchmacht. Am Anfang gab es nur Metal, dann kamen die Subgenres. Metalcore ist inzwischen ein Dach für viele verschiedene Ausdrucksformen. Du hast Bands wie Bad Omens und Bring Me The Horizon, aber auch Electric Callboy, die eine ganz andere Schiene fahren. Dann gibt es Bands wie The Browning, auf die ich persönlich total abfahre, die ebenfalls unter Metalcore fallen, obwohl sie kaum Ähnlichkeiten zu anderen Metalcore-Bands haben. Oder Bands wie Holding Absence, die nur clean singen. Alles fällt unter Metalcore, auch wenn es eigentlich nicht viel gemeinsam hat, außer vielleicht die Songstruktur und verzerrte Gitarren.
Danke für die vielen Bandnamen! Großartig zu sehen, wie supportive ihr gegenüber anderen Bands seid. Aber kommen wir mal zum Thema Songwriting. Wie läuft das bei euch ab? Wer schreibt die Songs?
Handzeichen auf Fynn.
Also du schreibst die Songs allein und lieferst dann das Material, an dem die anderen noch Feinschliff vornehmen?
Genau, ich würde nicht sagen, dass ich allein der Songwriter bin, aber ich mache den größten Teil der Arbeit. Der Entstehungsprozess ist jedes Mal unterschiedlich. Da ich ursprünglich Gitarrist bin, entstehen die meisten Songs bei mir mit Gitarre und Gesang. Ich baue darauf auf und mache einen groben Song fertig, mit Struktur, Melodien, Rhythmen und Ideen. Dann schicke ich das den Jungs in unsere Gruppe und bekomme viel Feedback: “Mach den Part kürzer,” “Das sollte lauter sein,” “Sing das mal anders,” und am Ende entsteht dann doch etwas Gemeinsames.
Du machst also die Vorarbeit und dann kommen die anderen beiden dazu und unterstützen mit ihren Fähigkeiten und Ideen?
Genau, am Ende merkt man, dass jeder mal ein bisschen die Feder geführt hat.
Du hattest in einem Interview mal gesagt, dass du mit Screams angefangen hast. Jetzt sprichst du auch von Gitarre. Wie kann ich mir das vorstellen? Also sitzt du da, spielst Gitarre und schreist dabei?
Eher Clean-Gesang.
Das dachte ich mir fast, aber wäre lustig, wenn es anders wäre.
Das Schreien kommt später im Studio, weil das bei mir eher nicht möglich ist. Ich wohne in einer Mietwohnung und da würden die Nachbarn durchdrehen, weil ich doch sehr laut schreie. Deswegen entsteht es dann meistens erst allein mit Gitarre. Dann lege ich meine Clean-Ideen drüber und überlege mir, an welchen Stellen geschrien werden soll, und das mache ich dann später.
Hattest du je Gesangsunterricht oder hast du dir das wirklich autodidaktisch selbst beigebracht?
Ich habe mir alles selbst beigebracht, aber ich war doch einmal bei einer Gesangsstunde. Die ging dann 20 Minuten und ich habe nur gelernt, wie ich atme. Dann musste ich €60 bezahlen und hab gesagt, das mache ich nicht nochmal. Ab da habe ich mir alles selbst beigebracht, außer Gitarre. Gitarre habe ich tatsächlich über, ich glaube, 10 Jahre hinweg in der Musikschule gelernt.
Was mir bei euch auf Instagram aufgefallen ist, ist, dass ihr fantastische Bilder habt. Da ist oft so ein erdiger Vintage-Filter drüber. Ist das bewusst so gewählt? Und Markus, du bist ja auch Fotograf. Machst du alle Bilder?
Teils, teils. Also die Bilder, wo ich selbst drauf bin, mache ich natürlich nicht selbst. Was den Style angeht, ja, das ist dadurch, dass ich ja tatsächlich die meisten Sachen im Bereich Fotos und Videos für uns mache. Es ist von meinem Style natürlich auch ein bisschen abhängig. Und dieser erdige Stil, den habe ich eben schon ewig im Großen und Ganzen.
Wie sieht es denn mit Videos aus? Plant ihr in der Zukunft für jeden Song ein Video ein? Schwebt euch sowas vor?
Für jeden Song, den wir rausbringen, ein Video zu machen, wird auf lange Sicht wahrscheinlich zu stressig. Das macht auch kaum eine Band so. Aber zu den Songs, von denen wir selbst sehr überzeugt sind, versuchen wir natürlich, das Bestmögliche rauszuholen und dann auch ein Video dazu zu machen.
Also man merkt natürlich, dass ihr nicht komplett neu im Business seid. Ihr habt ja auch eure musikalischen Hintergründe. Fynn, du bei Lets Kill The Captain und Markus und Alex, ihr bei The Disaster Area. Im Pressure Magazin habt ihr euch zu The Disaster Area geäußert, dass ihr euch jetzt vermehrt auf Soulleech konzentriert. Ihr seid also eigentlich schon eine Newcomer-Band, weil ihr in dieser Formation neu seid. Aber trotzdem kennt ihr das Business und habt sicherlich eure Kontakte. Ist es dann leichter, wenn man quasi bei Null anfängt, aber auf etwas zurückgreifen kann an Kontakten und Erfahrungen?
Ja, voll. Das ist ein Riesenvorteil. Fynn bringt das Know-how in Sachen Songwriting und Producing mit. Und Alex übernimmt zum Beispiel das Social Media, Instagram oder die ganze Kommunikation nach außen. Also jeder hat seinen Part, den er macht, und wir haben uns das über Jahre erarbeitet. Da steckt jahrelange Erfahrung in uns drin, die wir mit in die Band einbringen können. Und das funktioniert unglaublich gut. Also das ist ein Riesenvorteil, natürlich.
Kommen wir mal abschließend zu Zukunftsplänen. Habt ihr als Band so ein Konzept für die Zukunft? Einen Plan für das Jahr? Vielleicht auch einen Monats- oder Wochenplan? Einen Bandplan?
Ja, wir haben tatsächlich einen Plan, den wir schon ziemlich lange mit uns herumtragen. Wir haben das komplette Jahr im Großen und Ganzen durchgeplant, wann was kommt. Es gibt eine klare Struktur, damit wir wissen, was als Nächstes ansteht.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht. Vielen Dank für eure Zeit.
Bandbild: Sio Motion
Weitere Infos zur Band Soulleech findet ihr in den Socials.

