Die Frankfurter Buchmesse fand dieses Jahr vom 16. bis 20. Oktober statt und lockte prominente Gäste, Autoren und Politiker auf das Messegelände. Italien war 2024 der Ehrengast der weltweit größten Buchausstellung. Autor Jürgen Will war im Rahmen der Montagslyriker auf der Buchmesse. Seinen Bericht könnt ihr hier lesen.
Frankfurter Buchmesse 2024 – Der Rundgang eines kleinen Autors
Im Grunde klingt bereits der Begriff „Messe“ nicht sonderlich kreativ. Dabei geht es doch eigentlich um einen Bereich, bei dem Kreativität und die Liebe zum geschriebenen Wort im Vordergrund stehen sollten. Eventuell ist die Vorstellung vieler Besucher die, einer übergroßen Bibliothek, in der man schmökern kann und dadurch neue Autoren entdeckt. Vielleicht gibt es auch noch eine gemütliche Sitzecke mit gemütlichen Sofas, Tee und Keksen. Ein Bild, das zum Lesen passt.
Business-Treffen der Großen
Doch die Realität sieht gänzlich anders aus. Die großen Verlage dominieren die Halle 3 mit aufwendigen Messeständen, die funktionell und austauschbar vom wenig kreativen Messebauunternehmen ihrer Wahl erschaffen wurden. Die Stände leuchten und blinken, sind bunt und schreiend in der Aufmachung und signalisieren die Stellung der jeweiligen Verlage in der Literatur-Szene. Konterfeis der Erfolgsautoren in XXL verkünden: „wir sind die, die hinter Autor XY stehen“. Passend dazu gibt es endlose Bücherregale mit den Bestsellern und weniger erfolgreichen Titeln zum sofortigen Verzehr, natürlich nach dem Kauf. Schließlich geht es ums Geschäft.
Anfragen neuer Autoren unerwünscht
Sucht man als kleiner, noch recht unbedeutender Autor das Gespräch mit Vertretern großer Verlage, um zu eruieren, wie man sein eigenes Buch womöglich bei einem großen Verlag unterbringen kann, wird das Interesse auf der anderen Seite umgehend geringer. „Der bringt uns kein Geld und ein solcher Messestand muss sich rechnen“, scheint hinter dem sich verändernden Gesichtsausdruck als Gedanke vorzugehen. Als Antwort auf das Anliegen gibt es wahlweise ein vorgedrucktes Papier, auf dem die Möglichkeiten sein Manuskript einzureichen genannt sind oder mit einem lapidaren Hinweis auf die Homepage. Abschließend dann der Satz: „Es kann aber sehr lange dauern, bis Sie von uns hören.“ Dies wiederholt sich bei allen großen Verlagen beinahe deckungsgleich. Dem wenig bekannten Autor wird signalisiert, es gar nicht erst zu versuchen, schließlich wissen die Fachleute, was erfolgreich ist, was die Leser wollen und überhaupt, was maßt er sich an, von sich und seiner Kunst überzeugt zu sein. Desillusioniert wird dem kleinen Autor bewusst, wie naiv der Gedanke war, Kontakte zu knüpfen, die ihm bei der Verlagssuche helfen könnten.
Anfragen neuer Autoren erwünscht
Aber in den Hallen finden sich auch kleinere, fast übersehbare Stände ohne Bling-Bling-Blendereien und schreiendem Auftreten. Der kleine Autor macht sich also daran, mit Vertretern dieser Verlage zu sprechen, bekommt einige hilfreiche Informationen und das ist das Überraschende, es wird Interesse am kleinen Autor und seinem Werk gezeigt. Möglicherweise war die Vorstellung, Kontakte zu knüpfen, doch nicht so ganz naiv. Das wird die Zukunft zeigen.
Self-Publisher und Autoren präsentieren sich
Neben den Verlagen, Papierherstellern, Druck-Service-Anbietern und sonstigen aus dem weiten Umfeld der Buchproduktion zugehörigen Branchen finden sich, wenn auch mit weitaus weniger Platz bedachte Stände von Autoren. Die Größe ihrer Messe-Auftritte ist bedingt durch den Preis, die Aufmachung der Präsentation dafür umso kreativer und liebevoller gestaltet. Schließlich geht es um das eigene Buch.
Der kleine Autor kommt mit vielen anderen „kleinen“ Autoren ins Gespräch und tauscht sich aus. Gänzlich unterschiedliche, oftmals Nischenthemen, werden in ihren Büchern behandelt. Ein junger Mann hat ein Buch über seine überstandene Spielsucht am Start, eine Autorin schreibt Krimis, die in ihrer Heimatregion angesiedelt sind. Ein anderer verfasst Gedichte, wieder ein anderer Reisegeschichten. Keine „Erfolgsautoren“, deren Gesichter übergroß am Stand prangen, sondern Menschen, die das Schreiben lieben, denen bewusst ist, dass sie keine „Stars“ und mit dem Schreiben reich werden, doch sie eint die Liebe am Schreiben. Dafür stellen sie sich auf die Messe und präsentieren ihre Werke. Diese Bücher hätten es verdient, gelesen zu werden.
„New Adult“ – Das aktuelle Erfolgsgenre
Gelesen und gekauft werden die Bücher des „New Adult“-Genres. Die Zielgruppe sind junge Erwachsene bis 30 Jahren. Dieser Bereich bekam dieses Jahr gar eine eigene Halle (1.0) spendiert, da der Andrang im letzten Jahr zu groß war. An den Fachbesucher-Tagen, an denen ich meinen Rundgang über die Buchmesse machte, war diese Halle ziemlich leer. Mein Vorteil war die Möglichkeit, entspannt und in Ruhe mit den Autoren und kleinen Verlagen sprechen zu können. Der Tenor vieler Autoren ist, dass eine Veröffentlichung ihrer Bücher als Self-Publisher effektiver und erfolgreicher ist, als wären sie bei einem großen Verlag unter Vertrag. Einige Autoren berichteten davon, dass sie sich bewusst von einem großen Verlag, bei dem sie zuvor Bücher veröffentlichten, getrennt haben, um nun alles selbst in der Hand zu haben. Der Vorteil ist natürlich, dass niemand versucht, dem Autoren hineinzureden und ein weiteres Buch in die Richtung zu beeinflussen, die vermeintlich gefragt ist. Kreative Freiheit ist als Self-Publisher also garantiert, eine große Leserschaft zunächst nicht.
Die Erfolge, gerade auch der Autoren im „New Adult“-Genre, zeigen, dass sich dennoch, wenn auch mit viel Einsatz, nicht nur finanzieller Art, das eigene Buch zu einem „Bestseller“ beim Publikum entwickeln kann. Der Ansturm auf die Aussteller und Autoren an den Publikumstagen beweist das.
Letztlich ein interessanter Rundgang
Das Fazit des Rundgangs des kleinen Autoren fällt gemischt aus. Eine Buchmesse ist zunächst natürlich ein Branchentreff der großen und mittleren Player und entsprechend konzipiert. Doch wer sich nicht durch die Auftritte der namhaften Verlage blenden lässt, der entdeckt, sei es als Leser oder Autor, viel Interessantes und Neues außerhalb des Rampenlichts. Deshalb ist der Besuch der Frankfurter Buchmesse auch heute noch sinnvoll und mit vielen Entdeckungen verbunden. Die Ausgabe im kommenden Jahr ist bereits fest eingeplant.
Text und Bilder: Jürgen Will
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