Website-Icon miasraum

Sick Of Society: 35 Jahre und immer noch nicht satt

Sick Of Society – über 35 Jahre Punk, Rebellion und jede Menge Leidenschaft. Was einst als fixe Idee von ein paar jungen Jungs begann, hat sich trotz Besetzungswechseln und neuem Bandnamen zu einer festen Größe im Punkrock entwickelt. Müde? Fehlanzeige. Kritisch? Na klar, wie sich das eben für Punk gehört. Wir haben uns die Frage gestellt: Was hält ihr Feuer am Brennen? Was befeuert die Leidenschaft und die Motivation, nach all den Jahren immer noch loszulegen? Und natürlich: Was ist neu und was war früher vielleicht besser? Die Antworten gibt’s im Interview.

 

Was hat euch damals inspiriert, eine Band zu gründen, und wie hat sich eure Motivation über die Jahre entwickelt?

Oliver: Die Initialzündung für SICK OF SOCIETY liegt so ziemlich genau 35 Jahre in der Vergangenheit. Schwierig zu sagen, was uns letztlich damals dazu bewogen hat, mit diesem Wahnsinn zu beginnen. Letztlich waren wir Musikfans, die sich an Instrumenten probiert haben … zum damaligen Zeitpunkt mehr schlecht als recht … und da war es halt auch naheliegend, den Versuch einer Bandgründung zu wagen. Mehr hat uns damals im Alter von 15 Jahren noch nicht angetrieben. Einfach den eigenen Helden und Idolen nacheifern – mehr nicht!

Wie sich die Motivation entwickelt hat? Naja, da wir uns hier und heute, 35 Jahre später nach Bandgründung von SICK OF SOCIETY Vorläufer, unterhalten, gehe ich mal davon aus, dass die Motivation nicht gelitten hat und stetig gewachsen ist. Man wurde am Instrument besser, man wollte bessere Songs schreiben, man wollte veröffentlichen, man wollte Konzerte spielen, man wollte noch bessere Konzerte spielen, Videos drehen, noch mehr Songs veröffentlichen, auf Festivals auftreten, etc. … all das hat die Motivation immer hochgehalten und dieser Zustand hält beständig an. Es gibt immer Ziele und Anreize am Ball zu bleiben. Ständig!

Gibt es einen Moment in eurer Karriere, der euch besonders stolz gemacht hat?

Oliver: Ich persönlich mag das Wort „stolz“ überhaupt nicht. Ich freue mich vielleicht, wenn was geklappt hat und wenn wir was besonders erreicht haben. Aber Stolz … nee, mit dem Wort kann ich nichts anfangen. Ich bin von der Freude getrieben, dass wir als Band Spaß haben und vorankommen. Stolz habe ich dabei nie empfunden! Die größte Leistung, darauf zielst Du wahrscheinlich ab, ist die Tatsache, dass wir so lange durchgehalten haben. Wir haben in unserem Umfeld sehr viele Bands kommen und gehen sehen, aber wir sind geblieben. Das halte ich für eine beachtliche Leistung in einer schnelllebigen Zeit, wie der heutigen.

Was ist das Geheimnis, um über 30 Jahre als Band zusammenzubleiben?

Oliver: Es gab in all der Zeit einige Veränderungen im Line-Up. Somit stimmt das mit dem Zusammenbleiben nicht ganz. Warum es die Band aber immer noch gibt? Naja, die Band hatte Glück, dass es nie um Egos oder krankhafte Selbstdarstellung in der Band ging. Es war zu jederzeit der Wir-Gedanke spürbar. Egal welches Line-Up gerade im Proberaum oder auf der Bühne stand. Selbst zu Zeiten, in denen wir mit Aushilfen arbeiten mussten. Selbst da war dieses Gefühl zu spüren. Davon abgesehen ist es immer wichtig, Ziele und Anreize zu haben. Wir sind bei Weitem keine Band, die allzu viele und große Erfolge feiern durfte. Dementsprechend würde ich sagen, dass uns der Antrieb und die Anreize weiterzumachen nie ausgegangen sind und auch nie verschwinden werden.

Wie nehmt ihr die aktuelle Punkrock-Szene wahr, und welche neuen Bands findet ihr spannend?

Oliver: Es sind schwierige Zeiten, die eigentlich Einheit, Geschlossenheit und Schlagkräftigkeit erfordern. Leider empfinde ich die Szene als teilweise sehr zerrissen, so dass man diesen Zeiten nicht entsprechend gegenübertreten kann. Das empfinde ich als sehr traurig und schade.

Spannende Bands? Da gibt es unzählige Kollegen, die man hier nennen könnte. Ich persönlich mag einfach Bands, die über ein gewisses technisches Vermögen verfügen, live eine starke Ausstrahlung haben und sich beim Songschreiben nicht verrennen. Dass die entsprechende Einstellung und eine gewisse Old-School-Attitude vorhanden sein muss, empfinde ich als selbstverständlich.

Seht ihr noch den rebellischen Geist im Punkrock, oder hat sich die Botschaft verändert?

Oliver: Eine schwierige Frage. Ich für meinen Teil nehme eher eine veränderte Botschaft war. Man lebt bewusster und ist sich der Probleme auch innerhalb der Szene im Klaren. Das schafft auf der anderen Seite wieder Reibungspunkte, die zu separativen Tendenzen führen. Aufgrund der angesprochen schwierigen Zeiten, sollte man sich aber besser auf gemeinsame Werte und eine Einheit in der Szene besinnen – den rebellischen Geist, der Ursprung dieser Szene.

 Was möchtet ihr der Punkrock-Szene hinterlassen, wenn ihr irgendwann aufhört?

Oliver: Ich hoffe, Du erwartest jetzt keine philosophische Antwort. Mir genügt es letztlich, wenn sich die Menschen, die unsere Songs anhören, über die Message Gedanken machen. Einfach den Ball aufgreifen und sich mit dem beschäftigen, was in unseren Texten thematisiert wird. Ich möchte Songs hinterlassen, die Leute zum Denken und ggf. auch Umdenken animieren können. Das finde ich persönlich einen tollen Gedanken und eine erstrebenswerte Hinterlassenschaft.

Gibt es etwas, das ihr eurem jüngeren Ich am Anfang eurer Karriere sagen würdet?

Oliver: 2 Dinge: „Junge, betrunken auf der Bühne zu stehen/sitzen mag für Dich vielleicht lustig sein, aber für die Zuschauer ist es unerträglich … es muss nicht jedes offene Bier getrunken werden! Vom Glauben allein wird man an seinem Instrument nicht besser … setz Dich auf Deine 4 Buchstaben, nimm Dir frühzeitig einen guten Lehrer und übe, übe, übe!“.

Weitere Infos zu Sick of Society findet ihr in den Socials.

Facebook

TikTok 

Die mobile Version verlassen