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Arne Blaschke über die Wacken Foundation

Die Wacken Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich voll und ganz der Unterstützung von Rock und Metal Musik widmet. Jede Künstlerin, jeder Künstler und jede Band aus der Metal-Szene hat die Chance, von der Wacken Foundation gefördert zu werden. Das gesamte Stiftungsvermögen fließt ausschließlich in die Förderung von Künstlern der Metal-Szene.

Ich hatte die Gelegenheit, mit Arne Blaschke von der Wacken Foundation zu sprechen. Er hat mir Einblicke in die Organisation gegeben und Details über die Wacken Foundation erzählt.

Pic: Leon Rückert

 

Hallo Arne, wollen wir mal ganz von vorne anfangen? Kannst du einfach mal kurz beschreiben, was die Wacken Foundation ist? Wer ihr seid und was ihr macht?

Wir sind die Wacken Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, die zum Wacken Festival gehört.  Thomas (Jensen) und Holger (Hübner), die Gründer von Wacken, haben die Stiftung 2009 ins Leben gerufen. Der Grundgedanke war, dass es die großen Bands wie Metallica und AC/DC eines Tages einfach nicht mehr geben wird. Um sicherzustellen, dass in zehn oder zwanzig Jahren noch solche Festivals und Konzerte stattfinden können, wurde die Wacken Foundation gegründet.

 

Wie finanziert ihr euch?

Komplett über Spenden.

 

Man kann euch also immer so einen kleinen Obolus schicken?

Genau, das geht.

 

Wie genau fördert ihr die Bands?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Gehen wir von der klassischen Förderung aus, da ist die Bandförderung. Also nehmen wir mal an, du hast eine Band und du willst ein Album aufnehmen und du brauchst beispielsweise 4000 Euro. Dann kannst du bei uns einen Antrag stellen. Es gibt dann zwei Möglichkeiten: Entweder kriegst du ein zinsloses Darlehen für ein Jahr oder eine Zuwendung. Das heißt, du kriegst das Geld quasi geschenkt.

 

Du sagst zwei Möglichkeiten. Besteht auch eventuell eine dritte Möglichkeit, dass man es irgendwie mischt? Das eine mit dem anderen oder trennt ihr das ganz strikt?

Nein, es gibt tatsächlich auch die Möglichkeit einer Mischförderung. Das bedeutet, dass du von den 4000 Euro zum Beispiel 2000 Euro als Zuwendung bekommst und 2000 Euro als zinsloses Darlehen.

 

Das ist eine schöne Unterstützung, vor allem weil jeder im Musikbusiness auch weiß, dass viele Bands, die vielleicht noch am Anfang stehen, eventuell eben nicht die finanziellen Mittel haben, um eine teure Produktion zu bezahlen. Ich bin selbst Promoterin einer Band. Meine Jungs heißen Untamed. Das ist eine Rockband im Bereich Newcomer. Wenn meine Jungs jetzt also ein Album aufnehmen wollen würden und sie hätten kein Geld dafür, dann könnten wir auch einen Antrag bei euch stellen? Dann würden wir reinschreiben, wir machen das und das, wir haben uns dieses Konzept überlegt, auch wie wir dieses Album dann vermarkten und promoten wollen, wer uns unterstützen würde, etc., etc.

Genau dafür sind wir da. Das ist so das Gängigste. Also grundsätzlich ist der Stiftungszweck der Erhalt der Rock- und Metalmusik. Unter diesem Schirm können wir alles reinnehmen, was passt. Der Schirm ist allerdings tatsächlich recht eng, wenn ich mir andere Stiftungen anschaue, die sind etwas breiter aufgestellt. Aber wir können zum Beispiel auch Veranstalter fördern. Stell dir vor, du willst eine Veranstaltung machen und da passen 500 Leute rein. Da kannst du bei uns auch beantragen, dass das Konzert am Ende plus minus null ist. Wenn zum Beispiel nur 300 Leute kommen, dann würden wir dir das, was übrig bleibt, ersetzen, damit du sanft fällst.

 

Das heißt, wenn wir Montagslyriker eine Art Benefizkonzert in Verbindung mit einem Untamed Album-Release-Konzert veranstalten wollen würden, für den guten Zweck, zum Beispiel ein Kinderhospiz in Frankfurt, ich komme aus Frankfurt, deswegen, und wir würden das gerne groß aufziehen, aber wir haben bisher von 500 Karten nur 100 verkauft, aber wir brauchen definitiv diese 500 Leute, dann könntet ihr uns auch helfen?

Ja. Es kommt aber am Ende natürlich immer darauf an, wie du den Antrag stellst und natürlich kommt es auf den Businessplan an. Hat da alles Hand und Fuß. Es gibt auch utopische Vorstellungen, die wir manchmal sehen.

 

Was wäre denn ein Beispiel für einen Antrag, bei dem ihr sagen würdet: vielleicht ist das nicht die beste Idee?

Wenn man zum Beispiel eine ganz kleine, unbekannte Newcomer-Band ist, die jetzt auf große Tour durch Deutschland gehen will und dafür 6000 Euro für einen Tourbus beantragt, dann sagen wir natürlich: Okay, nein. Dann kann man schon mal sagen: Ist okay, du brauchst einen Tourbus, aber du bist einfach noch nicht in der Größenordnung, wo du das brauchst. Da reicht vielleicht auch etwas Kleineres. Es sollte eben auch passen.

 

Habt ihr eine Schmerzgrenze?

Die Schmerzgrenze liegt bei 5000 Euro. Alles darüber, da gibt es auch Sondermöglichkeiten. Zum Beispiel, wenn eine Band sagt: Wir haben die Möglichkeit, mit einer bekannteren Band auf Tour in Amerika zu gehen. Das ist für eine kleinere Band natürlich auch eine Möglichkeit, Bekanntheit zu erlangen. Dann würden wir das natürlich auch unterstützen.

 

Doro Pesch sitzt bei euch im Kuratorium. Großartige Frau. Wie kam das? Wie habt ihr euch Doro geschnappt?

Das war vor meiner Zeit. Ich bin seit 2018 der Projektmanager. Ich glaube, Doro ist von Anfang an dabei. Sie ist ja auch mit Holger und Thomas befreundet, die haben eine gemeinsame Geschichte. So ist Doro dann in unser Kuratorium gekommen.

 

Habt ihr denn auch spezielle Kurse, die ihr anbietet oder auch Workshops, um den Nachwuchs noch intensiver zu fördern? Vielleicht auch Songwriting Camps oder Musikcamps oder sowas?

Das ist ein gutes Stichwort. Wir haben das Wacken Music Camp. Das findet normalerweise zwei bis drei Wochen vor Wacken statt. Dieses Jahr wird es das erste Mal nach Wacken stattfinden. Da werden Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren gefördert. Seit zwei Jahren gibt es auch das Pro Camp, wo auch ältere teilnehmen können. Das Music Camp läuft so ab, dass wir eine komplette Grundschule nutzen. Dort treffen sich dann 50 bis 60 Kids, die in Bands aufgeteilt werden. Wir haben auch viele Coaches aus dem Musikbereich, die dann mit den Kids Bands formen. Die schreiben dann einen Song und am Ende der Woche gibt es ein Konzert, bei dem sie zeigen, woran sie gearbeitet haben. Das ist die Förderung, wo wir ganz jung anfangen. Das gibt es zweimal im Jahr: einmal im Sommer und einmal in der kalten Winterzeit im Januar.

 

Kommen wir mal zu einem anderen Thema: Der Zugang zur Musik hat sich in den letzten Jahren auch enorm verändert. Meinst du, es ist schwieriger oder leichter heute, zum Beispiel auch durch die sozialen Medien, für Künstler, Festivalveranstalter oder eben auch für Menschen wie euch, an Musik ranzukommen oder auch Musiker eben genau zu filtern? Ist das ein Fluch oder ein Segen?

Ich glaube, es ist beides. Ich denke, es ist heute leichter, bekannt zu werden, weil die Verbreitungsmöglichkeiten vielfältig sind. Aber ich glaube, bei den Menschen im Kopf hängenzubleiben, das ist das Schwierige, weil alles so schnelllebig ist. Du musst wirklich Glück haben, zur richtigen Zeit den richtigen Song rauszubringen. Das ist die Schwierigkeit.

 

Bist du ein Freund der sozialen Medien oder denkst du: Was für ein Mist? Kann weg. So wie ich oft denke. Aber verrate das bloß nicht weiter.

Schwer zu sagen. Ich verteufele sie auch oft, aber nutze sie manchmal trotzdem viel. Ich hasse es auch, wenn man mit Freunden unterwegs ist und jeder hat das Handy in der Hand. Aber ich erwische mich selbst auch dabei. Ich versuche seit Jahren, mein Facebook zu löschen, aber dann weiß ich nicht mehr, wer wann Geburtstag hat. 🙂

 

Hat echt alles Vor- und Nachteile. Echt wahr. Arne, vielen Dank für deine Zeit und den Einblick. Ich denke, wir hören, lesen, sehen uns bestimmt demnächst. Danke. 

 

Mehr Informationen zur Wacken Foundation findet ihr in den Socials.

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WACKEN FOUNDATION Website

Wacken Music Camp

Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

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