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Doppelbock – Die Band mit dem Akkordeon (Interview)

Credit: Sebastian Kienzle

Akkordeon in einer Rockband? Klingt erstmal wie ein Experiment, das schiefgehen könnte. Aber die Jungs von Doppelbock aus Hessen haben sich das genau überlegt – und zwar als Markenzeichen! 

Die Band mit dem Akkordeon!

Wieso ausgerechnet das Instrument und was die Jungs sonst noch draufhaben, verraten sie uns im Interview. Es geht natürlich um das Akkordeon, aber auch um die Frage: Label oder DIY? Und natürlich auch um ihre nächsten Gigs. Wenn ihr die Jungs mal live sehen wollt, dann aufpassen! Am 5. April rocken sie in Pratteln in der Schweiz mit Fiddler’s Green und am 30. April geht’s in Offenbach bei der Kommune 2010 richtig ab beim „Rock in den Mai“. Ach, und ihr dürft euch auf ein neues Album freuen – das kommt am 18. Juli. Aber lest selbst!

Marco, ich fang mal mit dir an. Du bist der Akkordeonist der Band? Das hört man in einer Rockband nicht oft.

Ja, das stimmt. Aber wenn man sich ein wenig im traditionellen Folk Rock bewegt, ist das Instrument gar nicht so selten. 

Na gut, fangen wir mal ganz vorne an. Erzählt doch mal ein bisschen über euch. Wer seid ihr und was macht ihr für Musik?

Wir sind Doppelrock und haben uns 2014 gegründet. Unsere Musik lässt sich am besten als eine Mischung aus Folk Rock und Folk Punk beschreiben. In den ersten Jahren haben wir uns erst einmal musikalisch gefunden. 2019 haben wir dann beschlossen, das Ganze ernster anzugehen, aber kurz darauf kam Corona und hat unsere Pläne durchkreuzt. Seit 2021 sind wir wieder aktiv unterwegs.

Was mir bei euch sofort auffällt: Ihr nehmt euch ernst, aber nicht zu ernst, oder? Eure Musik hat diese fröhliche Vibe, aber ohne dass es zu steif oder verbissen wirkt – eher so, als würde immer mal wieder ein kleines Augenzwinkern durchblitzen.

Ja, genau. Mit “ernst nehmen” geht es auch hauptsächlich darum, dass wir inzwischen organisierter arbeiten und gewisse professionelle Strukturen entwickelt haben. Aber die Grundstimmung unserer Band ist tatsächlich spaßorientiert, und das merkt man auch in unserer Musik.

Eure Musik hat eine große Bandbreite. Ich habe Rock, Folk und sogar Anklänge von Schlagermusik herausgehört. Kann man das so sagen?

Schlager würden wir es nicht nennen! Das fühlt sich jetzt ein wenig kränkend an. (lacht) Aber es stimmt, wir bedienen uns unterschiedlicher Stile. Wir haben in manchen Songs humorvolle Elemente, die vielleicht an bestimmte Genres erinnern. Wir wollen uns nicht zu sehr festlegen und probieren gerne verschiedene Dinge aus, achten aber darauf, dass es trotzdem noch als Rockband erkennbar bleibt.

Seid ihr eine politisch geprägte Band? Gibt es politische Einflüsse in euren Songs?

Nein, eigentlich nicht. Unsere Texte sind eher humorvoll und handeln oft von alltäglichen Dingen. Es wäre schwierig, gleichzeitig spaßige Sauflieder zu machen und dann plötzlich politische Themen ernsthaft zu behandeln. Das wäre nicht wirklich unser Stil. Politisch werden wir in unserer Musik also wahrscheinlich nicht. Vielleicht gibt es mal sozialkritische Themen, aber das hat bei uns keinen festen Platz. Unsere Musik soll vor allem Spaß machen und den Kopf abschalten lassen. Es gibt genug Dinge, die einen im Alltag beschäftigen – wir wollen eher einen Gegenpol dazu bieten.

Viele Bands äußern sich heutzutage politisch, was ja auch immer wieder zu Diskussionen führt. Wie seht ihr das – glaubt ihr, dass es eine Pflicht für Bands ist, sich politisch zu positionieren? Einige sagen ja, Künstler hätten gerade die Verantwortung, auf Missstände aufmerksam zu machen. Was haltet ihr davon?

Nein, wir sehen das nicht als Pflicht. Musik ist Kunst, und Kunst kann viele Formen annehmen. Manche Bands möchten politische Botschaften transportieren, andere nicht. Wir haben zwar ein paar sozialkritische Songs, die mit Vorurteilen spielen, aber wir bleiben bewusst unpolitisch. In unserer Musik geht es eher um Lebensfreude und gemeinsame Erlebnisse.

Welche Themen behandelt ihr direkt in euren Songs – abgesehen vom Bier? Ihr habt die Sauflieder erwähnt.

(lacht) Ja, Bier ist natürlich ein häufiges Motiv. Aber es geht nicht nur darum. Unsere Texte erzählen Geschichten – zum Beispiel über Abende mit Freunden, Erinnerungen an frühere Zeiten oder einfach lustige Alltagssituationen. Manche Songs fassen ein bestimmtes Lebensgefühl zusammen, andere erzählen kleine Geschichten.

Wer schreibt eure Songs? Entstehen sie eher spontan oder durch gemeinsame Sessions?

Mittlerweile schreiben wir alle gemeinsam. Jeder bringt Ideen mit, und im Studio arbeiten wir dann zusammen daran. Manchmal haben wir eine grobe Vorstellung, manchmal entwickelt sich der Song erst während des Schreibprozesses.

Marco, du spielst Akkordeon in der Band. Wie kam es dazu?

Ursprünglich sollte ich Gitarre spielen, aber das hat nicht so geklappt. Ich hatte zwei Jahre Gitarrenunterricht, aber es war einfach nicht mein Instrument. Dann habe ich zufällig das Akkordeon meines Vaters auf dem Dachboden gefunden und zur Probe mitgebracht. Das hat dann irgendwie gepasst, und wir haben es beibehalten. Ein Klavier auf der Bühne hätte komisch ausgesehen, weil ich auch Klavier spiele – und das Akkordeon hat sich als besonderes Element in unserer Musik etabliert.

Eure Musik erinnert mich an Bands wie Dropkick Murphys oder Flogging Molly. Waren das Einflüsse für euch?

Ja, auf jeden Fall! Wir haben viel Irish Folk Punk gehört, und diese Musik hat uns geprägt. Das Akkordeon passt da natürlich dann auch super rein.

Wie seht ihr das mit Spotify? Ihr bringt am 18. Juli ein Album Zu jung für Nostalgie” heraus, habt aber auch schon einige Singles veröffentlicht. Heutzutage muss man ja ständig den Algorithmus füttern. Ist das für Künstler Fluch oder Segen?

Eigentlich beides. Es ist unheimlich einfach geworden, Musik zu veröffentlichen und einem Publikum zugänglich zu machen – jeder kann es sofort hören. Gleichzeitig gibt es aber eine riesige Flut an neuer Musik, die täglich erscheint. Man muss sehr gutes Marketing betreiben, um überhaupt wahrgenommen zu werden und nicht in der Masse unterzugehen. Über die Bezahlung bei Spotify muss man gar nicht reden, das finanziert sich nicht wirklich. Viele in unserer Generation sind damit aufgewachsen, dass Musik für sie praktisch kostenlos ist. Sie zahlen zehn Euro im Monat und haben Zugriff auf fast alles. Dadurch geht der Wert der Musik ein Stück weit verloren – was an Arbeit dahintersteckt, ist vielen gar nicht bewusst. Das ist schade, aber eben die Realität. 

Da sitzt ihr leider mit vielen anderen Bands im gleichen Boot. Wie sieht eure Promo aus? Habt ihr ein Label oder macht ihr alles selbst?

Wir machen alles tatsächlich selbst. Wir haben verschiedene Managements und Labels ausprobiert, aber letztendlich festgestellt, dass es am meisten Sinn macht, alles selbst zu machen. Manche Dinge, wie Booking, kann man nicht allein stemmen – da sind Connections wichtig. Deshalb arbeiten wir mit Headline Concerts zusammen, die auch Bands wie In Extremo oder Fiddler’s Green betreuen. Ein Label bräuchten wir vielleicht für einen Vorschuss, aber dann gibt man gleich wieder viele Prozente ab. Wir investieren lieber unser eigenes Geld und behalten dafür alle Rechte. Es ist mehr Arbeit, aber wir haben die Kontrolle.

Wie sieht es mit euren Studioaufnahmen aus? Habt ihr ein eigenes Studio?

Nein, das nicht. Wir nehmen in den Principal Studios auf. Unser Produzent ist Jörg Umbreit. Die Studioarbeit machen wir also nicht selbst, da haben wir Unterstützung.

Wann kann man euch demnächst live sehen? Wo muss ich da hin?

Am 5. April rocken wir in Pratteln in der Schweiz zusammen mit Fiddler’s Green und am 30. April sind wir in Offenbach bei der Kommune 2010 beim „Rock in den Mai“-Event dabei.

Doppelbock: Frankfurter Berg (Review)

Mehr zur Band Doppelbock findet ihr in den Socials.

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