Doppelbock: Zwischen Akkordeon, Humor & Tiefgang. Die Band über Publikum, Musikbusiness und den doppelten Boden ihrer Songs.
Interview: Mia Lada-Klein
Doppelbock, die Rockband mit dem Akkordeon. Auf den ersten Blick wirkt das wie Bierlaune, Kirmesbeleuchtung und eine Prise Klamauk. Auf den zweiten Blick entpuppt sich die Band jedoch als deutlich tiefgründiger, als ein Philosophie-Seminar um 8 Uhr morgens nach einer durchzechten Nacht. Doppelbock sind eigentlich genau die Art Band, die ich privat vermutlich nie einschalten würde und trotzdem begeistern sie mich jedes einzelne Mal, wenn ich sie dann doch höre.
Es sind die scharfen Beobachtungen, der trockene Humor und der unerwartete Tiefgang, die sich mit beschwingter Schunkelmusik verbinden und etwas ergeben, das auf wundersame Weise zwei Welten vereint: gute-Laune-Vibes einerseits und einen doppelten Boden für alle, die das Oktoberfest eher als jährlichen gesellschaftlichen Ausnahmezustand am Rand des Abgrunds betrachten.
Im Interview mit Bruno Kalkowski (Leadgesang, Gitarre) und Marco Czerny (Akkordeon, Gesang) wollte ich mehr erfahren über das Musikbusiness, den steilen Aufstieg der Band, ihr Konzept, ihr Publikum und den berühmten doppelten Boden, der hinter all dem Schluckauf-Humor tatsächlich steckt.
Doppelbock zwischen Ritterrüstung und Rockklub
Lasst uns mal über euer Publikum sprechen. Wie würdet ihr es denn beschreiben? Laut, wild, kritisch, feierfreudig?
Bruno: Schwer zu sagen, ehrlich gesagt. Wir spielen momentan vor sehr unterschiedlichem Publikum. Wenn man etwa mit Bands wie Fiddler’s Green oder Kärbholz unterwegs ist, trifft man natürlich ganz verschiedene Leute. Genauso war es auch bei der Winterlights.
Inwiefern unterscheidet sich das Publikum?
Bruno: Wir bewegen uns ja irgendwo zwischen Deutschpunk und diesem fast schon mittelalterlich-folkigen Bereich. Wir haben Shows gespielt mit Versengold oder Schandmaul, aber eben auch mit Bands aus der Punk-Schiene. Das überschneidet sich teilweise, ist aber trotzdem sehr unterschiedlich. Bei der einen Show steht jemand in zerrissener Kutte da, bei der nächsten einer in Ritterrüstung. Ein typisches „Fanbild“ haben wir also gar nicht, das gibt’s bei uns schlicht nicht.
Das klingt so, als hättet ihr euch bewusst keine feste Nische gesucht.
Marco: Unsere Musik ist ziemlich zugänglich, sie ist weder zu sehr im deutschsprachigen Rock noch im Folk. Das Härteste, was wir haben, ist wahrscheinlich das Akkordeon und das sagt ja schon einiges. (lacht)
Bruno: Wir sind auch keine Konzeptband, die sich auf der Bühne verkleidet oder in eine Rolle schlüpft. Deshalb haben wir vielleicht auch keine eingeschworene Ritter-Fanbase, aber trotzdem kommen die Leute aus ganz verschiedenen Ecken und können was mit uns anfangen.
Das passt zu meiner Wahrnehmung. Ich finde, ihr steht ein bisschen zwischen den Stühlen, nicht ganz Mainstream, aber auch zu ironisch für den klassischen Rockfan. Würdet ihr sagen, dass ihr euch irgendwo dazwischen bewegt?
Bruno: Das würden wir so unterschreiben. Uns fällt es generell schwer, uns einem Genre komplett zuzuordnen. Wenn wir etwas Neues ausprobieren, müssen wir uns manchmal selbst daran erinnern, halbwegs in einem Stil zu bleiben. Aber eigentlich gefällt uns genau diese Vielfalt. Viele Bands haben ein, zwei Songs, die super laufen und dann wird dieser Sound immer wieder reproduziert. Dadurch geht oft die Breite verloren. Wenn man sich alte Toten-Hosen-Platten anhört, war das völlig anders: Da gab’s stumpfe Sauflieder wie „Eisgekühlter Bommerlunder“, aber auch emotionale Balladen wie „Alles aus Liebe“. Dieses Spektrum vermisst man heute oft. Wir versuchen, das wieder mehr aufleben zu lassen. Klar, wir haben Songs, die auf Social Media gut laufen, „Getränkemarkt“ zum Beispiel, aber wir wollen nicht nur solche Musik machen. Uns geht’s nicht darum, etwas zu wiederholen, nur weil es funktioniert. Musik soll Spaß machen und etwas ausdrücken, sonst verliert sie an Bedeutung.
Das bringt mich zu einer eher grundsätzlichen Frage: Wollt ihr gesehen oder gehört werden? Was meine ich damit? Eure Songs sind oft witzig und selbstironisch, aber Humor könnte auch ein Schutzschild sein, um ernste Themen subtiler anzusprechen. Ihr seid ja alles andere als eine oberflächliche Band, wenn man sich wirklich mit euren Texten beschäftigt. Wer nur mitschunkeln will, darf das gerne tun, aber wer genauer hinhört, merkt auch, dass da mehr drinsteckt. Wie wichtig ist euch, dass eure Musik richtig verstanden wird? Oder nervt es auch manchmal, wenn Menschen nur die Oberfläche sehen, also das „Schunkelband“-Image, das ihr ja manchmal auch so aufgestempelt bekommt?
Bruno: (lacht) Ja, das kann man schon so sagen,„Schunkelband“ hören wir tatsächlich ab und zu. Aber ganz ehrlich: Wir wussten ja, worauf wir uns einlassen. Wenn man Lieder rausbringt, die auch mal mit Augenzwinkern funktionieren, muss man damit rechnen, dass nicht jeder gleich den Tiefgang dahinter erkennt. Und das ist okay.
Also kein Grund für Frust?
Bruno: Nein. Es kann sogar hilfreich sein. Die Leute feiern die Songs erst mal, geben sie weiter, und manche hören dann beim zweiten oder dritten Mal genauer hin. Vielleicht merken sie dann: „Ah, da steckt ja doch noch was anderes dahinter.“ Solange das so bleibt, stört uns das gar nicht.
Marco: Außerdem machen wir das Ganze ja noch nicht ewig. Wir sind als Band noch jung, entwickeln uns ja auch ständig weiter.
Bruno: Und bisher kam ehrlich gesagt niemand auf uns zu und hat gesagt: „Ihr seid doch nur eine reine Saufband.“ Wer sich etwas reinhört, merkt schnell, dass es auch viele andere Facetten gibt.
Ich glaube auch, dass euer Publikum mit euch wächst, man verändert sich ja gemeinsam mit den Jahren. Wir werden alle älter, die Fans ja auch, und dadurch verändert sich automatisch die Wahrnehmung. Heute denken wir alle anders über manche Themen nach als vor zehn Jahren und in zehn Jahren wird das sicher auch so sein.
Marco: Ja, wir sind ja auch überhaupt nicht festgefahren. Das ist unser Vorteil: Wir können uns musikalisch in jede Richtung weiterentwickeln. Und das tun wir auch. Was wir aktuell in der Pipeline haben, ist sehr unterschiedlich, aber trotzdem erkennt man eine Linie, das war uns wichtig.
Apropos neue Songs, wann kommt denn euer nächstes Album?
Bruno: Einen festen Termin gibt’s noch nicht. Wir peilen den Spätsommer 2026 an, aber wie das heute so ist, wird’s kaum noch Alben mit komplett unveröffentlichten Songs geben. Am Ende sind vielleicht zwei, drei neue Lieder drauf, der Rest erscheint über das Jahr verteilt als Singles.
Also eher ein kontinuierlicher Veröffentlichungsprozess?
Bruno: Genau. Das ist einfach zeitgemäßer. Kaum jemand hört heute ein ganzes Album am Stück, die meisten streamen einzelne Songs. Natürlich wollen wir trotzdem, dass das Album am Ende wie aus einem Guss wirkt, aber wirtschaftlich und strategisch ist es sinnvoller, die Lieder einzeln rauszubringen.
Harte Realität, falsche Versprechen und echter Zusammenhalt
Kommen wir zu euren Texten. Sie wirken oft wie ein Kommentar über das normale Leben, manchmal ironisch, manchmal ernst. Wie viel Biografisches steckt da drin?
Bruno: Das variiert total. Wir schreiben mittlerweile zu viert, dadurch fließt ganz unterschiedlicher Input ein. Manche Songs sind sehr persönlich, andere reine Beobachtungen oder fiktive Geschichten. Das hängt immer vom Thema ab. Wir haben keine feste Regel, nach der wir schreiben.
Bruno, du hast vorhin erwähnt, dass ihr euch auf der Bühne nicht verkleidet oder bewusst in eine Rolle schlüpft. Trotzdem frage ich mich: Gibt es vielleicht doch eine überspitzte Version von euch, eine Art „Bühnen-Ich“? Ich hatte neulich ein Interview mit dem Comedian Ryko, bei dem es genau darum ging, um die Unterscheidung zwischen der realen Person und der Bühnenfigur. Wie ist das bei euch? Arbeitet ihr mit einer Rolle, einer Figur, einem Alter Ego, einer überspitzten Version eurer selbst oder zeigt ihr einfach nur eure ganz normale, casual Seite?
Marco: Das ist ganz unterschiedlich. Der eine ist auf der Bühne mehr „drin“ und lebt sich stärker aus, der andere bleibt ziemlich genau so, wie er privat ist.
Bruno: Aber niemand spielt eine Rolle oder schlüpft bewusst in ein Kostüm. Eine echte Trennung zwischen Bühnenperson und Privatmensch gibt’s bei uns nicht.
Seht ihr euch manchmal als Gegenpol zur glattpolierten Popwelt? Also zu dieser perfekten Selbstdarstellung, die man besonders auf Social Media oft sieht? Viele Künstlerinnen und Künstler zeigen dort ja vor allem ihre positive Seite, alles wirkt makellos, stilisiert, manchmal fast schon steril. Bei euch ist das anders: Ihr wirkt in euren Reels eher humorvoll, wild, nahbar und damit deutlich weniger aalglatt. Und um das aber klarzustellen: Das hat nichts mit fehlender Professionalität zu tun, im Gegenteil, genau da seid ihr vielen Bands voraus. Es geht vielmehr um eure Art der Darstellung.
Marco: Wir haben gemerkt, dass dieser Mix für uns einfach funktioniert. Unser Humor zieht sich durch alles, was wir machen, und genau das spricht viele Menschen an. Es kommt bei uns ganz natürlich, wir müssen uns dafür nicht verstellen. Bei Songs wie Der Getränkemarkt kam die Grundidee von Bruno, da war das erstmal schwer, aber alles drumherum, die Texte, das Feeling, fiel uns total leicht. Das entspricht einfach unserem Humor, und deshalb funktioniert es auch in unseren Videos so gut.
Bruno: Es ist das Einfachste, wenn man sich nicht verstellen muss. Wenn wir versuchen würden, große Stars zu spielen oder irgendwas vorzugeben, das wir nicht sind, dann würde das keiner glauben, wir selbst am wenigsten. So, wie es jetzt ist, ist es einfach authentisch. Die Leute merken, dass wir nichts spielen. Und wenn man das dann noch mit unserem, sagen wir mal, überspitzten und kindischen Humor kombiniert, dann passt das.
Ich finde, so etwas kann man aber nur glaubwürdig rüberbringen, wenn eine gewisse Intelligenz dahintersteht. Das ist tatsächlich ein Erfolgsfaktor, nicht jeder schafft es, Witz und Tiefgang so zu verbinden.
Bruno: (lacht) Das kann man von sich selbst schwer behaupten.
Das stimmt, aber ich darf das öffentlich sagen. Man kann sich dümmer stellen, das funktioniert, aber intelligenter geht halt nicht. Das fällt irgendwann auf. Ich merke das auch in meiner Arbeit: Je renommierter eine Band ist, desto reflektierter sind die Gespräche. Meiner Meinung nach braucht es Intelligenz, um Erfolg langfristig zu halten.
Marco: Das ist eine gute Beobachtung. Wir hatten von Anfang an einfach ein Problem damit, Musik als reine Kunst oder Arbeit zu sehen. Viele Bands machen sich größer, als sie sind, auch kleinere. Vor und hinter der Bühne. Und das wollten wir nie. Wir haben uns bewusst entschieden, uns selbst nicht zu ernst zu nehmen. Klar, da treten wir dem einen oder anderen auf den Schlips, aber das gehört wohl dazu.
Absolut, das liegt oft am Künstlerego, gepaart mit den digitalen Strahlen, denen manche eben ausgesetzt sind. Eine gefährliche Kombination.
Marco: Ab wann ist man überhaupt „Künstler“?
Spannend, dass du das sagst. Frank Briegmann von Universal meinte einmal in einem Interview mit der FAZ, es gibt Berufsmusiker und Hobbymusiker, was auf Social Media natürlich sofort für Empörung gesorgt hat. Aber im Kern stimmt das: Es gibt viele gute Bands, aber nicht alle werden weit kommen. Marktfähigkeit, Intelligenz, Selbstreflexion, das alles spielt da mit rein.
Bruno: Gerade Social Media lädt natürlch dazu ein, sich größer zu fühlen, als man ist. Wenn man ein bisschen weiß, was funktioniert, kann man schnell viral gehen. Aber das hat mit echter Relevanz oder musikalischem Erfolg nichts zu tun.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Bruno: Wir hatten neulich wieder so ein Beispiel: Ein viersekündiges Reel mit einer Bierflasche ging viral, eine Viertelmillion Aufrufe. Und klar, die Leute feiern das, aber es hat nichts mit unserer Musik zu tun. Da muss man sich immer wieder bewusst machen, dass Reichweite nicht gleich künstlerischer Wert ist. Es ist schön, wenn neue Leute auf uns aufmerksam werden, aber am Ende darf man da nicht in den Sumpf abtauchen. Man darf sich nicht in dieser Spirale verlieren. Wenn man nur noch auf Klicks schaut, wird man schnell zum Clown. Und das wollen wir nicht.
Zwischen Akkordeon im Moshpit und Zukunftsplänen
Das habt ihr ja auch im letzten Interview schon gesagt, bei euch ist immer ein Augenzwinkern dabei. Aber natürlich wollt ihr als Band auch ernst genommen werden, auch als Songwriter. Deshalb interessiert mich heute mal: Wie romantisch ist das Musikbusiness wirklich? Ist es so glamourös, wie man sich das manchmal vorstellt oder habt ihr schnell gemerkt, dass es im Grunde ein Knochenjob ist?
Marco: Die Hölle, absolut. (lacht) Wir wissen selbst nicht, warum wir das machen.
Bruno: Nein, Spaß beiseite: Wir machen schon sehr lange zusammen Musik, aber in dieser Intensität, mit dem ganzen Workload, ist es erst in den letzten Jahren so richtig losgegangen. Und ja, es ist extrem viel Arbeit.
Inwiefern?
Bruno: Viele sehen ja nur das Endprodukt, also das lustige Video oder das Konzert. Aber was dahinter steckt, sieht keiner direkt. Jeden Tag muss etwas produziert werden, Content, Songs, Social Media. Dann kommt das Songwriting, Studio, Booking, Orga, Support für eigene Veranstaltungen, das ist ein Vollzeitprogramm.
Marco: Es ist wirklich absurd, wie viel Arbeit das ist, obwohl man davon nicht ansatzweise leben kann.
Bruno: Wir haben auch mal scherzhaft gesagt: Wenn wir noch einmal anfangen würden, würden wir alle Fußballer werden. (lacht)
Wenn ihr jetzt aber zurückblickt, sagen wir zehn Jahre, und eurem damaligen Ich einen Rat geben könntet: Was würdet ihr sagen?
Bruno: Am Anfang haben wir einfach drauflosgespielt, viel gecovert, alles ausprobiert. Und genau das war wichtig. Dadurch sind wir heute keine Konzeptband, die sich drei Vorbilder nimmt und sagt: „So wollen wir klingen.“ Wir haben über die Jahre unseren eigenen Stil entwickelt, weil wir so unterschiedliche Musik gemacht haben. Ich würde also sagen: Die ersten fünf Jahre, alles richtig gemacht.
Marco: Und wenn es um Tipps für andere geht, das hängt natürlich vom Ziel ab. Wenn man wirklich als Band wachsen will, muss man dorthin, wo Leute Ahnung haben. Das klingt banal, ist aber in der Musikbranche auch selten.
Ihr meint, es gibt viele, die glauben, sie hätten Ahnung, aber in Wahrheit reden sie nur?
Marco: Wir haben vielleicht zwei, drei Menschen kennengelernt, auf deren Wort man sich wirklich verlassen kann. Der Rest war heiße Luft. Da wird viel versprochen, Reichweite, Kontakte, große Chancen und am Ende passierte nichts.
Das zieht sich ja durch viele Bereiche. Es gibt überall schwarze Schafe, auch im Medienbereich.
Bruno: Und solche Leute halten sich auch. Die finden immer wieder Bands, die an ihren Traum glauben und die nutzen sie aus.
Marco: Manche machen das bewusst, andere merken es gar nicht. Wir hatten beides. Es gibt die, die dich gezielt über den Tisch ziehen wollen, und die, die wirklich glauben, sie könnten etwas bewegen, es aber schlicht nicht können. Da muss man auch einen Unterschied machen und kann vielleicht der einen Sorte mehr einen Vorwurf machen.
Also eine Mischung aus Selbstüberschätzung und Täuschung. Wenn man andere täuscht, täuscht man aber auch oft sich selbst. Du musst am Ende des Tages noch in den Spiegel schauen können und wissen, wer du bist. Dieses „Fake it until you make it“ funktioniert vielleicht eine Zeit lang, aber man sollte ja nie den Bezug zur Realität verlieren. Und das passiert im Musikbusiness häufiger. Gerade durch die sozialen Medien wird diese Selbstüberschätzung befeuert. Jeder kann sich perfekt inszenieren und irgendwann glaubst du selbst, dass dieses Bild echt ist. Ich kenne einige Bands, die nicht an mangelndem Talent oder Potenzial gescheitert sind, sondern daran, dass sie abgehoben sind. Die haben zu viele „digitale Strahlen“ abbekommen. Ihr wirkt aber ohnehin sehr bodenständig. Ist das etwas, worauf ihr bewusst achtet?
Marco: Wir sind alle ziemliche Realisten, der eine mehr, der andere weniger. (lacht) Aber im Großen und Ganzen holen wir uns gegenseitig immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Marco, du hast vorhin gesagt, dass ihr manchmal Leuten „auf den Schlips tretet“. Wie war das gemeint? Esst ihr anderen Bands die Pizza im Backstage weg oder worauf war das bezogen?
Marco: Es gibt schon einige, die sich wichtiger nehmen, als sie sind. Da gibt’s dann plötzlich Bands, die sich selbst als „Co-Headliner“ bezeichnen, obwohl sie im Grunde genauso klein sind wie wir. Wir gehen die Sache eher locker an, nach dem Motto: „Hey, wir sitzen alle im selben Boot.“ Und das gefällt manchen nicht.
Ihr haltet den Leuten also einfach nur den Spiegel vor.
Bruno: Wir holen sie aus ihrem Traumschloss raus. Manche können damit umgehen, andere nicht. Das ist das, was Marco meint. Es gibt Leute, die mögen es gar nicht, wenn man ihnen sagt: „Hey, wir sind beide nicht die Rolling Stones.“ Aber das ist die Realität und die tut manchen weh.
Kommen wir mal zu euren Live-Auftritten. Ich habe euch beim Music Forge gesehen, da hattet ihr ja ordentlich Stimmung gemacht. Marco, du hast da mit dem Akkordeon in der Menge gespielt. War das nicht ein bisschen riskant, mitten im Publikum?
Marco: (lacht) Oh ja, das war’s! Ich hatte echt Angst, dass mir jemand ein Bier über das Instrument kippt, dann wäre das Ding Geschichte gewesen. Aber am Ende hat’s richtig Spaß gemacht. Ich ziehe mich nach so einer Aktion zwar schnell wieder zurück, aber der Moment an sich, das war einfach cool.
Ihr wart ja dieses Jahr auch beim „Warm up“ des Music Forge Festivals dabei und nächstes Jahr steht ihr wieder dort auf der Bühne, stimmt’s?
Bruno: Ja, genau! Das war dieses Jahr schon richtig schön, und nächstes Jahr sind wir dann Teil des gesamten Line-ups. Da freuen wir uns sehr drauf. Und ja, an dieser Stelle auch ein großes Lob an Robin und seine Crew. Das ist ein unglaublich feiner Kerl, und das Festival war eines der schönsten, auf denen wir dieses Jahr gespielt haben. Super Atmosphäre, super Organisation, einfach rundum gelungen.
Zum Abschluss habe ich noch eine kleine kreative Frage: Wenn ihr mir ein T-Shirt designen müsstet, was würde draufstehen?
Bruno: (lacht) Das ist eine schwierige Frage! Wir versuchen seit Jahren, endlich mal ein Bandshirt mit einem guten Spruch zu machen, aber jedes Mal scheitert’s. Entweder gefällt dem Drummer der Entwurf nicht, oder jemand anderes sagt: „Nee, der Spruch geht gar nicht.“ Wir haben’s bisher einfach nie geschafft, uns zu einigen.
Dann wäre das hier also eure Chance!
Bruno: Also ich würde sagen: „Doppel-bodenständig“. (lacht)
Das gefällt mir! Sehr ehrlich, sehr charmant. Gibt’s denn noch etwas, das ihr euren Fans oder auch meinen Leserinnen und Lesern mitgeben möchtet?
Bruno: Ja, auf jeden Fall! Zuerst möchten wir alle herzlich zu unserer eigenen Veranstaltung einladen. Am 29. November spielen wir in Gelnhausen, das wird unser großes Jahresabschlusskonzert. Wer Lust hat, ist herzlich willkommen, du natürlich auch! Bring einfach ein paar Leute mit. Und wir bringen auch eine neue Single raus. Tatsächlich mal etwas ernsteres.
Das ist ein schönes Schlusswort. Danke euch, für das Gespräch, für eure Offenheit und natürlich für den „doppel-bodenständigen“ Humor.
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Mehr zu Doppelbock und weitere Soundcheck Sessions auf der Website:
Doppelbock – Die Band mit dem Akkordeon (Interview)
RYKO: Ruhrpott-Rabatz und die leisen Gedanken dazwischen
Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

