Review zu Mariachi El Bronx und ihrem nach zwölf Jahren veröffentlichten vierten Album „Mariachi El Bronx IV“, das am 13. Februar über ATO / PIAS erscheint.
Review: Mia Lada-Klein
Nach zwölf Jahren Funkstille melden sich Mariachi El Bronx mit ihrem vierten Album „Mariachi El Bronx IV“ zurück.
Bereits der Opener „Forgive Or Forget“ wirft einen direkt in ein spanisch angehauchtes Abenteuer, das einen kurz an Diego Luna erinnert. Warum? Keine Ahnung, aber seit ich vor drei Jahren „Dirty Dancing 2“ gesehen habe, geht mir spanische Gitarrenmusik in den schönsten Filmsequenzen direkt unter die Haut. Und ja, Matt Caughthran legt stimmlich genau diesen filmreifen Charme drauf.
Die zwölf Tracks des Albums erzählen von Spielern, Ex-Playboys, Kriegern, Liebenden und all den Menschen, die den heutigen Wahnsinn irgendwie tragen müssen. Musikalisch gibt es hier keinen chaotischen Wildwuchs, kein musikalisches Freestyle-Massaker. Stattdessen lädt die Musik zum Tanzen ein, mal geschmeidig, mal verspielt und man hat dabei ständig das Gefühl, in einem kleinen Filmabenteuer voller spanischer Gitarren zu stecken.
Mariachi El Bronx: Urlaub für die Ohren mit einer Prise Ironie
Besonders „All Things“ fühlt sich an wie ein kleiner Kurzurlaub, irgendwo zwischen spanischem Dorfplatz und schummrigem Filmset. Wer den Soundtrack zu einem imaginären Quentin Tarantino Film sucht, ist hier genau richtig. Außer bei „El Dorado“. Der Songs driftet charmant ins Oktoberfestliche ab. Schuld ist das Akkordeon, das hier mal leise, mal laut seinen Auftritt hat und definitiv für einen leicht skurrilen Effekt sorgt. „Gamblers Prayer“ wiederum liefert wieder diese vertrauten Filmvibes, die heimliche Soundtrack-Fans sicher sofort ins Herz treffen werden.
Doch Mariachi El Bronx wissen auch, wann Ruhe angesagt ist. Das Album endet mit „Into The Afterlife“, einem Track, der deutlich langsamer ist, aber nicht weniger filmreif.
Mariachi El Bronx: Ein Winterurlaub für die Ohren
Am Ende bleibt das Fazit: Mariachi El Bronx servieren etwas, das man in der deutschen Winterlandschaft dringend braucht. Es ist kein Weltalbum, kein neues Meisterwerk der Musikgeschichte, aber es bietet Kopfkino, Filmvibes und ein bisschen Urlaubsfeeling, ohne dass man die Wohnung verlassen muss. „El Dorado“ und „El Borracho“ erinnern mit dem Akkordeon aber auch daran, dass man bei Mariachi El Bronx nie genau weiß, wohin die Reise geht.
„Mariachi El Bronx IV“ ist frech, ein bisschen schräg, charmant und erstaunlich tanzbar. Ein Album, das zeigt, dass Musik mehr kann als nur Unterhaltung: Sie kann Filme ins Wohnzimmer zaubern und für zwei, drei Minuten aus dem Winteralltag fliehen lassen. Und das, meine Freunde, ist mehr, als viele angeblich weltbewegende Alben überhaupt zustande bringen.
7,5 von 10
Tracklist:
Forgive Or Forget
Bandoleros
Songbird
All Things
El Dorado
Fools Gold
The Takers
RIP Romeo
Gamblers Prayer
El Borracho
Tie You Down
Into The Afterlife
Mehr zu Mariachi El Bronx findet ihr in den Socials.
Interviews mit anderen Bands findet ihr auf meiner Website.
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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

