Sean Solomon liefert mit “The World Is Not Good Enough” ein verspieltes Indie-Debüt mit leisen Songs und opulenten Bläser- und Streicherpassagen.
Text: Mia Lada-Klein
Sean Solomon, einst Stimme der “Sub Pop Band” Moaning und jetzt Soloabenteurer mit Hang zur liebevollen Verwirrung, legt mit “The World Is Not Good Enough” ein Debüt vor, das schon optisch grinsend irritiert. Das Cover zitiert augenzwinkernd die heile Welt eines Richard Scarry und deutet damit schon an, wohin die Reise geht. Es geht um schöne Oberflächen und das leise Unbehagen darunter. Diese kognitive Dissonanz zieht sich konsequent durch das gesamte Album und wirkt dabei weniger wie Konzeptkunst als wie ein charmant schiefer Blick auf die Dinge.
Sean Solomon: Zwischen Schlafzimmer und Blaskapelle
Der Opener “Car Crash” stolpert sanft ins Geschehen und klingt zunächst, als hätte ein junger Adam Green beschlossen, es heute mal etwas ruhiger angehen zu lassen. Akustikgitarre, ein Hauch Indie und diese leicht verschrobene Lässigkeit, die nie ganz weiß, ob sie melancholisch oder ironisch sein will. “Finish Line” knüpft daran an, erweitert das Ganze aber um Streicher und einen Schellenkranz, der sich dezent im Hintergrund bemerkbar macht, als würde er höflich um Aufmerksamkeit bitten.
Mit “Shooting Star” wird es dann kurzzeitig dramatischer. Der Song beginnt zurückhaltend, fast folkig, nur um plötzlich aufzublühen. Schlagzeug und Bass treten hinzu, später auch Bläser und für einen Moment klingt das Ganze wie eine leicht aus der Spur geratene Marschkapelle auf Indie Diät. Dann zieht sich alles wieder zusammen, als wäre nichts gewesen. Dieses Spiel mit Dynamik und Erwartung wiederholt sich und wird zu einem der zentralen Reize des Albums.
Reduktion mit kleinen Ausbrüchen
Kurz vor Schluss zieht Solomon mit “Blackhole” komplett den Stecker. Nur Stimme und Akustikgitarre, sonst nichts. Ein sehr reduzierter Song, der zeigt, dass Sean Solomon auch ohne großes Arrangement solide allein tragen, spielen und unterhalten kann.
“Korpo” beschließt das Album dann mit einem erneuten Balanceakt. Leise Gitarre, ein markanter Bass und schließlich wieder diese Bläser, die dem Ganzen eine leicht cineastische Größe verleihen. Ein Finale, das sich angenehm unaufgeregt ins Ohr schleicht.
Unterm Strich ist “The World Is Not Good Enough” kein revolutionäres Meisterwerk, aber ein Album mit Charakter. Ein bisschen schräg und oft überraschend in seinen Wechseln zwischen reduziertem Songwriting und plötzlichen Ausbrüchen mit Bläsern oder Streicherpassagen. Kein großes Statementalbum, aber eines mit genug Ideen, um interessant zu bleiben. (7/10)
Sean Solomon veröffentlicht “The World Is Not Good Enough” am 17. April über sein neues Label-Heimat ANTI- Records.
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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

