Die Band NOWAR aus Kiel ist Teil des Line-Ups für das KRAETZEVAL 2024. Das ist schon einmal bekannt. Doch wir wollten mehr erfahren und haben uns entschieden, sie in einem direkten Interview zu treffen. Dabei hatten Nina und Thorben viel zu erzählen, insbesondere darüber, warum sie sich gegen Spotify entschieden haben und dennoch auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken können. Erfahrt selbst, was sie zu sagen hatten.
So, zum warm werden – erzählt mir doch ein bisschen was über euren Sound. Was ist das Besondere daran und was sind eure Alleinstellungsmerkmale?
Nina: Wir sind alle unterschiedlich geprägt, wir haben Geschmäcker wie die 4 verschiedenen Himmelsrichtungen. Schreiben wir einen Song, kommt es irgendwann zu dem einem Moment, wo wir alle 4 emotional zustimmen können. Der Song kriegt in diesem Moment den NOWAR Sound. Ich finde es unmöglich, von Alleinstellungsmerkmalen zu sprechen. Es gibt nur 8 Töne in der Musik. Aber wir benutzen sie als NOWAR zusammen.
Thorben: Wir erhalten oft Rückmeldungen darüber, dass wir eine einzigartige Dynamik in unseren Songs geschaffen haben: Eine Mischung aus der Power des Hardcore, melodischen sphärischen Passagen und Rhythmen, die zum Tanzen animieren.
Wie wichtig ist für euch das Live-Geschäft und hat euch die Pandemie stark getroffen? Wie war das für euch? Hatte diese Zeit Einfluss auf die Art und Weise, wie und welche Musik ihr heute macht?
Nina: Veränderungen in der Plattenindustrie und den stark verlängerten Wartezeiten im Presswerk, sowie den Einschränkungen der Pandemie, haben wir unsere Platte erst im Januar 2021 in den Händen halten können. Wir haben einen Onlineshop eröffnet und die LP online veröffentlicht. Dann kam die Idee, zu jedem Song ein Musikvideo auf YouTube zu veröffentlichen. Unsere Platte verkaufte sich gut über unseren Online-Shop und unser Label Last Exit Musik. Der Support war herzlich und großzügig in einer Zeit, in der wir keine persönlichen Kontakte oder Live-Konzerte haben konnten. Wir haben viele Pakete gepackt und verschickt. Als wir im Mai 2022 endlich nach zwei Jahren unsere erste Show wieder live spielen konnten, war es seltsam, nach so viel Betonung auf sozialen Abstand eine ausladende “Release”-Show zu spielen. Aber es hat uns viel Freude bereitet. Ein Vorteil war, dass bereits Texte mitgesungen werden konnten. Die Pandemie hat uns nicht negativ getroffen oder beeinflusst, sondern vielmehr gezeigt, dass wir zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen können. Soziale Kontakte sind sehr wichtig und das Tanzen auf Konzerten hilft vielen Menschen, mit dem Alltagsstress umzugehen. Dies spüren wir in den Clubs, bei den Veranstaltern und in den Besucherzahlen bei Konzerten. Alles hat sich ausgedünnt, einige Läden mussten schließen. Ich bin zuversichtlich, dass die Live-Szene diesen Einschnitt überstehen und eine neue Generation von Musikern, Veranstaltern und Konzertbesuchern hervorbringen wird, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt. Egal wo und mit wem wir spielen, es gibt Veranstaltungen, die schlecht besucht sind und sich kaum selbst finanzieren. Veranstalter und Künstler werden nicht angemessen finanziell entlastet und möglicherweise müssen sie aus eigener Tasche helfen. Für uns geht das noch, aber es gibt viele Bands, Veranstalter und Clubs, die das nicht können. Das Gefühl, ein Konzert live vor Ort zu erleben, ist einzigartig, denn nur so entsteht dieser Moment. Im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung wird sich alles verändern. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt.
Thorben: Bei uns dreht sich fast alles nur um die Konzerte. Es ist immer irgendwie witzig, wenn wir darüber nachdenken, dass wir eigentlich alles Drumherum, sei es jetzt Aufnahmen oder 10 Stunden im Bus sitzen, nur machen, um eine Stunde auf der Bühne zu stehen. Aber es lohnt sich einfach immer wieder. Eigentlich würde man jetzt ja denken, dass uns deshalb die Pandemie als Band stark getroffen hätte, aber es war das Gegenteil der Fall. In der Zeit haben wir unser Album „Don’t Lie“ im BOAH-Studio aufgenommen und auch noch während der Pandemie veröffentlicht. Da es in der Zeit kaum andere Veröffentlichungen gab, wurde es sehr gut angenommen. Nach der Pandemie ging es dann bei uns erst richtig los und wir durften seitdem viele sehr schöne Konzerte spielen.
Um welche Themen kümmert ihr euch als Band selbst, welche Themen habt ihr vielleicht ausgelagert und warum? Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?
Nina: Wir alle in der Band kümmern uns um unsere Aufgaben, auch wenn das zeitintensiv ist und man sich manchmal einen Booker etc. wünscht. Wie bereits erwähnt, ist ein Auslagern eigentlich nicht möglich, da von den Gagen bei Konzerten kein Plus übrig bleibt, um eine dritte Person zu entlohnen. Wir erledigen die Aufgaben auch gerne selbst; jeder von uns hat seine Talente und Freuden in bestimmten Bereichen wie Booking, Social Media und Merchandise-Design und wir unterstützen uns gegenseitig dabei. DIY-Konzerte werden von Bands untereinander ermöglicht. Wir laden uns gegenseitig ein, um als Support aufzutreten und das macht viel Freude.
Musik und auch der Zugang zu Musik hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Vor allem durch das Internet und die sozialen Medien. Fluch oder Segen? Und welche Rolle spielen die sozialen Medien für euch persönlich? Wie wichtig sind Instagram, Spotify, YouTube, TikTok für euch?
Nina: Für die Sichtbarkeit und Vernetzung ist Social Media großartig. Die Flut an Informationen und Möglichkeiten kann jedoch erschöpfend sein. Selbst ich als beruflicher Nutzer konsumiere bereits viel davon, sodass ich abends oft nicht mehr die Energie habe, auf eine Show zu gehen. Ich denke, das ist der Nachteil: Durch die Fotos und Videos, die man den ganzen Tag aus aller Welt konsumiert, wird das Bedürfnis, selbst noch etwas zu erleben, abgeschwächt, wenn man es quasi schon “erlebt” hat. Instagram finde ich immer noch ganz okay und wichtig. Es ist eine Form der nachhaltigen Werbung. YouTube hingegen ist eine riesige Bibliothek, während TikTok einem förmlich das Gehirn zerschlägt – das ist einfach nicht mein Ding! Wir haben uns vor ein paar Jahren bewusst gegen Spotify entschieden, da Spotify von der Firma Investitionen in Kriegsmaschinen getätigt hat. Mal ganz zu schweigen von der unausgewogenen Art, wie die Algorithmen Künstler unterstützen oder lächerlich “bezahlen”. Unsere Songs bieten wir daher bei YouTube und auf Bandcamp zum Hören an.
Thorben: Es ist tatsächlich so, dass die Antwort oft schon in der Frage steckt. Die Vorzüge und Nachteile des Online-Lebens sind offensichtlich. Es ist leichter, sich zu vernetzen und Konzerte zu finden. Alles scheint einfacher und erfordert weniger Zeit als zuvor. Doch gleichzeitig spaltet sich unsere Gesellschaft zunehmend und Meinungen sowie Ausdrucksformen werden immer radikaler. Es wird immer anstrengender, sich im Internet zu bewegen, ohne in irgendeiner Kommentarspalte zu landen und über Menschlichkeit nachzudenken. Dennoch ist das Internet unverzichtbar geworden. Neben Instagram und Facebook haben wir unsere Songs auch auf YouTube und Bandcamp verfügbar gemacht. Spotify können wir nicht unterstützen, da der Name “No War” mit der Existenz auf Spotify widersprüchlich ist. Bisher funktioniert es auch ohne Spotify ganz gut.
Wenn ihr auf eure Bandgeschichte zurückblickt, was waren eure musikalischen Highlights?
Nina: Es ist immer ein Highlight, wenn Menschen vor der Bühne tanzen und singen. Das Gefühl, mit der Bandcrew zusammen zu sein, sich einzustimmen und gemeinsam zu sein, ist einfach einzigartig. Besonders unvergesslich sind Konzerte wie das im Haus Mainusch, wo wir als sechste Band um halb 3 Uhr morgens begannen zu spielen und das Publikum sich selbst noch einmal übertraf, um die Party des Jahres zu feiern. Es gibt auch herzliche Veranstalter wie Peer und Ben von Katermenü in Hannover, die uns immer einen gemütlichen und leckeren Aufenthalt bereiten. Es ist erstaunlich, wie man eine Band kennenlernt und dann seit einem Jahr fast jedes Konzert zusammen spielt und es macht jedes Mal mehr Spaß. Checkt mal Bittter aus Hamburg aus, sie sind großartig! Die Umsetzung von Videoideen mit der Band und das Erreichen von Orten, die man sonst nie besuchen würde, sind ebenfalls unvergessliche Erlebnisse. Zum Beispiel das Nachspielen der Apokalypse der Atombombenexplosion oder das Erlernen des nordfriesischen Grogtrinkens am Deich in Nordfriesland. Unser Song “Roses” ist jedes Mal ein Highlight für mich. Er bringt mich immer wieder zum Weinen, aber ich bin dankbar, dass wir als Band auf die Missstände aufmerksam machen können, insbesondere den Umgang mit flüchtenden Menschen über den Seeweg, und dass wir als Sprachrohr dienen können, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass wir als Menschheit noch mehr zusammenwachsen müssen.
Thorben: Einige Konzerte sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Wie bereits erwähnt, sind wir sehr gut aus der Pandemie herausgekommen, und seitdem ist es kontinuierlich bergauf gegangen. Ein Beispiel wäre das Sommerfest im Haus Mainusch mit 6/7 Bands, bei dem wir als letztes spielten. Es war bereits 2 Uhr morgens, und wir hatten nicht mehr viel Hoffnung, dass die Besucher nach so vielen Bands noch Energie oder Lust haben würden. Aber es endete in einem völligen Abriss. Wahnsinn!
Die typische Floskel-Frage, die aber natürlich nicht fehlen darf, muss ich euch auch stellen. Was würdet ihr jungen Bands, die gerade entstehen, raten?
Nina: (Selber)Machen. Fragen. Zusammen unterstützen.
Torben: In der letzten Zeit haben wir eigentlich einen sehr guten Eindruck von jungen Bands, sodass uns da gar nicht so viel einfällt. Aber wenn man mal so an die eigene Anfangszeit denkt, würde ich eigentlich nur einen Tipp geben: ruhig mal Nachfragen, obwohl man vielleicht denkt, dass es eigentlich klar sein sollte.
Wie sehen eure Pläne in naher Zukunft aus?
Positivität versprühen auf unseren Konzerten:) Wir schreiben gerade neue Songs. Und sind sehr dankbar dafür, Wochenende live spielen zu können und wenig im Proberaum sind.
Wo kann man euch finden?
Zu Hause, auf der A7, auf Bühnen und auch in den sozialen Medien.
Weitere Informationen zur Band findet ihr in den sozialen Medien.
Interview: Mia Lada-Klein
Bild/Design: Michaela Lotz
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