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Blackmarket: Die besten Spotify Playlists für Musikentdecker und aufstrebende Bands

Zwei Kassetten auf grauem Hintergrund

Soundcheck Sessions mit Mia (Interview)

Interview: Mia Lada-Klein

Blackmarket ist keine normale Playlist, sondern ein kleines Universum für Musikentdecker. Dahinter steckt Thomas, der jede einzelne Playlist selbst kuratiert sowie pflegt und das ganz ohne Bots, ohne KI und ohne bezahlte Pitching‑Tricks. Alles, was hier läuft, ist handverlesen, frisch und abseits des Mainstreams.

Die Musik reicht von Punk über Shoegaze und Indie‑Rock bis zu Metalcore und anderen Nischen. Thomas’ Ziel ist klar: nicht nur hören, sondern fördern. Bands, die sonst kaum jemand bemerkt, bekommen hier ihre Bühne.

Die Playlists gibt es hauptsächlich auf Spotify, aber auch auf Apple Music, YouTube Music, Deezer oder SoundCloud.

In meinem Interview spreche ich mit Thomas über seine Arbeit, Spotify, den feinen Unterschied zwischen Talent und Professionalität, KI in der Musik und ich gehe der alles entscheidenden Frage nach: Wer ist eigentlich der Mann hinter Blackmarket?

Thomas, lass uns ganz vorne anfangen. Wer bist du, was machst du und wie geht es dir gerade?

Thomas: Ich kuratiere Playlists auf Spotify, die einmal im Monat auch auf andere Streamingplattformen synchronisiert werden. Das mache ich inzwischen seit zwei, drei Jahren und mein Fokus liegt ganz klar auf Bands und Künstlern, die komplett unter dem Radar fliegen. Viele davon sind neu oder einfach noch kaum bekannt. Meine Playlists sind thematisch oder länderbezogen aufgebaut und sollen genau diesen Acts eine Bühne geben.

Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wie viel Zeit investierst du da eigentlich rein? Du suchst die Bands ja selbst aus.

Thomas: Ja, das ist alles komplett handgemacht. Ich höre mir wirklich jeden einzelnen Song an. Inzwischen ist es so, dass mir Bands aus der ganzen Welt über meine Webseite schreiben. Dort gibt es ein kostenloses Song-Submission-Formular. Ich höre mir alles an und antworte auch jeder einzelnen E-Mail persönlich. Zusätzlich suche ich selbst auf Social Media, auf Spotify oder auch über andere Playlists nach interessanten neuen Sachen. Die Songs kommen also aus ganz unterschiedlichen Richtungen.

Wie viele Playlists betreust du inzwischen?

Thomas: Aktuell sind es knapp 90 Playlists, alle per Hand kuratiert. Inhaltlich bewege ich mich viel im Shoegaze-Bereich, wirklich weltweit. Dazu kommt Punk, Indie Rock aus England, Irland und Deutschland und dann noch ein paar kleinere Liebhaber-Playlists. Da kommt insgesamt schon extrem viel zusammen.

Das klingt nach Dauerstress.

Thomas: Ja, das ist es auch. Als ich im Urlaub war, habe ich irgendwann mal nachgezählt und gemerkt, dass es im Schnitt etwa 50 E-Mails pro Tag sind. Und die Bands schreiben ja nicht nur per Mail. Die melden sich über Instagram, Facebook, TikTok, manchmal auch direkt unter Posts in den Kommentaren. Da steht dann einfach: „Meine Band muss auch auf die Playlist.“ 

Das klingt ehrlich gesagt auch ziemlich anstrengend.

Thomas: Ist es auch. Ich habe sogar schon extra Posts gemacht mit der Bitte, keine Songvorschläge in die Kommentare zu schreiben, weil das sonst komplett eskaliert. Oft lesen die Leute auch einfach nicht richtig. Wenn klar in der Beschreibung steht, dass nur Songs aus dem Jahr 2025 aufgenommen werden und dann kommt jemand mit einem Track von 2023, ist das schon ärgerlich.

Blackmarket: Regeln, Haltung und ein Gespür für Qualität

Du bist da also ziemlich konsequent.

Thomas: Absolut. Ich packe keine Songs aus Sympathie auf eine Playlist. Es muss immer zum Inhalt passen. Ich kann auf einer Shoegaze-Playlist nichts anderes unterbringen, nur weil jemand meint, sein Song wäre Shoegaze. Gleichzeitig bin ich aber auch kein Purist. Ich bin keiner, der sagt, nur My Bloody Valentine oder Slowdive zählen und alles andere nicht. Deshalb heißen viele Playlists auch bewusst „New Punk“ oder ähnlich. „New“ bedeutet dabei nicht nur neu im Sinne des Veröffentlichungsjahres, sondern auch neu interpretiert. Moderne Spielarten finde ich wichtig, immer nur alten Kram zu hören, wird mir persönlich schnell langweilig.

Wie bist du überhaupt zur Musik und speziell zum Playlist-Kuratieren gekommen? Warum keine eigene Band?

Thomas: Ich kann nicht singen. (lacht) Aber im Ernst: Ich höre mein ganzes Leben lang Musik. Irgendwann habe ich auch mal eine Band gemanagt, was mir heute tatsächlich zugute kommt. Die habe ich damals auf Spotify gebracht, dadurch habe ich heute ein Künstlerprofil und kann sehr gut nachvollziehen, wo die Hörer sitzen und wie die Playlists performen. Das Tracking ist extrem spannend.

Wann ging es mit den Playlists richtig los?

Thomas: Nach Corona. Ich hatte das Gefühl, dass gerade kleine Bands in dieser Zeit überhaupt keine Chance hatten. Viele standen vorher in den Startlöchern, wollten raus, auftreten, und dann ging zwei, drei Jahre lang gar nichts. Am Anfang war das nur eine private Playlist. Irgendwann habe ich die bei Reddit gepostet und mir dort erstmal ordentlich die Hörner abgestoßen. Da kamen Kommentare wie „Das ist kein Punk“, „Das ist kein Shoegaze“ oder „Female Fronted ist kein Genre“. Da habe ich gemerkt, wie toxisch das teilweise sein kann.

Hat dich das nicht entmutigt?

Thomas: Nicht wirklich, weil es nie um mich ging. Ich höre einfach wahnsinnig gern Musik, aber im Kern geht es mir um die Bands. Um Acts, die kaum jemand kennt, aber richtig gute Musik machen. Die zu unterstützen war und ist der einzige Antrieb. Dass das Ganze jetzt so groß geworden ist, hat sich eigentlich erst im letzten Jahr entwickelt.

Gab es irgendwann ein klares Konzept dahinter?

Thomas: Ja, schon. Ich habe relativ schnell verstanden, wie Spotify und Social Media funktionieren und wo die Nischen sind. Es bringt nichts, die tausendste Playlist mit „Best of Pop 2024“ zu machen. Das macht jeder. Also habe ich mich gefragt, was ich selbst gern höre und bin auf diese länderspezifischen Playlists gekommen. Die sollen eine Art Sprungbrett sein. Kein Star-Macher, sondern eine Hilfe für kleine Bands, um sichtbar zu werden, sich zu vernetzen, vielleicht gemeinsam Konzerte zu spielen. Dieses Connecten ist mir extrem wichtig. Dafür sind die Playlists da.

Du hast es eben schon angedeutet, aber man merkt sehr deutlich: Du wählst bewusst aus. Du hörst dir die Songs wirklich an und entscheidest ganz klar, ob etwas passt oder nicht.

Thomas: Genau. Wenn es nicht passt, dann sage ich das auch. Natürlich nicht in der Form, dass ich jemandem schreibe, er solle lieber häkeln gehen. Aber wenn ein Song einfach nicht zur Playlist passt, dann kommt er auch nicht drauf. Punkt. Umgekehrt ist es so: Wenn ich sehe, der Ansatz stimmt, das Genre passt und der Song funktioniert im Kontext der Playlist, dann nehme ich ihn auch auf. Selbst dann, wenn es nicht hundertprozentig mein persönlicher Geschmack ist.

Das heißt, dein persönlicher Musikgeschmack steht nicht immer über allem?

Thomas: Nein. Mir können gar nicht alle Songs gefallen, das wäre völlig unrealistisch. Wichtig ist, ob der Song das Genre trifft und ob er in die Playlist passt. Gerade bei Shoegaze zum Beispiel gibt es viele Spielarten. Wenn ein Song eindeutig in diese Richtung geht, dann lege ich ihn auch drauf, selbst wenn ich denke, das ist jetzt nicht mein absoluter Favorit. Die Playlists sind ja nicht nur für mich, sondern für die Hörer und für die Bands.

Gibt es auch Anfragen, bei denen du schon nach dem ersten Blick weißt, dass es nicht passen kann?

Thomas: Absolut. Manchmal reicht schon das Profil. Wenn mir zum Beispiel ein R&B-Künstler schreibt und fragt, ob sein Song auf eine Shoegaze-Playlist passt, dann weiß ich sofort, dass das nichts wird. Das ist dann keine Geschmacksfrage mehr, sondern schlicht eine Genre-Frage.

Passiert das häufig?

Thomas: Überraschenderweise nicht. Ich würde sagen, 95 Prozent der Einsendungen passen grundsätzlich schon. Klar, manchmal scheitert es am Veröffentlichungsjahr oder an formalen Kriterien, aber es kommen jetzt nicht ständig völlig unpassende Sachen rein. Zum Glück habe ich keine Leute am Hals, die ernsthaft Disco oder komplett artfremde Musik einreichen.

Du hast im Vorgespräch schon gesagt, dass du ein Gefühl dafür entwickelt hast, ob eine Band es wirklich will. Woran machst du das fest?

Thomas: Am Gesamtpaket. Wenn die Musik qualitativ gut ist, ordentlich produziert, vielleicht noch ein gutes Video dazukommt und man merkt, dass sich jemand Mühe gibt, dann sieht man das sofort. Auch wenn eine Band vielleicht erst 500 monatliche Hörer hat. Und man merkt genauso schnell das Gegenteil: Wenn da nichts kommt, keine Entwicklung, keine Ambition. Dann bleiben es eben die 100 Freunde, die zuhören.

Du hast sogar spezielle Playlists nur für Debüt-Songs.

Thomas: Ja, drei Stück. Eine für Shoegaze, eine für Punk und eine für Indie Rock aus England und Irland. Da kommen wirklich nur Bands drauf, die ihre allererste Veröffentlichung haben. Und da sieht man die Unterschiede extrem deutlich. Manche haben ein gepflegtes Profil, funktionierende Social-Media-Links, Präsenz. Und bei anderen klickst du auf Instagram und denkst: Ich will euch verlinken, aber ich finde euch nicht. Falsche Links, tote Accounts, nichts passiert.

Das kenne ich selbst und das sagt viel über die Zukunft der Band aus.

Thomas: Genau. Da weiß ich oft schon: Wenn diese Band in einem Jahr aus der Playlist rausfliegt, wird es niemanden interessieren. Und dann gibt es die anderen, bei denen man merkt, die wollen sich vernetzen, Konzerte spielen, weiterkommen. Dieses Gespür entwickelt man mit der Zeit.

Das deckt sich sehr mit meinen Erfahrungen aus Interviews. Haltung, Professionalität und ein Bewusstsein dafür, was man tut, sind enorm wichtig. Kreativität und Talent sind die Basis, aber Intelligenz gehört leider auch zum Erfolg. Wer das Ganze ernst nimmt, versteht schnell, dass es nicht reicht, ab und zu einen Song zu veröffentlichen. Social Media, Kommunikation, Präsenz, alles das gehört alles dazu. Und das ist Arbeit, die nicht jede Band leisten will.

Thomas: Genau. Es gibt diesen Begriff aus der Werbung, 360-Grad-Marketing. Das muss heute eigentlich jede Band leisten können. Und bei vier oder fünf Leuten sollte auch klar verteilt sein, wer was macht. Sonst funktioniert es nicht. Gleichzeitig ist es aber auch legitim, wenn eine Band gar nicht mehr will. Wenn jemand zufrieden ist, drei- oder viermal im Jahr in der Heimatstadt zu spielen, dann ist das völlig okay. Manche haben Familie, Jobs, andere Prioritäten. Dann ist Musik ein Hobby, und das ist genauso legitim.

Man darf sich dann nur nicht über Spotify, Algorithmen und mangelnden Erfolg beschweren. Dieses ständige „Der Algorithmus ist schuld“ hört man immer wieder. Aber in den meisten Fällen ist es eben nicht der Algorithmus. Es ist das Gesamtbild, das entscheidet. Lass uns einmal ganz ehrlich sein: Du bist ja nun auch nicht mehr 13 und hast gerade deine erste Platte gekauft. Du bist schon lange dabei, hast selbst Bands gemanagt und kennst die Strukturen. Du siehst Potenzial, aber weißt auch, dass Talent allein nicht reicht. Intelligenz ist ein extrem unterschätzter Faktor, der extrem unterschätzt wird. Spätestens in Interviews kannst du dich komplett um Kopf und Kragen reden. Und je größer man wird, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass man über den Tisch gezogen wird oder Menschen begegnet, die es nicht gut mit einem meinen.

Thomas: Ja, aber ganz ehrlich: Ich habe auch zum Beispiel auch keine Ahnung von Social Media. Ich poste einfach. Manchmal heißt es dann, man soll nur montags morgens posten, dann poste ich montags morgens etwas aus einer Shoegaze-Playlist von den Philippinen. Ein anderes Mal poste ich samstags ein neues Cover, das mir eine Band geschickt hat, und plötzlich explodiert das völlig. Tausende Likes. Am nächsten Tag poste ich etwas Ähnliches aus Frankreich und es interessiert niemanden. Gleicher Inhalt, gleiche Idee, komplett andere Resonanz.

Frustriert dich das?

Thomas: Überhaupt nicht. Es interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht. Um mich geht es ja nicht. Es geht um die Bands. Ich erwähne sie, verlinke sie, mache sie sichtbar. Was der Post dann macht, ist zweitrangig.

Blackmarket: Spotify, Sichtbarkeit und der moralische Kompass

Du wirkst auch generell nicht wie jemand, der Spotify als Feindbild sieht. Viele tun das ja sehr lautstark.

Thomas: Ich habe bisher kein wirklich stichhaltiges Argument gegen Spotify gehört, zumindest nicht in dem Bereich, in dem ich mich bewege. Ich arbeite fast ausschließlich mit Bands, die zwischen null und sehr wenigen monatlichen Hörern haben. Absolute Underground-Bands. Shoegaze ist ohnehin ein Genre, das kaum jemand kennt. Für diese Bands ist Spotify vor allem eines: Sichtbarkeit.

Wie stehst du zu den moralischen Diskussionen rund um Spotify, Investments, Waffenindustrie und ähnliches?

Thomas: Das hat für mich erstmal nichts mit der Musik zu tun. Soll ich eine Band nicht unterstützen, weil der Spotify-Chef vor Jahren in eine Firma investiert hat, die heute kritisch gesehen wird? Wenn man das konsequent zu Ende denkt, dürfte man auf keiner Social-Media-Plattform mehr sein. Die gleichen Finanzinvestoren stecken auch hinter Meta, Google und vielen anderen. Spotify ist für mich vor allem eines: extrem gut in der Handhabung.

Du hast deine Playlists ja auch auf anderen Plattformen.

Thomas: Ja. YouTube, Amazon, SoundCloud. Aber ehrlich gesagt: Auf Amazon kann man nicht mal eigene Cover hochladen. Auf SoundCloud interessiert es niemanden. Wenn mich jemand fragt, ob ich keinen anderen Link als Spotify habe, schicke ich YouTube. Und nach ein paar Wochen sehe ich, dass da trotzdem kaum jemand reingehört hat. Es wird viel Aufregung betrieben, aber wenig realistisch hingeschaut.

Du gehst insgesamt sehr entspannt mit dem Thema um.

Thomas: Ja, weil alles immer zwei Seiten hat. Das vergessen viele. Früher hieß es, man dürfe auf keinen Fall bei Amazon kaufen. Heute kaufen trotzdem alle dort ein, weil es immer noch besser ist als andere Alternativen. Ein bisschen mehr Nachdenken würde vielen guttun.

Lass uns über Zeit sprechen. Wie viel investierst du täglich in das Kuratieren, Hören, Kommunizieren? Es wirkt fast wie ein Fulltime-Job.

Thomas: Ein Tag hat 24 Stunden. Davon ziehst du fünf bis sechs Stunden Schlaf ab, acht Stunden Arbeit. Dann bleiben immer noch rund zehn Stunden übrig. Das heißt nicht, dass ich diese zehn Stunden komplett in Musik stecke, da gibt es Familie, Hobbys, Freizeit. Aber ja, es ist ein großer Teil meines Alltags.

Plus Interviews mit nervigen Redakteurinnen.

Thomas: Genau. (lacht) Sonst säße ich jetzt auch vor dem Rechner und würde Musik hören. Also alles gut.

Hörst du eigentlich noch Musik ganz privat, jenseits der ganzen Playlists?

Thomas: Ja, habe ich. Eine ganz persönliche Playlist. Das sind eigentlich die Klassiker aus meiner Jugend. Aber das sind nicht viele Songs. Vielleicht 40 Stück. Die haben alle irgendeine Bedeutung für mich. Du hast ja auch mal gesagt, dass du sehr selten eine 10 von 10 vergibst. Als ich das von dir gelesen habe, ist mir tatsächlich nur ein Album eingefallen, das für mich diese Kategorie erfüllt: Rain Dogs von Tom Waits. Das begleitet mich seit meiner Jugend, das ist für mich einfach sensationell.

Bei mir war es zuletzt das neue Album von Tanita Tikaram. Musikalisch, textlich, emotional. Das war für mich lebensverändernd. Danach hab ich einige Dinge in meinem Leben anders gesehen und auch umgestellt. Danach habe ich einige Dinge in meinem Leben anders gesehen und auch umgestellt. Ein Album muss so etwas erfüllen, damit es von mir 10 Punkte bekommt, beziehungsweise die volle Punktzahl, je nachdem, wie hoch diese ist.

Thomas: Ich erinnere mich an einen Abend in einer Kneipe, wir saßen mit Freunden da, tranken Bier, und plötzlich lief Nirvana. Wir haben nur die Köpfe gehoben und gedacht: Was ist das denn? Diese Erweckungserlebnisse vergisst man nie. Das sind diese Momente, die bleiben. Die passieren nicht oft, aber wenn sie passieren, weiß man es sofort. Ich bin auch kein Fan von diesem extremen Schubladendenken. Dieses „Ich höre nur das“ oder „Ich bin Metal-Fan und nicke mit dem Kopf auf Wacken und sonst nichts“. Nächste Woche gehe ich zum Beispiel zu Sarah Larsen hier in Düsseldorf. Pop-Queen aus Schweden, warum nicht? Spielt hier um die Ecke, die Lieder sind ganz nett, es könnte ein poppiger Abend werden.

Wobei du mal angedeutet hast, dass es da noch einen kleinen sozialen Faktor gibt.

Thomas: (lacht) Ja, wenn ich ganz ehrlich bin: Als alter Mann bin ich manchmal froh, wenn meine Tochter dabei ist. Dann sieht das nicht ganz so… seltsam aus. Totaler Quatsch eigentlich, aber man denkt ja trotzdem drüber nach.

Ich verstehe das. Meine Haltung zu Konzerten kennst du ja. Ich bin ehrlich gesagt nicht mehr so gern auf Konzerten. Ich gehe tatsächlich am liebsten zu Konzerten von Bands, die ich privat kenne. Wo ich weiß, ich kann mich danach oder davor noch mit ihnen unterhalten. Da geht es dann manchmal weniger um die Musik selbst als um das Zusammensein. Ich bin sehr wählerisch. Ich habe das Gefühl, ich bin extrem anspruchsvoll. Mich kann man nicht so leicht zufriedenstellen.

Thomas: Wobei man fairerweise sagen muss: Du sitzt in Fulda. Das ist jetzt nicht gerade die Konzert-Hauptstadt.

Stimmt, aber ich bin viel unterwegs. Ich bin regelmäßig in Berlin in der Redaktion, oder auch in Leipzig in der Redaktion. Ich komme schon rum.

Thomas: Dann gibt es eigentlich keine Ausrede. Wenn wir beide mal gleichzeitig in Berlin sind, verabreden wir uns einfach zu einem Konzert. Ich gehe zum Beispiel auch nicht auf Konzerte von alten Säcken. Diese Nummer „Das habe ich vor 20 Jahren gehört, das höre ich heute noch“ und dann stehen da halb tote Menschen auf der Bühne, das brauche ich nicht. Meistens gehe ich zu jungen Künstlern. Kleine Clubs, kleine Hallen. Keine Stadien, kein AC/DC und so. Das habe ich alles gesehen, als die jung und knackig waren. Ich will denen nicht beim Altern zusehen. Das ist einfach nicht mein Ding.

Lass uns zu einer grundsätzlichen Frage kommen. Was macht für dich eigentlich eine gute Band aus?

Thomas: Schwierige Frage. Ich kenne die meisten Bands ja gar nicht persönlich. Deswegen kann ich das gar nicht wirklich beantworten. Und trotzdem bekommt man einiges mit. Man merkt, wie Leute schreiben, wie sie kommunizieren, wie sympathisch sie wirken. Sympathie ist mir schon wichtig, auch wenn man sie nur zwischen den Zeilen spürt.

Woran merkt man das konkret?

Thomas: Manche Bands melden sich immer wieder. Schreiben, wenn ein neuer Song draußen ist. Erzählen, dass ihnen der letzte Track geholfen hat. Dass sie über die Playlist andere Bands kennengelernt haben, neue Kontakte entstanden sind. Das freut mich dann ehrlich gesagt auch.

Weil man merkt, dass da wirklich etwas passiert.

Thomas: Genau. Es geht nicht um mich, aber es freut mich, wenn die Band durch die Playlist einen Schritt nach vorne macht. Wenn Leute das zurückmelden, macht sie das automatisch sympathisch. Und wenn es dann auch musikalisch passt, denke ich: Ja, das ist verdient.

Und jenseits der Kommunikation?

Thomas: Am Ende geht es nur um eines: gute Musik. Ehrliche Musik. Man merkt das oft an Bandfotos, an Biografien. Ob da wirklich vier Leute zusammen im Studio stehen und Musik machen, oder ob es etwas komplett Konstruiertes ist.

Du spielst auf neue Produktionsformen an.

Thomas: Ja. Es gibt inzwischen viele Einzelkünstler, die vielleicht ihre Stimme zur Verfügung stellen und den Rest von KI bauen lassen. Und da bin ich ehrlich gesagt raus. Das ist nicht mein Ding.

Das bringt uns direkt zum nächsten großen Thema: KI. Aber davor würde ich gern noch einen Punkt aufgreifen, der viele umtreibt. Es gibt viele schwarze Schafe. Nicht jeder, der sich eine Gitarre umhängt, ist Musiker. Nicht jeder, der Fotos macht, ist Fotograf. Nicht jeder, der irgendetwas betreibt, ist automatisch das, was er vorgibt zu sein. Und das gilt auch für Musikmagazine, Playlists etc.. Ein privat betriebenes Magazin ist noch lange keine Redaktion. Auch in deinem Bereich gibt es schwarze Schafe. Menschen, die gern Creator wären, Playlists anbieten, dafür Geld nehmen und so tun, als würden sie Bands wirklich unterstützen. Kriegst du das mit oder hältst du dich davon komplett fern?

Thomas: Ich halte mich da komplett raus. Ganz ehrlich: Das ist alles Bullshit. Ich bekomme das natürlich mit, vor allem auf Instagram, weil ich dort ausschließlich Musik-Accounts folge, fast nur Bands. Entsprechend tauchen diese ganzen Pitching-Tools ständig auf. „Für 100 Euro kommst du auf Playlists“, solche Geschichten. Das ist alles Quatsch. Alles davon.

Du ignorierst das konsequent?

Thomas: Ja. Ich folge tatsächlich nur anderen Playlist-Kuratoren, bei denen ich weiß, wie sie arbeiten. Leute, die mich vielleicht mal angeschrieben haben, die ich aus Facebook-Gruppen kenne, die das aus Liebe zur Musik machen. Da entdecke ich auch selbst immer wieder spannende Bands. Aber alles andere, diese gekauften Playlists, Bots, künstliche Reichweite, also damit will ich nichts zu tun haben. Da könnten wir locker noch einen zweiten Interview-Teil drüber machen, so absurd ist das teilweise.

Du hast sicher auch schon Playlists gesehen, bei denen du dachtest: Das kann doch nicht ernst gemeint sein.

Thomas: Absolut. Manchmal sehe ich Playlists, für die jemand 60 Euro verlangt und die sind musikalisch einfach grottig. Da passt nichts zusammen, kein Konzept, kein roter Faden. Und trotzdem wird so getan, als wäre das ein Karriere-Booster. Dazu kommen dann gekaufte Follower, Bots, künstliche Saves. Das ist nicht mein Ding, da halte ich mich komplett raus.

Gleichzeitig sagst du ja selbst, wie schwer es ist, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Thomas: Total. Und da unterscheide ich mich als Playlist-Kurator eigentlich gar nicht von einer Band. Aufmerksamkeit zu erzeugen ist unfassbar schwer. Für Bands genauso wie für Playlists. Ich habe zum Beispiel eine Shoegaze-Playlist, die lange so bei 200, 300 Saves rumdümpelte. Dann habe ich einen einzigen Post gemacht und plötzlich ging das Ding hoch auf 800 Saves. Einfach so.

Und davon profitieren dann direkt auch die Bands.

Thomas: Genau. Die Band, die auf dem Cover war, hat mir direkt geschrieben, total begeistert, hat sich bedankt. Ich persönlich habe ja gar nichts Besonderes gemacht, außer den Post abzusetzen. Aber wenn dann plötzlich Interesse entsteht, merkt man, wie fragil und gleichzeitig wie mächtig die Sichtbarkeit sein kann. Und trotzdem: Es ist extrem schwer, dieses Level dauerhaft zu erreichen.

Deshalb bist du auch auf vielen Plattformen aktiv?

Thomas: Ja. Facebook-Gruppen, Instagram, ab und zu TikTok. Man probiert alles, um diese Aufmerksamkeit zu bekommen. Und trotzdem gibt es Playlists, die dümpeln vor sich hin und interessieren erstmal niemanden. Aber das ist für mich okay, solange da gute Musik drauf ist. Vielleicht kommt der Moment irgendwann.

Blackmarket: KI, Authentizität und differenziertes Denken

Wenn du Bands einen klaren Rat geben müsstest in Bezug auf gekaufte Reichweite, Pitching-Tools und Bots, wie würde der lauten?

Thomas: Lasst es. Rein organisches Wachstum ist das Einzige, was wirklich funktioniert. Alles andere fällt euch früher oder später auf die Füße. Man kann sich keine echte Fanbase kaufen. Das sieht man spätestens live.

Hast du dafür konkrete Beispiele?

Thomas: Gerade im Metalcore-Bereich habe ich das schon öfter gesehen. Bands mit hohen monatlichen Spotify-Hörern, angeblich viele Fans in Deutschland. Dann spielen sie ein Konzert in einem Club mit Platz für 200 Leute und es stehen vielleicht 100 drin. Irgendwas stimmt da nicht. Es kann ja nicht sein, dass alle sagen: „Ich liebe die Band“, aber niemand geht hin. Diese Diskrepanz ist ein riesiges Warnsignal.

Kommen wir zu einem weiteren großen Thema: KI. Du hast dich dazu ja schon klar positioniert.

Thomas: Ja, wobei ich da differenziert rangehe. Ich bin grundsätzlich offen für Neues. Ich bin keiner, der sagt: Früher war alles besser. Ganz im Gegenteil, früher war vieles einfach komplizierter und schlechter. KI finde ich erstmal gut, zum Beispiel beim Übersetzen von Texten. Ich kann dadurch bessere englische Texte posten, das hilft mir konkret.

Gleichzeitig gibt es große Skepsis, gerade im Kulturbereich.

Thomas: Die verstehe ich auch. Man muss lernen, mit KI umzugehen. Wenn KI bei Google direkt Antworten ausspuckt, darf man die nicht blind glauben. Da sind wir wieder beim Thema Denken. Wenn mich etwas interessiert, prüfe ich doch nach, ob das stimmt. Das gilt für KI genauso wie für TikTok oder Instagram.

Und bei Musik? Erkennst du KI-generierte Songs?

Thomas: Teilweise ja. Ich habe irgendwann klar gesagt, dass ich keine komplett KI-generierte Musik in meinen Playlists haben möchte. Es gibt Indizien: Künstler, die jede Woche ein neues Album veröffentlichen, alles klingt gleich, klinisch, seelenlos. Das kann kein Mensch leisten. Das mag ich nicht.

Aber du schließt KI nicht pauschal aus.

Thomas: Nein. Es gab zum Beispiel einen deutschen Künstler im Metalcore-Bereich, der mir offen geschrieben hat, dass ihm Texte und Stimme extrem wichtig sind, dass er aber für die Musik KI nutzt. Er hat sich Gedanken gemacht, das waren seine persönlichen Inhalte. Ich habe mir das angehört und gedacht: Warum eigentlich nicht? Er arbeitet alleine, er nutzt KI als Werkzeug, nicht als Ersatz für Persönlichkeit. Das ist für mich ein Unterschied.

Es geht also nicht um Technik, sondern um Haltung.

Thomas: Genau. Pauschal zu sagen „KI ist blöd“ ist genauso falsch wie alles ungefiltert zu akzeptieren. Man muss hinschauen, was dahinter steckt, wie ehrlich etwas ist und ob noch ein Mensch mit Gedanken und Emotionen dahintersteht.

Am Ende läuft vieles wieder auf das Spotify-Thema hinaus. Alles hat zwei Seiten und man kann es sich nicht zu einfach machen.

Thomas: Genau. Man darf sich das alles nicht zu bequem machen und vor allem darf man die Leute nicht verarschen. Das finde ich extrem wichtig. Dadurch, dass ich Bands persönlich anschreibe und kein Roboter oder Tool bin, gehe ich natürlich auch immer das Risiko ein, auf etwas hereinzufallen. Aber komplett KI-generierte Musik habe ich bei mir nicht, auch nicht in der Nische. Das fällt irgendwann auf. Wer macht denn bitte Punk mit KI? Oder komplette Mainstream-Pop-Produktionen ohne echten Kern? Zum Glück habe ich mit solchen Sachen kaum Berührung.

Differenziertes Denken ist da entscheidend und das geht vielen inzwischen verloren. Ich war am Anfang selbst sehr skeptisch gegenüber KI-Musik. Aber ich gebe offen zu: Ich habe inzwischen einzelne Songs gehört, die ich wirklich gut fand. Keine Alben, keine Künstlerkarrieren, sondern einzelne Tracks. Und ich bin grundsätzlich offen für alles, von Schlager bis Metal. Wenn mir etwas gefällt, dann gefällt es mir. Punkt.

Thomas: Genau so sehe ich das auch. Man kann nicht alles pauschal verteufeln. Aber man muss das Gehirn einschalten. Einfach zu sagen „alles ist Kacke“ ist genauso dumm wie alles blind zu feiern.

Thomas, ich danke dir für die Einblicke und deine Zeit. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. 

Mehr zu Blackmarket findet ihr in den Socials.

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Mein geschriebenes Review zu Tanita Tikaram findet ihr auf der Website von Sounds & Books.

Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

 

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