Zwischen Alarmruf und Aufklärung: ZSK im politischen Jetzt

Foto: Joshi-ZSK-Credit-Konzertsucht

ZSK-Sänger Joshi über Politik, Widerstand, Resignation und das Musikbusiness. Warum Haltung, Kunstfreiheit und Weitermachen zählen.

Interview: Mia Lada-Klein

ZSK stehen seit fast drei Jahrzehnten für lauten Punk mit klarer Haltung. Ihre Songs sind klare Ansagen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit, doch ihr Engagement endet nicht am Bühnenrand, sondern setzt sich bei Anti-Nazi-Demos, Kinder- und Jugendprojekten sowie politischen Aktionen fort. Mit Feuer & Papier, das am 26. September 2025 erschien, liefern sie erneut den passenden Soundtrack für eine Zeit, in der Haltung wichtiger ist als Wohlfühlparolen.

In meinem Interviewtalk mit Frontman Joshi ging es weniger um Setlists als um Politik, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage, wie man weitermacht, ohne zu resignieren. Seine Antwort ist klar: Aufgeben ist keine Option. Wer an Veränderung zweifelt, sollte in die Geschichte schauen.

Auch die Realität des Musikbusiness kam zur Sprache. Steigende Kosten, sinkende Aufmerksamkeit und schwierige Bedingungen für junge Bands. Trotzdem bleibt etwas hängen, das stärker ist als all das. Energie, Solidarität und der Wille, weiterzumachen. Die Lage ist ernst, aber aufgeben war noch nie Teil des ZSK-Plans.

Haltung ohne Resignation: Warum Aufgeben keine Option ist

Viele junge Menschen, auch ich selbst, haben in den letzten Wochen das Gefühl, politisch machtlos zu sein. Wie schafft ihr es als Band, die täglich mit solchen Themen konfrontiert ist, damit umzugehen?

Joshi: Ich wache natürlich auch manchmal auf, höre die Nachrichten und denke: „Verdammt, das kann doch einfach nicht sein.“ Aber dann denke ich auch: „Hilft ja alles nichts.“ Wenn alle Menschen in der Geschichte nur resigniert hätten, wären viele Fortschritte nie möglich gewesen.

Kannst du ein Beispiel nennen?

Joshi: Zum Beispiel in den USA: Irgendwer hatte die Idee, dass Sklaverei falsch ist, dass Menschen nicht wie Dreck behandelt werden dürfen. Viele hielten das damals für unmöglich, dass sich das System ändern könnte. Trotzdem hat sich die Gesellschaft weiterentwickelt. Gleiches gilt für das Frauenwahlrecht. Die ersten Frauen, die gesagt haben, sie wollen wählen dürfen, wurden verspottet, ausgegrenzt, teilweise auch körperlich attackiert. Aber sie haben gekämpft. Viele gesellschaftliche Veränderungen kamen zustande, weil Menschen Mut bewiesen haben, auch wenn es aussichtslos schien.

Das klingt nach einer wichtigen Motivation. Wie geht ihr persönlich damit um, nicht in Resignation oder Zynismus zu verfallen?

Joshi: Es hilft, den Blick bewusst auch auf positive Entwicklungen zu richten. Nicht nur auf die schlechten Nachrichten schauen, sondern auch sehen, wo Menschen zusammenkommen und etwas zum Positiven bewegen. Es gibt viele Beispiele dafür, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Und wir bekommen viel Fanpost von jungen Menschen, die sagen, unsere Musik oder ein Konzert habe ihnen Kraft gegeben. Das motiviert uns, weiterzumachen.

Das ist ein schöner Effekt.

Joshi: Absolut. Und klar, manchmal muss man auch auf sich selbst achten. Nicht jeden Tag alle Nachrichten verfolgen, besonders wenn die Menge an schlechten Nachrichten einen runterzieht. Ich habe das bei Themen wie dem Ukraine-Krieg selbst erlebt. Manchmal hilft es, bewusst Pausen einzulegen.

Wie ist das bei euch als Band? Ihr ruft ja auch zum Widerstand auf, sowohl auf der Bühne als auch außerhalb. Was bedeutet Widerstand für dich im Jahr 2025, auch als Mensch, nicht nur als Musiker?

Joshi: Grundsätzlich finde ich alle Protestformen gut. Ich halte es für falsch, Menschen zu belächeln, die zum Beispiel als „Klimakleber“ aktiv sind, nur weil es nicht meine Art des Protests ist. Jeder muss seine eigene Form finden.

Und eure Form ist die Musik?

Joshi: Genau. Mit der Band können wir viel Aufmerksamkeit auf Themen wie Demokratie und Menschenrechte lenken. Aber es ist auch wichtig, sich außerhalb der Bühne zu engagieren. Zur Wahl zu gehen ist wichtig, aber es reicht nicht. Es ist genauso entscheidend, außerparlamentarisch Haltung zu zeigen, sichtbar zu werden, sich in kleinen Gruppen in der eigenen Stadt zu engagieren, Aktionen zu starten. Auch zu einer Demo zu gehen, ist eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Form des Widerstands. Man sieht, wie viele engagierte Menschen aktiv sind, und das motiviert ungemein.

Die Bilder aus Riesa oder die großen Demonstrationen gegen die AfD im März sind ja durch die ganze Welt gegangen. Wie erlebt ihr solche Aktionen?

Joshi: Ich fand das sehr beeindruckend. Solche Proteste geben Menschen Kraft, weil man sieht: Ich bin nicht allein. Auf der Straße sind viele andere Leute, die stabil bleiben und sich nicht einschüchtern lassen, egal wie schwierig die Gesamtsituation ist.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Menschen, die Engagement eher für sich selbst nutzen. Grundsätzlich finde ich es auch gut, wenn Menschen aktiv werden, egal in welche Richtung und wie sie es tun, solange niemandem Schaden entsteht. Leider gibt es aber auch Menschen, die sich eher marketingtechnisch engagieren. Sie fühlen sich verpflichtet, politisch Stellung zu beziehen, haben aber oft keine echte Haltung oder Meinung. Wie siehst du das?

Joshi: Das gibt es bestimmt auch. Die Zeiten sind gerade aber sehr brenzlig, daher freue ich mich über jeden Künstler und jede Künstlerin, die sich auf der Bühne klar gegen Rechtsruck aussprechen und gegen Nazis Stellung beziehen. Klar, manche tun es vielleicht nicht ernsthaft, aber allein dass sie es tun, ist schon wichtig.

In der heutigen Zeit ist es ja auch schwierig, unverfänglich etwas zu sagen, gerade auf Social Media. Wie erlebt ihr diese Dynamik?

Joshi: Das Internet kann wirklich ein Tor zur Hölle sein. Unter Klarnamen bekommt man Drohungen oder Beleidigungen. Dazu kommen strategische Kampagnen, zum Beispiel durch Bots aus Russland, die Konflikte und gesellschaftliche Spaltung vorantreiben. 

Merkst du sowas auch bei Veranstaltern, dass sie zum Beispiel auch Acts buchen, die vielleicht unverfänglich sind, um keine Diskussion zu provozieren?

Joshi: Ich wünsche mir mehr Gelassenheit von Veranstaltern und Medien. Oft reagieren sie über, nur weil rechte Gruppen Druck ausüben, obwohl die meisten dieser Proteste inszeniert sind. Es passiert häufig, dass Veranstalter auf Druck reagieren und bei Medien ist es ähnlich: Leser drohen mit der Kündigung von Abos, wenn eine bestimmte Band auftritt oder ein Artikel erscheint. Die meisten dieser Reaktionen sind jedoch orchestriert, nicht authentisch.

Postfaktische Realität und der brüchige öffentliche Diskurs

Gibt es denn einen Weg, wie man Menschen erreicht, ohne von oben herab zu moralisieren?

Joshi: Das ist die große Frage. Viele Menschen hören heute einfach nicht mehr auf Argumente. Diskussionen eskalieren oft sofort im Internet. Wir leben in einer postfaktischen Gesellschaft, in der rationale Auseinandersetzung häufig unmöglich ist. Rechtes Gedankengut oder extreme Bewegungen zeigen das sehr deutlich.

Das klingt, als sei der gesellschaftliche Diskurs stark herausgefordert.

Joshi: Ja, und genau deshalb ist es umso wichtiger, dass Menschen trotzdem Haltung zeigen und versuchen, aufzuklären, wo es geht. Auch wenn es schwer ist, lohnt sich das Engagement.

Du hast gerade von postfaktischen Entwicklungen gesprochen. Wie zeigt sich das im Alltag, zum Beispiel bei politischen Aussagen?

Joshi: Es ist verrückt. Ein Politiker wie Trump kann an einem Tag sagen, er schenkt jedem Amerikaner ein rotes Gummibärchen, und am nächsten Tag behaupten, er habe das nie gesagt, obwohl hunderte Videos das Gegenteil beweisen. Und trotzdem finden viele seiner Anhänger das „cool“. Früher hätte man solche Lügen kaum akzeptiert. Wenn Politiker bewusst unehrenhaft gehandelt haben, gab es Konsequenzen, teilweise mussten sie zurücktreten. Heute scheint das durch die sogenannte Trumpisierung der Politik fast als normal zu gelten.

Wie schwer macht das die politische Diskussion?

Joshi: Extrem schwer. Wenn Lügen enttarnt werden und trotzdem keine Konsequenzen folgen, ist es nahezu unmöglich, rational zu diskutieren, besonders mit Menschen, die politisch anders denken. Echte Argumente erreichen sie kaum noch. 

Gibt es dennoch Möglichkeiten, Menschen zu erreichen?

Joshi: Das funktioniert nur noch in persönlichen, freundschaftlichen Umfeldern, wo man ruhig und offen reden kann. Auf dem Marktplatz vor einer Gruppe von AfD-Wählern mit dem Ziel, Argumente auszutauschen, hätte man praktisch keine Chance. Das persönliche Gespräch ist wichtig. Leider nimmt diese Möglichkeit immer mehr ab, und das ist eine bedrohliche Entwicklung für unsere Gesellschaft, weil Menschen kaum noch zuhören und rational diskutieren.

Dann gibt es auch Verschwörungstheorien. Wie beeinflussen diese die Diskussion?

Joshi: Früher war das eher ein Randphänomen. Heute reagieren viele nicht mehr auf belegbare Fakten. Wenn du einem Verschwörungsideologen widersprichst und sagst, „die New York Times berichtet das Gegenteil“, dann wird das als Beweis für die Verschwörung interpretiert. Rationales Argumentieren ist kaum noch möglich. Es geht nur noch um Bauchgefühle und damit spielen Parteien wie die AfD geschickt, indem sie Angst und Skandalisierung nutzen.

Kann man das irgendwie neutralisieren?

Joshi: Leider gibt es dafür keine einfache Lösung. Viele Menschen ignorieren Statistiken oder offizielle Quellen. Sie sagen: „Mir egal, ich habe es im Internet gesehen.“ Ich hoffe sehr, dass Politikwissenschaftler weltweit Ideen entwickeln, wie man wieder zu einem rationalen Austausch zurückkehrt.

Wie siehst du die Situation international, zum Beispiel in den USA?

Joshi: Die USA sind ein Extrembeispiel dafür, was passiert, wenn Gesellschaften tief gespalten werden. Ich habe dort persönliche Kontakte, zum Beispiel mein Bruder lebt dort. Dort gibt es wundervolle Demokraten, aber auch extrem rassistische Menschen, die sich durch Trump bestärkt fühlen und immer weiter ins Extreme driften. Es ist eine postfaktische Realität, gegen die man kaum ankommt.

Trotz dieser Entwicklungen gibt es doch auch Hoffnung, zum Beispiel durch die Jugend, die Generation nach uns?

Joshi: Auch wenn es schwierig ist, sehe ich junge Menschen, die sich engagieren, aufklären und versuchen, Dinge zu verändern. Sie sind nicht blind für die gesellschaftlichen Probleme. Das gibt mir Hoffnung, dass es Wege gibt, gegen diese postfaktischen Strömungen anzukämpfen, auch wenn es ein harter Kampf ist.

Bei eurem Konzert in Fulda am 16. Oktober, hast du ja Jonas, einen kleinen Jungen, auf die Bühne geholt.

Joshi: Ja, in Köln habe ich ihn sogar wieder auf die Bühne geholt. Wiederholungstäter sozusagen. Cooler Typ.

Ich fand das echt großartig. Aber ihr macht ja auch Konzerte für Heranwachsende, für Kinder. Wie ist es für euch, wenn ihr auf der Bühne steht und in den ersten Reihen stehen Kinder wie Jonas, elf oder zwölf Jahre alt, die voller Energie mitsingen und sich gegen Nazis positionieren? Macht dich das auch manchmal traurig, wenn du dir im Gegensatz dazu die Entwicklung der Welt anschaust?

Joshi: Traurig bin ich da eigentlich nie. Ich freue mich immer, wenn Eltern mit ihren Kindern kommen. Das zeigt, dass diese Eltern engagiert sind, ihre Kinder mit Werten und einem Grundkonsens erziehen. Das ist schon sehr schön und richtig. Ich habe selbst drei Töchter, und wenn man es schafft, kindgerecht zu erklären, kann man ihnen gut vermitteln, warum ich mich gegen Nazis engagiere. Es geht mir nicht darum, Politik das Kinderleben dominieren zu lassen. Aber ich finde es gut, wenn Kinder früh verstehen, dass Rechtsextremismus falsch ist und dass es Menschen gibt, die andere schlecht behandeln. Ansonsten sollen Kinder einfach Spaß haben, spielen und eine tolle Zeit erleben. Und das bieten wir bei unseren Kinderkonzerten auch, also 95 Prozent der Zeit machen wir einfach Quatsch mit den Kids, und das ist wirklich super.

Musik zwischen Idealismus und ökonomischem Druck

Kommen wir mal zu einem Perspektivwechsel. Ihr seid als Band auch kommerziell erfolgreich, geht auf Tour, lebt quasi den Traum vieler junger Musiker. Hat Musik für dich noch eine Zukunft als Beruf?

Joshi: Es wird immer schwieriger. Ticketverkäufe sind schwieriger geworden, die Preise steigen und Leute haben oft nicht mehr genug Geld für kleinere Konzerte. Große Bands verlangen astronomische Preise und wer dann für ein teures Konzert bezahlt, geht nicht noch nächste Woche zu einem günstigeren Punk-Event.

Auch die Produktionskosten bei Bands sind ein Faktor, oder?

Joshi: Absolut. Klassische Rockbands mit Schlagzeug, Bass, Gitarren haben hohe Produktionskosten im Studio und auf Tour. Im Hip-Hop-Bereich kann man viel günstiger produzieren. Das macht es für Rockbands noch schwerer. Dazu kommt, dass Rockmusik bei jungen Leuten weniger populär ist, auf einem Schulhof hören 95 von 100 Schülern Hip-Hop oder Ähnliches, Rockmusik ist kaum noch ein Thema.

Was bedeutet das für junge Bands?

Joshi: Es ist extrem schwer für neue Bands, Fuß zu fassen. Früher gab es viele linke Jugendzentren und besetzte Häuser, die Freiräume für Kunst und Kultur boten. Heute verschwinden viele dieser Räume, und ohne sie fehlt es Bands an Möglichkeiten, sich auszuprobieren, größer zu werden und ihre Musik weiterzuentwickeln.

Also ist Musik noch machbar, aber herausfordernd?

Joshi: Genau. Es geht noch, aber es ist harte Arbeit. Wir kriegen nichts geschenkt, kämpfen um jedes Ticket und jede verkaufte CD. Viele kleine Bands müssen Shows absagen, weil zu wenige Tickets verkauft werden. Das bricht mir das Herz. Ticketpreise steigen, Löhne stagnieren, die Lage ist einfach schwierig.

Das betrifft nicht nur die Musik, sondern auch die Entscheidung der Fans: Wocheneinkauf für die Kinder oder Konzertbesuch?

Joshi: Ja, genau. Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man sich überlegen muss, wofür man sein Geld ausgibt. Und das ist schade, weil Musik eigentlich für alle da sein sollte. Alle Leute wollen die Mega-Highlights, alles muss groß sein und richtig krachen. Die kleineren Shows geraten da schnell ins Hintertreffen, obwohl sie eigentlich die Bühne für die Acts sind, die größer werden sollen.

Abschließend möchte ich noch eine persönlichere Frage stellen. Eine Frage aus Textersicht. Du schreibst ja auch die Songs. Geht das bei dir einfach von innen nach außen oder gibt es Themen, die du erst einmal sacken lassen musst, bevor du sie verarbeitest? Manchmal habe ich zum Beispiel mehr Fragen als Antworten.

Joshi: Ja, als Künstler ist das ganz anders als im Journalismus. Trauer, Wut und Enttäuschung, das alles treibt mich an. Diese Gefühle funktionieren in Songs oft sehr gut. Aber wir haben das Problem, dass wir uns kurz fassen müssen. Im Vergleich zu einem längeren Text haben wir extrem wenig Zeilen, um alles unterzubringen. Das ist eine wahnsinnige Kunst, etwas so stark runterzubrechen. Gerade zu politischen Themen habe ich oft auch mehr Fragen als Antworten. Viele Kinder und Jugendliche erwarten von uns auf komplexe Fragen einfache, klare Antworten, die gibt es aber manchmal einfach nicht. Ich möchte mich auch nicht ständig wiederholen, schließlich haben wir acht Alben veröffentlicht. Es muss mich interessieren, sonst packe ich es nicht in einen Song. Vieles probiere ich aus, aber oft taugt es auch nicht und die meisten Textideen landen im Mülleimer. Auf ein Album kommt am Ende nur, womit ich wirklich zufrieden bin.

Das klingt sehr konsequent. Ich kann das nachvollziehen, weil ich als Texter auch nur über Dinge schreiben kann, die mich emotional einfangen, selbst wenn die Arbeit journalistisch zurückhaltender sein muss.

Joshi: Genau. Bei uns ist dieser Rahmen nicht gegeben. Ich kann einfach sagen: „Fick die AfD“, das ist für uns kein Problem.

Im Journalismus ist so etwas nur in einem geschriebenen Kommentar möglich, wenn überhaupt.

Joshi: Genau. Aber wir haben den Vorteil, dass wir uns in der Musikfreiheit bewegen. Mein bestes Beispiel ist Danger Dan mit „Kunstfreiheit“. Das hat er sehr geschickt umgesetzt. Darum geht es ja: man kann Kunstfreiheit nutzen, um klar Stellung zu beziehen, ohne dass es wie ein journalistischer Kommentar funktioniert.

Also ist es für dich beim Songwriting wichtig, dass die Themen nicht nur aktuell sind, sondern dass du sie wirklich fühlst?

Joshi: Absolut. Alles andere klappt nicht. Wenn ich ein Thema nicht spüre, kommt es nicht in den Song. Ich muss es fühlen, ich muss dahinterstehen. Und das gilt sowohl für die Texte als auch für die Haltung, die wir als Band zeigen.

Als Künstler kannst du schon noch andere Sachen bringen, oder?

Joshi: Ja, genau. Ein Künstler hat da viel mehr Freiheit. Ich kann sagen: „Ich habe mich an dem Tag so und so gefühlt und deshalb habe ich das in den Song reingebaut.“ Fertig. Das ist ganz anders als im Journalismus, wo ich aber auch erwarte, dass ein Text nüchtern ist, mit Fakten unterlegt und Hand und Fuß hat.

Wir müssen auch über die AfD schreiben, witzigerweise immer die Texte, die eigentlich nie jemand machen will. Was auch ein gutes Zeichen ist. Andererseits weiß ich bei meinen Kollegen auch nicht genau, ob sie nicht doch eine solche Partei wählen.

Joshi: Ja, das ist schon immer ein bisschen unangenehm. Man fragt sich ja, ob es irgendwann in Deutschland kippt. Ähnlich wie am Anfang des Nationalsozialismus: Viele sagten damals, ich mag die Partei nicht, aber das wird das nächste große Ding. Dann steigen Leute opportunistisch ein, aus reinem Eigennutz. Ich frage mich, ob wir nicht schon in einer Phase sind, in der sich etwas Ähnliches anbahnt, zum Beispiel im Sicherheitsapparat, speziell in Sachsen.

Du meinst, dass AfD-Unterstützer schon in Institutionen wie Polizei oder anderen Behörden sitzen?

Joshi: Genau. In manchen Bundesländern gibt es viele Polizisten, die AfD-Mitglieder sind oder sogar kandidieren. Stell dir vor, irgendwann erreicht das die Medien: Ein Redakteur tritt ein und sagt, die AfD wird das nächste große Ding, und alles richtet sich danach aus. Dann kippt die Gesellschaft sehr schnell.

Und du beobachtest so etwas bereits?

Joshi: Ich sehe diesen vorauseilenden Gehorsam überall, Lehrer, Vereine, die Zivilgesellschaft. Manche verhalten sich schon so, als wäre die AfD längst in der Regierung. Sie fürchten, zu viel Protest könnte gefährlich sein. Ich finde das sehr beängstigend, weil es zeigt, dass Menschen einknicken, obwohl es noch gar nicht so schlimm ist.

Ein Warnsignal für die Demokratie?

Joshi: Absolut. Jetzt sollten wir standhaft bleiben und nicht vorschnell nachgeben. Solange niemand in Haft sitzt oder die Situation wirklich eskaliert, müssen wir kämpfen.

Vielen Dank für diese klaren Worte.

Mehr zur Band ZSk findet ihr in den Socials.

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Mehr Soundcheck Sessions findet ihr auf der Website.

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Mia Lada Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.


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