Montagslyriker 10: Patrick Kaltwasser- Die Verwandlung der fliegenden Blätter

Namaste:-)
Heute geht es weiter mit der 10. Runde der Montagslyriker.


Mein werter Kollege Matthias Breimann und ich stehen bereit, um den nächsten Teilnehmer zu präsentieren, der uns den Montag versüßt.
Zu seinen liebsten Schreibern gehören die Meister der Schauerromantik H.P. Lovecraft und Edgar Allan Poe. Und tatsächlich hat ihn auch der Mensch in Form des Bösen zum Schreiben verleitet, wie er selbst erzählt. Als Außenseiter war er dem Mobbing seiner Mitschüler ausgesetzt und auch später fand er sich in der Gegenwart von falschen Menschen wieder und musste einige Niederlagen bewältigen. Das brachte ihn dazu seine Gedanken zu notieren. Zunächst versuchte er es mit einem Tagebuch, aber es waren nur fliegende Blätter, die entstanden. Sie erfüllten nicht den Zweck. Er lernt dann die Musik kennen, besser gesagt den Rap. Dieser faszinierte ihn so sehr, dass er sich selbst am reimenden Text versuchte. Mit der Zeit wurden daraus Gedichte und die Themen wurden ernster und düsterer. Einflüsse aus Horrorcore und Gothic finden wir in seinen Werken und er selbst beschreibt seinen Stil als Schwarzromantische Dichtkunst.
Im November 2020 hat er in Zusammenarbeit mit weiteren Autoren die Anthologie “infiziert-Wir gehen viral” herausgegeben.
Am 27.11.2021 ist die Spendenanthologie „GLITZER OHNE GRENZEN – weihnachtliche Kitschgeschichten“ zugunsten von Ärzte ohne Grenzen erschienen.

Und nun freuen wir uns auf unseren heutigen Helden des Montags:-)
Vielen Dank und herzlich Willkommenbei den Montagslyrikern:
Patrick Kaltwasser

Patrick Kaltwasser Instagram

Das Interview wurde im Februar 2021 geführt.

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?

Mich brachte tatsächlich der Mensch in Form des Bösen zum Schreiben. Ich wurde zu meiner Schulzeit von meinen Mitschülern schwer gemobbt, gepeinigt und zum Außenseiter stigmatisiert. Auch der Umgang mit falschen Menschen und Niederlagen provozierten in mir das Verlangen meine Gedanken niederzuschreiben.

Tagebücher stellten mich nicht zufrieden. Es waren tote Worte. Lieblos hineingeschrieben. Ich wusste doch was heute in der Schule wieder schlimmes passiert war. Musste ich das wirklich in einem Buch sammeln? Ein Schwarzbuch – Schulzeit? Oder sollte ich sagen „Die Leiden des jungen Patrick?“ Nein, das wollte ich nicht. Daher waren es eher Tagebuchversuche in Form fliegender Blätter.

Ich war in meiner Kindheit und Jungend viel bei meinen Großeltern da meine Eltern arbeiten mussten. An einem Tag passierte es. Ich muss damals 10 oder 11 Jahre alt gewesen sein. Die Hausarbeiten waren erledigt. Ich schaltete den Fernseher ein und bliebt auf dem Musiksender hängen den mein großer Bruder und auch mein Cousin immer schauten: Viva! Dort sah ich einen Mann sein Name war „Samy Deluxe.“ Und er reimte seine Lieder und berichtete vom Leben. Ich wollte das auch und griff mir meinen Schulblock und begann Reime aufzuschreiben. Nebenher lief der Musiksender im Hintergrund weiter und es gab mehr solche Menschen die reimten und es gefiel mir.

Irgendwann wusste ich, dass diese Musikrichtung Rap hieß und die Kultur Hip Hop. Ich wollte Rapper werden und mich beweisen. Den Mobbern zeigen, dass ich besser bin! Die ersten Tracks wurden aufgenommen, Freestyle mit den neuen Freunden und Texte geschrieben. Irgendwann schrieb ich auch ein Gedicht für meinen damaligen Schwarm, das so schmalzig war, dass ich heute noch froh bin, dass sie dieses nie gelesen hat.

Aus Rap wurden Gedichte. Die Themen wurden ernster und düsterer. Einflüsse aus Horrorcore (morbide Themen) und Gothic sollten meine Gedichte in Zukunft formen und es entstanden die ersten Gedichte in der Schwarz Romantik oder wie ich es gerne nenne Schwarzromantische Dichtkunst. Die Gräberpoesie sowie die Nachtpoesie wurden mein neues Zuhause.

 

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …

…, dass ich ein Dichter und Denker bin. Es kann passieren, dass ich von Einflüssen abgelenkt werde die andere nicht sehen oder bewusst ignorieren. Ein Gespräch mit mir ist kein Smalltalk. Ich rede für mein Leben gern und erzähle alte Geschichten. Ich höre auch gerne nur zu und nicke. Ich liebe Diskussionen und ich springe vom einen Thema zum anderen. Ich bin auch kein typischer junger Mann wie es bestimmte Rollen der Gesellschaft oftmals noch vorschreiben wollen. Nein, ich interessiere mich weder für Fußball, noch für Autos oder sonstigen Kram. Tiefgründige und philosophische Themen erfüllen mich voll und ganz. Wer bei mir mit RTL-Unterschichten-Gesprächen anfängt der erntet bei mir nur ein herzhaftes Gähnen und die Frage was ist das und wer ist das? Und warum erzählst du das nicht deinem Friseur? Ach, so im Lockdown hat der zu? Mist! (Zur Zeit spukt der Lockdown auch wieder durch die Medien)

 

3. Welche Götter verehrst du?

Da gibt es einige die mich inspirieren, die ich verehre oder einfach nur liebe.
Joanne K. Rowling hat mich zur Phantastik gebracht. Bis heute liebe ich Harry Potter. Ich bin ein Slytherin, was hervorragend zur Schwarz Romantik passt.
Die Meister der Schauerromantik H. P. Lovecraft und Edgar Allan Poe sind für mich einfach wahre Götter der Finsternis.
Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller die Meister der Dichtung inspirieren mich immer wieder aufs neue.
Und mein Lieblingsphilosoph ist eindeutig Friedrich Nietzsche. Ich lebe nach einem seiner Zitate, das da lautet: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“

 

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

Wenn es bald wieder möglich ist wird es wieder Lesungen vor Menschen geben. Lesungen im Internet, sowie Livestreams sind auch bald wieder geplant. Alleine und zusammen mit befreundeten AutorInnen. Ich nehme auch gern an Ausschreibungen teil oder schreibe selbst Bücher oder gebe Anthologien heraus. Im November 2020 habe ich in Zusammenarbeit mit Luna Day und vielen tollen AutorInnen die Anthologie „infiziert – Wir gehen viral“ herausgegeben.
Ich nutze aktiv Instagram, Twitter und Facebook um bekannter zu werden und um meine Werke zu präsentieren. Ich liebe auch Kooperationen und arbeite sehr gern mit gleichgesinnten Menschen zusammen. In Zukunft wird da noch so einiges kommen. Wenn du jetzt sagst, ich finde das toll was der Patrick da macht und ich würde auch gern mal mit ihm zusammenarbeiten. Dann trau dich und melde dich direkt bei mir. Ich knurre und beiße nur.

Am 27.11.2021 ist die Spendenanthologie „GLITZER OHNE GRENZEN – weihnachtliche Kitschgeschichten“ zugunsten von Ärzte ohne Grenzen erschienen. Die beiden Herausgeberinnen Ela Bloom und Anny Thorn haben mich zu dieser tollen Aktion eingeladen. Ich habe die Kurzgeschichte „Mario und der Weihnachtsmann“ beigesteuert.

O-Ton von Ela Bloom: Es sind ausgesprochen kitschige, unterhaltsame, abwechslungsreiche Geschichten dabei, die euch die Adventszeit versüßen werden.

 

5. Und nun, zeige dich!


Werwolfgrau

Werwolfgrau das Firmament,
Meeresblau und exzellent.
Sandburgen brechen ein,
Randfiguren stehen allein.

Welt liegt im Silberglanz,
fällt herab im Totentanz.
Herzen kalt wie Chrom,
Schmerzen im Herbstton.

Regenwetter tobt und weint.
Gegenüber steht der Feind.
Granatentrichter klopfen an.
Warten warten, sag mir wann.

Siegen, erobern und befrei’n,
Friedenszeit sie eilt herbei.
Die Blinden und die Lahmen,
„Nie wieder Krieg!“, sie mahnen.


Endzeitfestung

Ich gleite auf Schatten dahin,
direkt in das Höllenfeuer.
Frage mich warum ich Mensch bin,
Schöpfung ist ein Ungeheuer.

Ich hab den Kopf voller Ratten
und den Mund voller Glasscherben.
Wann kommt das Ende der Schatten,
wann muss ich gehen und sterben?

Ich höre die Leere kriechen,
auf der Spielwiese der Endzeit.
Ich kann die Dunkelheit riechen,
sie macht sich in den Herzen breit.

Trümmerfestungen still rauchend
und Geisterstädte brennend laut.
Fliegerbomben fallen fauchend
und übrig bleibt zerfetzte Haut.

Fragile Zukunft

Die Pilze der Kernwaffen erblühen,
Über dieser degenerierten Welt.
Pflanzen, Tiere, Menschen verglühen,
Bis am Ende alles zu Staub zerfällt.

Menschheit im Schatten der Tiefkultur,
Die Plastikmeere erstarren in Hypnose.
Der knochige Leib von Mutter Natur,
Zugedeckt von einer schwarzen Rose.

Schneeglöckchen läuten zur Endzeit,
Klirrend zersplittert das Weltenherz.
Die Atmosphäre macht die Tore weit,
Ein steinernes Fallbeil saust abwärts.

 

 

Schwarzwald deine Kinder

Schwarzwald und seine Kinder,
Dunkle Kreaturen, ewiger Winter.
Es wird gespenstisch und eisig kalt,
Teufels Saat blüht auf, Finsterwald.

Schwarzer Wald, such deine Kinder,
Ihre Körper erstarrt, in ewigem Winter.
Geister und Dämonen in diesem Wald,
Sie kommen und holen dich bald.

Finsterer Wald, wo sind deine Kinder,
Verschlungen hat sie der ewige Winter.
Dunkelste Wesen, die Sagen so alt,
Holen auch dich, verschwindest im Wald.

 

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