Delirium´s Dawn feiert bald ihr 20-jähriges Bestehen. Zeit für ein Gespräch über ihre Reise als Band, das Bandimage und die Welt des Undergrounds.
Ihr seid schon fast 20 Jahre als Band unterwegs. Wie fühlt sich das an?
Ja, im nächsten Jahr ist es wirklich so weit – 20 Jahre. Manchmal kommt es einem vor wie eine halbe Ewigkeit. Aber ehrlich gesagt, haben wir bis vor kurzem eher als Studioprojekt funktioniert, so als vier Dudes, die ab und zu mal auf der Bühne stehen. Es war nie der Plan, als Band Vollgas zu geben. Jeder hat Familie, feste Jobs. Wir sind eher eine Art Undergroundband.
Ihr habt also nie das Ziel verfolgt, rund um die Uhr unterwegs zu sein?
Genau. Wir sind nicht die Typen, die sagen „Lass uns vier Wochen auf Tour gehen“ oder so. Es ist einfach nicht unser Ding. Aber dadurch, dass wir schon so lange dabei sind, sind wir auch nicht mehr die Newcomer. Und trotzdem, so richtig etabliert sind wir auch nicht.
Das führt uns tatsächlich direkt zum Thema „Underground“. Viele Bands positionieren sich heute als „Underground“, aber oft ist es mehr eine Image-Sache. Viele Leute verstehen darunter oft nur kleine, unbekannte Bands. Aber das ist ein Trugschluss. Underground bedeutet nicht unbedingt, dass du nicht erfolgreich bist. Es gibt viele große Bands, die sich bewusst so positionieren. Die spielen ihre ausgewählten Festivals, aber das war’s. Und das kann man durchaus respektieren.
Ja, es gibt auch Bands, die „Underground“ als eine Art Qualitätssiegel nutzen, aber es gibt auch viele, die einfach als „Underground“ bezeichnet werden, weil sie nicht groß sind.
So wird der Begriff „Underground“ aber oft auch falsch verwendet. Wenn du heute als kleine Band noch auf der Suche nach deiner Identität bist, wirst du oft in denselben Topf geworfen wie zig andere Bands, die wirklich gut sind. Und das ist unfair. Denn „Underground“ sollte eigentlich eine positive Bedeutung haben. Es geht darum, sich bewusst für einen anderen Weg zu entscheiden und nicht einfach in den Mainstream einzutauchen. Habt ihr euch auch schon mal überlegt, den „Underground“-Status zu nutzen, um eure Positionierung zu stärken?
Es gibt Bands, die sich als „Underground“ positionieren, weil sie das Image haben wollen. Aber wenn du das tust, musst du es auch richtig leben. Man darf sich nicht einfach in diese Kategorie stecken, ohne wirklich dahinterzustehen. Wir respektieren es, wenn andere es so handhaben und uns so sehen.
Ihr habt in fast 20 Jahren Bandgeschichte verschiedene Phasen der Musik durchlaufen. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie sich eure Musik im Laufe der Jahre verändert hat und wie ihr damals angefangen habt?
Wir haben ganz klassisch als Kumpels angefangen, die auf dieselbe Schule gingen und im Keller des Schlagzeugers Musik machten. Damals war Metallica ziemlich angesagt. Unser erster Schlagzeuger hat sich dann allerdings dem Hip-Hop zugewandt, ist ausgestiegen, und wir sind mit einem neuen Schlagzeuger in die Richtung Melodic Death Metal gegangen. Später, so um 2008, kam Max dazu, und wir sind dann in eine Richtung gegangen, die man vielleicht als technical oder progressive Metal beschreiben könnte – so in der Richtung von TesseracT oder The Human Abstract. Aber Max ist auch relativ schnell wieder ausgestiegen. 2013 kam Manu dazu, und mit ihm haben wir uns dann weiterentwickelt und den Metalcore als unser Hauptgenre etabliert. Aber wir schließen keine Einflüsse aus. Der Ary hört viel Rock und Jazz, und unser Drummer bringt sogar Flamenco mit rein. Das ist eigentlich das, was unsere Musik ausmacht – wir mischen alles, was uns gefällt.
Das klingt nach einer interessanten Mischung von Einflüssen! Wie hat sich euer Ziel verändert als Band, und was erhofft ihr euch für die Zukunft?
Bis vor zwei Jahren waren wir wirklich ein Studio-Projekt. Wir haben Alben rausgebracht und ab und zu Konzerte gespielt, aber nie richtig auf großen Bühnen gestanden. Vor zwei Jahren haben wir dann beschlossen, etwas mehr zu machen, als nur dreimal im Jahr live zu spielen. Unser Ziel ist es, ein paar Festivals pro Jahr zu spielen und vielleicht mal den Support für größere Acts zu übernehmen. Wir glauben, dass unser Sound so vielseitig ist, dass für jeden etwas dabei ist. Wer tief in den letzten 20 Jahren unserer Musik eintaucht, wird auf jeden Fall etwas finden, das ihm gefällt. Unser Wunsch ist es, diese Musik mit einer größeren Zuhörerschaft zu teilen.
Das sind wir ja wieder im Thema drin. Eine Underground-Band macht sowas ja auch. Worauf ich hinaus will ist dieser Begriff Undreground. Nehmen wir Bands wie ten56. oder Reduction – sie sind tatsächlich Underground-Bands, aber wenn man sich ihre Fangemeinde oder ihre Reichweite ansieht, sind sie alles andere als klein. Es ist meiner Meinung nach etwas selbstgefällig, wenn eine kleine, kaum bekannte Band sich als Underground bezeichnet. Und damit meine ich nicht euch. Eure Professionalität zeigt sich klar in eurem Auftreten. Aber nicht jede Band, die noch nicht bekannt ist, ist automatisch Underground. Oft ist sie einfach nur klein und unbekannt. Bleiben wir bei den Fakten und tauchen nicht in die Social-Media-Welt voller Möchtegerns ein. Es gibt auch die Kategorie „Newcomer“ – Bands, die klare Ziele verfolgen und sich nicht als etwas ausgeben, das sie nicht sind. Bei euch sieht man, dass ihr eine solide Basis habt. Ist euch das wichtig?
Das war uns immer sehr wichtig. Früher war man als junge Band oft finanziell angeschlagen und ohne Label war man ziemlich aufgeschmissen. 2005 war es noch so, dass du ohne Label praktisch keine Ressourcen hattest. Wir haben uns dann dieses „Do it yourself“-Prinzip über die Jahre erarbeitet. Heute haben wir zum Beispiel Ary, der das Mixing, Mastering und die Soundproduktion für uns übernimmt. Er hat ein Know-how, das locker mit professionellen Produktionen mithalten kann.
Es hört sich an, als ob ihr in Sachen Produktion und Kreativität sehr unabhängig seid.
Auf jeden Fall. Uns ist es enorm wichtig, die Kontrolle über unsere kreativen Prozesse zu behalten. Am Ende geht es darum, dass das, was wir produzieren, wirklich auch von uns kommt. Natürlich nehmen wir externe Einflüsse auf, aber es muss immer noch „wir“ bleiben.
Ihr habt in letzter Zeit auch einige Singles veröffentlicht. Ist das eine bewusste Entscheidung gewesen?
Ja, absolut. Früher haben wir nur Alben rausgebracht – insgesamt vier bis 2020. Aber dann haben wir im Juli und November 2023 Singles veröffentlicht. Das war eine strategische Entscheidung. Wir waren lange nicht mehr aktiv und wollten mit den Singles die Zeit überbrücken und uns wieder zurück ins Gespräch bringen. Auch die Tatsache, dass der Algorithmus heute eine große Rolle spielt, hat uns beeinflusst.
Jetzt stellt sich die Frage: Kommt von euch ein weiteres Album oder bleibt ihr bei Singles?
Wir arbeiten gerade an einem Album. Es wird also definitiv ein Album kommen, auch wenn wir das Gefühl haben, dass viele Leute die Songs schon kennen. Aber das Album soll eine vollständige Erfahrung bieten, und wir wollen es auch physisch veröffentlichen.
Das klingt spannend! Ich bin sicher, viele Fans freuen sich darauf. Gibt es schon ein Datum für die Veröffentlichung?
Noch nicht, aber wir arbeiten mit Hochdruck daran. Wir möchten das Album so schnell wie möglich fertigstellen und es dann auch live präsentieren.
Band des Monats: Delirium’s Dawn
Mehr Infos zur Band Delirium’s Dawn findet ihr in den Socials.
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