Yannic Bill: Zwischen Schanz, Fotos und Festivalträumen

credit: Yannic Bill

Yannic Bill ist Veranstalter und managt alles rund um das Schanz Mühlheim – ein kultureller Hotspot zwischen Offenbach und Frankfurt. Nebenbei ist der studierte digitale Medienprofi auch leidenschaftlicher Fotograf und ein großer Fan der Band Feine Sahne Fischfilet. Im Interview haben wir Yannic Bill gefragt, welche Rolle das Schanz für die lokale Kulturszene spielt, wie er mit kurzfristigen Herausforderungen umgeht, welche Bilder ihn am meisten faszinieren – und wieso er kein großer Freund von Social Media ist. 

Was war das bisher größte Highlight deiner Karriere als Veranstalter?

Ist schwer zu definieren, weil der Veranstaltungsbereich generell sehr facettenreich ist. Ich hab sehr viele Veranstaltungen federführend schon gemanaged, auf die ich sehr stolz bin. Allen voran unser BembelXCore. Das ist ein Tagefestival im Metal und Hardcore Clubbereich, dass wir bisher dreimal gemacht haben. Das ist ein großes Highlight und auch organisatorisch eine Herausforderung. Aber ich veranstalte auch im Hintergrund Dinge, die man vielleicht sonst so auch nicht sieht, wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern oder Firmenfeiern. Das sind Events, die zwar keinen kulturellen Anreiz haben, aber trotzdem auch herausfordernd sein können. Das größte Highlight als Veranstalter ist aber tatsächlich das BembelXCore.

Wie gehst du mit Herausforderungen wie kurzfristigen Absagen oder unerwarteten Problemen während einer Veranstaltung um?

Dazu kann ich tatsächlich viel sagen, weil der Kultursektor jetzt nicht mit wahnsinnig viel Geld gesegnet ist und man ja dann doch seine Rechnungen wie auch seine Mitarbeiter bezahlen muss. Es wird auch nicht leichter. Kurzfristige Absagen sind also nicht leicht. Ich finde es aber auch schwierig, alles auf die Bands abzuwälzen. Man kann dann aber auch nicht immer alle Verantwortung auf den Veranstalter abwälzen. Ich versuche den Bands also schon begreiflich zu machen: Ihr seid in der Verantwortung. Ich brauche eure Einschätzungen wie viel ihr verkauft etc. Im schlimmsten Fall lohnt es sich dann für beide Parteien nicht, aber beide gehen auch nicht in die Miesen. Wenn jemand krank ist, ist es halt so. Und wenn eine Band weniger Platten verkauft als erwartet, da hab ich mittlerweile nicht mehr so viel Verständnis.

Welche Bedeutung hat das Schanz für die lokale Kulturszene in Frankfurt, und wie trägst du dazu bei?

Schanz ist ja in Mühlheim, vor allem im Kreis Offenbach. Also ist da die Kulturszene Hanau und Offenbach vertreten. Aber ja, wir haben auch viele Gäste aus Frankfurt. Wir sind ein niedrigschwelliger Laden, wie haben niedrigschwellige Angebote. Ich glaube, wir sind für die lokale Musikszene einer der größeren Läden. Ich denke, wir haben eine größeren Stellenwert bei unserem älteren Publikum und haben auch angefangen, uns einen höheren Stellenwert zu erarbeiten bei unserem jüngeren Publikum. Ich denke als sozio-kulturelles Zentrum, dass wir ja auch sind, sind wir ein Streiter für das Kulturzentrum. Jedes Kulturzentrum hat ja so seine Eigenart und wir versuchen die regionale Szene zu fördern und wir haben, was auch erwähnenswert ist, wir haben einen sehr großen Charity-Bereich. Wir spenden regelmäßig für die Zivile Seenotrettung, wir spenden für lokale Initiativen, wir haben einen Förderverein gegründet für Kinder, wo wir kulturelle Veranstaltungen für benachteiligte Kinder veranstalten, die kein Geld oder eine Behinderung haben. Wir haben Charity auch schon für Afrika und Entwicklungshilfe gemacht. Das ist ein ganz großer Punkt. Wir sind breit gefächert und nicht nur eben in einem Bereich unterwegs und ich denke, das ist unser Unique Selling Point. 

Wann und wie hast du mit der Fotografie begonnen?

Ich habe digitale Medien studiert. Ich wollte ursprünglich auch zum Film und habe auch meinen Master gemacht, der hieß Planung und Durchführung medialer Inhalte. Das habe ich dann mit dem Veranstaltungssektor verknüpft und bin dann dort gelandet, wo ich jetzt bin. Und da ich immer eine Kamera an Bord hatte, weil das auch Teil meines Studiums war, habe ich es dann auch damit verknüpft und habe auch Bands und Konzerte fotografiert. Ich bin aber kein bezahlter Band und Konzertfotograf. Ich war auch schon mit Bands auf Tour und habe auch schon Musikvideos gemacht – unter anderem für Moskau Death Brigade und Frau Ruth, einen lokalen Act. Aber das ist nur ein Hobby. Da gibt es andere, die das hauptberuflich machen.

Gibt es ein bestimmtes Genre oder Thema, das du besonders gerne fotografierst?

Das Genre ist eigentlich egal, aber ich mag es, wenn sich etwas bewegt. Wenn die Leute auf der Bühne zum Beispiel eine coole Präsenz haben und nicht einfach nur dastehen, dann ist das für mich faszinierend. Das ist oft im Hip Hop so und oft auch im Metal. Und vor allem ist es im Punk besonders so, aber es ist sehr unterschiedlich. Die Person, die ich am liebsten auf der Bühne fotografiere, ist Monchi von Feine Sahne Fischfilet

Wie beeinflusst deine Arbeit als Fotograf deine Perspektive als Veranstalter und umgekehrt?

Das ist schwer, weil die Fotografie ein Nebenerwerb ist und wenn ich als Veranstalter was veranstalte und zusätzlich Bilder mache, dann verknüpft sich das. Aber die beiden Sachen haben gar nicht so viel miteinander zu tun. 

Welche Rolle spielt Social Media in beiden Bereichen deiner Arbeit?

Das ist schwer zu sagen. Social Media ist in erster Linie ein Fluch, weil es etwas ist, was jeder irgendwie machen muss. Und wo jeder am Start ist und es ist etwas, was du heute für Werbezwecke nutzen musst, aber wie überall, wenn du eine Botschaft, eine Message transportieren willst über Social Media, dann kannst du das tun, aber wirklich erfolgreich wirst du damit nur, wenn du eben Geld reinsteckst. Natürlich nutzen wir auch Social Media mit bezahlten Ads, aber es ist schon eher ein unbefriedigendes Tool. Ich bin auch aktiv bei Insta, trotzdem bin ich kein Freund davon. Und ich denke, dass wir in einer besseren Welt leben würden, wenn wir weniger auf diese Influencer-Welt geben würden, weil für mich ist vieles da einfach auch mehr Schein als Sein. 

Gibt es ein Event oder Projekt, von dem du träumst, es im Schanz umzusetzen?

Ja, schwierig. Das Schanz ist eben durch seine Größe natürlich etwas limitiert. Wir sind zwar nicht ganz winzig, aber wir sind auch nicht zu vergleichen mit einer großen Konzerthalle. Natürlich habe ich einen Traum. Wir hatten zum Beispiel vor zwei Jahren die Band Lionheart bei uns und die sind eigentlich viel zu groß für unsere Größenordnung und das waren verschiedene Zufälle,die dafür gesorgt haben, dass es so kam wie es kam. Und das ist auch genau das, worum es geht. Ich würde gerne Bands hier haben, die größer sind und sagen, sie machen eine Club Show, denn das ist die Größe des Schanz. Allen voran Feine Sahne Fischfilet. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ich die Band mag und auch schon auf deren hauseigenen Festival gearbeitet habe, also ja von daher Feine Sahne Fischfilet auf eine Clubshow ins Schanz holen, das wäre schon cool. 

Weitere Infos zu Yannic Bill findet ihr in den Socials.

Instagram 

 

 


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