Together Pangea: Warum rohe Gitarren im Review-Alltag wieder relevant sind

Band Together Pangea, drei Musiker posieren gemeinsam

Soundcheck mit Mia (Kolumne)

  • Zu viele Releases, zu wenig Zeit und oft zu wenig Substanz im Review-Alltag

  • Together Pangea setzen auf rohe Energie, DIY-Haltung und kompromisslosen Garage-Punk

  • “Eat Myself” zeigt, dass Haltung und Druck wichtiger sind als große Konzepte

Foto: Together Pangea-credit-Tommy-Petroni

Es gibt auf dieser Welt unzählige Bands und jeden einzelnen Tag sprießen neue aus dem Boden. Während man noch versucht, den letzten Release halbwegs einzuordnen, klopfen bereits die nächsten fünfhundert Reviewanfragen an. Für privat betriebene Magazine ist das Alltag und gleichzeitig ein kleiner Überlebenskampf gegen die eigene Hörmüdigkeit.

Wie viele Musikgenres gibt es?

Laut Musikflex.de kommt man, wenn man alle Musikrichtungen zusammenzählt, auf rund 400 bis 500 Genres. Wobei “Genre” auch ein dehnbarer Begriff ist. Denn ob etwas nun Post-Punk, Post-Post-Punk, Neo-Garage-Punk oder Garage-Punk mit Lo-Fi-Attitüde und Surf-Anleihen ist, hängt oft mehr von der Tagesform des Rezensenten als von der Musik selbst ab. Je weiter man Unterkategorien aufgliedert, desto schneller verliert man den Überblick und desto größer wird auch das Etikett auf der Schublade.

Der Review-Alltag: Viel Masse, aber nicht immer viel Substanz

Bei dieser Flut an Veröffentlichungen ist es kaum verwunderlich, dass nicht jede Neuerscheinung Begeisterungsstürme auslöst. Vieles ist ordentlich produziert, gut gemeint und sofort wieder vergessen. Musik, die weder wirklich stört noch wirklich berührt. Sie rauscht durch die Playlist, hinterlässt aber keine Spuren. Und trotzdem weiß man: Spannende Bands existieren. Sie drängen sich nicht auf, sie schreien nicht nach Aufmerksamkeit, sie sind einfach da. Man muss nur bereit sein, sie zwischen all dem Lärm zu entdecken.

Wenn eine Band hängen bleibt

Genau an diesem Punkt kommen Together Pangea ins Spiel. Eine Band, die nicht sofort alles erklärt, aber mit jeder Minute interessanter wird. Kein revolutionäres Genre-Monster, keine künstliche Neuerfindung von Rockmusik, sondern eher rohe Energie, schmutzige Gitarren und eine Haltung, die eher aus Überzeugung als aus Kalkül entsteht.

Together Pangea: Mehr als nur der nächste Name auf der Liste

Together Pangea sind eine dieser Bands, bei denen man merkt: Hier lohnt es sich, genauer hinzuhören. Sich mehr Zeit zu nehmen, als der Review-Stapel eigentlich erlaubt. Inmitten der unüberschaubaren Masse an Genres, Subgenres und stilistischen Etiketten wirken sie erfrischend direkt, laut, kantig und mit genug Charakter, um nicht sofort wieder im Archiv zu verschwinden.

Together Pangea: Drei Akkorde, keine Ausreden

Together Pangea sind eine Garage-Punk-Band aus Kalifornien und liefern seit Ende der 2000er-Jahre genau das, was ihr Genre verspricht und was man andernorts oft vergeblich sucht: kompromisslosen, schweißtreibenden Rock ohne Sicherheitsnetz. Gegründet 2008 in Santa Clarita, inzwischen fest im Großraum Los Angeles verwurzelt, klingt die Band so, als hätte sie nie wirklich Interesse daran gehabt, besonders glatt oder angepasst zu sein.

Ihr Sound ist roher Garage Rock, Punk-Attitüde, eingängige Melodien und eine DIY-Haltung, die nicht aufgesetzt wirkt, sondern gelebt wird. Keine unnötigen Schnörkel, kein Sounddesign-Overkill, aber dafür verzerrte Gitarren und ein permanentes Gefühl von “zu laut ist gerade richtig”.

Drei Leute, viel Lärm

Angeführt von Sänger und Gitarrist William Keegan, gemeinsam mit Danny Bengston am Bass und Erik Jimenez am Schlagzeug, haben sich Together Pangea schnell den Ruf einer Band erspielt, die auf der Bühne lieber eskaliert als erklärt. Die Songs selbst pendeln irgendwo zwischen jugendlicher Rebellion, latenter Frustration, Selbstzweifeln und einem trockenen, manchmal fast schon beiläufigen schwarzen Humor. Große Gesten braucht es dafür nicht. 

Alben statt Ausreden

Spätestens mit Living Dummy (2011) und vor allem Badillac (2014) war klar, dass diese Band mehr ist als nur der nächste Name im Garage-Punk-Karussell. Die Alben machten Together Pangea zu einer festen Größe in der internationalen Garage- und Indie-Rock-Szene.

Mit Bulls and Roosters (2017) und DYE (2021) zeigte die Band schließlich, dass Weiterentwicklung nicht zwangsläufig bedeutet, leiser oder braver zu werden. Der Sound wurde bewusster, präziser, teilweise strukturierter, der Druck aber blieb.

Kein Konzept, kein Kompromiss

Together Pangea machen Rock ohne große Umwege. Laut, dreckig und körperlich, ohne den Anspruch, etwas neu erfinden zu wollen. Verzerrte Gitarren, einfache Hooks und Shows, die eher auf Energie als auf Perfektion setzen. Wer mit Garage- und Punkrock etwas anfangen kann und Bands mag, die lieber spielen als erklären, wird an Together Pangea kaum vorbeikommen.

Oder anders gesagt: Nicht jede Band muss die Musik neu erfinden. Manche müssen sie einfach nur ernst genug nehmen.

Am 16. Januar veröffentlicht die Band ihr neues Album. Mein Review zu Together Pangea und ihrem neuen Album “Eat Myself” könnt ihr auf der Website von Sounds and Books nachlesen.

Weitere Soundchecks mit Mia findet ihr HIER auf der Website. 

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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.

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