Marc Blessing über Konzertfotografie, den Alltag im Paranoyd Magazin und Tipps, wie aus guten Bildern herausragende Fotos werden.
Interview: Mia Lada-Klein
Marc Blessing führt gemeinsam mit Tine Blessing das Paranoyd Magazin und ja, man kann sie mit gutem Gewissen ein Power Couple nennen. Während andere noch über Zuständigkeiten diskutieren, koordinieren die beiden Anfragen, verteilen Aufgaben, pflegen die Website und bringen News zuverlässig online. Marc verantwortet dabei Technik, Inhalte und den stetigen Nachrichtenfluss. Als Chef, versteht sich, und als jemand, der weiß, dass ein Musikmagazin nur lebt, wenn es in Bewegung bleibt.
In erster Linie ist Marc aber Fotograf. Einer mit Haltung, mit Blick für den richtigen Moment und mit einer klaren Meinung dazu, was Fotografie leisten muss und was eben nicht. Er fotografiert die großen Acts ebenso selbstverständlich wie jene Bands, die noch am Anfang stehen, aber genau dort hinwollen.
In unserem Gespräch ging es um seine Leidenschaft für Konzertfotografie, um extreme Bedingungen zwischen Nebel, Licht und Adrenalin und darum, warum ein gutes Bild bereits beim Auslösen entsteht.
Wir sprachen über den Alltag hinter den Kulissen eines Musikmagazins, über Verantwortung, Organisation und den oft unterschätzten Aufwand, den eine funktionierende Website bedeutet. Auch über Menschen, die auffällig freundlich werden, sobald sie sich Vorteile versprechen. Marc nennt falsche Erwartungen und Egoismen klar beim Namen und teilt zugleich offen seine Haltung und seine Tipps, wie aus einem guten Foto mit Erfahrung, Know how und Freude an der Sache ein fantastisches wird.
Marc, wie bist du zur Fotografie gekommen und was hat dich an diesem Medium besonders fasziniert?
Marc Blessing: Ich kann gar nicht genau sagen, wann es bei mir angefangen hat. Schon als Kind habe ich viel fotografiert, meist im Urlaub mit meinen Eltern. Mein Ziel war damals aber sicher nicht die Konzertfotografie, denn das hat sich erst später ergeben.
Welche Art von Fotografie bevorzugst du denn genau? Ist es Konzertfotografie?
Marc Blessing: Was mich an der Fotografie fasziniert, ist einfach, Momente festzuhalten, die nie wiederkommen werden. Es ist ein Stück Zeit, das konserviert wird und genau das begeistert mich besonders. Mittlerweile liegt mein Fokus klar auf Konzerten. Bandshootings mache ich zwar auch mal, aber bei Konzerten hast du eine unglaubliche Spielwiese: extreme Bedingungen, Licht, Nebel, ständig bewegte Akteure. Herausforderung pur und genau das liebe ich.
Marc Blessing: Konzertbericht “Die Fantastischen Vier” Paranoyd Magazin
Technik, Arbeitsweise und Haltung zur Bildbearbeitung
Welche Ausrüstung verwendest du gerne für deine Fotografie und warum hast du dich dafür entschieden? Ich kenne mich selbst kaum aus, aber ich denke, für Menschen, die fotografieren, ist das sicher spannend zu wissen.
Marc Blessing: Technisch arbeite ich mit Sony: A7III und A9II, meist in Kombination mit dem Sony 16-35 oder 70-200. Gerade das 16-35 im Graben gibt einem unendliche Möglichkeiten. Für größere Entfernungen leihe ich mir manchmal auch andere Objektive aus, wenn man nur vom FOH aus fotografieren kann.
Kannst du von einem besonders inspirierenden oder herausfordernden Fotoshooting erzählen und was hast du daraus gelernt?
Marc Blessing: Wenn ich über ein Konzertshooting erzählen müsste, könnte ich mich gar nicht auf eines festlegen, denn es gibt mittlerweile so unglaublich viele und unterschiedliche. Inspiration kommt besonders, wenn man vor den ganz Großen steht; da gibt es schon mal Gänsehaut pur.
Welche Rolle spielt die Bearbeitung und Nachbearbeitung in deinem fotografischen Prozess?
Marc Blessing: In der Postproduktion gilt für mich dasselbe wie bei der Fotografie selbst: Aus einem schlechten Bild wird kein gutes, aus einem guten kann man aber ein sehr gutes machen. Es geht mir nicht darum, den Ursprung des Bildes zu verfälschen, sondern das Beste herauszuholen. Manche Kollegen mischen mittlerweile mehrere Bilder und verkaufen das als Fotografie und das kann man machen, aber für mich ist das eher Kunst als echte Fotografie.
Marc Blessing: Konzertbericht “Billy Idol” Paranoyd Magazin
Hast du als Fotograf Angst, dass KI die Kunstschaffenden wie Musiker oder auch Fotografen ersetzt?
Marc Blessing: Das Thema KI ist spannend und gleichzeitig beängstigend, wenn man sieht, wie schnell sich die Technologie entwickelt. Beim letzten Helloween-Konzert hat Michael Kiske schon gesagt, dass wir aufpassen müssen, nicht unsere Menschlichkeit zu verlieren. Ob KI Fotografen ersetzen wird? Ich glaube nicht, aber sie wird die Branche sicher stark beeinflussen.
Alltag, Magazin-Arbeit und Erfahrungen hinter den Kulissen
Marc, zusammen mit Tine betreibst du das Paranoyd Magazin, also bist du quasi mein Chef. Welche zentralen Aufgaben übernimmst du genau im Rahmen des Magazins?
Marc Blessing: Endlich darf ich auch mal Chef spielen. (lacht) Meine Rolle betrifft die Homepage, die bei uns im Mittelpunkt steht. Alles, was wir auf Social Media machen, läuft auf diesen zentralen Punkt zusammen. Ich sorge dafür, dass die Seite 24/7 erreichbar ist und die Inhalte gepflegt bleiben. Neben Konzertberichten habe ich mich stark auf News konzentriert und das erfordert viel Recherche, verschafft mir aber auch einen sehr guten Überblick.
Welche Aufgaben beanspruchen überraschend viel Zeit?
Marc Blessing: Die Pflege einer Homepage wird oft unterschätzt. Wer so etwas noch nie gemacht hat, glaubt nicht, wieviel Aufwand hinter den Kulissen steckt, also von kleinen Details wie Impressum und Datenschutz bis hin zu inhaltlicher Pflege ist alles dabei.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Marc Blessing: In unserer Branche gibt es zum Glück keine Routine. Jeder Tag ist individuell. Das Ganze ist ein teures Hobby, das ich mit meinem Hauptjob in Einklang bringen muss. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.
Wie stark ist dein Alltag von spontanen Anfragen und kurzfristigen Änderungen geprägt?
Marc Blessing: Was den Umgang mit Bands angeht: Wenn eine Band kurzfristig einen Song schickt, der morgen veröffentlicht wird, ist das nicht mein Problem. Es geht immer um Win/Win, also wer nur seinen Vorteil sieht, ist bei mir raus. Bei der Fotografie gibt es solche Situationen eher selten, aber auch hier denken manche Veranstalter, dass es reicht, drei Stunden vor Showbeginn eine Zusage zu geben. Dann ist das eben ihr Problem. Man muss sich da einfach von gewissen Dingen freimachen, sonst kommt man in dieser Branche schnell unter die Räder.
Das ist wahr. Man braucht ein dickes Fell. Wie läuft beim Magazin der Prozess vom ersten Kontakt mit einer Band bis zum fertigen Beitrag?
Marc Blessing: Normalerweise werde ich per Mail oder Social Media kontaktiert, dann entscheidet sich kurzfristig, ob es passt und die Inhalte werden verteilt. Spannend wird es dabei vor allem musikalisch, also der Ton macht hier wirklich die Musik.
Mit welchen Tools oder Methoden organisierst du deine Arbeit? Auch als Fotograf. Kannst du das verraten?
Marc Blessing: Neben einem schnellen Mac Studio nutze ich Lightroom zur Bildbearbeitung und Photoshop, um Grafiken zu erstellen.
Marc Blessing: “Alice Cooper”-Bilder Instagram
Wie viel Aufwand steckt in E-Mail-Korrespondenz, Akkreditierungen und Planung?
Marc Blessing: In Sachen Organisation sind wir mittlerweile sehr gut aufgestellt. Es gibt eine klassische Excel-Tabelle zur internen Verwaltung und für das Fotografen-Team ein externes Tool, in dem sie ihre Termine eintragen können. Einige Veranstalter kontaktiere ausschließlich ich, andere nur Tine. Das funktioniert sehr gut.
Was würdest du gern aus deinem Alltag streichen, wenn es möglich wäre?
Marc Blessing: Stress bereiten mir vor allem Menschen, die nur ihren eigenen Vorteil sehen. Du glaubst nicht, wie viele falsche Freunde plötzlich auftauchen, sobald jemand persönliche Vorteile wittert, sei es für Fotopässe oder andere Privilegien.
Doch, das glaube ich dir nicht nur sofort, ich weiß es leider aus eigener Erfahrung. Welchen Rat würdest du aber einem angehenden Fotografen geben, der gerade erst mit der Fotografie beginnt?
Marc Blessing: Mein Rat für Einsteiger: Fang klein an, spare aber nicht am Equipment. Jeder, der dir erzählt, es sei egal, welche Kamera du benutzt, hat keine Ahnung. Technisch zu verstehen, wie deine Kamera funktioniert, ist entscheidend. Heute gibt es unfassbar viele Tutorials im Internet, die helfen und nette Kollegen unterstützen auch immer gerne. Auch einem guten Fotografen auf Instagram zu folgen, kann nie schaden. Das Wichtigste aber ist: Hab Spaß an der Sache. Mit der Zeit ergeben sich tolle Möglichkeiten und auch Freundschaften.
Mehr zu Marc Blessing und dem Paranoyd Magazin findet ihr in den Socials.
Mehr Soundcheck Sessions findet ihr auf der Website.
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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.
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