Im Leben gibt es Dinge, die man bewältigen kann, die man hinter sich lassen kann, die man verabschieden kann. Manches geht ganz leicht. Bei anderen Dingen erfordert es viel Mut, viel Kraft, viel Geduld und auch eine Menge Arbeit. Aber auch das geht mit der Zeit irgendwie. Leider gibt es aber auch Dinge, die man irgendwie niemals los wird. Egal wie sehr man sich auch bemüht, sie bleiben hartnäckig und einfach da. Sie bohren sich einfach in dich, sie bleiben an dir kleben, sie verwachsen mit dir. Du wirst sie nicht los, egal was du auch versuchst. Ich habe soviel überstanden, durchlebt, durchlitten, mich siegreich durch vieles im Leben gekämpft, aber ich stoße immer wieder auf diese eine Sache, die einfach nicht verschwinden mag. Ich kann sie nicht beeinflussen, ich kann sie nicht steuern oder kontrollieren. Sie war, ist und nervt mich. Schlafstörungen! Ich werde sie einfach nicht los. Mein Leben lang habe ich damit schon zu kämpfen. Ich habe alles durch. Meditation, Medikation, Alkohol. Gut, das mit dem Alkohol war sicher nicht die beste Idee und da es auch nichts gebracht hat, ist es bei einer sehr kurzen Versuchsreihe geblieben. Aber auch die Medikamente halfen nichts. Promethazin, Trimipramin, sogar Lorazepam. Nichts hat den gewünschten Erfolg gebracht. Heute nehme ich keine Medikament mehr, denn es hat nicht gewirkt. Ob mit oder ohne medikamentöse Beigabe, mein Schlaf ist gleichbleibend gestört. Mein Leben lang war das schon so. Noch bevor alle meine ernsthaften Probleme anfingen, hatte ich Schlafprobleme. Seit der Grundschule. Ich hatte Schwierigkeiten beim Einschlafen. Ich hatte Schwierigkeiten beim Durchschlafen. Meine Mutter hat sich oft abends zu mir ans Bett gesetzt und mir Geschichten erzählt, damit ich einschlafe, aber es half nichts. Irgendwann haben meine Eltern mir dann einen Fernseher ins Zimmer gestellt, damit ich zumindest im Bett blieb und nicht immer nachts in der Wohnung rumgeisterte. Tatsächlich sorgte es zumindest dafür, dass ich nachts in meinem Zimmer blieb und nicht durchs Haus wandelte. Als es mir dann irgendwann so richtig dreckig ging, waren die Schlafprobleme jedoch wirklich gewaltig. Manchmal habe ich über Wochen nicht länger als knapp 2 Stunden die Nacht schlafen können. Es war ein schrecklicher Zustand. Als wäre das Gehirn in Watte gepackt. Ich nahm alles gedämmt war, wie durch einen Schleier. Ich habe mich gefühlt wie eine lebende Tote. Im Grunde war ich das damals aber auch, also war es berechtigt sich so zu fühlen. Was damals etwas geholfen hatte, waren meine Ess-Brechanfälle. Stundenlang zwischen Kühlschrank und Toilette hin-und herzurennen, hat mich dann doch so ermüdet, dass ich zumindest mal 2 Stunden schlafen konnte. Traurig, aber wahr. Bei meinem ersten Klinikaufenthalt bekam ich dann Lorazepam. Eine recht hohe Dosis für einen sehr dürren Skelettmenschen, aber es half. Zumindest am Anfang. Die ersten Tage konnte ich bombig schlafen, dann nicht mehr und die Dosis wurde erhöht. Dann ging es wieder besser und wieder schlechter. So ist das mit diesem Medikament, man braucht irgendwann einfach ne höhere Dosis. Das Zeug macht aber auch abhängig und meine Ärzte mussten mich dann wieder von der hohen Dosis runter holen. Ich musste dann also quasi einen Entzug machen und an Schlafen war dann sowieso nicht mehr zu denken. Bis heute ist mir dieses Experiment nicht ganz verständlich. Als ich aus der Klinik wiederkam, war mein Psychiater hinsichtlich dessen erschüttert. Für ihn ist Lorazepam eine harte Droge, die man einem Patienten nur im Notfall zur einmaligen Einnahme, zwecks schneller Beruhigung, geben sollte. Wie dem auch sei, es war zumindest eine schlafreiche Zeit für mich. Medikamente brachten also auch nichts. Ich erinnere mich an einen Vorfall im Krankenhaus. Ich war mal wieder in der Notaufnahme wegen Herz-Rhythmus-Störungen. Bulimie bringt eben den kompletten Mineralstoffhaushalt ins Ungleichgewicht und bei zuwenig Kalium im Blut, bekommt man eben Herz-Rhythmus-Störungen. Ich war deswegen Dauergast im Krankenhaus. Die Ärzte haben meist nur einen kurzen Blick in meine Akte geworfen und gleich eine Kaliuminfusion angefordert. Ein Arzt hat sich damals aber etwas mehr Zeit genommen und wollte mit mir reden. Er fragte mich welche Medikamente ich denn an diesem Tag eingenommen hatte und wieviel. Ich zählte ihm also alles detailiert auf, er schrieb alles mit und als ich fertig war, schaute er mich an und fragte: Wie schaffen Sie es, dass sie noch aufrecht stehen können und nicht in der Ecke liegen und schlafen. Die Medikamentendosis, die sie im Blut haben, würde sicher das eine oder andere Pony ins Land der Träume katapultieren. Ich fand das lustig. Was er aber dann sagte, sorgte dafür, dass ich kurz danach mit den Medikamenten aufhörte. Er meinte ganz ernst: Die Bulimie ist sicher ein Grund für Ihre Herz-Rhythmus-Störungen, aber Ihr Medikamentencocktail ist sicher der andere. Ein paar der Medikamente, die sie hier mischen, sollten Sie gar nicht miteinander kombinieren. Glauben sie mir, Sie wären deutlich seltener hier, wenn Sie bei Baldrian bleiben würden und vertrauen Sie mir, aber wenn Sie so weitermachen, wird es nicht die Essstörung sein, die Sie umbringt.Das sass. Daraufhin habe ich dann tatsächlich langsam mit den Medikamenten aufgehört. Der Schlaf wurde weder besser noch schlechter. Aber er hatte recht behalten. In der Notaufnahme war ich dann nicht mehr ganz so häufig.

Heute, ohne Medikamente und ohne Ess-Brechanfälle schlafe ich vier, fünf Stunden die Nacht. Das Problem bleibt. Manchmal kann ich nicht einschlafen und tigere durch meine Wohnung. Manchmal kann ich nicht durchschlafen und tigere durch meine Wohnung. Ich denke dieses Problem wird auch bestehen bleiben. Aber Jeder hat doch so seine Probleme und wenn es nur bei einem Problem bleibt, dann nehme ich das eben so hin. Hauptsache ist doch, dass ich mir nicht mehr mache.

9 Gedanken zu “Störgeist

  1. Schlafstörungen sind fies. Ich finde, nachts läuft die Zeit viel langsamer. Ich habe nicht oft Probleme damit und auch nicht so doll, aber auch das reicht mir. Bei mir ist Stress durch die Arbeit der Auslöser. Da holen einen Nachts die Bösen Geister des Tages wieder ein und fordern Lösungen.

    Irgendwann habe ich mir angewöhnt sie nicht als Schlafstörung, sondern „normale“ Wachzeit zu sehen. Ich erledige einfach Dinge, die ich sonst tagsüber mache. Manchmal arbeite ich auch und verschiebe so einen Teil meines Arbeitstages.
    Ich habe vorher immer wachgelegen und mich selbst unter Druck gesetzt. „Oh man, du musst jetzt schlafen, sonst bist du morgen nicht fit“ Doch Druck erzeugt gegendruck und ich wurde nur wacher.
    Sport ist auch gut, setzt aber ein Studio, wie McFit voraus. Die haben 24h geöffnet.

    Wie auch immer sitze ich auch gerade hier und habe mich in der heutigen Nacht entschlossen nicht zu arbeiten, sondern mit die zu wachen. Du bist also nicht allein hier draußen… 🙂

    Der Ansatz, es einfach hinzunehmen und nicht als Problem zu sehen ist wahrscheinlich gut. Dann hast du gar keines mehr.

    Liebe Grüße
    Patrick

    http://issoundnichtanders.wordpress.com

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    1. Hi Patrick,
      das mit dem nächtlichen Arbeiten oder eben Vorarbeiten habe ich mir auch angewöhnt. Versuche dann meist auch Unizeug etc. abzuarbeiten. Das ist tatsächlich ganz gut. Man hat dann wirklich mehr Zeit am Tage für sich, wenn man etwas Produktives in den Wachzeiten macht. Das du es als Wachzeit siehst, gefällt mir. So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Das klingt auch gleich viel positiver:-) Ja, es kommt eben immer auf den Blickwinkel an. Ich danke dir;-)
      Liebste Grüße
      Mia

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      1. Positiv ausdrücken ist wichtig und sehr schwer. Ich habe da mal Trainings gehabt für Solution-Management-Optimierung. 🙂
        Fand ich damals total schräg, aber es hat doch Spuren hinterlassen, dass solche Kleinen Unterschiede den Weg ebnen.
        Trotzdem ists anstrengend, wenn man dann mit soooo wenig Schlaf den Tag überstehen muss.

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  2. Hat dies auf crazymindlife rebloggt und kommentierte:
    wow, das ist es echt heftig, was du beschrieben hast- zwar kenn ich es nicht in dieser ausgeprägten form, aber bekannt sind mir entscheidungen vonn ärzten, wo man sich nur denkt, wie man das einem menschen zumuten kann! Mein Störgeist sind dann wohl die sachen mit dem essproblemen… aber im vergleich dazu wirkt das auch wenns komisch klingt harmlos. Ich könnte mir nicht vorstellen jede nacht nur ein paar wenige sstunden zu schlafen. Ich hoffe entgegen aller erwartungen für dich das du dagegen bald ein mittel findest.

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    1. Danke dir für dein Mitfühlen:-)
      Ich denke aber keinesfalls, dass deine Probleme weniger wiegen, als meine. Ich kenne deine Geister auch ganz gut und ich kanns dir nachfühlen. Sie sind definitiv nicht harmloser. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass sie dich im Laufe der Zeit mehr und mehr in Ruhe lassen und dich letztendlich verlassen:-)
      Herzlichst Mia

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  3. Ich kann mit Ihnen litt an Schlaflosigkeit mein Zivilleben unterstreichen. Ich habe viele Male, Ohnmacht, einmal während sitzen an der Wand einer Brücke über einen kleinen Canyon, hatte ich den falschen Weg würde ich fiel von für immer eingeschlafen. Ich bin jetzt im Ruhestand noch leiden, allerdings bekomme ich etwas zu schlafen, aber nur wenn mein Körper genug, genug sagt. Es passiert meist drinnen, aber bei einigen Gelegenheiten, im Feld wenn meine Beine sagen, sie brauchen eine Pause. Im Ernst, ich Suche irgendwo bequem, sitzen oder hinlegen, manchmal einen Snack, das nächste, was, das ich weiß, ist, dass ich aufwachen, und mit auf meine Kamera Blick zu sehen, wie lange Sie heraus wurden, oft nur ein oder zwei Stunden. Bei zwei Gelegenheiten, die ich meine Familie Sorge verursacht haben, drohten sie auch mir ein Handy kaufen. Endergebnis ist ich nicht draußen bleiben, lange und keinen Schlaf ich bekomme jetzt ist alles drinnen ist. Sie zitieren, „im Leben, gibt es Dinge, die Sie behandeln können, können Sie hinter sich lassen, dass Sie annehmen können, und einige Dinge gehen einfach“. Achten Sie darauf, glücklich zu bleiben,

    used a translator so if this does not make sense I will post again in Englisg

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