Zwischendurch und an manchen Tagen tauchst du auf, in mir.

In meinem Kopf, in meinem Herzen.

Du dringst einfach durch.

Durch alles hindurch, was mich beschäftigt, mich belastet, mich bewegt, mich beglückt, mich leidend macht.

Du dringst durch wie Wasser durch eine kleinste Öffnung durchdringt. So, dorthin gelangt, wohin es will. Dorthin gelangt, wohin es möchte.

Dann bist du da. Ganz plötzlich und unerwartet wie ein Blitzschlag.

Dann sehe ich dich. Ich sehe dein Antlitz. Ich sehe deine Figur.

Fast wie ein perfekter Mensch lächelst du mich an. Du lächelst mich an wie alle die perfekten Menschen, die mich täglich von den billigen Magazinen aus dem Kiosk um die Ecke anlächeln.

Perfekt bist du nicht, sie sind es nicht und ich bin es auch nicht. Das ist aber doch das Schöne. Das macht dich und mich und sie zu echten Menschen. Zu einmaligen Menschen.

Aber da, in diesem Augenblick sind wir es alle. Genau dann! Zwischendurch und an manchen Tagen sind wir es alle mal. Einfach nur perfekt.

Während die Welt sich weiter bekriegt und alle Völker sich weiter bekämpfen, schließen wir Frieden und lächeln uns an.

Dann sehe ich alles friedlich und froh vor mir:

Ich sehe dein möbliertes Zimmer, in der Wohnung nahe beim Flughafen. Da sind sie, die funktionsuntüchtigen Möbel vom nächtlich durchsuchten Sperrmüll.

Ich sehe dich, wie du dich im Zimmer bewegst, wie du lachst, mit mir sprichst, meine Hand hälst.

Ich sehe mich bei dir. Ich sehe mich in deinen Armen. Ich sehe mich lächeln. Ich sehe mich glücklich.

Ich sehe, was war, was hätte noch sein können.

Ich sehe, was nicht mehr ist, was nie mehr sein wird.

Dann fühle ich wieder die Wut, den Schmerz und die Trauer. Für Sekunden durchzuckt es mein lebendiges Fleisch, wie es Elektroschocks tun würden.

Plötzlich werden die Bilder deformiert.

Ich sehe die Falschheit darin. Meine, deine, unsere.

Ich sehe, was wir hatten, was wir wollten.

Ich sehe, was wir haben und nun sind.

Alles vorbei und nun nicht mehr.

Die Bilder verschwinden, genau wie unser Lächeln.

Doch in mir sind wir immer noch glücklich und zusammen und vereint. Aber: Eben nur für Sekunden und eben nur manchmal und eben nur zwischendurch und eben nur an manchen Tagen und eben nur in mir, in meinem Herzen, in meinem Kopf. Ja, zwischendurch und an manchen Tagen geschieht genau das!

 

4 Gedanken zu “Erinnerung 1

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