Lyrik gegen das Vergessen

Am Donnerstagabend war ich auf einer eher unkassischen Lesung. Da ich schon einiges über das Werk Lyrik gegen das Vergessen gehört habe, wollte ich  mir diese Veranstaltung nicht entgehen lassen. Auch wenn ich den Weg dorthin alleine angetreten bin, so muss ich doch sagen, dass es sich unheimlich gelohnt hat. Was ich gehört und erlebt habe, war ergreifend, berührend und rührte mich zu Tränen.

Lyrik gegen das Vergessen:

Gedichte aus dem Konzentrationslager der Nationalsozialisten.

 

Ob nun Dachau, Buchenwald, Auschwitz oder ein anderes, es erscheint fast unglaublich, dass Menschen in einem Konzentrationslager Gedichte geschrieben haben und diese auch noch zu einem großen Teil vorhanden sind—und doch ist es wahr.

Kurz vor dem Tod stehend, zum Tode verurteilt, schrieben sie ihre Angst, ihren Schmerz und ihre Realität nieder. Mit den bloßen Fingernägeln ritzten sie Zeilen in Wände, schrieben Verse mit Blut oder besorgten sich Papier und riskierten damit ihren sofortigen Tod.

Todesmutig schmuggelten Einige, Schriftstücke aus den Lagern. Den Tod stets an der Hand haltend.

Sie gingen das Risiko ein, einen schnelleren Tod zu sterben, wenn man sie entdeckt hätte, nur für ihr Wort.

Es fand Gehör. Ihre Worte wurden und werden gehört. Ihre Stimmen klingen heute für uns und sie erzählen uns ihre Geschichten. Ihre Geschichten von Angst und Tyrannei, von Schmerz und Brutalität, aber auch von Liebe, von Schönheit und dem einzigen Zufluchtsort, den sie hatten–vom Traumland.

Mutig waren sie alle. Alle, die dort waren, alle, die dort gestorben sind, alle, die überlebt haben,alle. Die Schreiber, die Schmuggler, diese Menschen, die wir niemals vergessen sollten.

Der Germanist Michael Moll hat diese Gedichte und Texte gesammelt und gemeinsam mit der früheren SPD-Europa-Abgeordneten Barbara Weiler, 1991, das Buch: Lyrik gegen das Vergessen herausgegeben.

Heute in dritter Auflage vorhanden:

ISBN 978-3-89472-288-3

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Die Schauspielerin und Sprecherin Ursula Illert las am Abend ihre zusammengestellte Auswahl an Texten vor.

Die Musikerin Anka Hirsch hat hierfür die Musik komponiert und spielte auf dem Cello.

Es war ein ergreifender Abend, der unter die Haut ging, das Herz berührte und eine Menge Nachklang hinterließ.

Es ist ein sehr schwieriges Thema, welches allerdings höchster Aufmerksamkeit bedarf.

Auch wenn mittlerweile Jahrzehnte vergangen sind, gehören die barbarischen Konzentrationslager leider zu unserer Geschichte. Sie zu verdrängen und zu vergessen wäre falsch.

Sowohl die Lager, wie auch das Leid der Menschen, die in diesen Lagern gequält und misshandelt wurden, darf nicht vergessen werden.

Diese Erinnerung muss festgehalten werden und sollte uns zudem stets als Warnung dienen, damit eine solche Tragödie sich nicht nochmal wiederholt.

Ursula Illert und Anka Hirsch haben den anwesenden Gästen einen unvergesslichen und bewegenden Abend beschert.

Die Texte waren sehr rührend. Mir kamen die Tränen. Wunderschöne Gedichte von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten, jedes Geschlechts und jedes Alters.

Wunderbar auch, dass nach jedem Gedicht ein paar Eckdaten zum jeweiligen Autor genannt wurden—sofern dies eben möglich war.

Die Musik des Cellos als Untermauerung gab den gelsenen Worten nur noch mehr Macht und Gefühl.

Ich bin zutiefst gerührt und ergriffen. Ich nehme diese Wort mit und ich bewahre sie als Schatz. Diese Menschen waren alle so ohne Hoffnung und ihre Worte geben mir Mut und Kraft. Sie haben gelitten, sie haben sich gequält und viele sind gestorben, aber ihre Worte und ihre Stimmen haben überlebt und dürfen nicht vergessen werden.

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Bereits 1987 entwickelte Ursula Illert (rechts) diese Lesung aus der zusammengetragenen Sammlung von Michael Moll.

Seit 2008 wird sie musikalisch von Anka Hirsch (links) dabei begleitet.

2009 entstand eine CD dieser Lesung. Aufgenommen im Licher Kulturzentrum Bezalel-Synagoge. Unterstützt wurde dies von der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich.

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Herzlichen Dank an die Künstlerinnen für ihr Engagement und für die Unterstützung dieser Idee und des Projekts.

 

4 Gedanken zu „Lyrik gegen das Vergessen

  1. Danke für das Teilen dieser Erfahrung. liebe Mia – muss an den Film „Sophie Scholl – die letzten Tage“ denken – erzählt die Geschichte der Geschwister Scholl und der Widerstandsbewegung „Weißen Rose“ vom Moment ihrer Verhaftung bis zu dem ihrer Hinrichtung – und von dem Zeugnis, das sich mit ihrer Geschichte bis unsere Zeit weitergibt – berührt mich immer noch und immer wieder.

    1. Ich danke dir:-) Ich habe dies sehr gerne geteilt, weil ich es als ein sehr wichtiges Thema erachte. Den Film werde ich mir mal merken und hoffe, dass ich ihn bald mal schauen kann.

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