INTERMITTIERENDE KONDITIONIERUNG

Eigenwerbung, Link*

Hallo an euch:-)
Heute geht es weiter mit meiner Antistigma Initiative Feel_me und mit meiner Reihe:
Manipulationstechniken von toxischen Menschen

Ich möchte heute zum Abschluss kommen und beschäftige mich im weiteren Verlauf mit der Frage:
Wieso ist es so schwer aus toxischen Beziehungen zu entkommen?

Wer keinen toxischen Kreislauf durchlebt hat, der kann oft nicht begreifen, warum ein Betroffener nicht einfach geht.

Im letzten Punkt meiner Reihe geht es um:
Intermittierende Verstärkung und Konditionierung

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Was verstehen wir darunter?
Intermittierende Verstärkung ist in der Psychologie und in der Pädagogik ein Phänomen des operanten Konditionierens (Lernen durch Verstärkung, auch: Verstärkungslernen). Intermittierende Verstärkung beschreibt die nicht regelmäßige Bekräftigung (Verstärkung) eines (erwünschten) Verhaltens mittels eines Verstärkers.

Die erste Definition dazu gab es bei B. F. Skinner und seinem Rattenexperiment.

Diese Ratten sollten zunächst auf einen Knopf drücken und wurden dann mit einem Leckerli belohnt.
Wenn diese Ratten nach mehrmaligem Drücken kein Leckerli bekommen haben, dann haben sie ihren Standort verlassen und das wars.
Das Experiment ging weiter, denn beide Möglichkeiten waren berechenbar.
B. F. Skinner nahm dann die Berechenbarkeit raus.
Die Ratte drückte und es kam ein Leckerli und sie drückte nochmal und nochmal, aber es kam kein Leckerli. Dann drückte sie wieder und wieder kam ein Leckerli.
Diese Unberechenbarkeit fixierte die Ratte, denn sie wusste nie, wann ein Leckerli kommt, also drückte sie weiter, in der Hoffnung auf ein Leckerli. Es ging soweit, dass Ratten verhungert sind in dieser Wartephase.

Ein ähnliches Verhalten zeigt sich auch beim Glücksspiel. Wir wissen niemals, wann wir gewinnen. Es entsteht ein Suchtverhalten.

Die bekannteste Konditionierung kennen wir durch den russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow und seinen Hund. Schlussendlich reagierte der Hund auf das Klingeln der Glocke mit Speichel, selbst wenn kein Futter da war.

Wie sieht das nun in toxischen Beziehungen aus?
Wie ich beginnend erklärt habe, beginnt eine Beziehung mit einem toxischen Menschen sehr häufig mit einer Phase von Love Bombing. Irgendwann kommt eine Art Break und es verändert sich was. Die Abwertung beginnt. Zunächst schleichend und das Gegenüber nimmt es wahr. Da wir zunächst quasi schockverliebt waren, versuchen wir uns eben ein wenig mehr Mühe zu geben und Verständnis zu zeigen.

-Der Partner hat vielleicht Stress bei der Arbeit.
-Der Partner hat ein augenblickliches Problem, welches ihn/sie gerade bedrückt.

Dann kommt plötzlich wieder eine freundliche Zeit und der Betroffene denkt:
-Okay, es war eine Phase und die ist nun um und es geht wieder glücklich weiter.

Dieses Heiß-Kalt-Spiel wiederholt sich ständig und hier beginnt die große Gefahr, denn es entsteht eine Sucht.
In den Glücksphasen schütten wir Glückshormone aus und unser Belohnungszentrum im Gehirn wird aktiviert. In den negativen Phasen wollen wir dieses Gefühl unbedingt wieder haben und dann kommt es wieder.

Es entsteht eine Abhängigkeit, die man Liebessucht nennt.
Es ist keine Verhaltenssache, denn mit MRTs kann man das Gehirn darauf untersuchen. Das Belohnungssystem bildet eine nachweisbare und physische Abhängigkeit.

Ab diesem Punkt wird es sehr schwer zu gehen, denn wir sind süchtig, weil wir süchtig gemacht wurden, weil wir darauf konditioniert wurden.

Besonders heimtückisch ist die Tatsache, dass der Ausführende die negativen Phasen verlängert und die positiven Phasen verkürzt.
In diesem Zusammenhang spricht man eben auch von Brotkrumen-Beziehungen.

Es ist wirklich tragisch, was hier passiert. Aus diesem Grund ist es eben auch so unheimlich schwer einfach seine Sachen zu packen und zu gehen.
Solche Trennungen sind demnach auch nicht wie die gängigen Trennungen. Keine Trennung ist wirklich leicht, aber hier kommt noch der Entzug dazu, denn der Betroffene durchstehen muss.
Es ist ein enormer Kraftaufwand und viele Betroffene brauchen sehr, sehr lange, um wieder in ein Gleichgewicht zu kommen.
Ein toxischer Partner schädigt nicht nur, er/sie kann wirklich zerstören.
Es ist emotionaler Missbrauch, der letztlich in einer Sucht endet oder enden kann. Das passiert allerdings wirklich häufig.

Ich wünsche allen Betroffenen Kraft und den Mut zu gehen. Ich weiß persönlich, dass es sehr schwer ist.
Zweifelt bitte nicht an euch. Toxische Menschen haben euch nicht erwählt, weil ihr schwach seid, sondern weil ihr emotional, liebevoll, achtsam, verständnisvoll und empathisch seid. Die Betroffenen sind wunderbare Menschen. Der Fehler liegt nicht hier.

Ich habe lange gedacht, dass in jeder Beziehung zwei Parteien sind, die jeweils 50% Verantwortung für die Beziehung haben. Das trifft auf normale Beziehungen auch zu, aber nicht hier. Hier herrscht etwas anderes vor.
Toxische Partner handeln so, weil sie nicht anders können, aber diese Erklärung ist keine Entschuldigung für ihr Verhalten.
Bei physischer Gewalt würde das Umfeld vielleicht auch eingreifen, aber bei psychischer Gewalt tritt der Fall ein, dass man es eben nicht genau benennen kann. Ich finde dies macht keinen Unterschied und wollte mit dieser Reihe darauf aufmerksam machen.

Betroffene können mich gerne auch privat kontaktieren. Ich tausche mich gerne aus und versuche zu helfen, wenn es möglich ist.

Es folgen noch zwei Specials:

1. Hinweise dafür, dass ihr es mit einem manipulativen Menschen zu tun habt
2. Umgang und Kommunikation mit einem Narzissten

Im weiteren Verlauf folgt dann ein Gastbeitrag und dann mache ich weiter mit meiner Geschichte.

2 Gedanken zu „INTERMITTIERENDE KONDITIONIERUNG

  1. Danke Dir Mia! Ich hatte dies nie richtig begriffen, aber durch Deine Darstellung ist es mir nun klar. Übrigens erlebte ich so etwas auch in meinem „ersten Leben“ im kath. Bereich.
    Ich hoffe Du bist wohlauf, nach dem letztwöchigen Termin! Beste Wünsche fürs Wochenende! LG Michael

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