Montagslyriker 8: Achim Spengler_wo die Schönheit schwindet und der Schmerz erwacht

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Hallo an euch:-)


Ganz langsam schleicht sich das Ende der 8. Runde der Montagslyriker an uns heran, aber mein werter Kollege Matthias Breimann und ich haben noch ein paar kreative Köpfe im Repertoire;-)
Einer davon rockt heute Abend unsere Bühne und er bringt literarisch eine bunte Vielfalt mit.
Seine Themen sind Liebe, Schmerz und ab und an die Zigarette;-) Ein kleines Laster am Rande seiner literarischen Welt:-)
Loyalität steht bei ihm hoch im Kurs, wie auch die reine Freundschaft, ein offenes Ohr und manchmal auch ein wenig Melancholie, die letztlich auch von ihm in Poesie verwandelt wird.
Auch wenn er von sich selbst behauptet, dass er ein ungeduldiger Zeitgenosse ist, was ich definitiv nachfühlen kann, so hat er nun wahrlich lange genug gewartet und darf nun selbst zu Wort kommen.
Herzlichen Dank und herzlich Willkommen
Achim Spengler

Achim Spengler BLOG

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?

Schmerz: der unwiderbringliche Verlust der Schönheit. Der Schönheit in den Dingen, Der Schönheit in den Menschen, der Schönheit der Kreativität.
Der Schönheit, die in den kreativen Entfaltungsmöglichkeiten liegt, und die Kindern, und vor allem Mädchen und Frauen nicht gewährt wird.
Dämon:  Die Liebe, und das Nikotin, so merkwürdig das eine von dem anderen geschieden sein mag.

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …

Macken:  Überpünktlichkeit, das Überschreiten von Türschwellen im Sinne, sie nicht mit den Füßen berühren können. Die Säuberung von Tischoberflächen von Krümeln, fast manisch.
Gute Eigenschaften: Loyalität; unbedingte Freundschaft;  Zuhören; kein Urteil bilden wollen (nach Möglichkeit), ohne Abwägung aller (auch diametraler) Argumentationen; meine Melancholie;
Schlechte Eigenschaften: Ungeduld; eine gewisse Streitsüchtigkeit; aufbrausender Charakter;

3. Welche Götter verehrst du?

Ich verehre: Dylan Thomas, William Faulkner, William Shakespeare; Sophie Hunger; Virginie Despentes; T.S. Eliot; William Butler Yeats; Siri Hustvedt; Donna Tartt.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

Außer den Veröffentlichungen auf meinem Blog https://achim-spengler.com tue ich (noch) nichts.

5. Und nun, zeige dich!

 

Wir sagten

Du sagst, Verstecken ist ein Kinderspiel.  Meintest die geborstenen Fliessen und die ausgeweideten Heizkörper,  die knarzende Galerie unter den Staubfängern, du sagst, das sei unser Schaumhaus und wir müssen zusammenrücken, weil es uns sonst nicht hält. Ich sage, ein  Möwenschrei könnte das eingerußte Relief der Kindheit endlich in Stein schlagen. Ich meinte, dass Suche immer in Begriffen endet, die einmal ausbleiben werden wie das Meer, ebenso wie die Möwen, die wir am windigen Kamin phantasierten. Lege ein Scheit auf, Blut darf nicht frieren.  Die Begriffe brechen hoch im Ton, irgendwann. Rück näher, ich will dich nicht sehen. Draußen, das  Mondlicht  ist Zeuge anderer Worte, wie etwa Demut unter kalter Haut, oder Hochmut, bevor wir fallen. Wir hüllen die Worte in Spucke wie präparierte Insekten auf der Nadelspitze. Wir huschen um Ecken, rufen gurrend Verrat, denn ich sei da, wo du nicht finden kannst, sagst Du. Ich sage, nimm die Augenbinde nicht ab, es könnte doch sein, dass sich die Zukunft davonschleicht und aufspringt wie das rohe Ei am Einstieg zur Treppe. Wir halten es prüfend in der Hand, ob es auch tauglich ist für das Überwintern  des Hungers. Du sagst, mehr besitzen wir nicht, drinnen, im Zettelkasten der Nähe. Ich sage, wir sind Trabanten, die sich berühren, wenn sie flüchtig sind.

Sylvia Plath trifft Emily Brontë auf einer Heide in West-Yorkshire

Das schwarze Land aus dunklem Holz.
Rufe den Arzt, wenn es Zeit ist.
Ofengas ist der sanfteste Tod.
Ruhmloses Vergehen kümmert keine Geschichte.
Dein Bett in der Einöde ist sterblich wie jedes.
Das Bett an meinem Ende ist der Bruch des Gefühls.
Mein  spröder Mann.  Gott einer Märchenwelt.
Der mich ans Licht brachte.
Dann war es zu spät für das Spiel der Vergeltung.
Der Teufel, den ich wiederkäute und biss,
im Licht von Schwesternhauben.
Ich bin unfähig zu Atemzügen auf dem Aufstieg zu deinem Ruhm.
Die Bäume, die man gegen die Einsamkeit gepflanzt hat,
damit ein Kind unter ihnen spielt.
Dort starre ich dich an, Gespenst der Vergänglichkeit,
das deinen Ruhm vereitelt, wie deine Mutter davor.
Er gab mir den Namen Panikvogel.
Schwarz ist die Eifersucht, die du nicht kanntest,
oder doch, falls deine Schwestern Krähen waren.
Dein Teufel in der Abgeschiedenheit,  am Saum
dieser Heide, blutrot gegen den Himmel.
In dein Antlitz fällt er zur unerträglichen Stille des Ofens.
Ich könnte an deinen Tischen nicht sitzen
oder dem Schreibbesteck lauschen,
dem Sermon des Pfarrers, dem Lallen deines Bruders,
der Erhabenheit deiner Schwestern.
Keine Erde, wo ich bin.
Blitze  zum Himmel,  die losen Enden eines Feuerwerks.
Fackeln in Höhlen, bevor die Flut eintrifft.
Du lachst der Liebe Hohn, ich geh an ihr zugrunde.
Du bist glücklich, wenn möglichst hinweg.
Ich leide ohne den Fuchsgeruch meines Bräutigams.
Ruhm war ein Traum, der morgens ging.
Den hast du im Mundfang des Himmels nicht erlebt.
Ich spüre ihn, wann er kommt oder bleibt,
ob er mich bricht, das weiß ich nicht.
Der Regen ermüdet. Robuster Schuh in den Stürmen.
Du lebst und stirbst mit freier Seele und Kraft für Pein und Leid.
Ich sterbe dramatisch und lasse kein gutes Haar an der Welt.
Ich bin das Dramolett der Ostküste, ein Firlefanz, lautes Dekor.
Brandmale links und rechts der Schläfen, ein Streifschuss unter dem Auge.
Die Überspanntheit, der Stupor, die Takelage von Erschlaffung und Manie.
Erlösung suchte ich nicht, sagte mein Bräutigam.
Den Schmerz schon, die Heftigkeit der Panik und die Vitalität der Angst.
Der Wind kam, mich anzusehen. Ich versteckte mich hinter
dem Weidenbaum, den Neid abwehrend.
Ich bin auf Ruhm aus. Du warst in der Nacht
am Grab deines Bruders.
Du hast dein Leben bestraft mit dem Tod.
Dir fieberte erst, dann schlug es mir die Röte aus dem Gesicht.
Du warst winzig im Vergehen.
Ich schaute nach keinem meiner Kinder, als ich ging.

Alice hinter den Spiegeln

Dies ist mein Heim.
Unüblich die Fenster, die nach außen gehen.
Bücher, Krimskram, Topfkakteen.
Das Fett am Bauch,
woanders wird es nicht gebraucht.
Die Ordnung der Dinge.
Ich kann nicht schlafen, nicht trauern.
Schiefe dingliche Metaphern, derart,
dass Regen die Nacht anfällt,
die Nacht an den Knochen nagt, von was?
Das Theater der Dinge: träumen, nicht schlafen, trauern
Nehmen wir den Puls eines Moments:
entferntes Summen, oder
die Umkehr der Wahrscheinlichkeiten,
überschießende Dinge, ein Ballon ist kein Ball, als ob,
so sind die Dinge, ihre wohldosierte Wachheit, ihre Schläfrigkeit.
Die Lust in den Gräsern, Gedanke oder Vollzug?
Ein Himmel, der auf unsere Blicke starrt (ich nehme den
Becher und schenke ein, in etwa so). Träumend
von Bahnübergängen und Schründe am Leib.
Ich kann nicht trauern, nicht schlafen.
Mein Traum ist diese Ungeordnetheit der Dinge,
in meinem Schlaf sind sie tot, meiner Trauer sind sie zuwider.
Bis sie geordnet sind, habe ich den Schlaf schon hinter mir
die Trauer, den Traum,
und schiebe Alice’s Spiegel zur Seite?

Ein Gedanke zu „Montagslyriker 8: Achim Spengler_wo die Schönheit schwindet und der Schmerz erwacht

  1. Jedem Künstler ist zu wünschen, dass sich „die Zukunft nicht davonschleicht“. So auch Achim Sprengler.
    Aber seine vorgestellten Zeilen sind zum Teil, möglicherweise nicht für jeden Leser gleich verständlich oder nachvollziehbar. Ich kann natürlich nur meinen Eindruck widergeben.
    Aber nichsdestotrotz seien ihm viele Leser und viel Freude am Schreiben gewünscht. Ich bin sicher, er findet sie.

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