Montagslyriker 10: Rebecca_”Tiefe Täler und Licht”

Einen wunderschönen guten Abend an alle Liebhaber der Künste:) 

Es ist soweit! Wir sind nun am Ende der 10. Runde angekommen. Danach machen wir eine Weile eine Pause, widmen uns eigenen Projekten. Aber die Montagslyriker kommen wieder. 

Doch traurig wollen wir nicht sein. Denn mein werter Kollege Matthias Breimann und ich stehen heute noch einmal für euch bereit. Und nicht nur wir, auch sie. Die wundervolle Montagsheldin, die wir heute vorstellen dürfen. 

Sie ist eine echte Heldin, die sich durch die Tiefen des Lebens gekämpft hat. Ihr Instagram-Account ist gleichzeitig auch ihr erstes Buch. Und sie ist vieles, aber in erster Linie extrem ehrlich. Chapeau! 

In ihrem Buch geht es um Abgründe. Die privaten, die persönlichen. Jene, die wir oftmals überwinden müssen, um weiterzukommen im Leben. 

Vielleicht ist das auch die wahre Kunst im Leben? Aus Krisen Kraft zu schöpfen für die nächste Krise? Das Weitermachen zählt, auch wenn es schmerzt. 

Und sie teilt mit uns ihre Erfahrungen. Dabei spricht sie über Sucht und sich. Über Leidensdruck und Drogenmissbrauch. Über den Weg durch dunkle Täler und über den Weg hinaus. Und das alles ohne Schleifen, ohne Geschenkpapier. Sondern einfach nur extrem ehrlich. Vielen Dank und Chapeau zum zweiten Mal!

Aber besucht sie selbst und überzeugt euch selbst von dieser wunderbaren Frau, für die ich die tiefste Wertschätzung empfinde. 

Danke, dass du heute Abend mit uns die 10. Runde abschließt. 

Und nun herzlich willkommen und vielen Dank an die Frau des Abends: 

Rebecca 

Rebecca Instagram

 

 

Ich bin Rebecca. Extrem Ehrlich. So auch mein gleichnamiger Instagram Account, und auch mein erstes Buch, mein Lebenswerk, das ich nun auf den Weg in die Welt bringe. Ich habe mein Exposé, meine Leseprobe, die ich dir auch einfach mal anbei schicke, an fünf Agenturen geschickt, in der Hoffnung, dass diese mich in der Veröffentlichung vertreten, unterstützen, und meine Zeilen fühlen, und ebenso denken, dass sie Leben retten können – auch wenn es „nur“ mein eigenes ist. Nichts geschieht ohne Grund, und oftmals lässt sich im scheinbar größten Abgrund, und der Überwindung dessen wahre Kunst erschaffen. Das ist es, wofür ich stehe, immer wieder aufstehe – wahre Lebenskunst, um zu zeigen, dass wir im Herzen alle Künstler, Gestalter unseres Lebens, unseres Selbst, sind, sein können.

Ich schrieb schon immer, war schon immer irgendwie dieser (Lebens-)Künstler, der jedoch mit der Zeit totgesagt, totgeglaubt wurde. Ich hinterfragte schon seit Anbeginn alles, schon als Kind suchte ich nach dem Sinn des Ganzen, und fühlte mich immer wieder andersartig, und verrückt. Doch ich liebte das Schreiben, das Texten, verfasste Songtexte, liebte die Fotografie – das „Model- Spiel“, den Tanz, den Gesang, und das Spielen verschiedener Rollen (im Schauspiel des Lebens) – doch nun, seit einigen Jahren traue ich mich endlich meinen eigenen Namen zu tragen, meine Rolle zu spielen, mich so zu akzeptieren und zu lieben, wie ich (gewollt) bin. Seit circa über einem Jahr, nach einer langen Reise, einem Leben, das keinem Leben, sondern eher dem Suizid auf Raten glich, fand ich ihn allmählich wieder – den Künstler in mir, und schrieb endlich wieder – verschriftlichte meine Geschichte, erschuf/ erschaffe Kunst in Form meiner Leidenschaft zur Natur, zum Garten – die grüne Rebellin eben- und zur Handwerkskunst. Auf einmal entstanden so auch Gedichte, und ich konnte gar nicht mehr anders, als auf einmal alles zu verdichten – verdichtete Lebenskunst und Selbstheilung auf Eigen-Art eben. So entstand auch der „totgeglaubte Künstler“- ein Gedicht, das „einfach so“ über Nacht aus mir herausfloss, und sich nach und nach auch zur KünstlerIN entwickelte, je mehr ich meine Leiblichkeit und Weiblichkeit endlich wieder anerkannte.

Zu mir und meinem Weg bis heute, den ich ausführlich in meinem Buch beschreibe:

„Extrem Ehrlich“ ist mein Lebenswerk, basierend auf einem Lebensweg, der lange keinem Leben, sondern vielmehr einem Suizid auf Raten glich. Das Buch orientiert sich an 7 Extremen: Perfektionismus, Ordnungs- und Putzzwang, Magersucht, Alkoholsucht, Drogenmissbrauch und Leistungsdruck. Es durchleuchtet diese (leider noch) kollektiv tabuisierten Bereiche vor einem persönlichen Hintergrund. Entgegen allen Prognosen zeigt es auf, dass die Sucht, die vergebliche Suche nach und Flucht vor sich selbst und der Welt ein Ende haben kann, dass Finden, Selbstheilung, und nicht nur Überleben, sondern wahres Leben möglich ist. Es ermutigt zu mehr Ehrlichkeit, Eigenverantwortung und Eigenart.

Und so versuche ich, nun auch über Insta seit einiger Zeit, immer mal wieder Gedanken, Zeilen, Verdichtungen zu teilen, um Mut zu machen.

Ich bin nun 25, nächste Woche 26 Jahre alt, wohnhaft noch immer dort, wo ich aufwuchs, und lebe inzwischen in meinem renovierten Elternhaus in Hessen. Ich kultiviere die Liebe zur Gartenarbeit, zum Handwerk, zum Schreiben und zur Poesie und ebne neue Wege, bei denen ich mir offenhalte, wie es in Zukunft weitergeht. Ich nehme mir für meine Heilung alle Zeit, die ich benötige, und habe daher auch eine einjährige Auszeit von der Arbeit eingelegt.

Ich weiß, dass ich die Welt nicht ändern und niemanden wachrütteln kann, und doch möchte ich ermutigend aufzeigen, dass Heilung, wahres Leben möglich ist. Dass Hinsehen, Ehrlichkeit, Verletzlichkeit schmerzhaft sind, jedoch auch Menschlichkeit erzeugen, und dass mein Lebens-werk Leben retten kann: selbst wenn es “nur” mein eigenes ist.

Meine Inspirationen sind die Natur, Literatur, die Musik, und das Vorbild, was ich immer vermisste versuche ich nun (für mich) selbst zu werden, zu sein.

Hier sind einige meiner Verdichtungen, inklusive im Folgenden der verdichtete Prolog meines Buches, und auch das bereits genannte zuerst entstandene Gedicht.

 

Der Prolog meines Buches:

…denn „irgendwie“ war es immer wieder extrem – extrem gegen sie, extrem gegen mich. Ich war immer zerrissen – innerlich, wie äußerlich. Immer zwischen zwei Welten – Perfektion, Rebellion. Immer wieder ausgebrochen, betäubt – Alkohol, Drogen. Immer wieder eingereiht, geleistet, perfektioniert, funktioniert – Arbeitswahn, Magersucht, Zwänge. Immer gesuch(t)et, gesucht, geflüchtet – mich, sie – vor ihnen, vor mir.

Doch überhaupt, wer hat dich deiner Freiheit beraubt? All die Jahre im selbst erschaffenen Gefängnis. Dann die Erkenntnis: Nur ich kann mich befreien, heilen, einen.

„Irgendwie“ gab es eben nicht 7 Leben. Ich hatte eben nur dieses eine Leben, und das durfte extrem lebendig gelebt werden.

„Irgendwie“ geschah, geschieht doch nichts ohne (Ab)Grund. Nicht grundlos hatte ich all das überlebt, war nicht grundlos trotz – oder gerade deswegen! – endlich lebendig.

„Irgendwie“ bin ich doch auch „nur“ ein Tropfen im Ozean, doch eben auch ein Tropfen, der es in den Ozean geschafft hatte, der im Ozean wa(h)r.

„Irgendwie“ letztlich ist doch alles irrelevant, egal, was war und ist, und doch ist es zugleich so elementar, getan zu werden, zu sein, wer man ist, sich zu bewähren, sich selbst die Chance zu geben, dieses Leben zu nutzen.

Denn „irgendwie“ ist doch gar nichts irgendwie, wenn man ehrlich ist und hinsieht.

Doch hinsehen, ehrlich sein, erkennen ist eben nicht „einfach“ und tut weh, denn man sieht zunächst, was (noch nicht) wahr ist, was sie nicht sehen, nicht sehen wollen. Man spricht aus, was raus muss, was sie nicht verstehen, denn er-kennen, sich selbst kennen (lernen) tut eben weh. Und ehrlich, lebendig, offen und auf-recht zu sich zu stehen, ist eben auch gefährlich, macht verletzlich, aber auch – menschlich und lebendig.

Sich nicht nur hinter Zeilen zu verstecken, sondern bisweilen zu überstrecken, Strecken neu zu ergründen, Grund schaffen, auf dem man sicher geht, trotz all der Zweifel und Unsicherheit(en) auf dem Weg.

Mit Farben zu malen, die sie nicht haben, aufzuschreiben, zu sagen, was sie nicht sagen, zu erschaffen, was „man“ nicht so macht, tut weh, denn man wird missverstanden.

Ich weiß nun, dass es Menschen gibt, die es verstehen, und man wird sehen – man rettet Leben, auch wenn es „nur“ das Eigene ist. Ich machte nicht Halt, machte nicht kehrt, an dem Punkt, an dem es besonders weh tut. Ich ging weiter, blieb nicht am Abgrund stehen, sondern wollte bis zum Kern, zum Ursprung durchdringen, alles ergründen und finden.

 

Mein erstes Gedicht, „der totgeglaubte Künstler“

Du warst schon immer der tot geglaubte Künstler

Doch- farbenblind, konditioniert- im Sog

Du hast dich verachtet

Tust es noch immer, viel zu oft

 

Doch genau jetzt weißt du

Du hast all diese Farben

Du kannst strahlen

Heller als je zuvor

 

Sie werden es nicht verstehen

Sie werden die Farben nie sehen

 

Aber du zeichnest

Endlich deinen Weg

 

Die Konturen zeichnen dich ab

Nicht sie

Nicht den Sog

 

Wenn du wartest, wirst du fallen

Wie so oft

 

Aber du hast die Farben

Beginnst zu malen

Beginnst zu sein

Und zu sehen

Was sie niemals sehen werden

 

Und wenn du fällst

Fällst du auf

 

Sie beginnen dich zu sehen

Viel wichtiger- du beginnst zu sehen

Dich

Sie sehen das Scheitern

Du siehst den Wachstum

Beginnst zu glauben

Zu sehen

Zu hören

Jetzt

Genau diese Stimme

Bringt dich nicht zu Fall

Sie bringt dich auf-

auf-fallen

auf-stehen

Es war nie ein Rückschritt

 

Vorurteil/ Systema

Vor-urteil

Ver-urteilt

Immer wieder genannt

Verrückt

Miststück

Missglückt

 

Aber nie beim Namen genannt

Nie wirklich gekannt

Und ich hab mich immer getarnt

Immer vor ihnen weg gerannt

Betäubt, besoffen, geseuftzt

Immer wieder selbst er-hängt, ertränkt

Ans Kreuz

 

Ich bin gern verrückt

Aber auf meinem Weg Richtung Glück

Schau ich nicht mehr zurück

Nenne mich beim Namen

 

Und ich wünsche dir alles Glück

Dieser Welt

Denn du erkennst dich früher oder später

In mir, in dir selbst

 

Ur-teile weiter

Damit entfernst du dich nur weiter

Von dir selbst

Der Welt

Denn jeder Krieg mit der Welt

Ist ein Krieg mit dir selbst

 

Und dein Glück wirst du nicht finden

Im Erblinden

Deiner eigenen Fehler

Nenn mich den Fehler

Denn ich fehl in deinem Schema

Ich bin kein Systema

Ich habs erkannt

Mich endlich beim Namen benannt

 

Frei sein heißt Verantwortung übernehmen

Das wollen die meisten

Fürchten die meisten

Tun die wenigsten

 

Nur seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen

Keine falsche Schuld

Zu übernehmen

Weiterzugeben

 

Zu leben

In Freiheit

In eigener Einheit

 

Und von denen, die ausbrechen

Entscheiden sich die meisten

Den Weg zurück

In das (eigens auferlegte) Gefängnis zu wählen

 

Weil die Angst Verantwortung zu übernehmen

In Freiheit seinen Weg zu gehen

Keine Imitation zu leben

Überwiegt

Über dem eigenen Wert

Dessen sich die meisten

Nie bewusst

(Werden wollen)

Sind, wer sie sind

Frei

 

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