Der Klangmacher – Die Musik-Kolumne (3)

Michael Seifert ist nicht nur ein erfahrener Mixing & Mastering Engineer, sondern auch der Gründer von Meltdown Metal Studios – einer Plattform für professionelles Mixing & Mastering, spezialisiert auf Heavy Music.

Unsere Musik-Kolumne, die alle zwei Wochen erscheint, dreht sich voll und ganz um Musik und Produktion. Michael teilt wertvolle Informationen rund um das Recording und die Musikproduktion mit uns, während ich mich um die Textverarbeitung und Umsetzung seiner Tipps kümmere. Wir hoffen, dass euch die Ratschläge gefallen und euch weiterbringen.

Viel Spaß beim Lesen! Wir wünschen euch jede Menge Inspiration.

Die Kolumne steht jederzeit als PDF zum Download bereit.

Der Klangmacher 3

 

 

 

In den ersten beiden Teilen haben wir euch bereits nützliche Tipps gegeben, um die perfekte Aufnahmesituation zu schaffen und großartige Gesangsaufnahmen zu erzielen. Mit diesen wertvollen Tipps seid ihr nun bestens vorbereitet. Im dritten Teil möchten wir euch weitere wertvolle Hinweise geben, wie ihr euch optimal auf die eigentliche Aufnahme vorbereiten könnt und wie ihr durch eine beeindruckende Performance die Qualität eurer Aufnahmen signifikant verbessern könnt.

 

Recording – Die Performance:

Für ein reibungsloses Recording empfehle ich euch, eine Assistenzperson zu haben, die eure DAW bedient, sodass ihr nicht ständig zwischen PC/Laptop und dem Mikrofon hin und her laufen müsst.

Als Erstes solltet ihr euer Handy während der Vorbereitungen in den Flugmodus versetzen und am besten aus dem Raum entfernen, um elektromagnetische Interferenzen/Störgeräusche zu vermeiden, die sich sonst in der Aufnahme bemerkbar machen könnten. Es ist äußerst ärgerlich, wenn ihr gerade den perfekten Take eingesungen habt und plötzlich Störgeräusche in der Aufnahme auftreten. Außerdem hilft es euch, fokussiert zu bleiben und euch nicht ablenken zu lassen.

Bevor ihr mit dem eigentlichen Recording beginnt, gibt es 6 wichtige Punkte, die ihr klären solltet, um euch voll und ganz auf eure Performance konzentrieren zu können:

  • Die Vocalproduction sollte größtenteils abgeschlossen sein.
  • Überprüft, ob die Technik einwandfrei funktioniert.
  • Achtet auf euer Befinden und eure Tagesform.
  • Stellt den Kopfhörer-Mix ein.
  • Macht euch mit dem Song vertraut und fühlt euch in die Musik ein.
  • Wärmt eure Stimme auf.

Auf diese Weise seid ihr bestens vorbereitet und könnt euch voll und ganz auf eure Performance konzentrieren.

 

Die Vocalproduction sollte größtenteils abgeschlossen sein

  • Bevor ihr eure Gesangsaufnahmen plant, ist es ratsam, sich mit eurem Produzenten/Mixing Engineer abzustimmen. Legt fest, welche Elemente der Vocalproduction in den Song integriert werden sollen und welche Effekte ihr verwenden möchtet (wie z.B. Doubles, Low & High Screams usw.). Auf diese Weise könnt ihr euch voll und ganz auf eure Performance konzentrieren. Eine objektive Meinung und Tipps von einem Experten in diesem Bereich können euren Songs ein ganz neues Niveau verleihen.

 

Funktioniert die Technik/Setup einstellen?

  • Nichts stört den Flow und die Konzentration so sehr wie technische Probleme oder Störungen während der Aufnahme. Stellt sicher, dass alles einwandfrei funktioniert und es zu keinen Unterbrechungen kommt. Nehmt eine kurze Testspur mit der lautesten Passage im Song auf und justiert den Input-Gain (Vorverstärkung des Mikrofonsignals durch das Interface/Preamp). Achtet darauf, dass die Spur ausreichend laut ist, aber das Signal nicht übersteuert wird.

Achtet vor allem darauf, dass die Spur nicht zu leise ist, aber das Signal auch nicht „clippt“.
Siehe Bild

Zu leise – Zu wenig Vorverstärkung (Pre Gain)

Perfekt – Genau die richtige Menge an Vorverstärkung

Die Spur clippt – Zu viel Vorverstärkung

 

 

Wie fühlt ihr euch/Wie ist eure Tagesform?

  • Bei Gesangsaufnahmen spielen Emotionen eine entscheidende Rolle. Kein Instrument berührt uns so tief wie die menschliche Stimme, sei es in Form von Fry Screams, Growls, Gutturals oder klarem Gesang. Ihr drückt die Emotionen aus, die euch der Song vermittelt oder die ihr während des Songwritings festgehalten habt. Daher ist es entscheidend, dass ihr euch während der Aufnahme wohl fühlt. Dies ist ein weiterer Vorteil von DIY-Aufnahmen: Wenn es euch an einem Tag nicht gut geht, könnt ihr einen anderen Tag wählen.

 

Den Kopfhörermix einstellen

  • Stellt euren Kopfhörermix so ein, dass ihr den Song spürt und fühlt und bereit seid, alles zu geben. Verwendet dazu am besten geschlossene Kopfhörer. Dadurch wird die Aufnahmequalität verbessert, da weniger Kopfhörergeräusche in die Aufnahme gelangen (siehe auch unseren zweiten Teil der Kolumne: Hintergrundgeräusche in Aufnahme + Mixing = lauter werdende Hintergrundgeräusche = schlechte Qualität). Geschlossene Kopfhörer reduzieren das Risiko von Kopfhörerbleed und liefern bessere Rohspuren. Offene Kopfhörer können zwar für ein angenehmeres Aufnahmegefühl sorgen, können aber den Klang der Kopfhörer in die Aufnahme übertragen.

 

 

Hier sind drei Tipps für einen effektiven Kopfhörermix, der eure Performance als Sänger deutlich verbessert:

  • Fügt eurem Kopfhörermix etwas Reverb hinzu, um euch beim Singen wohler zu fühlen und den Gesang natürlicher klingen zu lassen. Selbst das Standard-Reverb in den meisten DAWs ist ausreichend.
  • Integriert den Click in euren Kopfhörermix, um eure Vocal-Performance so präzise wie möglich aufzunehmen. Kleinere Timing-Abweichungen können später im Editing korrigiert werden, aber je besser die Rohspuren sind, desto besser wird das Endergebnis.
  • Verwendet ein wenig Kompression in eurem Kopfhörermix, um die Lautstärke konsistenter zu halten. Ein leichter Kompressor mit einer Reduktion von 3-4 dB reicht aus, den viele DAWs standardmäßig bieten. Ein optischer Kompressor wie ein LA2A eignet sich besonders gut dafür und verbessert die Klangqualität, insbesondere bei leisen oder lauten Passagen.

 

Aufwärmen

  • Bereitet eure Stimmbänder vor und bereitet euren Körper auf die Aufnahme vor, indem ihr sie aufwärmt. Es gibt zahlreiche YouTube-Videos, die euch zeigen, wie ihr dies am besten tun könnt. Startet NIEMALS mit „kalten“ Vocal Recordings, da ihr euren Stimmbändern Schaden zufügen könnt. Besonders bei Fry Screams, Growls usw. ist ein sorgfältiges Aufwärmen besonders wichtig.

 

Song anhören und einfühlen

  • Macht einige Probeaufnahmen, um zu sehen, wie es sich anfühlt. Achtet darauf, dass ihr euch wohl fühlt und dass eure Stimmbänder warm sind. Verbindet euch mit dem „Vibe“ des Songs, den ihr mit eurer Stimme vermitteln möchtet.

 

Jetzt seid ihr bereit, mit der Gesangsaufnahme zu beginnen.

Hier sind einige wertvolle Tipps für euch:

  • Singt etwa 10-15 Zentimeter vom Mikrofon entfernt.

 

  • Überlegt, ob ihr lieber einzelne Takes oder den Song am Stück singen möchtet. Meiner Erfahrung nach ist es effektiver, die Vocals „Part für Part“ aufzunehmen. Auf diese Weise könnt ihr euch vollständig auf die Stimmung jedes Abschnitts konzentrieren und die beste Performance erzielen.

 

  • Jeder hat seine eigene Vorliebe dafür, mit welchem Teil des Songs er beginnen möchte. Ich empfehle, mit dem Chorus zu starten und ihn mit voller Energie einzusingen. Danach könnt ihr mit den Strophen fortfahren.

 

  • Begrenzt die Anzahl eurer Vocal-Takes. Singt für jeden Abschnitt zunächst nicht mehr als 4-6 Takes ein. Wählt dann den besten Take aus, löscht die anderen und fahrt fort. Auf diese Weise könnt ihr effizient arbeiten und eure Stimme nicht überanstrengen. Andernfalls verliert ihr nach und nach die Emotion in eurer Stimme. Wenn ihr nach den 4-6 Takes keinen passenden Take habt oder mit allen unzufrieden seid, könnt ihr später mit frischer Energie erneut aufnehmen.

 

Informationen: Michael Seifert

Textverarbeitung: Mia Lada-Klein

 

Der Klangmacher 3


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