Die UNRAVELED SELF TOUR 2024 von DEAD PHOENIX war letzte Woche in vollem Gange. Heute präsentieren wir euch den Konzertbericht zum Tourauftakt in Essen. Sebastian war live vor Ort und hat seine Eindrücke sowie die Highlights des Abends für uns und euch festgehalten.
Was macht eine gute Clubshow aus? Eine gemütliche Location, nette Leute und gute Musik sind bereits solide Grundlagen. Wenn dann noch maximal 150 Leute in einer familiären Atmosphäre und mit qualitativ hochwertigen Bands, die auch noch dankbar und mit den Fans auf Augenhöhe sind, dürfte es ein erdenklicher Abend werden. Genau dies ist am 08.03.2024 in Essen passiert, bei dem DEAD PHOENIX ihre „Unraveled Self“ Tour eröffnet haben.
Bei den Vorbereitungen hat die “härteste” Boyband der Welt alle Register gezogen; insgesamt wurden acht Städte beschallt, bei denen man sich zusätzlich Support von jeweils lokalen Bands einholte. In Essen waren CAUGHT IN A MIRROR und AVALANCHE am Start. Letztere haben bereits das Maximum an Motivation getankt und ließen ihre Spielfreude auch ungefiltert auf die feierwütige Meute los. Die Kombo aus Post- Hardcore, knackigen Riffs und Ohrwurmrefrains fiel schnell auf fruchtbaren Boden und so wurde die Stimmung innerhalb von 2 Songs bereits auf Betriebstemperatur gebracht. Man spürte, dass die Truppe perfekt aufeinander eingespielt ist und der Sänger liefert neben der optimalen Gesangsleistung noch eine ordentliche Packung Charisma ab, was das Publikum auf Augenhöhe abholt. Bei der Performance lässt man nichts anbrennen und man hat am Ende des Sets eine heimische Wohnzimmeratmosphäre geschaffen, in der sowohl packende Melodien, als auch stampfende Nackenbrecher an diesem Abend zelebriert werden sollten. Routiniert und gleichzeitig mit viel Spaß bei der Sache, so muss ein Opener abliefern.

Während der Umbaupause noch ein schneller Plausch mit dem Publikum, dass sehr vielfältig vertreten war; vom traditionellen Kuttenträger, bis zum Metalcore Fan war alles vertreten und man kam schnell in ein gemütliches Gespräch rein. Den Sympathiebonus des Abends verbuchen CAUGHT IN A MIRROR für sich, obwohl sich in den letzten Monaten einiges verändert hat; von der Band ist lediglich der Sänger als Gründungsmitglied übriggeblieben und heute sollte in der komplett neuen Besetzung der erste Auftritt erfolgen. Stampfende Gabba Rythmen läuten einen höchst seltsamen Auftritt ein, bei denen sich die Band der Gunst ihrer Fans (teilweise zu) gewiss ist. Es wird auf Entertainment, statt auf packende Musik gesetzt, aber der erste Eindruck täuscht. Während bei „Memories“ noch viel mit dem Publikum gescherzt wird, so spielt man sich warm und feuert eine optimale Symbiose aus Publikumsliebe, krankem Gewummer und abartig packenden Nackenbrecherriffs in die Menge. „Darkness“ entfacht im Laufe der Spielzeit seine volle Wirkung und spätestens bei „ I don´t want to Die“ hat man das gesamte Publikum für sich gewonnen. Zwischendurch wird mal der Schlagzeuger getauscht, ein Geburtstagsständchen für eine Mama im Saal gesungen, Blumen zum Weltfrauentag verteilt oder auch eine Runde Schnaps mit der Menge geteilt, ehe „Bring me home“ den Sack zumacht. Sympathisch, eigenbrötlerisch, aber definitiv liebenswürdig.
Bei der Vorlage in Sachen Stimmung dürfte es die nachfolgende Band eigentlich schwer haben, das zu toppen. DEAD PHOENIX müssen und wollen dies auch erst gar nicht toppen, denn innerhalb des Openers „Destroy And Rebuild“ werden sofort alle Karten auf den Tisch gelegt; mit kompromissloser Brutalität prügelt man seinen Stiefel durch, ohne dabei auf geschickt eingesetzte Melodien zu verzichten. Die Musik soll in schwierigen Zeiten Mut machen und „We are One“ holt schnell alle Anwesenden genau da ab, während der Circle Pit schnell Stammgast wird. Der Mix aus gnadenloser Tightness und der herzlichen Dankbarkeit der Band gegenüber den Fans lässt beide schnell auf Augenhöhe zusammenwachsen und spornt zu Höchstleistungen an. „Bloom To Wilt“ stampft sich seinen Weg durch die Pit, ehe „Drunk By The Heat“ die Halle komplett zum Beben bringt. Die Gitarrenlinien auf „Bitter Taste“ kommen live ebenfalls mit Gänsehaut und Nackenschmerzen rüber, ehe „Ouroboros“ für Tränen auf und vor der Bühne sorgt: Mervin (Bass) fällt auf, dass ein weiblicher Fan jede Textzeile inbrünstig mitsingt, woraufhin sie mit den Worten „Ist ja schließlich mein Lieblingslied“ endgültig die Kluft zwischen Band und Publikum schließt. Dieser Aufhänger wird genutzt, um einen Song zu spielen, den alle mitsingen können und so wird kurzerhand „Vice Grip“ von PARKWAY DRIVE gecovert. Das Schlagzeug ist eine präzise Schießbude, die Gitarren walzen alles platt, am Bass wird gesungen und sich ins Koma gebangt, während der Job am Mikro irgendwo zwischen endloser Power und einfühlsamen Passagen schwankt. Gegen Ende schmeißt sich Sänger Dennis kurzerhand in den Pit (während er perfekt weitersingt), ehe man sich verabschiedet. Als Zugabe wird noch „Hate“ nachgeschossen, wobei Mervin sich mit seinem Bass in die Menge wirft und noch einmal alle zu Höchstleistungen anspornt. Die Rechnung geht auf, denn am Ende des Auftritts sieht man glückliche Gesichter und eine überglückliche Band, die gerade ihren Traum lebt und dieses Gefühl an ihre Fans zurückgibt. Auch wenige Stunden später sieht man auf Insta diverse Fanfotos mit der Band, einige Videos und viele dankbare Kommentare, die von einem epischen Abend erzählen.

Was macht also eine gute Clubshow aus? Alles, was bereits erwähnt wurde; wenn man dann mit Leidenschaft, Dankbarkeit und auf Augenhöhe mit den Fans agiert, kann eigentlich nichts schiefgehen. Den Auftakt ihrer Tour haben DEAD PHOENIX mit Bravour gemeistert und es bleibt zu hoffen, dass wir noch mehr von ihnen hören werden. Über Kopfhörer ist die Band schon sehr gut, aber live können sie schlichtweg eine Schippe drauflegen und sind ein Garant für ein sehr gutes Konzerterlebnis!
Konzertbericht wurde verfasst von Sebastian Radu Groß



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