Heute werfen wir einen Blick in eine etwas andere Ecke, die dennoch eng mit Musik verbunden ist – Konzertfotografie. Unser Gast ist Lukas Duschek, ein erfahrener Konzertfotograf, der auch für Rocklounge – Das Online Rock & Metalmagazin tätig ist. Ich habe ihn zu seinem Handwerk, seiner Ausrüstung und zur Kunst der Fotografie befragt. Im Interview stehen genau diese Themen im Fokus, insbesondere Lukas’ beeindruckenden Bilder.

Wie bist du zur Fotografie gekommen und was hat dich an diesem Medium besonders fasziniert?
Ich war schon immer jemand, der lieber hinter der Kamera stand als davor. Habe damals, als mein Onkel und meine Tante geheiratet haben, eine kleine Einweganalogkamera in die Hand gedrückt bekommen. Damit hat alles eigentlich angefangen. Zur Konzertfotografie bin ich über einen ehemaligen Arbeitskollegen gekommen. Dieser spielt als Schlagzeuger in einer kleinen Brass Band, er hat mich einfach mal gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mal mitzukommen und einfach ein wenig zu knipsen.
Welche Art von Fotografie bevorzugst du und warum?
Ich bevorzuge die Konzertfotografie. Warum? Ich suche immer wieder nach Herausforderungen. Bei der Konzertfotografie hat man extrem viel Dynamik und Veränderungen. Das Licht bewegt sich und ist von Bühne zu Bühne unterschiedlich. Die Bands verhalten sich komplett unterschiedlich auf den Bühnen. Die einen hüpfen rum wie ein Flummi, die anderen sind da eher gemächlich. Zudem lernt man viele Menschen kennen, die sich ebenso mit der Musik verbunden fühlen.
Welches ist dein Lieblingsmotiv oder deine Lieblingsart, Bilder zu machen, und warum?
Allgemein Menschen. Menschen bringen für mich eine sehr interessante Dynamik mit sich. Man lernt sehr viele unterschiedliche Charaktere kennen, wobei mir auch nicht unbedingt jeder liegt. Aber das finde ich am interessantesten. Jeder ist unterschiedlich und man kann sich immer auf neue Situationen einstellen. Ab und an, wenn ich einfach meine Ruhe brauche, schnappe ich mir aber auch meine Kamera und geh einfach mal raus in Wälder oder in die Landschaft und mache dort ein paar Bilder und genieße die Zeit.
Welche Ausrüstung verwendest du gerne für deine Fotografie und warum hast du dich für diese entschieden?
Begonnen habe ich mit einer Canon EOS 650D. Das war so meine erste professionelle Kamera. Hatte für diese das Canon 18-55mm F3.5-5.6 war für den Anfang okay und hat völlig ausgereicht. Als es dann mit Konzerten losging, kam ein klassisches 50mm F1.8 von Canon. Zudem kam noch das Tamron 70-300mm F5.6 dazu. Irgendwann wollte ich unbedingt mal ein Vollformat. Habe mich in dem Fall für Sony entschieden. Warum? Der E-Mount war mein Hauptgrund. Dieser ist auf allen aktuellen Sony Kameras vorhanden. Bei Canon gab es zu der Zeit die Umstellung auf den RF-Mount und sehr wenig Objektive. Was Dritthersteller angeht, ist Canon heute immer noch sehr schwach besetzt beim RF-Mount. Mit der Bedienung von Nikon kam ich noch nie klar und werde es höchstwahrscheinlich auch nie. Deshalb habe ich momentan die Sony A7 ii und eine Sony A7IV im Rucksack.
Dazu kommt noch:
Sony 50mm F1.8
Sony 28-70mm F3.5-5.6
Zeiss Batis 85mm F1.8
Sigma 14-24mm F2.8


Kannst du uns von einem besonders inspirierenden oder herausfordernden Fotoshooting erzählen und was hast du daraus gelernt?
Besonders mein erstes Konzert Shooting ging ziemlich in die Hose, die Bilder, die abends geschossen wurden, konnte alle in die Tonne kloppen 🙁 War für den Abend echt mega frustrierend. Lag im Endeffekt daran, dass meine Ausrüstung zu dem Zeitpunkt auch absolut nicht darauf ausgelegt war, in Low Light zu shooten. Habe daraus gelernt, dass es auch Rückschläge geben wird. Die Band war zum Glück trotzdem happy, aber für mich war dann klar, dass das nicht meine Ansprüche sein sollen, nur irgendwie irgendwas hinzuzuklatschen.
Welche Rolle spielt die Bearbeitung und Nachbearbeitung in deinem fotografischen Prozess?
Die Bearbeitung, aber auch Vorbereitungen sind essentiell in der Fotografie. In erster Linie informiere ich mich, was überhaupt gewollt wird oder bei Konzerten, wie steht die Band auf der Bühne. Hierfür schaue ich mir auf YouTube gerne ein paar Live- Auftritte an. Somit weiß ich grob, was mich erwartet. Dementsprechend wähle ich auch meine Ausrüstung. Zudem schaue ich mir auch die Location an. Wie viel Platz hat man oder eben auch nicht. Nachbearbeitung ist ebenso ein essenzieller Teil der Fotografie. Sei es simpel mit Filtern oder Presets oder eben aufwändig mit Photoshop. Durch Nachbearbeitung verleiht man dem Bild seinen eigenen Look und kann die Wirkung des Bildes auf den Betrachter sehr beeinflussen.
Gibt es Fotografen oder Künstler, die dich besonders inspirieren oder beeinflussen?
Nein, gibt es so nicht direkt. Ich schaue mir einfach gerne Bilder von unterschiedlichen Fotografen an, mache aber trotzdem mein eigenes Ding. Wäre ja schlecht, wenn jeder dasselbe machen würde. Bei Techniken, wie man bestimmte Fotos besser macht, hole ich mir aber auch gerne Rat von Lars De Jong. Er hat mir vor allem am Anfang sehr viel Input gegeben und ist heute auch noch mein erster Ansprechpartner, wenn ich Fragen zu diversen Themen rund um die Fotografie habe. An der Stelle danke dir Lars 😉

Welchen Rat würdest du einem angehenden Fotografen geben, der gerade erst mit der Fotografie beginnt?
In erster Linie ist es egal mit was man Fotos macht. Nehmt auch erstmal das Handy oder die alte Digitalkamera von den Eltern. Es geht nicht darum, sich direkt einen Kamerabody für zigtausend Euro zu kaufen und dann zu erwarten es kommen absolut krasse Bilder dabei raus. Vor allem wenn man dann am Objektiv spart. Schaut euch Tutorials an, wie ihr eine gute Komposition hinbekommt und was ihr im manuellen Modus bei Kameras alles einstellen könnt. Erstens gilt es zu verstehen, wie das Zusammenspiel zwischen Belichtungszeit, Blende und ISO ist. Erst wenn man das verstanden hat, sollte man tiefer gehen.
Wie siehst du die Zukunft der Fotografie angesichts der ständigen technologischen Veränderungen und des Aufkommens neuer Trends?
Ich sehe das momentan noch sehr gelassen. Aber ich glaube da kommen einige interessante Dinge auf uns zu.
- Die Qualität der Handykameras steigt. Auch wenn diese bei weitem noch nicht vergleichbar sind mit Profi-Equipment.
- Ich glaube, KI wird für die Fotografie auch noch ein großes Thema, auch wenn diese schon stark integriert ist. Sei es bei Photoshop mit Generative Fill oder bei neuen Kameramodellen der Autofokus, der davon profitiert. Trotzdem finde ich, dass es grundlegend bei echten Fotos bleiben sollte. Eine KI einzusetzen, um ein ganzes Bild zu generieren, das schon fast aussieht wie ein gutes Foto, hat für mich nichts mehr mit Fotografie zu tun. Da sind wir meiner Meinung nach in einem anderen Bereich.
- Trends sehe ich als sehr “gefährlich” an. Durch die Kurzlebigkeit von Trends heutzutage rennt jeder nur noch der Masse hinterher und es kommt immer wieder Neues, aber in der breiten Masse machen alle dasselbe. Durch Trends, finde ich stirbt Kreativität aus. Keiner kreiert mehr eigene Dinge, was ich extrem schade finde.




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