Ground2A: Musik, Rebellion und die Szene

Ground2A hatten ein Jahr, das man nicht leise nennen kann: über 40 Shows, ein neues Album und jede Menge Chaos im besten Sinne. Die Bühnen wurden zerlegt, Erkenntnisse gesammelt, und selbst der Punk hat ihnen ein paar Regeln um die Ohren gehauen. Im Interview reden sie über ihre Highlights, was Punk heute noch rebellisch macht – und warum sie trotzdem lieber aufdrehen, als leise zu sein.

 

Ihr habt dieses Jahr schon eine Menge Shows gespielt, wie viele waren es bisher?

Bis jetzt haben wir um die 40 Shows gespielt.

Ihr wart jetzt in Krakau. In meinem Heimatland. Wie war es da? Haben euch meine Landsleute nett empfangen?

Ja, sehr herzlich. Leider haben wir sehr wenig gesehen, weil wir im Dunkeln angereist sind. Aber die Morgendämmerung am nächsten Morgen war sehr schön. 

Klingt nach einer spannenden und ziemlich intensiven Zeit. Was waren eure Highlights bisher?

Wenn man auf das Jahr zurückblickt, das Album war auf jeden Fall ein Highlight. Es war einfach ein Meilenstein für uns. Und abgesehen davon, showtechnisch war definitiv die Show H2O ein Highlight sowie auch die Ignite Show in der Goldgrube in Kassel und das Ballerocken. 

Wie sieht es nächstes Jahr aus? Habt ihr schon einen Plan?

Wir sind schon an ein paar Shows dran. Bis jetzt haben wir auch schon einige, feste Termine. Ein, zwei kleine Festivals sind auch schon dabei, aber wir dürfen noch nichts Genaues sagen, da die noch nicht offiziell angekündigt wurden. Wir haben auch schon einige andere Anfragen bekommen, aber leider gab es da Überschneidungen, weshalb wir manche Absagen mussten.

Wie entscheidet ihr, welche Shows ihr spielt, wenn es Überschneidungen gibt?

Ganz einfach: Die Show, die zuerst gebucht ist, hat Vorrang. Wir gehen da ziemlich chronologisch vor.

Wie war die Resonanz auf euer Album Communications? Habt ihr überhaupt was mitgekriegt?

Wir haben auf jeden Fall einiges mitbekommen, vor allem im Freundeskreis. Es kam auch immer mal vor, dass wir in Gesprächen schon direkt darauf angesprochen wurden, was ein gutes Zeichen ist. Das ist natürlich immer ein positives Feedback. Generell kann man sagen, dass niemand gesagt hat, dass er das Album schlecht fand. Also, insgesamt waren die Rückmeldungen durchweg positiv.

Könnt ihr selbst noch Musik ganz klassisch hören? Wenn ihr zum Beispiel auf Festivals oder Konzerten seid, also privater Natur und ihr steht nicht auf der Bühne. Könnt ihr überhaupt noch Musik genießen von anderen oder ist das immer analytisch?

Auf jeden Fall geht das. Du hast immer noch Bands, bei denen du einfach ausschaltest und die Musik genießt, ohne sie zu hinterfragen. Es gibt definitiv einige Künstler, bei denen es einfach darum geht, den Moment zu genießen, ohne die Musik zu analysieren. Es kommt auch sehr auf das Genre an. Es gibt Musik, bei der du einfach eintauchst, weil du sie schon kennst und weißt, was dich erwartet. Da musst du nicht unbedingt alles hinterfragen, sondern kannst einfach mitfühlen und genießen.

Kommen wir mal zu Genres, wie zum Beispiel zu Hardcore, was ihr ja macht. Gibt es Unterschiede, was die jeweiligen Genre-Communitys angeht? Wie ist da euer Empfinden? 

Ja, was das Connecten angeht. Alle sind ziemlich verbunden, aber in manchen Genres ist es noch etwas intensiver. Im Hardcore und im Punk zum Beispiel ist es eher das Motto: “Wir machen was und laden euch ein und ihr macht was und ladet uns ein.” Im Metal-Bereich ist das alles ein bisschen größer, dementsprechend werden die Bands dann auch von den Veranstaltern gebucht. Das geht bei uns natürlich auch. Aber gerade im Hardcore und im Punk ist es so, dass die Bands es vermehrt auch selbst veranstalten. Es ist familiärer. 

Okay, kommen wir zum Punk und zur Punk-Community. Punk gilt ja als rebellisches Genre. Eigentlich. Aber trotzdem ist die Community des Punk augenblicklich auch oft sehr streng in der Haltung. Wenn ich mir meine Jungs, also Untamed anschaue, die im Rock verankert sind, dann sind die da noch etwas freier und müssen nicht alles überkorrekt behandeln. Wie seht ihr das? 

Ja, beim Metal und beim Rock ist einiges tatsächlich etwas entspannter. Beim Punk und beim Hardcore ist es etwas differenzierter. 

Woran liegt das? 

Hmm … es ist ja auch nicht so, dass es bei jeder Hardcore- oder Punkband so ist. Es gibt ja auch genug Beispiele für Bands in diesem Genre, die da einfach ganz straight ihr Ding machen. 

Du meinst die rebellischen Punk-Bands?

Ja, darum geht es ja auch eigentlich im Punk. Das Publikum ist vielleicht auch einfach kritischer geworden. 

Ist das nicht seltsam? Der gute alte Punk ist immer noch rebellisch, aber die Fans nicht mehr so sehr? 

Es ist ja so, dass wenn irgendwo steht: No Shirt No Party, dann wäre der Punk-Gedanke dahinter: “Zieh das Shirt aus.” Mindestens das T-Shirt, wenn nicht sogar noch die Hose. Das würden wir jetzt nicht tun. Dann dürften wir nämlich vielleicht nicht mehr wiederkommen. Es ist eben dieses Provokante, dass dem Punk eigen ist. Mittlerweile ist man vielleicht auf eine andere Art und Weise provokant. 

Ich lehne mich jetzt vielleicht ganz weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass einem heute alles als provokant ausgelegt werden kann, was nicht ins Weltbild eines Gegenübers passt.

Das mag stimmen. Andererseits ist es eben auch so, dass jeder machen darf und kann, was er will, aber man muss ja niemanden damit auf den Zeiger gehen.  Aber dahingehend hat sich die Community vielleicht auch geändert. Weil es sehr viele gibt, die mittlerweile sagen: Egal, was du machst und wo du es machst, kriege ich es mit, geht es mir auf den Sack. Dadurch beschneidet man sich vielleicht auch selbst. 

Habt ihr Themen, die ihr niemals anfassen würdet? Zum Beispiel auch beim Songwriting?

Politik ist vielleicht so ein Thema, da würden wir jetzt nicht so direkt vorgehen. Uns sind andere Themen eben wichtiger. Community, Freundschaften, sowas eben, weil wir wissen, wie schön das sein kann. Wir fokussieren uns eher auf die positiven Aspekte. 

Abschließend, habt ihr noch eine Weisheit, die ihr mir mitgeben könnt?

Ich zitiere gerne Bad Religion: „Do what you want, just don’t do it around me.“ 

Das ist ein schönes abschließendes Zitat, vielen Dank an euch. 

 

Ground2A: Rauer Sound auf „Communication“

Weitere Infos zur Band Ground2A findet ihr in den Socials. 

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