Rock lebt – und das beweisen Sick of Society und Untamed in unserem besonderen Gespräch. Auf der einen Seite eine Band mit über 30 Jahren Erfahrung, auf der anderen ein Newcomer, der seinen Weg in der modernen Musiklandschaft sucht. Gemeinsam sprechen sie über Höhen und Tiefen, das Durchhalten in der Branche und die Herausforderung, authentisch zu bleiben – egal, ob man gerade anfängt oder schon Jahrzehnte dabei ist. Ein Dialog zwischen Generationen, der zeigt: Musik verbindet.
Sick Of Society, ihr seid nun schon über dreißig Jahre im Musikbusiness dabei. Kann man das überhaupt fassen?
SOS: Naja, es sind eigentlich eher so zweiunddreißig oder dreiunddreißig Jahre, wenn man bedenkt, dass wir 1989 angefangen haben. Aber offiziell haben wir uns 1993 in Sick of Society umbenannt. Also, ja, wir sind jetzt im dritten Jahrzehnt.
Das ist schon beeindruckend! Wie fühlt es sich an, auf eure frühen Jahre zurückzublicken? Was denkt ihr über die Anfangszeit?
SOS: Ehrlich gesagt, wäre es wahrscheinlich besser, nicht zu sehr auf diese frühen Jahre zurückzublicken. Die waren nicht gerade rühmlich. Es war ziemlich wild. Wir haben vieles ausprobiert, viel provoziert. Das sind Dinge, über die wir heute nicht unbedingt groß sprechen würden, aber damals war es einfach, Spaß zu haben und zu sehen, wohin es uns führt.
Also war es vor allem ein Experimentieren und Ausprobieren?
SOS: Genau. Wir hatten keine großen Pläne, wir wollten einfach Musik machen und schauen, wo es uns hinführt. Es gab einige holprige Phasen, aber das ist halt der Weg, den man gehen muss, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Wir haben einfach das gemacht, was sich zu der Zeit richtig anfühlte. Es ging nicht um Ruhm oder Erfolg, sondern darum, etwas zu schaffen, das in diesem Moment authentisch war.
Wenn man auf das schaut, wo ihr jetzt seid, was war für euch der überraschendste Teil dieser Reise?
SOS: Der größte Überraschungseffekt ist wohl, dass wir so lange durchgehalten haben. Viele Bands schaffen es ja nicht über ein paar Jahre hinaus, aber wir haben es geschafft, zusammenzubleiben und uns über drei Jahrzehnten weiterzuentwickeln. Manchmal ist das schon verrückt, daran zu denken.
Untamed, ihr seid jetzt als Band auf dem Radar vieler – was sind momentan die größten Herausforderungen für euch als Newcomer in der Musikindustrie?
Untamed: Die größte Herausforderung ist definitiv die Etablierung. Gerade in der Anfangsphase muss man sich erstmal einen Namen machen. Es dauert eine Weile, bis die Leute verstehen, wofür man steht und welche Art von Musik man macht. Besonders bei unserem ersten Album war das schwierig. Die Leute wussten noch nicht so recht, was sie von uns erwarten können. Aber mittlerweile, hoffen wir, ist es bei ihnen langsam angekommen ist.
Was genau ist es, was eure Musik ausmacht und wie unterscheidet ihr euch von anderen Bands? Was glaubt ihr?
Untamed: Wir versuchen uns nicht nur auf ein Genre zu beschränken. Unsere Musik ist vielfältig und das führt dazu, dass wir uns nicht sofort in eine Schublade stecken lassen. Das ist sowohl eine Stärke als auch eine Herausforderung – denn das braucht Zeit, bis die Leute das zu schätzen wissen.
Sick Of Society, Wenn ihr jungen Bands einen Rat geben könntet, was wäre das?
SOS: Spielt so oft live wie möglich! Egal, ob ihr vor 5 oder 500 Leuten spielt, gebt immer alles. Diese Konzerte, wo nicht viele Leute da sind, haben immer ihren besonderen Charme. Du musst dich da voll motivieren, du kannst nicht mit halber Kraft spielen, weil du dann später nie weißt, wie du wirklich klingen könntest. Und, ganz wichtig: Vernetzt euch, schaut nicht nur aufs Geld.
Was würdet ihr anders machen, wenn ihr auf eure Anfänge zurückblickt?
SOS: Um ehrlich zu sein, vielleicht hätten wir unsere Ambitionen damals nicht so hochstecken sollen. Man denkt am Anfang, nach ein paar Konzerten geht es direkt richtig los – und dann kommt die Realität: Es gibt auch viele Auftritte vor kaum jemandem. Das muss man aushalten und man muss weiter dranbleiben, auch wenn es hart wird.
Es ist ein ja ein spannendes Thema: Die Musikindustrie und wie schwer es heute ist, als Band durchzubrechen. Viele Newcomer sind mega motiviert und haben große Träume. Was bedeutet für euch denn „Erfolg“ als Band?
SOS: Das ist eine gute Frage. Erfolg hängt sehr davon ab, was man persönlich erreichen möchte. Es gibt viele Bands, die es nie so richtig „schaffen“, oder zumindest nicht auf die Art, wie es sich viele sich vorstellen. Für uns ist Erfolg vor allem, dass wir Spaß an der Musik haben. Und dass wir unser Bestes geben und die Leute, die zu unseren Konzerten kommen, eine gute Zeit haben. Für uns ist es am Ende das Wichtigste, dass wir diese Freude an der Musik bewahren. Wenn am Ende genug Leute kommen und sich unsere Konzerte mit uns richtig gut anfühlen, dann ist das für uns Erfolg. Es geht nicht um Ruhm oder Geld, sondern um das Erleben und die Leidenschaft. Alles, was darüber hinausgeht, ist für uns unrealistisch. Die meisten Bands kämpfen lange, ohne wirklich durchzustarten. Die, die es schaffen, gehören oft zu den berühmten 1 %. Und der Rest muss sich durchbeißen.
Untamed haben die Herausforderung angesprochen, sich durch die Überfülle an Musik zu kämpfen. Was haltet ihr von der aktuellen Entwicklung der Musikindustrie, besonders im Bereich Streaming?
SOS: Die ganze Entwicklung mit Streaming und der Musikindustrie hat die Sache definitiv verändert. Es ist jetzt schwieriger, als Band wirklich Gehör zu finden, weil die Menschen immer mehr auf ihre persönlichen Playlists und Algorithmen angewiesen sind. Der Fokus liegt eher auf schnellem Zugriff und Bequemlichkeit. Aber es gibt auch Vorteile – es ist heutzutage einfacher, seine Musik zu verbreiten, das war früher noch anders.
Eine spannende Frage: Welche Rolle spielt die Fanbase für euch? Ist die Verbindung zu euren Fans wichtiger als das Connecten mit anderen Bands?
SOS: Das ist eine schwierige Frage. Das Connecten mit anderen Bands ist eher aus einer praktischen Perspektive heraus zu beantworten. Es geht oft darum, wie man als Band aktiv weiterkommt – also wie man sich auf einem Business-Level weiterentwickelt und in anderen Bereichen stärker wird. Manchmal kann der Austausch mit anderen Bands und das Netzwerken helfen, Türen zu öffnen und Chancen zu schaffen, die man alleine vielleicht nicht so einfach erreichen würde.
Untamed: Klar, auf der anderen Seite spielt die Fanbase aber auch eine riesige Rolle für uns. Die Verbindung zu unseren Fans ist uns sehr wichtig. Es geht nicht nur um das Geschäft, sondern auch um das, was wir gemeinsam erleben – die Energie bei Konzerten, das Feedback, die Kommunikation. Unsere Fans sind also ein wichtiger Teil dessen, warum wir das tun, was wir tun. Sie sind ein wesentlicher Teil der ganzen Reise.
SOS: Also, letztlich ist es so, dass beides wichtig ist. Es gibt eben nur Unterschied, wie, warum und aus welcher Perspektive man es betrachtet.
Dreißig Jahre – wo seht ihr euch in dreißig Jahren, Untamed? Ganz frei raus, ohne Zurückhaltung.
Untamd: Erster Punkt: Überhaupt noch am Leben in dreißig Jahren. [lacht] Ich (Flams) bin 34 und ich weiß nicht, ob ich mit 64 dann, wie die alten Rock’n’Roller, Mick Jagger und Co., immer noch am Hüpfen und Rocken bin. Ja, was ist der Plan? [lacht] Aber im Ernst, es wird spannend zu sehen, wie sich unsere Musik und unser Leben entwickeln.
Also, die Vision für die Zukunft bleibt vielleicht eine Mischung aus weiterhin aktiv auf der Bühne sein und die Leidenschaft für die Musik zu leben, auch wenn das Alter vielleicht ein wichtiger Faktor werden wird, der das eine oder andere verändern wird. Vielen Dank an euch.
Sick Of Society: 35 Jahre und immer noch nicht satt
Untamed – Rocking Raw Rebellion
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