Shirley Holmes und “Mein bestes Selbst”

Mit ihrem neuen Album Mein bestes Selbst, das am 14. Februar erschien, beweisen Shirley Holmes einmal mehr, dass sie ein unaufhaltsames Kraftpaket des deutschsprachigen Punkrocks sind. Das Trio liefert ein Werk, das laut, kompromisslos und doch eingängig ist. Es ist ein Album, das einsaugt und nicht mehr loslässt.

Shirley Holmes zeigen ihr bestes Selbst

Den Auftakt macht Verstört, ein Song, der mit prägnanten Gitarrenriffs und markanten Basslines nur so um sich schlägt. Und als wäre das nicht genug, haut der Track zum Ende hin noch eine Hommage an Die Sterne raus und zwinkert mit Was hat dich bloß so ruiniert? in Richtung Indie-Pop-Geschichte. 

Mit Angst & Hobbys kommt ein Track um die Ecke, der sich sofort festbeißt – wie Kaugummi unter dem Schuh, nur deutlich angenehmer. Die Basslines rücken hier noch stärker in den Vordergrund und stehlen der Leadgitarre fast die Show. Der Song schmeißt punkigen Drive, rockige Kante und eine Prise Pop in den Mixer, drückt auf Turbo und serviert einen Soundcocktail, der genauso rotzig wie eingängig ist. Shirley Holmes haben hier definitiv den richtigen Punk-Riecher bewiesen.

Düsterer wird es mit Niemand drin, das an feuchtwarme Partys in engen Kellerräumen erinnert und eine Mischung aus Wut und Melancholie transportiert. Koks und Käse schlägt sich mit seinem schnelleren Rhythmus durchs Album und bringt noch einmal ordentlich Dynamik in die Playlist. Und mit Übermorgen blitzt nochmal eine leicht poppige Note auf, die in ihrer Leichtigkeit entfernt an Deichkind erinnert, bevor Aggressive Musik seinem Namen alle Ehre macht und ein kompromissloses Statement abliefert.

Wanna fck your reflection bringt schließlich rockige Anleihen ins Spiel und festigt den Eindruck, dass Mein bestes Selbst ein vielseitiges, aber dennoch homogenes Album ist. Jeder Song hat Ohrwurmpotenzial, ohne sich in Effekthascherei oder unnötigem Schnickschnack zu verlieren. Stattdessen setzen Shirley Holmes auf einen minimalistischen, aber umso wirkungsvolleren Sound, der sich auf das Wesentliche konzentriert: treibende Rhythmen, bissige Texte und eine rohe, unverfälschte Energie.

Shirley Holmes zeigen ihre Doppelspitze

Und dann sind da noch die Gesangsparts von Gitarristin Mel Marker und Bassistin Miss Ziggy – ein echtes Power-Duo, das sich die Vocals mit einer spielerischen Leichtigkeit zuschiebt, als wäre es ein Trinkspiel. Mal fordernd, mal verspielt, mal wütend – und immer mit genau der richtigen Portion Rotz und Charme. 

Mein bestes Selbst von Shirley Holmes ist kein glatt poliertes Hochglanzprodukt, sondern eine wilde, ungezähmte Mischung aus Rebellion und Melodie. Es tritt nach oben, umarmt die Outcasts und schreit dabei so laut nach Freiheit, dass selbst die bravsten Spießer mal kurz innehalten und sich fragen, ob sie nicht doch lieber eine Lederjacke kaufen sollten. Shirley Holmes kombinieren Punk, Indie und Noise-Elemente mit einer rotzigen, aber zugleich melodiösen Note und beweisen erneut ihre DIY-Attitüde – mit einem fetten Augenzwinkern und einem Stinkefinger in Richtung Konventionen.

Mein bestes Selbst ist ein starkes Album, das sich nicht anbiedert, sondern seinen ganz eigenen Weg geht – kompromisslos, ehrlich und mitreißend. Ein absolutes Hörvergnügen für alle, die energiegeladenen, klugen Punk lieben.

Mehr zu Shirley Holmes findet ihr in den Socials.

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