Split Chain liefern mit „motionblur“ ein starkes Debüt zwischen Shoegaze, Metalcore & Trauma. Laut, ehrlich und überraschend reif.
Text: Mia Lada-Klein
Modern Metal, aber bitte mit Tiefgang
Man kennt das Spiel: Neue Band, erstes Album, große Töne. Meistens endet es in einem Mischmasch aus bekannten Sounds, viel Ambition und wenig Substanz. Nicht so bei Split Chain. Ihr Debütalbum „motionblur.“ bringt tatsächlich Qualität mit und zwar so viel, dass man sich fragt, ob da nicht schon ein paar Jahre mehr Erfahrung drinstecken als man denkt.
Split Chain sind eine junge Modern-Metal-Kombo. Klingt auf den ersten Blick nach Standard, doch was sie auf „motionblur.“ abliefern, ist alles andere als das. Hier wird nicht über „mein Crush hat mich geghostet“ oder den letzten Moshpit auf dem Dorffest gesungen. Die Themen sind ernst. Es geht um Trauma, mentale Gesundheit und psychische Abgründe, also alles, was man nicht mal eben beim Bierchen weghört.
„Under The Wire“ – Sanfter Einstieg in düstere Gewässer
Los geht’s mit „Under The Wire“. Ein Track, der atmosphärisch irgendwo zwischen Alice in Chains und modernem Metalcore liegt. Ein starker Einstieg, der zeigt: Split Chain wollen nicht einfach nur ballern, sie wollen Atmosphäre schaffen. Und das gelingt.
„bored. tired. torn.“ – Erste Konfrontation mit Schmerz
Track zwei, „bored. tired. torn.“, bringt dann direkt das erste schwere Thema aufs Tablett: Trauma. Der Song ist melodisch, bleibt im Ohr, aber reißt inhaltlich auf. Hier wird dann deutlich: Split Chain sind keine Band für den nächsten Party-Soundtrack. Sie wollen konfrontieren. Und das auf ziemlich zugängliche Weise.
Shoegaze trifft Breakdown – und es funktioniert
Mit „SPIT“ wird der Druck erhöht. Dicht, düster, schwer. Das Thema: Mental Health.
Der Sound der Band wird nach ein paar Tracks ersichtlich: ein überraschend stimmiger Mix aus Shoegaze-Flächen, Hardcore-Ausbrüchen und ein paar Vibes aus dem Nu-Metal. Klingt wie ein Rezept für Chaos, funktioniert aber erstaunlich gut.
„Subside“ – Gebrüll mit Gefühl
Okay, auch Split Chain bedienen das klassische Metalcore-Handwerk. „Subside“ startet genau so, wie man es erwartet: laut, aggressiv, roh. Aber die Band gönnt sich und ihren Hörer*innen auch Ruhephasen, melodische Zwischenspiele, emotionale, aber ruhigere Ausbrüche. Kein Dauergebrüll für betrunkene Festival-Kids, sondern eine gut balancierte Mischung mit Wiedererkennungswert.
Und ja, man muss es sagen: Das Geschrei haben wir alle schon irgendwo gehört. Bei der dritten Band im Line-up, bei der fünften Support-Show. Doch Split Chain machen genug anders, um aus dem Sumpf der Austauschbarkeit herauszuragen.
„Headway“ – Das fast vergessene Highlight
So richtig hängen bleibt dann „Headway“, einer der letzten Songs auf „motionblur.“. Spät gezündet, aber mit Wirkung. Der Song ist das, was viele Bands in der Mitte des Albums verschlafen: ein echtes Highlight. Emotional, treibend, mit Haltung. Wer bis hier durchhält, wird am Ende nochmal richtig belohnt.
Fazit: Kein Neustart fürs Genre, aber ein starker Anfang
Split Chain erfinden das Rad nicht neu. Aber sie treten mit Stil in die Pedale. Ihr Debüt „motionblur.“ ist ein durchdachter, ehrlicher, genreübergreifender Ritt durch die dunkleren Ecken der menschlichen Psyche sowohl musikalisch als auch textlich. Nicht alles zündet sofort, manche Songs verschwinden im Strom der modernen Metal-Veröffentlichungen ein wenig. Aber das Fundament steht, und es steht gut.
8 von 10 Punkten. Weil Debüts nicht perfekt sein müssen, nur mutig.
Mehr zur Band Split Chain findet ihr in den Socials.
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