Soundcheck mit Mia
33.000 Follower und kaum Likes? Diese Kolumne deckt auf, warum große Zahlen oft nichts bedeuten und wie Bands echte Reichweite von Fake-Plattformen unterscheiden können.
Text: Mia Lada-Klein
- Warum Followerzahlen allein nichts über Relevanz aussagen
- Woran Bands echte Community erkennen können
- Wie man sich vor Fake-Reichweite und leeren Versprechen schützt
33.000 Follower. Darunter Posts mit kaum 100 Likes. Vielleicht drei Kommentare, die von der eigenen Redaktion stammen. Trotzdem preist sich das Magazin als „große Plattform“ an, die „wichtige Reichweite“ bietet. Für viele Bands klingt das verlockend. Sie sehen die Zahl, nicht den Kontext. Und genau darin liegt das Problem.
Denn Followerzahlen sind längst kein verlässlicher Maßstab mehr für Relevanz. Was auf den ersten Blick beeindruckt, entpuppt sich oft als Blendwerk. Es ist eine Hülle ohne Substanz, die ihre Strahlkraft aus Fake-Followern, toten Accounts oder Collabs zieht. Wer als Band darauf hereinfällt, zahlt am Ende drauf.
Die Follower-Falle: Wenn Quantität die Qualität ersetzt
Es klingt hart, aber: Wer 33.000 Follower hat und keine Interaktion erzeugt, hat schlicht keine Community. Denn echte Menschen klicken, liken, kommentieren, stellen Fragen, streiten, diskutieren, haten, so ist das eben. Ein Magazin, das auf Instagram nur die Oberfläche poliert, aber keinen Dialog erzeugt, bietet keine Bühne, es simuliert sie bloß.
Trotzdem lassen sich viele Musiker*innen davon beeindrucken. Vielleicht, weil man sich Reichweite wünscht. Vielleicht, weil man glaubt, Präsenz sei immer gut. Vielleicht, weil niemand einem gesagt hat, dass es auch leere Versprechen in der Medienwelt gibt.
Fake it till you make it? Leider Alltag.
Follower zu kaufen ist billig. Das Internet ist voll davon. 10.000 Follower für 30 Euro? Kein Problem. Das Problem ist nur: Diese Accounts sind tot. Sie klicken nicht, sie teilen nichts, sie konsumieren nicht mal. Sie existieren bloß, um Zahlen aufzublasen und andere zu täuschen. Aber: Sie täuschen den Algorithmus nicht! Instagram merkt längst, ob ein Account echtes Engagement erzeugt oder nur vorgibt, beliebt zu sein.
Und Bands, die auf Sichtbarkeit hoffen, erkennen das nicht sofort. Ein toxischer Kreislauf beginnt, der niemandem hilft. Und schon gar nicht der Musikszene.
Warum das für Bands gefährlich ist
Jede Band hat ein begrenztes Zeitbudget. Wer Promo macht, will Reichweite, aber auch Wirkung. Wenn man also auf Accounts setzt, die nur mit großen Zahlen glänzen, aber keine echte Community bieten, verschwendet man Ressourcen. Die Fanbase wächst nicht, der Song wird nicht gehört, das Video wird nicht geteilt.
Noch schlimmer: Es wirkt nach außen hin vielleicht so, als würde man mit „großen Medien“ arbeiten. Doch wer hinsieht, merkt schnell, dass das nichts bedeutet. Ein Feature bei einem Fake-Reichweiten-Magazin ist am Ende weniger wert als ein echtes Interview bei einem Nischenblog mit aktiven Leser*innen.
Woran man echte Reichweite erkennt
Es gibt einige einfache Indikatoren, mit denen man auf Instagram prüfen kann, ob ein Account wirklich Einfluss hat:
- Engagement-Rate: Wie viele Likes und Kommentare gibt es im Verhältnis zur Followerzahl? 2–5 % ist normal. Darunter: fragwürdig.
- Kommentare: Sind sie echt? Kommen sie von echten Menschen oder immer denselben Profilen?
- Geteilte Inhalte: Wird Content von der Community weiterverbreitet? Oder bleibt alles im stillen Raum stehen?
Wer das einmal weiß, lässt sich nicht mehr so leicht täuschen. Und das sollte das Ziel sein: Mehr Medienkompetenz in der Musikszene. Weniger Gier nach Zahlen. Mehr Fokus auf Wirkung.
Reale Community statt Zahlenattrappe – ein persönliches Beispiel
Nehmen wir meinen Account. Ich habe 4.000 Follower. Das mag im Vergleich zu großen Magazinen nach wenig klingen. Aber wenn ich einen Soundcheck mit Mia poste, bekomme ich regelmäßig über 100 Likes, oft 20 Kommentare und nicht selten zehn Shares, ohne Werbung, ohne gekaufte Reichweite, ohne Collab. Warum? Weil es Menschen interessiert. Weil eine Community da ist, die sich angesprochen fühlt. Das ist echte Interaktion. Das ist Wirkung.
Auch MoreCore ist ein gutes Beispiel dafür, wie gesunde Reichweite aussieht: Über 60.000 Follower, stabile Likes im dreistelligen Bereich, ganz ohne Kooperationen oder Werbe-Tricks. Da funktioniert die Bindung zur Community, da passiert Kommunikation.
Sind Likes alles? Nein. Aber für Bands, die ihre Musik unter die Leute bringen wollen, sind sie ein Indikator. Wer Aufmerksamkeit sucht, muss auch darauf achten, wo er sie bekommt und ob sie überhaupt jemand sieht. Ein Magazin mit 10.000 Followern, aber nur 18 Likes pro Post, oder eines mit 33.000, das seine Reichweite fast ausschließlich über Collabs erzeugt, ist keine Bühne. Es ist eine Attrappe. Und wer dort erscheint, wird auch nur scheinbar gesehen.
Ein Appell an Musiker*innen und Promoter
Hört auf, euch von Zahlen blenden zu lassen. Fragt lieber: Wer liest das? Wer hört zu? Wer spricht darüber? Eine echte, kleine Community ist mehr wert als ein gekaufter Massenschatten. Und: Gebt den Plattformen Wert, die mit Herzblut arbeiten, auch wenn sie (noch) keine fünfstellige Zahl auf ihrem Profil haben. Echte Reichweite wächst nicht aus Zahlen, sondern aus Vertrauen, genau wie eine Fanbase.
Und an all die Magazine, die sich größer machen, als sie sind: Ihr könntet euch echten Respekt verdienen, wenn ihr aufhört, euch selbst zu belügen. Denn 33K Follower mit 80 bis 100 Likes sind kein Statussymbol. Sie sind ein Warnsignal.
Weitere Artikel zum Soundcheck mit Mia findet ihr auf dieser Website.
Viele Follower, leere Clubs: Warum Likes keine Tickets verkaufen
Mia Lada Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.
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2 Gedanken zu „33K Follower, 100 Likes – wirklich relevant?“