Bulldozer aus Hessen setzen auf akustischen Rock und ehrliche Texte. Frontmann Charles Wolter spricht im Interview über Freundschaft, eigene Songs, Bühnenenergie und den Mut, musikalisch und persönlich offen zu sein.
Interview: Mia Lada-Klein
Bulldozer kommen aus Hessen und setzen auf akustischen Rock statt auf dröhnende E-Gitarren. Auf der Bühne gibt es auch mal das ein oder andere Cover, aber vor allem stehen die eigenen Songs im Vordergrund. Frontmann Charles Wolter hat sich in unserem Interview unseren Fragen gestellt, von der Bandgeschichte über ihre Musik bis hin zu der bewussten Entscheidung, weniger auf harte Riffs zu setzen und dafür mehr auf den warmen, akustischen Sound. Ein Gespräch über Freundschaft, ehrliche Texte und die Kunst, mit minimalem Equipment maximalen Eindruck zu hinterlassen.
Kannst du dich kurz für unsere Leser vorstellen?
Charles Wolter: Mein Name ist Charles Wolter, ich bin Sänger bei der Band Bulldozer. Ich schreibe die Texte und mache den Gesang. Ich bin älter, als ich aussehe, aber sonst ganz normal. 🙂
Wir haben uns ja in Gambach kennengelernt, wo ihr quasi den Start in den musikalischen Abend gemacht habt. Ihr habt ja eher einen akustischen Ansatz und macht auch ein paar Cover. Stimmt das so?
Charles Wolter: Ja, das stimmt. Wir machen gern auch Cover-Songs, weil es schön ist, wenn Leute schon etwas kennen. Wenn sie unsere eigene Interpretation hören, macht es ihnen Spaß, und sie können direkt mitsingen. Deshalb bauen wir auch gern Covers in unser Set ein.
Euer Sound ist also eher akustisch. Nicht metallisch oder energisch rockig?
Charles Wolter: Genau, das ist uns wichtig. Es ist schön, mit weniger Mitteln mehr machen zu können. Man muss den Sound nicht aufblasen, um gute Songs zu machen. Es fühlt sich für uns auch gemütlicher an auf der Bühne. Klar ist ein guter Sound wichtig, aber es muss nicht zu viel sein.
Eure Texte sollen auch zum Nachdenken animieren. Was ist euch dabei wichtig? Geht ihr eher politisch, melancholisch oder philosophisch vor?
Charles Wolter: Es ist eine Mischung aus allem. Mir ist wichtig, dass unsere Musik Menschen erreicht und ihnen hilft. Wenn jemand gerade eine schwere Zeit hat und unseren Song hört, soll er merken, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben und trotzdem weitergekommen sind. Für mich war Musik auch immer schon ein Weg, Selbstvertrauen zu gewinnen, gerade nach schwierigen Zeiten.
Wie bist du eigentlich selbst zur Musik gekommen? War sie dann ein Ventil für deine Gefühle?
Charles Wolter: Ja, ich habe früher schon gern geschrieben, um Gedanken und Gefühle niederzuschreiben. Singen kam eher zufällig, zum Beispiel beim Mitsingen im Auto oder bei Singstar-Abenden mit Freunden. Meine Musiklehrerin meinte früher auch witzigerweise, ich sei unmusikalisch, aber ich habe einfach angefangen.
Und wie entstand dann die Band?
Charles Wolter: Zunächst aus Freundschaft. Zuerst waren es einfach Jams. Mit Andy. Später kamen noch ein paar andere dazu, und wir haben einfach ausprobiert, wie eine richtige Band funktioniert. Es gab auch Leute, die nicht gepasst haben. Man hat eben einiges ausprobiert. Für mich steht aber Freundschaft über allem. Wir machen Musik mit Freunden, und das macht einfach Spaß. Das merkt man auch auf der Bühne, weil wir uns dort noch richtig begegnen und nicht nur performen.
Wie erlebst du das eigentlich unter Bands momentan? Ist man da eher freundschaftlich miteinander, oder gibt es auch Konkurrenzdenken? Ich höre das nämlich auch immer wieder mal, dass Bands häufiger als man meint miteinander in Konkurrenz stehen und auch mal eher so tun, als wären sie Homies, dabei können sich einige von ihnen nicht ausstehen.
Charles Wolter: Da sagst du was. Ich empfinde es auch so, und es ist tatsächlich häufig so. Man meint es gar nicht, aber so ist es eben. Es gibt natürlich viele, die sich kennen, aber so richtig freundschaftlich sind da nicht so viele, wie man vermuten würde.
Es gibt da aber neben dem Konkurrenzdenken sicher auch zusätzlich noch viel Arroganz und Selbstüberschätzung, oder?
Charles Wolter: Klar, aber es gibt auch genau das Gegenteil. Zebrahead zum Beispiel. Ich habe den Sänger Adrian kennengelernt, wir haben lange nach dem Konzert geredet. Er sagte: “Es gibt keine kleine Band. Du machst Musik, das ist, was zählt.” Das fand ich richtig schön. Egal, ob klein oder groß, Musik verbindet und man sollte sich nicht verstecken. Aber ja, auch negative Begegnungen kenne ich. Einmal hatten wir eine Band beim Soundcheck. Wir räumten unsere Sachen weg, damit sie Platz haben, und eines ihrer Mitglieder meinte: “Wir können unsere Sachen stehen lassen, die machen ja nur Akustik”. Das fand ich respektlos. Respekt anderen gegenüber ist extrem wichtig, und das war da definitiv nicht da.
Du hast gesagt, dir ist Freundschaft wichtig. Auch das ist bei einigen Bands nicht wirklich der Fall. Besonders, je größer die Bands werden, scheint das eher ein Vertragsding zu sein, so ein „Never change a winning team“-Ding.
Charles Wolter: Ja, logisch. Also bei uns ist das anders. Wir sind ja eher eine Hobby-Band. Jeder von uns hat einen normalen Job, geht arbeiten, hat Verpflichtungen. Die Musik ist für uns ein Ausbruch aus dem Alltag, ein Ausdruck. Wir machen Musik für uns, haben Spaß und feiern das auch mit Menschen, die uns vorher vielleicht noch nie gesehen haben.
Verlassen wir mal die Bühne und kommen zu euren Songs. Ich weiß, alle Songs sind natürlich die eigenen Babys, aber hast du einen, den du uns vielleicht an dieser Stelle besonders ans Herz legen wollen würdest?
Charles Wolter: Auf unserer EP ist der Song “My Way” drauf. Dieser Song bedeutet mir viel. Das ist definitiv ein Song, in dem alles steckt, was mir passiert ist. Über mein Leben, alles.
Was genau kommt darin zum Ausdruck?
Charles Wolter: Da steckt drin, dass ich irgendwann an den Punkt gekommen bin, wo ich gesagt habe: Mit mir nicht mehr. Ich lasse mich nicht mehr von Leuten runterziehen, nicht mehr mobben oder ähnliches, sondern gehe einfach meinen eigenen Weg. Früher habe ich vieles versucht zu ignorieren und zu vergessen, heute denke ich: Ja, es war vielleicht vieles nicht gut, aber jetzt ist es nicht mehr so. Das verdanke ich mir selbst, meinen wahren Freunden und meiner Familie. Ohne sie wäre ich nicht der, der ich jetzt bin.
Ich finde es immer faszinierend, wenn Musiker so persönlich werden. Macht man sich da nicht angreifbar? Hast du davor Angst?
Charles Wolter: Klar, es ist schon komisch zu sagen: “Hey, ich habe mich jetzt metaphorisch nackt gemacht.” Aber für mich persönlich ist es wichtig. Ich weiß, was ich durchlebt habe, und was ich mit dem Song geschaffen habe. Es ist mir egal, wenn andere negative Kommentare abgeben. Die Menschen, die mich nicht kennen und meinen, sich äußern zu müssen, gehören einfach nicht zu mir.
Fernab von Musik, welchen Tipp würdest du jemandem geben, der gerade eine dunkle Phase durchmacht und an sich selbst zweifelt?
Charles Wolter: Mir hat geholfen, Menschen um mich zu haben, mit denen ich reden konnte. Einfach mal sagen: “Mir geht es nicht gut, ich habe gerade eine schwere Zeit.” Außerdem hat es mir geholfen, alles aufzuschreiben. Ängste, Probleme, Sorgen. Das gibt einem schon ein Stück Erleichterung. Es ist wichtig, sich Hilfe zu suchen, weil man sich nicht immer allein helfen kann. Menschen in Verzweiflung brauchen unbedingt Unterstützung. Wer nicht redet, riskiert, dass das Licht schneller ausgeht, als man denkt. Deswegen sollte man sich helfen lassen, denn man ist nicht allein.
Charles, vielen Dank für deine offenen Worte und die privaten Einblicke.
Mehr zur Band Bulldozer findet ihr in den Socials.
Entdecke mehr von miasraum
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.