Zwölf Jahre Lärm: Grade 2 drehen weiter auf

Albumcover der Band Grade 2, Zähne in schwarz-weiß

“Talk About It” zeigt Grade 2 konsequent im Punk Fundament mit kleinen stilistischen Erweiterungen, aber ohne große Brüche.

Text: Mia Lada-Klein

Grade 2: Zwölf Jahre Lärm und niemand hat leiser gedreht

Zwölf Jahre nach den ersten Proben melden sich Grade 2 mit ihrem dritten Album „Talk About It“. Große Überraschungen sollte man hier besser nicht erwarten. Das ist kein Neustart, eher ein weiteres Kapitel einer Band, die genau weiß, wie sie klingen will und keinen großen Grund sieht, daran etwas zu ändern.

Die Band bleibt beim Punk, so konsequent wie jemand, der eine alte Jacke weiterträgt, obwohl sie längst an mehreren Stellen aufgegeben hat, aber eben noch funktioniert. Rau, direkt und mit einer gewissen Verweigerung gegenüber allem, was zu glatt oder zu korrekt wirken könnte. Zwischendurch kommt ordentlich ohrwurmtaugliche Melodie dazu. Punk bleibt das Fundament, wird aber gezielt um Elemente erweitert.

Grade 2: Energie, Kante und klare Linie

„Cut Throat“ eröffnet das Album ohne höfliche Ansage. Schnelles Schlagzeug, rotziger Gesang, Bass mit Vorwärtsdrang. Kein Einstieg, eher eine Tür, die mit voller Absicht offen stehen bleibt, damit jeder hört, dass es hier gleich laut wird.

„Hanging Onto You“ stolpert in Richtung Ska und guter Laune. Eingängig, fast schon gefährlich zugänglich, aber nie sauber genug, um wirklich brav zu sein.

Der Titeltrack „Talk About It“ verschiebt dann nur leicht die Perspektive. Gitarren, britischer Indie-Anklang, ein bisschen Melodie, die so tut, als wäre sie zufällig passiert. Im Kern bleibt alles beim Alten, klassischer Punk der alten Schule, nur mit einer Schicht Lack darüber, die schon beim ersten Blick eher so wirkt, als hätte sie den Kampf gegen Kratzer von Anfang an verloren.

Kleine Hymnen aus Beton und Erinnerung

Spätestens mit „Don’t Worry About Me“ und „Smugglers Haven“ wird klar, dass Grade 2 ihre Komfortzone gefunden haben und sie darin ziemlich laut wohnen. Punk bleibt die Basis, darüber wird geschichtet, was gerade passt. Ska, Rock, ein bisschen Melodie, manchmal fast poppig, aber nie wirklich brav.

„Wasteland“ gehört zu den stärksten Momenten des Albums. Die Gitarren bekommen viel Raum, dazu ein Bass, der wieder so tut, als wäre er eigentlich der Frontmann der Band. Alles wirkt bewusst nicht überproduziert. Es bleibt direkt und kantig, dabei aber stabil genug, um nicht auseinanderzufallen und dennoch sauber produziert zu wirken.

Hymnenfragmente aus der Restenergie

Zum Schluss darf „Otherside“ noch einmal groß wirken. Ohs und Ahs im Hintergrund geben dem Song eine leicht hymnische Richtung, die eher angedeutet als voll ausgespielt wird. Dazu kommt eine Gitarrenpassage, die kurz aus dem Punk-Rahmen ausbricht und in Richtung Indie geht, bevor sie wieder in die gewohnte Struktur zurückkehrt.

Fazit: Ja, „Talk About It“ erfindet den Punk jetzt nicht neu. Das wollen Grade 2 aber sicher auch gar nicht. „Talk About It“ ist ein Album, das weiß, wo es herkommt, und sich dort ziemlich wohlfühlt. Vielleicht zu wohl, um wirklich gefährlich zu werden, aber laut genug, um nicht ignoriert zu werden. (7,5 von 10)

GRADE 2 veröffentlichen Talk About It am 3. April 2026 via Hellcat Records

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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.


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