DOODSESKADER liefern mit The Change Is Me ein düsteres Album zwischen Rap, Grunge und Metalcore, stark, wütend und mit ein paar Stolpersteinen. (Review)
Text: Mia Lada-Klein
DOODSESKADER kehren am 3. April 2026 mit ihrem dritten Album „The Change Is Me“ zurück und sie verschwenden keine Zeit damit, freundlich zu sein. Dieses Album will wahrscheinlich auch gar nicht gefallen. Es will kratzen, nervös machen, gelegentlich überfordern und dabei so tun, als wäre genau das die einzig ehrliche Reaktion auf eine Welt, die längst aus dem Gleichgewicht geraten ist. Zwischen grungigen Neunziger Melodien, verzerrten Synthesizern, schlammigem Bass und einer Mischung aus Rap, Gesang und wütendem Bellen entsteht ein Sound, der wirkt, als hätte jemand Existenzkrisen vertont und anschließend durch einen kaputten Verstärker gejagt.
Das Duo Tim und Sigfried bewegt sich dabei nicht nur zwischen Genres, sie zerlegen sie mit sichtlicher Freude und setzen sie danach schief und dennoch stimmig wieder zusammen.
DOODSESKADER: Zwischen Wut und falschen Erinnerungen
Glass Mask On eröffnet das Album mit einem Klang, der kurz an Rammstein denken lässt. Ein Vergleich, der gleichzeitig Kompliment und Warnsignal ist. Die ersten Sekunden tragen diesen industriellen Nachgeschmack, der spätestens seit den öffentlichen Schatten um Till Lindemann nicht mehr ganz unbeschwert funktioniert. Zum Glück biegt der Song schnell ab. Rap-Passagen übernehmen, die Härte verschiebt sich und plötzlich öffnet sich ein erstaunlich melodischer Refrain, getragen von Synthies, die fast sanft wirken. DOODSESKADER zeigen also recht früh auf der Platte, dass sie Erwartungen aufbauen, nur um sie direkt wieder umzustoßen.
Celebrity Culture Simp Farm schlägt anschließend eine Metalcore Richtung ein, die sich anhört, als hätten sich The Cure in einer schlecht beleuchteten Trainingshalle verlaufen. Objektiv kein schlechter Ansatz. Subjektiv ein Problem. Der Metalcore Markt wirkt inzwischen wie ein überfülltes Festivalgelände, auf dem alle Bands gleichzeitig spielen und niemand mehr weiß, wer eigentlich angefangen hat. Alle elf Minuten springt gefühlt eine neue Metalcore Band aus dem Gebüsch. Verlieben ist aber eher unmöglich. Dafür ziehe ich einen Punkt ab. Metalcore gibt es bereits mehr als genug, die Welt hat ihren Bedarf daran längst gedeckt.
DOODSESKADER: Dunkelheit mit Nebenwirkungen
No Laughter Left In Me bringt die Erlösung in Form härterer Rap-Elemente zurück. Die düsteren Klangflächen wabern im Hintergrund wie schlechte Nachrichten im Dauerloop und plötzlich funktioniert die Mischung wieder. Weaponizing My Failures entwickelt sich sogar zu einem der stärksten Momente des Albums. Ein rauer Grundansatz erinnert entfernt an Nirvana, ohne nostalgisch zu wirken. Eher wie ein Echo aus einer Zeit, in der Wut noch analog klang.
Unthinking My Every Thought beginnt aggressiv, löst sich dann aber überraschend in hallenden Gesang auf, der wirkt, als käme er aus einem anderen Raum oder vielleicht aus einer schlechteren Version der eigenen Erinnerung. Der melodische Refrain kehrt zurück und hinterlässt eine irritierende Frage: Habe ich das gerade schon gehört? Wiederholung kann Stilmittel sein. Hier fühlt sie sich kurz wie ein Déjà vu an, das man irgendwie nicht bestellt hat.
Schönheit im Unbehagen
Insignificant Other bewegt sich in einer düsteren Ruhe, die gleichzeitig warm und bedrohlich wirkt. Kein aufgesetztes Drama, sondern eher eine unterschwellige Spannung, die erst im Refrain explodiert. Genau dort zeigt sich die Stärke von DOODSESKADER. Sie können Härte und Verletzlichkeit gleichzeitig existieren lassen. Das ist echt verdammt stark.
It Keeps On Stinging startet mit einer KI Stimme und entwickelt sich schnell zu einem persönlichen Highlight. Rap-Passagen treiben nach vorne, der Refrain eskaliert kontrolliert ins Chaos. Das ist Workout Musik für Menschen, die nicht joggen, sondern innerlich gegen die Welt antreten. Musik, bei der man metaphorisch den Mittelfinger hebt und sich dabei erstaunlich lebendig fühlt.
Ein starkes Album mit einem kleinen Giftstachel
Suffering In Technicolor beschließt das Album ruhiger als erwartet. Ein fast versöhnlicher Abschluss, der den melodischen Kern der Platte noch einmal betont. Und genau hier liegt die Ironie von The Change Is Me. Unter all der Wut steckt ein erstaunlich zugängliches Album.
Was bleibt, ist ein zwiespältiger Eindruck. DOODSESKADER liefern viele starke Ideen, spannende Brüche und eine authentische Dunkelheit, die nicht kalkuliert, sondern ehrlich wirkt. Gleichzeitig bleibt der Metalcore-Anteil ein persönlicher Störfaktor. Nicht, weil die Band ihn schlecht umsetzt, sondern weil das Genre inzwischen an Übersättigung leidet. Dafür können DOODSESKADER jedoch nichts. Trotzdem hätten sie diesen bereits überfüllten Zug nicht auch noch betreten müssen, gerade weil sie an anderer Stelle zeigen, wie viel interessanter sie klingen können.
Trotz eines irritierenden Moments der Wiederholung und einiger Growls zu viel bleibt ein gutes, stellenweise sogar sehr gutes Album. (7,5 von 10)
DOODSESKADER veröffentlichen The Change Is Me am 3. April 2026 via 45 RECORDS.
Mehr zu Doodseskader findet ihr in den Socials.
Mehr Reviews findet ihr auf der Website.
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Mia Lada-Klein ist Journalistin und Redakteurin mit Schwerpunkt Musik, Kultur und Medien. Neben analytischen Texten führt sie regelmäßig Interviews mit Musikerinnen, Musikern und Kreativen und beschäftigt sich mit Identität, kreativen Prozessen und medialer Wahrnehmung.
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