Montagslyriker 8: Nathalie Schumann_magische Fingerübungen und poetische Buchstabenattraktionen

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Hallo an euch:-)


In den letzten Wochen gab es bei den Montagslyriker einige Buchempfehlungen:-)
Heute begeben wir uns mal wieder auf poetische Pfade und dürfen uns in eine Poesiewelt entführen lassen.
Mein werter Kollege Matthias Breimann sind heute nur Randfiguren, denn heute ist sie das Wort!
Flucht führte sie zum Wort und das Worte führte sie zur Ordnung ihrer Gedanken, die letztlich zum Verstehen führten.
Bei ihr werden Fingerübungen zu Buchstabenattraktionen, zu Wortbauten und zur Magier der Poesie.
Das Schreiben wurde ihr in die Wiege gelegt und dieses befasst sich mit zwischenmenschlichen Abgründen und emotionalen Verstrickungen.
Neben dem Schreiben setzt sich diese Frau für die Frauenrechte und die LGBTQ Rechte ein.
Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, dafür benutzt sie das Blatt für ihr geschriebenes Wort und diese darf sie nun ergreifen
Herzlichen Dank an Nathalie Schumann

475ED376-A41D-4312-BC5E-41FC6962ECBA „ungemachte herzensbetten“

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?

Schreiben ist für mich, seit jeher, Eskapismus. Wie auch das Lesen. Ganz früher Flucht vor dem Dämon, der mich großzog, später dann vor meinen eigenen Dämonen. Ich habe über das Schreiben versucht, mich selbst besser zu verstehen, andere Menschen besser zu verstehen, das Leben an sich besser zu verstehen. Wenn ich schreibe, werde ich gezwungen, meine Gedanken zu ordnen. Das tut mir gut und hilft beim Erkenntnisgewinn. Speziell in der Lyrik ist man gezwungen, an die Essenz einer Situation, eines Gefühls zu gehen und in wenigen, aber besonders gut gewählten, Worten, einem Leser verständlich zu machen, wie etwas sich anfühlt, wie etwas aussieht, wie etwas ist. Ich bin von Natur aus eine Schwaflerin und die Lyrik ist darum eine gute Fingerübung für mich.

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2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …

… dass ich viel zu sagen habe und mir auch nicht den Mund verbieten lasse. Das wirkt anstrengend, aber nur auf die Leute, auf deren Aufmerksamkeit ich ohnehin keinen Wert lege. Ich bin eine Misanthrophin, die meisten Menschen finde ich grauenhaft. Das liegt in meinen Genen, meine ganze Familie ist so.
A propos Familie: In meiner Familie schreibt man. Mein Großonkel Ernst Schnabel war ein bekannter deutscher Autor, der sich unter anderem mit dem Vermächtnis von Anne Frank befasste. Meine Tante ist Autorin, mein Vater war Professor und Autor von diversen Sachbüchern zum Thema Gesundheitswissenschaften. Wir sind allesamt ein verkopfter, spröder Haufen. Früher fand ich es doof, eine von ihnen zu sein, inzwischen finde ich mich unter ihnen ganz gut wieder.
Dunkle Geheimnisse? Pft, habe ich nicht. Doch, klar. Habe ich. Aber die sind mir zu privat. Nur so viel: Ich bin ein politisch denkender und politisch aktiver Mensch. Ich vertrete gewisse Ansichten, setze mich für Frauenrechte und LGBTQ Rechte ein. In beiden Fällen aus eigener Betroffenheit. In meinen Gedichten bin ich allerdings – bisher -wenig politisch. Da geht es mir mehr um zwischenmenschliche Abgründe und emotionale Verstrickungen.

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3. Welche Götter verehrst du?

Ich schreibe nicht nur Lyrik, sondern auch Prosa und bin in verschiedenen Genres unterwegs. Ich verehre J.K. Rowling und finde, sie ist eine grandiose Erzählerin. Auch menschlich berührt mich ihre Geschichte.
Im Bereich Lyrik gehört E. E. cummings zu meinen großen Vorbildern. Ich mag seine klare Sprache, seine Furchtlosigkeit, wenn es um das Anschauen von Emotionen geht, seine komplette Un-Verkitschtheit. Ich mag, wie er die Form seiner Gedichte dazu einsetzt, seine Gedanken auf bestimmte Weise zu betonen. Die Brüche, die er kreiert, um am Ende doch alles zu einem harmonischen Gesamten zusammenzufügen.
Ich mag auch W.B. Yeats, sein „He Wishes For the Cloths of Heaven“ gehört zu meinen Lieblingsgedichten. Und Shakespeare. Natürlich. Er ist ein absoluter Gott. Unerreicht in seiner Genialität, seiner Komplexität und gleichzeitigen Leichtfüßigkeit, mit der er Worte zu absolut genialen Passagen verknüpft.
Ich habe Amerikanistik studiert und bin – neben meiner Autorentätigkeit – Übersetzerin für Englische Sprache. Daher lese ich all diese Autoren grundsätzlich in Originalsprache.
Mein deutschsprachiger Lieblingslyriker ist Gottfried Benn. Ich mag, dass er klar und spröde und teilweise zynisch war.
„Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort.“

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4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

Zu wenig. Bis jetzt. Ich zeige meine lyrischen Texte bisher nur auf Instagram. Deutsche Texte erst seit diesem Jahr unter „ungemachte herzensbetten“, englische Texte schon seit vielen Jahren unter „makeshift girlfriend“.
Ich habe im letzten Jahr ein Best Of der Makeshift Girlfriend Texte zusammengetragen und hatte fest vor, sie in diesem Jahr zu veröffentlichen. Ist bisher nicht passiert und das Jahr ist fast rum. Warum? Kein Geld, keine Zielgruppe, kein Mut? Alles ein bisschen wahr.
Der Kontakt zum Montagslyriker-Projekt ist mein erster Schritt in die Öffentlichkeit, was meine deutschen Texte betrifft. Ich dachte lange, dass ich Lyrik überhaupt nicht auf Deutsch kann. Jetzt finde ich, ich kann schon. Aber ich bin nicht sicher, ob jemand das Zeug lesen will.
Ich folge online diversen englischsprachigen Poetry-Slammern, die ich absolut genial und mutig finde. Ich selbst haben, glaube ich, diesen Mut nicht.
Ein deutschsprachiger guter Poetry-Slammer ist mir noch nicht begegnet. Die, die erfolgreich sind, finde ich unfassbar banal.

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5. Und nun, zeige dich!

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dich lieben

ich will
dich lieben dürfen

doch zu beißt
und kratzt
und schmatzt
denn grad hast du
mein herz verschlungen

stücke rausgerissen mit
ganz spitzen zähnen
blut verspritzt an
alle wände
gleichmut in den augen
große brocken
voller trotz
verschluckt

und nun sitzt du da
triumph im blick
mein roter lebenssaft
trieft dir noch von
den lefzen

bist du
zufrieden jetzt
da du vernichtet hast
was dich
nur zärtlich halten wollte

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ungemach
te herzensbetten
retten vor zuviel
realität
ern die es immer
schön und ordentlich
haben wollen

schön ordentlich
ist eigentlich
ordentlich unschön

es wühlt sich viel besser
und fühlt sich viel besser
an
zwischen den falten
der liebe
zu liegen

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stimmungslage

ich muss mal wieder
raus
aus meiner haut

sie ist mir
allzu
eng geworden

ich fühl mich
eingesperrt
darin

in streifen möchte ich
sie mir
vom leibe ziehen

darunter endlich wieder
platz finden
in mir selbst

genug platz für
tiefe atemzüge
und eigene gedanken

die dort
in ruhe
wachsen mögen

3 Gedanken zu „Montagslyriker 8: Nathalie Schumann_magische Fingerübungen und poetische Buchstabenattraktionen

  1. Schön, das Nathalie und die Montagslyriker sich hier gefunden haben. Schon ihr kluger Gesichtsausdruck machen neugierig auf die Zeilen, die man von ihr erwarten könnte. Und man wird nicht enttäuscht. Nathalie ist auf einem guten Weg, der sie zu viel Bekanntheit, aber zu Buchveröffentlichungen führen möge. Verdient hätten es ihre Arbeiten.
    Alles Gute und viel Erfolg. Vielleicht liest man sich auf Facebook oder Instagram.

  2. Liebe Nathalie
    deine Texte gefallen mir sehr gut. Deinen Blog bei WordPress gibt es nicht mehr, ist das richtig?
    alles Gute und liebe Grüsse
    Brig

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